Ich muss, wie sagt man, eine Quellenangabe machen. Viele Teile der Predigt, zumindest was die Theologie angeht, habe ich von Professor Dr. Hans Joachim Eckstein. Wem das kein Begriff ist und wer sich für Theologie interessiert, der sollte sich den gerne mal angucken. Ein Theologe der alten Schule und viele Teile, gerade was die theologischen Zusammenhänge des Predigtextes heute angeht, habe ich von ihm übernommen. Vielen Dank, Herr Eckstein, dass Sie diese schöne Predigt gehalten haben, an die ich mich anlehnen kann.
Zurück zur ersten Liebe ist die Predigtreihe, in der wir uns befinden. Und diese Predigtreihe lädt uns ein, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und wieder zu erneuern – hin zur ursprünglichen Hingabe und Leidenschaft, die uns vielleicht manchmal verloren gegangen ist.
Klar, das ist eine Predigtreihe, die vor allem Christen anspricht oder für Christen ist, die schon lange mit Gott unterwegs sind. Und ich kenne kaum welche, denen das nicht so geht – dass mal unser Feuer, unser Inneres Feuer nachlässt. Denn jeder von uns kennt sie, diese Momente im Alltag, wo Sorgen, wo Enttäuschungen, die unsere Leidenschaft für Gott dämpfen.
Und Jesus ruft uns immer wieder jeden Tag neu auf, unsere Herzen zu prüfen und für ihn zu entflammen. Und wir sind jetzt in der letzten Predigt heute, dieser Predigtreihe. In der ersten Predigt von Pastor Nork vor zwei Wochen ging es darum, diese erste Liebe wieder zu entdecken. Es ging um diese ursprüngliche Leidenschaft, der Hingabe an Jesus, die wir vielleicht etwas verloren haben. Und Pastor Nork zeigte uns Wege auf, wie wir diesen oft schleichenden Prozess dieses Erlöschens der Liebe auffangen können und wieder auf Jesus zugehen können.
In der zweiten Predigt dieser Reihe von Pastor Unsinn ging es um die Hindernisse, welche sich dieser Liebe zu Jesus oft in unserem Alltag in den Weg stellen. Und Pastor Unsinn zeigte uns Schritte auf, die wir gehen können, damit wir diese Liebe zu Jesus wieder intensiv und fruchtbringend beleben können – wieder in unser Leben hineinnehmen können.
Heute nun soll es gehen um Jesu Einladung an uns zur Erneuerung dieser Beziehung, Jesu Einladung an uns, diese Liebe neu zu entfachen. Und der Predigttext dazu steht in Johannes 21, die Verse 15 bis 19. Aber ich werde noch eine ganze Weile warten, bis ich euch diesen Predigtstext letztlich sage. Denn ich finde, es ist sehr, sehr wichtig, die ganze Vorgeschichte zu diesem Predigtstext zu kennen.
Der Predigttext, ich kann es kurz in zwei Sätzen zusammenfassen: Es geht heute darum, wo Jesus Petrus, nachdem er auferstanden ist, ihm wieder begegnet und ihn dreimal fragt: „Liebst du mich?“ Und es ist ganz wichtig, was davor alles geschehen ist mit Petrus in dieser ganzen Geschichte – der Tod von Jesus am Kreuz für unsere Schuld und auch danach, die Situation, in der sich Petrus befindet, und wie Jesus genau in diese seine Situation ganz maßgeschneidert hineinspricht. Denn ich finde, wir können viel davon lernen.
Es handelt sich dabei um eine sogenannte Wiedererkennungsbegegnung, wo Jesus sich seinen Jüngern zeigt, nachdem er gestorben war, und sie ihn erst mal – wie so oft – erst mal gar nicht erkennen. Die Vorgeschichte dazu, die meisten werden es kennen, die wesentlich ist, ist: Wie Petrus Jesus dreimal verleugnete.
Und das, obwohl er vollmundig vorher vor allen anderen zu Jesus gesagt hatte: „Nein, ich werde niemals von dir abfallen. Wenn alle von dir weggehen, ich werde dir folgen bis in den Tod.“ Das hat er ganz deutlich vor allen anderen gesagt und gesagt: „Mir wird das nicht passieren!“ Aber dann kommt doch diese Situation – und ich lese sie uns in Auszügen aus dem Johannesevangelium 18, Versen 15 bis 27. Die Situation, wie Petrus Jesus verleugnet.
