Zurück zur ersten Liebe: Die Liebe, die wir verloren haben
Predigt

Zurück zur ersten Liebe: Die Liebe, die wir verloren haben

Christopher NorkChristopher Nork
Sonntag, 3. November 2024 · 10:00 Uhr
Offenbarung 2,1-7
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

10 oder von 1 bis 10, wie es um dein inneres Feuer steht – wie würdest du dich da einordnen? Eher ganz abgelöscht, eine 0 oder eine 1? Oder brennst du gerade richtig für etwas, sogar vielleicht auch im Glauben für Jesus? Es gibt ja Zeiten, in denen man merkt, dass das innere Feuer am Ausgehen ist. Es klingt langsam ab. Äußerlich funktioniert man vielleicht noch und alles scheint ganz okay zu sein, aber innerlich – innerlich ist dieses Feuer klein oder vielleicht sogar ganz weg. Und das kann in alltäglichen Dingen sein: wie im Falle eines Berufstätigen, der mit Enthusiasmus vielleicht angefangen hat. Eines Tages sind ja ganz viele, die nach dem Studium ins Berufsleben gehen und dann denken: „Jetzt reiße ich hier die Firma mal richtig.“ Und dann – nach einem Jahr – ist man doch ganz schön abgelöscht. Der Enthusiasmus ist vergangen und das Brennen ist verschwunden. Aber noch schlimmer ist es doch, wenn man eine Partnerschaft hat und merkt, dass man am Anfang voller Leidenschaft war und es nach einigen Jahren irgendwie alltäglich geworden ist. Und am schlimmsten ist es, wenn es das gesamte Leben betrifft: Man fühlt sich äußerlich wie ein Roboter – man funktioniert nur noch, aber innerlich ist man vielleicht nur noch eine Eins oder eine Zwei. Es ist offensichtlich menschlich und auch ganz normal, dass das innere Feuer manchmal zu verlieren ist oder kleiner wird. Und in der Bibel gibt es für diesen Verlust des inneren Feuers einen Ausdruck, der sehr bezeichnend ist: Im letzten Buch der Bibel – in der Offenbarung des Johannes – wird dieser Ausdruck verwendet. Und kurz zum Kontext, weil das Buch der Offenbarung ja meist sehr schwer zu verstehen ist: Johannes empfängt eine Offenbarung von Gott, eine Vision und schreibt diese danach auf. Es ist ein prophetisches Buch, ein visionäres Buch. Und gleich am Anfang empfängt er Botschaften für ganz konkrete Kirchengemeinden – es sind kurze Briefe von Gott an diese Gemeinden, unter anderem an die Gemeinde in Ephesus. Und da wollen wir einmal reingehen in diesen Text: Offenbarung 2,1 bis 7. Ich lese jetzt aus der neuen evangelischen Übersetzung vor und wer seine Bibel dabei hat, der kann gerne mit aufschlagen – Offenbarung 2, Abfers 1: „Schreibe an den Engel der Gemeinde in Ephesus: Der, der die sieben Sterne in seiner rechten Hand hält und zwischen den sieben goldenen Leuchtern umhergeht, lässt dir sagen: Ich kenne dein Tun, deine Mühe und Standhaftigkeit. Ich weiß auch, dass du niemand ertragen kannst, der Böses tut. Du hast die, die sich als Apostel ausgeben, geprüft und sie als Lügner entlarvt. Du bist standhaft und hast viel ertragen, weil du dich zu meinem Namen bekennst und hast nicht aufgegeben. Doch den einen Vorwurf muss ich dir machen: Du hast deine anfängliche Liebe nicht mehr. Denk einmal darüber nach, wie weit du davon abgekommen bist. Ändere deine Einstellung und handle so wie am Anfang. Wenn aber nicht, dann gehe ich gegen dich vor und stoße deinen Leuchter von deinem Platz weg. Doch es spricht für dich, dass du die Taten der Nikoleiden genauso verabscheust wie ich. Wer hören will, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt. Wer den Kampf besteht, dem gebe ich vom Baum des Lebens zu essen, der im Paradies Gottes steht.“ Hier steckt ganz viel Symbolik drin – in den ersten Versen und in den letzten Versen – und auf die gehen wir heute nicht ein. Die Gemeinde wird am Anfang gelobt und dann kommt dieser entscheidende Satz, den wir heute fokussieren: dass sie ihre erste Liebe verloren haben. Es ist vielleicht auch diese Metapher oder ein Symbol dafür – für diesen Verlust des inneren Feuers – und das ist sehr aussagekräftig: der Verlust der Liebe. Ich will euch kurz erzählen, wie ich überhaupt zu diesem Text gekommen bin und was Peter und mich dann auch dazu bewegt hatte, daraufhin eine Predigtreihe dazu zu machen. Es ist schon einige Zeit her, schon paar Monate – da hatten wir in der Gebetssitzung der Gemeindeleitung über eine Weißsagung gebetet. Und in dieser Gebetszeit traf es mich plötzlich: als jemand anders gebetet hatte und er oder sie hat das Stichwort „Zurück zur ersten Liebe“ gesagt – und das hat mich bewegt. Ich habe es dann aufgeschrieben und es bewegte mich auch noch eine Zeit lang danach. Da besprach ich mit Peter, ob wir nicht daraus eine Predigtreihe machen könnten – und siehe da: hier sind wir heute und starten mit der Predigtreihe „Zurück zur ersten Liebe“. Ich glaube, Gott möchte mir und uns etwas auf den Weg geben, damit wir ein inneres Feuer in uns wieder entfachen. Zurück zur ersten Liebe. Ich weiß nicht, wie es bei dir aussieht – aber ich trauere jetzt zum Beispiel nicht meiner Kindergarten-Liebe hinterher. Ich finde es auch nicht so schlimm, dass wir heute keinen Kontakt mehr haben oder sogar schon seit der Grundschule keinen Kontakt mehr haben. Aber hier im Kontext der Johannes-Offenbarung ist der Verlust der ersten Liebe ein riesengroßes Problem: Es ist die Liebe – das innere Feuer für Jesus – das kleiner geworden ist. Und dieser Verlust der ersten Liebe ist ein schleichender Prozess. Man wacht nicht einfach morgens auf und denkt, dass die erste Liebe einfach weg ist. Viel mehr geschieht es allmählich, unbemerkt, in kleinen Schritten. Es kann in alltäglichen Situationen beginnen – indem man merkt, dass das innere Feuer nicht mehr so brennt wie früher. Selbst das Kostbarste im Leben kann schleichend verloren gehen, ohne dass man es sofort bemerkt. Und der Verlust kann in verschiedenen Lebensbereichen auftreten: sei es halt wirklich im Beruf, in der Partnerschaft oder halt auch im Glauben – in der Gemeinde. Man funktioniert vielleicht äußerlich – aber innerlich fühlt man sich dann leer. Oder man weiß noch gar nicht, dass man sich irgendwie leer fühlt, weil man so beschäftigt ist. In der Offenbarung des Johannes wird dieser schleichende Verlust eindrücklich beschrieben: Die Gemeinde in Ephesus, die anfangs voller Leidenschaft für den Glauben war und für Jesus war – wird gewarnt, dass sie ihre anfängliche Liebe verloren hat. Dies ist nicht nur eine Feststellung, sondern ein Aufruf, dass sie darüber nachdenken sollen: Sie sollen sich reflektieren. Es wird gesagt: „Denk einmal darüber nach, wie weit du davon abgekommen bist.