Johannes schildert uns die Situation ein bisschen anders als das in den anderen Evangelien ist – aber ich lese es uns mal. Ab Vers 15: „Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Der andere Jünger war mit dem obersten Priester gut bekannt, deshalb konnte er mit Jesus bis in den Innenhof des Hauses gehen. Petrus blieb draußen am Tor stehen. Der andere Jünger, der Bekannte des obersten Priesters, kam wieder zurück, verhandelte mit der Pförtnerin und nahm dann Petrus mit hinein.“
Die Pförtnerin fragte Jesus: „Bist du nicht auch ein Jünger von diesen Menschen?“ Nein, das bin ich nicht, antwortete Petrus. Es war kalt. Die Diener des obersten Priesters und die Gerichtspolizisten hatten deshalb einen Stoß Holzkohlen angezündet, standen um das Feuer herum und wärmten sich.
Simon Petrus stand noch immer beim Feuer und wärmte sich – da sagten die anderen zu ihm: „Bist du nicht auch einer von seinen Jüngern?“ Petrus erwiderte: „Nein, nein, nein, ich bin es nicht.“ Ein Diener des obersten Priesters, ein Verwandter des Mannes, dem Petrus das Ohr abgeschlagen hatte, sagte: „Ich habe dich auch mit eigenen Augen bei ihm im Garten gesehen.“ Wieder stritt Petrus es ab – und in diesem Augenblick krähte ein Hahn.
Diese Situation hatte Jesus Petrus genauso vorausgesagt – und Petrus hatte das vehement abgeschritten, dass ihm das jemals geschehen würde. Ein kleines Detail dieser Situation, das ihr euch vielleicht merken solltet – weil ich komme da später noch drum herum – ist die Tatsache, dass sie sich wärmten um ein Holzkohlefeuer. Also: Die standen da im Hof und wärmten sich um ein Holzkohlefeuer.
Merkt euch das bitte mal – da kommen wir dann nachher noch einmal drauf zurück. Ja, und Petrus, der ja mal der Fels der Gemeinde wird, ist in dieser Situation schwach. Menschlich schwach und gerät in eine Gefühlslage, in der er Angst bekommt, in der er Jesus verleugnet – im Anbetracht der ganzen Menschen in dem Hof, die alle auf ihn schauen, alle Augen sind auf ihn – und er verleugnet Jesus.
Diese drei Fragen im Hof des hohen Priesters ängstigen ihn auf einmal. Drei Fragen durchkreuzen seinen Todesmut für Jesus – und er streitet ab, zu Jesus zu gehören. Ja, er entrüstet sich sogar lautstark, wie es in anderen Evangelien berichtet wird: „Nein! Jesus, den kenne ich nicht.“
Wie geht es uns damit heute? Haben wir auch manchmal solche Situationen in unserem Leben?
Klar, verleugnen im Sinne tun wir Jesus vielleicht nicht. Aber im Alltag ist es vielleicht manchmal so, dass es Situationen gibt – wo wir ihn bekennen können, wir aber doch ein bisschen Angst haben davor: Was denken die Menschen über mich? Was denken meine Kollegen? Was denken Freunde, die jetzt nicht so viel mit Glauben am Hut haben? Und dann sind wir vielleicht lieber ruhig.
Oder ist es vielleicht einfach so, dass unsere brennende Liebe zu Jesus – die wir anfangs hatten nach einiger Zeit – in den Sorgen und Herausforderungen des Alltags erloschen ist oder sie ist weniger geworden?
Wir haben nicht mehr dieses Verlangen, da rauszugehen und jedem davon zu erzählen. Wir trauen uns nicht.
Ich persönlich: Manchmal schaue ich so abends auf meinen Tag zurück und frage mich: Wo habe ich heute Jesus bekannt? Wo habe ich die Botschaft seiner Liebe weitergegeben?
Und ich schaue zurück – und werde doch ein bisschen traurig, denn ich sehe: Da habe ich nicht so viel geleistet an dem Tag. Ich habe meine Andacht morgens gemacht, war voller guter Dinge, bin in den Tag – aber dann habe ich mein Alltagsprogramm abgespult: Familie, Job – und Jesus hat leider eher eine untergeordnete Rolle gespielt.
Meine brennende Liebe zu ihm war allenfalls ein glimmender Docht den Tag über. Klar, ich versuche so zu leben, wie Jesus uns das vorgelebt hat, mit seiner Liebe im Herzen – und versuche auch so den Menschen zu begegnen. Aber es gelingt mir oft nicht.