“ Der Verlust geschieht oft unbemerkt. Man ist beschäftigt mit den täglichen Aufgaben – mit dem, was man tut und verliert dabei. Dabei verliert man den Fokus auf das Wesentliche: die Beziehung zu Gott und das innere Feuer. So wie wir es vielleicht auch hier eben bei diesem Experiment gesehen haben: erst tut man die kleinen Sachen rein, weil sie offensichtlich erscheinen – weil sie vielleicht auch sich aufdrängen. Und es ist ein schleichender Prozess, der dann beginnt – sich aber tiefgreifend auf unser Leben auswirken kann. Und die Herausforderung liegt darin: diesen Prozess erst mal zu erkennen, bevor es zu spät ist. Der Aufruf zur Umkehr ist deshalb erst mal eine Einladung, die eigene Beziehung zu Gott zu reflektieren und wieder neu zu entfachen. Und dabei ist es nie zu spät – zurückzukehren, das innere Feuer wieder zu entfalten. Aber wie erkennen wir das? Wie gibt es vielleicht so ein paar Merkstellen, wo wir merken: okay, jetzt geht das Feuer vielleicht so ein bisschen aus. Vielleicht habt ihr da schon eine Ahnung. Wie ich eben gesagt habe – ist es schleichend. Aber wie nehmen wir es wahr? Das erste Zeichen kann wirklich die fehlende Begeisterung für Dinge sein, die uns früher Freude bereitet haben: sei es halt das Lesen in der Bibel, das Gebet oder das Engagement dann in der Gemeinde. Und vielleicht merken wir, dass wir weniger Zeit mit Gott verbringen – oder dass unsere Gebete eher Routine sind als eine echte Verbindung, eine echte Beziehung zu Gott darstellen. Und ich finde das manchmal erschreckend: wenn Menschen wirklich mit Enthusiasmus in die Gemeinde kommen, sich vielleicht taufen lassen. Und dann kommen welche und sagen: „Warte mal ab – warte mal ab – der ist ganz schnell wieder abgelöscht.“ Das Feuer ist ganz schnell vergangen. Diese innere Freude, die ihr verspürt, wird – ja – was jemand anderes als normal empfindet: dass man eigentlich, wenn die Routine eintrifft, eigentlich eher nicht so enthusiastisch ist – sondern einfach mehr gesetzt, dass er das dann auch sagt: „Okay, die Zeit wird kommen.“ Aber warum müsste diese Zeit kommen? Warum kann dieser Mensch, der sich für Jesus entschieden hat, nicht in dieser Freude bleiben? Warum müssen wir ihn schon mit so einer Bemerkung ablöschen? Ein weiteres Zeichen ist halt wirklich das Gefühl: wenn wir merken – okay, ich spüre so eine innere Leere in mir. Vielleicht auch sogar eine Entfremdung: „Warum mache ich das hier eigentlich noch alles?“ Und dann funktionieren wir – wie ich eben schon gesagt habe – eher so wie ein Roboter. Es wird einfach nur noch gemacht, ohne wirklich darin aufzugehen und zu leben. Und das ist ein Alarmzeichen. Auch die Abnahme von Freude und Frieden in unserem Leben kann darauf hindeuten: dass wir uns von der Quelle unseres inneren Feuers – also Jesus Christus – entfernt haben, der unsere Freude ja eigentlich in unserem Leben entfachen möchte. Und zusätzlich können wir feststellen, dass wir weniger Interesse vielleicht auch haben an der Gemeinschaft hier unter uns, an Mitgläubigen, an der Gemeinde selbst. Die Verbindung zu Menschen, die uns ermutigen und eigentlich inspirieren sollen – die klingt ab. Und dann werden wir gar nicht mehr mitgenommen in dieser Gemeinschaft. Und das ist entscheidend eigentlich dafür: dass wir geistlich wachsen und dass diese Freude unterhalten wird – ich sag's mal: dass ein neuer Holzspalt in das Feuer geworfen wird. Aber wenn wir das nicht zulassen, dann klingt vielleicht auch diese Freude mit dem Menschen unterwegs ab. Also: Wenn wir uns isolieren, wenn wir nicht mehr uns zu dieser Gemeinschaft zählen – kann dies wirklich auch ein weiterer Indiz dafür sein: dass unser inneres Feuer die Liebe zu Jesus schwächer wird. Und es ist wichtig, das erstmal wahrzunehmen. Erstmal zu sagen: okay, bin ich bei dir, Jesus, oder bin ich nicht bei dir? Und jetzt noch mal die Frage von einer Skala von eins bis zehn: wie würdest du dich heute einschätzen? Um das innere Feuer wieder zu entfachen – ist es wichtig, halt diese Ursachen zu verstehen und auch diesen Verlust zu spüren und wahrzunehmen. Im Brief an die Epheser steht nicht direkt, was sie versäumt haben. Doch aus dem, was sie gemacht haben, kann man erahnen: dass das nicht die Gründe waren – warum ihr inneres Feuer erloschen ist. Sie haben viele gute Sachen gemacht, die Gott auch gelobt hat. Aber es zeigt sich: dass sie zwar aktiv waren – aber etwas Entscheidendes fehlte. Und zwar diese Leidenschaft und die erste Liebe zu Gott. Und dies kann dazu führen: dass selbst gute Werke nicht ausreichen, um das Feuer lebendig zu halten. Das heißt: nur, dass wir hier sind und mitmachen – und vielleicht nur funktionieren – hält die Liebe an Gott nicht fest. Heute stehen wir hier auch vielleicht in Gefahr: in einen Aktionismus zu kommen – der unsere Liebe zu Gott nicht unbedingt anfeuert. Mit all den weiteren Herausforderungen, die wir ja auch im Alltag haben – mit Familie, im Beruf. Und das ist alles Stress. Und diese Überlastung kann dazu führen: dass wir unsere Zeit mit Gott letztendlich vernachlässigen – unsere Qualitätszeit vernachlässigen und die Prioritäten sich dadurch verschieben. Wenn wir uns nicht bewusst Zeit und Ruhe dieser Besinnlichkeit nehmen, wird unser geistliches Leben dann zur Nebensache. Obwohl wir vielleicht sehr aktiv sind nach außen hin. Und wenn wir weiter denken: was kann uns noch daran hindern, zu Gott zu kommen – oder dass das Feuer ablöscht? Es gibt viele Sachen in unserer Gesellschaft – viele Ablenkungen, viele Informationen, viel Unterhaltungsangebot – die uns umgeben. Und Ephesus war eine Stadt, da hat es wirklich geboomt: Da gab es viel zu erleben, da gab es viele Ablenkungen. Und heute sieht es nicht anders aus. Wir können uns ständig mit irgendwelchen Medien berieseln und uns ablenken. Wir können uns bombardieren mit ganz vielen Informationen – und unserer Aufmerksamkeit darauf richten anstatt auf Gott. Und diese ständige Ablenkung kann dazu führen: dass wir diese tiefe Verbindung zu Gott verlieren – und vielleicht dann auch uns selbst. Und es spielen natürlich auch ganz andere Sachen noch eine Rolle: Was hast du in der Vergangenheit auch erlebt an Enttäuschungen und Verletzungen? Wenn wir in unserem Glauben oder in unseren Beziehungen enttäuscht werden, kann unser Vertrauen und unsere Leidenschaft dann auch beeinträchtigt sein. Und dann ist es wichtig: diese Verletzungen auch anzusprechen – wahrzunehmen – und sie dann auch sehsorgerlich anzugehen – damit unser Herz auch wieder heilen kann und dieses innere Feuer, die Liebe zu Jesus nicht erstickt wird. Und schließlich kann es auch ein Versäumnis sein: regelmäßig die Gemeinschaft aufzusuchen. Nicht einfach um da zu sein – sondern um sich ermutigen