Und irgendwie finde ich es tröstlich, dass selbst Petrus – ja, der Petrus, der Fels der Gemeinde – in dieser Situation schwach wird. Er kommt mir so nah. Ich werde ermutigt dadurch, dass auch Petrus schwach geworden ist vor den Menschen in dieser Situation.
Und Gott ist aber ein Gott, der immer wieder neue Chancen gibt. Und darum geht es ja dann auch heute in unserem Predigtext: Wenn ich, wenn du, wenn wir uns von ihm entfernt haben – kommt er immer wieder auf uns zu und lädt uns ein. Lädt uns ein, diese Liebe, die wir mal zu ihm hatten, neu zu entfachen.
Und deshalb gehe ich jetzt immer ein Stückchen weiterhin zu unserem Predigtext. Noch einmal: Das war jetzt noch vor Jesu Tod – die Begebenheit im Hof des Hohen Priesters. Und jetzt: Jesus ist gestorben am Kreuz – ist jetzt die Vorgeschichte zu diesem Predigtext.
Und die Lage für die Jünger erschien hoffnungslos. Jesus war gestorben, das hatten sie so nicht kommen sehen. Jesus hat es ihnen oft gesagt, aber sie haben es einfach nicht verstanden, was er ihnen damit sagen wollte. Sie hatten erwartet, dass er Großes tun würde: sein Reich hier und heute aufbauen – gegen die Römer, alles umkrempeln in der Welt – und dann stirbt er am Kreuz.
Petrus für seinen Teil ist so weit, dass er sich sagt: „Okay, ich fange wieder an zu fischen.“ Er kehrt quasi zu dem zurück, wo er aufgehört hat. Er hatte alles, als er Jesus nachgefolgt ist – das Fischen sein gelassen und ist ihm nachgefolgt.
Und nun ist Jesus tot – und Petrus sagt sich: „Okay, dann gehe ich halt wieder fischen.“ Es ist halt so dumm gelaufen – ja, ich fange wieder an zu fischen und tue das, was ich konnte, was ich kann.
Und genau das tut er dann auch am See Genesaret. Er fährt Genesaret und er fährt hinaus. Und er fängt die ganze Nacht nichts. Und dann auf einmal taucht Jesus am Ufer aus – und sagt ihm: „Er soll die Netze noch einmal auswerfen.“
Aber zu diesem Zeitpunkt haben Petrus oder haben die Jünger ihn noch nicht erkannt, dass es Jesus ist. Er fordert ihn also auf, das Netz auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen.
Und auf einmal – mit Jesus Hilfe – ist da eine Fülle von Fischen. Es ist so voll, dass es eigentlich das Netz normalerweise gar nicht aushält. Aber das Netz reicht nicht, sagt uns die Bibel.
Jesus schafft auf einmal wieder eine Fülle in Petrus Leben, die er vorher nicht hatte. Er hatte vorher gefischt – er dachte: „Ich kann das.“ Aber die Netze waren leer. Dann kommt Jesus und die Fülle ist da. Aber er hat ihn immer noch nicht erkannt zu diesem Moment.
Aber dann, sagt uns der Vers 7 in Kapitel 21: Der Jünger, den Jesus besonders lieb hatte, sagte zu Petrus: „Es ist der Herr.“
Als Simon Petrus das hörte – warf er sich das Obergewand über, band es hoch und sprang ins Wasser. Er hatte es nämlich zum Arbeiten abgelegt.
Da kann man schmunzeln oder typisch Petrus. Da ist er wieder: Jesus – und er gleich vorne weg. „Ich will der Erste sein! Ich warte jetzt nicht mit dem Boot – ihr bleibt hier im Boot, ich springe ins Wasser und ab zu Jesus.“
Er ist wieder Feuer und Flamme. Feuer und Flamme für Jesus.
Viele Situationen, die uns die Bibel über Petrus berichtet, sind genauso für ihn: dass er immer vorne dran sein will – immer an vorderster Front, immer der Erste.
Und dann kommt er ans Ufer – und die Situation, die sich da abspielt in Vers 9, dasselben Kapitel. Da steht: „Als sie an Land gingen, sahen sie ein Holzkohlefeuer mit Fischen darauf – auch Brot lag dabei.“
Sie essen dann gemeinsam – und ich komme jetzt darauf zurück: Es wird im Johannesevangelium explizit erwähnt, dass dort ein Holzkohlefeuer brannte. Ihr erinnert euch: Holzkohlefeuer – das hat auch gebrannt im Hof des Hohen Priesters, explizit ein Holzkohlefeuer.