zu lassen, sich inspirieren zu lassen von den Zeugnissen der anderen Menschen. Wenn wir zusammen über unser Glaubensleben sprechen, dann können wir uns gegenseitig beflügeln. Was hast du in der letzten Woche mit Gott erlebt? Und wenn du dadurch jemand anderen inspirierst und ermutigst – dann ist das sozusagen wie ein Holzspalt, den man ins Feuer wirft. Und ich glaube: das können wir hier in unserer Gemeinde noch viel mehr kultivieren – dass wir miteinander unterwegs sind und uns sagen, was wir mit Gott erlebt haben. Und ich möchte euch zwei, drei Beispiele aus der Bibel noch nennen, wo Menschen auch damit gehadert haben: dass sie eigentlich was gemacht haben oder enttäuscht bzw. verletzt haben – und wie sie dann damit umgegangen sind und wie sie ihr Feuer zurückgewonnen haben. Ein Beispiel ist der Prophet Elia. Der Prophet Elia hat im Alten Testament einen beeindruckenden Sieg über die Propheten des Baals errungen: Und zwar hat er da so einen riesigen Holzscheit aufgebaut, mit Wasser sogar übergossen – und hat gesagt: „Der Herr wird dieses Feuer anzünden.“ Und er hat zum Gott gebetet – und eine riesige Feuersäule ist dann vom Himmel herabgestoßen, hat dieses nasse Holz entzündet – und gleich damit auch die ganzen Baals-Priester. Und danach floh er in die Wüste und wurde depressiv. Er hat etwas Großartiges erlebt – und trotzdem ging er in die Wüste – und er konnte nicht mehr. Und in dieser Geschichte kommt Gott ihm ganz, ganz nah: nicht laut – nicht in großen pompösen Dingen – sondern ganz leise, ganz nah, ganz still mit einem Flüstern. Und das hat ihn wieder aufgebaut – und er hat gemerkt: „Gott ist mir nah.“ Eine andere Geschichte ist Petrus. Petrus ist derjenige von Jesu Jüngern gewesen, der voller Schuld und Scham geplagt gewesen ist – weil er Jesus verleugnet hatte. Und als Jesus wieder auferstanden ist, hatten die beiden eine Begegnung am See Genezareth – und Jesus fragte ihn dreimal: „Liebst du mich?“ Und diese Wiederholung war ein entscheidendes Moment in seinem Leben – und er merkte: „Jesus will in mein Herz einkehren.“ Und daraufhin beauftragte er ihn, seine Schafe zu weiden – und gab ihnen eine neue Perspektive. Er gab ihnen eine neue Mission. Und das sind Geschichten, die uns zeigen: wie man aus dieser Tiefe – da wo es wirklich auch mal abgelöscht gewesen ist – dass man da rauskommen kann. Gott möchte, dass wir auch da rauskommen. Was hast du früher getan, um das Feuer in deinem Herzen zu nähren? Dieses Feuer braucht doch Nahrung. Die Liebe ist nichts, was man einfach so produzieren kann. Glauben kann man nicht einfach produzieren. Aber man kann dieses Feuer der Liebe durch Taten und Entscheidungen nähren. So ist es in jeder Beziehung – auch in deiner Beziehung zu Gott: Das Holz, das das Feuer deiner Liebe nährt, sind Akte, sind Entscheidungen, die du triffst. Der Glaube wird nicht durch Leistung produziert – sondern unsere Entscheidungen sind es, die dieses Feuer dann auch wirklich unterhalten. Wenn Jesus sagt: „Kehr um und tu die ersten Werke“ – dann ist das eine klare Entscheidung. Vielleicht meint er damit auch: dass ihr euch damals voller Eifer von den falschen Götzen abgewandt habt. Aber was ist heute dein neuer Götze? Was steht an erster Stelle in deinem Leben? Es gibt einen schleichenden Verlust der Freude an