Und das ist ein Anzeichen dafür, dass Jesus mit Petrus wieder in diese Situation hineingeht, wo er ihn verlassen hat. Er gibt ihm wieder die Möglichkeit, genau dort anzusetzen – und nicht nur das: Das Holzkohlefeuer ist ein Symbol.
Jetzt lese ich uns den Predigtext endlich nach dieser langen Vorrede aus den Versen 15 bis 19 des Kapitels 21 in Johannes. Dort steht:
„Nachdem sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: ‚Simon, Sohn von Johannes – liebst du mich mehr als alle die hier?‘“ Petrus antwortete: „Ja Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“
Jesus sagte zu ihm: „Sorge für meine Lämmer!“
Ein zweites Mal sagte Jesus zu ihm: „Simon, Sohn von Johannes – liebst du mich?“ „Ja Herr, du weißt, dass ich dich liebe“, antwortete er.
Jesus sagte zu ihm: „Leite meine Schafe.“
Ein drittes Mal fragte Jesus: „Simon, Sohn von Johannes – liebst du mich?“
Da wurde Petrus traurig, weil er ihn ein drittes Mal fragte: „Liebst du mich?“ Er sagte zu ihm: „Herr, du weißt alles. Du weißt auch, dass ich dich liebe.“
Jesus sagte zu ihm: „Sorge für meine Schafe!“
„Amen – ich versichere dir: Als du jung warst, hast du deinen Gürtel selbst umgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Aber wenn du einmal alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken – und ein anderer wird dich binden und dich dorthin bringen, wohin du nicht willst.“
Mit diesen Worten deutete Jesus an, mit welchem Tod Petrus eins Gott ehren werde.
Dann sagte Jesus zu ihm: „Komm und folge mir nach!“
Jesus beginnt mit Petrus genau an diesem Punkt, wo er sich von Jesus getrennt hatte – am Holzkohlefeuer. Gibt es das nicht auch in unserem Leben? Situationen, über die wir uns grämen, wo wir wissen: „Wir haben falsch gehandelt.“ Und wir sagen uns immer wieder: „Hätte ich doch nur… Warum habe ich denn nicht? Wieso habe ich das so und so gemacht?“ Diese Situation will uns nicht aus dem Kopf gehen.
Wir haben falsch gehandelt, wir haben ein schlechtes Gewissen – und das belastet uns. Wir machen uns selber Vorwürfe – aber das ist nur menschlich.
Und das Schöne ist: Jesus weiß darum. Er weiß darum bei Petrus – und er weiß darum bei dir und bei mir. Er weiß, wie wir funktionieren.
Und auch wenn das für Jesus vielleicht nicht so ein Problem ist, für Petrus ist das ein Riesenproblem. Jesus kennt Petrus – und eigentlich müsste er dieses Programm mit ihm gar nicht abspulen. Aber Petrus braucht das – und so auch wir in manchen Situationen unseres Lebens.
Folgerichtig fragt Jesus Petrus am Holzkohlefeuer dann auch dreimal: „Liebst du mich?“ Er gibt ihm also die Möglichkeit, das, was er dreimal falsch gemacht hat, nun wieder dreimal richtigzustellen. Wieder da anzusetzen – wieder in diese Situation hineinzugehen, sie zu wiederholen und mit einem anderen Ergebnis hinauszugehen.
Und nicht nur das: Als Petrus seine Liebe beteuert, gibt Jesus ihm auch einen neuen Auftrag: „Weide meine Lämmer!“ Das ist so, so empfinde ich – dass Jesus ihm sagen will: „Du, ich brauche gar keine perfekten Jünger. Ich brauche überhaupt keine perfekten Nachfolger – sondern ich brauche dich, so wie du bist, in deiner Schwäche.“
Und Jesus stellt sogar Petrus und da versucht er ihn ein bisschen zu provozieren – sagt man heute in neuem Deutsch: Ihn ein bisschen herauszufordern. Wo er das erste Mal ihn fragt, sagt er: „Liebst du mich mehr als alle diese?“ Also so ein typischer Petrus, der hätte dann gesagt: „Jaja klar! Ich mach das mehr als alle anderen – mehr! Ich bin vorne dran – ich bin Nummer eins.“
Und er fragte ihn: „Liebst du mich mehr als alle, die mich hier lieben?“ Auch da sagt Petrus wieder: „Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Und er reagiert gar nicht mehr auf diese Mehrfrage. Petrus ist etwas gesetzter geworden. Er weiß, dass er einmal schon von ihm abgefallen ist. Er weiß, dass er im Hof des Hohen Priesters Jesus nicht von ganzem Herzen geliebt hat – sondern er ist vor Scham weggelaufen.
Und ich finde einmal mehr: Dass Petrus hier so sympathisch ist. Er holt mich so ab in seiner Schwäche. Auch ich darf – auch du darfst – wir dürfen schwach sein vor Jesus. Ja, noch viel mehr! Jesus sagt uns: „In deiner Schwäche kann ich dich gebrauchen – nicht in deiner Kraft, wenn du überzeugt von dir bist und ach, ich kann das alles.“ Nein, dann brauchst du Gott nicht – sondern in deiner Schwäche kann ich dich gebrauchen.
Ich weiß darum, dass du von mir abgefallen bist. Aber du musst dich nicht an den anderen abbearbeiten. Du musst dich nicht vergleichen: Ob du besser oder schlechter bist – sondern es geht um die Beziehung zwischen dir und mir, sagt er ihm. Es geht nicht darum, was die anderen über die Beziehung denken.
Und so ist dieser Akt – ein Akt der Vergebung durch Jesus – eine Handreichung, die Petrus sagen will: „Ich kenne dich, ich kenne dein Herz – und ich weiß um deine Ängste und Schwächen.“ Und das gilt auch dir und das gilt auch mir. Petrus ist eher ein typischer Jünger.
Ich habe es mehrfach gesagt, ich wiederhole mich da ganz bewusst: Und nicht ein perfekter Jünger. Und es ist ein Glück, dass Petrus so ist, wie er ist. Seine Menschlichkeit – gerade im Glauben – macht uns Mut, dass auch wir für Gott wirken können in dieser Welt – auch wenn wir nicht perfekt sind, auch wenn unser Glaube hier und da schwach ist.
So können wir uns an Petrus anlehnen, denn Jesus liebt ihn und uns – und er beruft ihn dann trotz allem als Fels der Gemeinde.
Wie geht es dir? Wie geht es uns damit – mit diesem Gefühl schwach zu sein, mit diesem Gefühl, wo unser Feuer nicht mehr so brennt für Jesus?
Oft sind wir vielleicht eher versucht, uns Vorwürfe zu machen. Wir werden traurig: Dass unsere Liebe nicht mehr so lichterloh brennt. Am Ende fühlen wir uns sogar ausgebrannt.
Die Fülle, die Gott uns gibt – lässt unsere Netze reißen und überlastet uns. Und wir fühlen uns dem Ganzen nicht mehr gewachsen. Und wir sind versucht: Zu dem zurückzukehren, was wir gut kennen. Der Weg mit Gott will uns immer herausfordern, will uns immer an unsere Grenzen führen – und manchmal reißen dann unsere Netze – und dann gehen wir lieber drei Schritte wieder zurück zu dem, was wir gut kennen: Zu dem, was wir gut können.
Aber Jesus ist trotzdem da – gerade in diesen Momenten der Schwäche. Er hat uns einen Heiligen Geist gegeben, der unsere Herzen bewegt, der unser Verlangen weckt, Gott wieder nah zu sein – ja ihm wieder näher zu sein.
Und nochmal wichtig dabei: Ich wiederhole mich – ist die Anerkennung unserer eigenen Schwäche. Denn nur so kann dich Jesus gebrauchen. Jesus kann dich nicht so gut gebrauchen, wenn du stark bist und denkst: „Ich schaffe das alles.“ Nein – sondern wenn du schwach bist und Jesus es hinlegst und sagst: „Mach du das jetzt!“ Und er setzt auch bei uns – genauso wie bei Petrus – genau in den Situationen an, die uns belasten. Er holt uns wieder ganz genau da ab, wo unser Problem ist.
Er macht uns dieses Angebot jeden Tag neu. Es ist maßgeschneidert, was Jesus dort für Petrus tut. Genau in diese Situation am Holzkohlefeuer stellt er ihm dreimal die Frage.