Gott, wenn wir uns zu sehr auf wirklich Genuss der Welt konzentrieren. Das ist nicht per se schlecht – aber es kann dazu führen: dass wir die Freude an Gott verlieren. Aber die gute Nachricht ist: dass es auch andersherum funktioniert. Wenn du zum Beispiel nicht hungrig bist und jemand mit dir von einem Gericht oder ein köstliches Essen erzählt, dann bekommt man doch manchmal Appetit. Kennt ihr das? Wenn man so einer erzählt: „Was ich gestern köstlich gekocht habe“ – oder wenn irgendjemand erzählt jetzt am Wochenende: „Da hatten wir Gäste und dann haben wir da ein riesengroßes Aufgebot gemacht.“ Und dann läuft einem vielleicht schon mal das Wasser im Mund zusammen. Und so ist es auch mit der ersten Liebe. Sie wird genährt durch das, was wir auch akustisch aufnehmen. Und dann ist die Frage: Was nehmen wir dann akustisch auf? Und dafür können wir uns entscheiden – was wir von Zeit zu Zeit aufnehmen. Die Worte Gottes: Welche Worte Gottes nutzen wir, um unser Feuer, unser inneres Feuer am Laufen zu halten? Denn unsere Gedanken prägen unser Herz. Die Inhalte, die wir konsumieren, bestimmen den Kurs unseres Herzens. Es gibt eine Art von Theologie – die ja nur unser Kopf betrifft – aber das Herz kalt lässt. Und es gibt eine Reihe oder eine Rede über Gott – die unser Herz entzündet und dich zum Beten bringt – die dich anrührt. Und deshalb ist es wichtig zu überlegen: welche Botschaften, welche Inhalte dein inneres Feuer nähren? Was ist es? Denn die Gefahr ist immer da: dass die Liebe erkaltet, wenn wir uns von Gott entfernen. Und wenn du dir keine Zeit für deine Beziehung zu Gott nimmst – kann dir das Kostbarste im Leben schleichend auch geraubt werden. Also lass uns zurückkommen zu dieser einfachen, aber tiefen Wahrheit: Du bist geliebt. Du bist geliebt. Gott hat dich nicht erschaffen, weil er dich brauchte – sondern weil er dich wollte. Und das selbst an Tagen, an denen du vielleicht nichts Besonderes hervorbringst. An Tagen, an denen du denkst: „Heute war ein schlechter Tag.“ An Tagen, wo du fühlst: „Ich habe heute versagt.“ An Tagen, wo du sagst: „Ich fühle mich nicht geliebt.“ Und da bleibt die Wahrheit trotzdem über dir stehen. Du bist ein geliebtes Kind Gottes. Und es ist entscheidend, dass du diese Wahrheit in deinem Herzen auch aufnimmst und sie tief verinnerlichst. Der Weg zurück zur ersten Liebe beginnt damit: dass du dir Zeit nimmst – um einfach da zu sein. Nimm dir Zeit, um zuzuhören, um zu reflektieren und um die Verbindung zu Gott zu suchen. Deine Aufmerksamkeit ist das Kostbarste, was du ihm schenken kannst. Lass nicht zu: dass die Erwartungen der Welt oder auch die Erwartung der Menschen dich ablenken. Priorisiere die Zeit mit Gott über alles andere. Erlaube dir, in seiner Gegenwart zu sein – ohne etwas leisten zu müssen, nichts tun zu müssen. Einfach nur da sein. Und ich lade dich ein: diese Wahrheit in deinem Leben zu verankern und dich daran zu erinnern, dass du radikal und leidenschaftlich von Gott geliebt bist. Lass das Feuer deiner ersten Liebe neu entfachen – indem du regelmäßig auch in die Stille gehst, seine Worte hörst und die Beziehung zu ihm pflegst. Denn das ist es doch, was zählt: Deine Beziehung zu Gott – nicht das, was wir machen. Kehre zurück zu dieser ersten Liebe und erlebe die Freude, die daraus entsteht. Amen.