Und vielleicht hast auch du – vielleicht habe auch ich so ein Holzkohlefeuer in unserem Leben: Etwas – eine Situation, wo wir denken: „Okay, da haben wir nicht so die Liebe zu Jesus beteuert. Da haben wir nicht so Feuer und Flamme im Glauben, wie wir das sonst waren.“
Und wie finden wir da zurück zu Gottes Nähe? Wie kann diese Liebe neu entfacht werden? Wie finden wir zurück zu dieser Leidenschaft und Hingabe für Jesus?
Es ist nun mal leider nicht so: Dass morgen – wenn du aufstehst – dir Jesus leibhaftig gegenüberstehen wird. Wahrscheinlich, also das kann durchaus passieren – es ist nur eher unwahrscheinlich, dass Jesus dir dann leibhaftig gegenübersteht und dir ins Gewissen redet.
Wir haben heute andere Möglichkeiten, andere Mittel in unserem Alltag: Die uns sagen, dass Jesus trotzdem da ist. Die uns sagen, dass Jesus uns einlädt, diese Beziehung zu ihm zu erneuern. Aber wir müssen uns aufraffen – und selber zu ihm hingehen. Wir müssen aufstehen.
So wie Petrus – er ist direkt ins Wasser gesprungen und ab zum Herrn. Sind wir auch so? Also ich für meinen Teil manchmal nicht: Ich warte lieber ein bisschen und gucke mir das erst mal an, bevor ich ins kalte Wasser springe und los schwimme zu Jesus – egal was da passiert.
Und Jesus fragt dich, fragt mich jeden Tag neu: „Liebst du mich?“ Und auch wenn wir diese Frage vielleicht nicht in jeder Situation in unserem Leben mit einem tiefen, aus der Tiefe und aus dem Inneren kommenden Ja beantworten können – müssen wir uns nicht grämen, müssen wir nicht traurig sein.
Denn Jesus kennt dich. Er kennt mich. Er weiß um unsere Schwächen – und eigentlich brauchen wir ihm gar nichts zu sagen: Weil er kann bis auf unser Herz, bis in die tiefsten, auch vielleicht nicht so schönen Ecken unseres Herzens hineinblicken.
Er kennt dich, er kennt mich durch und durch. Kennt die Schwäche – und kennt vor allem deinen Weg, den er mit dir gehen möchte.
Ich sage es nochmal: Er braucht keine perfekten Nachfolger – sondern er liebt dich in deiner Schwäche. Und er möchte, dass du ihm diese Schwäche hinlegst, dass du auf ihn vertraust in dieser Schwäche und dich von ihm neu erfüllen lässt.
Dazu müssen wir immer einigen Platz in unserem Herzen einräumen für den Heiligen Geist. Und gerade diese Schwäche macht Platz. Anerkennen dieser Schwäche macht Platz für den Geist in unserem Herzen – macht Platz dafür, dass sich unser Blick auf die Situation in unserem Leben ändert: Die uns vielleicht nicht so gut vorkamen.
Zeigt uns, dass das vielleicht genau der Weg ist, den Gott – den Jesus mit uns gehen will.
Für mich ist das oft leider auch ein Merkmal dessen, woran ich merke, dass Gott mit mir unterwegs ist: Wenn das Sachen sind, auf die ich gar nicht so eine Lust habe. Sachen, wo ich eher sage: „Boah, nee – also das jetzt lieber nicht.“ Ich mache mal lieber das, was ich gut kann – das, was ich möchte.
Gott fordert uns, wenn wir mit ihm unterwegs sind, immer neu heraus. Und er wird immer wieder fragen und dir immer wieder neu die Möglichkeit geben, seine Liebe zu ihm zu bekennen.
Und ich wiederhole mich auch da: Es gibt Momente, in denen man das nicht aus vollem Herzen mit Ja beantworten kann. Aber das ist nicht schlimm – lege das vor Gott hin. Sag ihm, dass es dir leid tut, dass du gerade nicht so voll und ganz mit Ja diese Frage beantworten kannst.
Und bitte ihn darum: Dass er dein Ja wieder erneuert in deinem Herzen.
Und darin segne uns und beflügel uns Gott – dich und mich – dass wir diese Situation der Wiedergeburt mit Jesus erkennen, sie annehmen – auch wenn sie schmerzhaft und unbequem sind. Und zu einem neuen Ja zur Liebe Gottes zurückfinden.
So helfe uns Gott. Amen.