Im Namen Jesu begrüße ich euch zur Predigt.
Wer von euch, die jetzt noch hier seid, hat schon mal im Lauf seines Lebens an so einem Weihnachtspiel, Krippenspiel- Theaterstück vor Weihnachten teilgenommen? Zeigt mal. Ja, das ist doch eine ganze Menge. Die Kinder haben das wirklich toll gemacht.
Wer sich an diese Zeiten erinnert, der weiß, wie das ist, so in diesem Alter vorne alleine mit einem Mikro zu stehen und ein Solo zu singen oder einen Text alleine zu sprechen. Das ist wirklich eine tolle Leistung. Und ich finde, auch musikalisch haben die das heute super rübergebracht.
Es gibt ja oft so Krippenspiele, da hat man dann so einen ganz zaghaften Chor, aber die kamen heute richtig gut auch mit Begeisterung rüber.
Noch mal einen herzlichen Dank an alle Mitarbeiter, die noch da sind. Und wenn ihr nachher dann eure Kinder und Enkel noch mal seht, dann lobt sie noch mal ausführlich und ausdrücklich. Das ist ganz wichtig, dass die hinterher auch hören, wie gut und wie toll sie das gemacht haben.
Ja, ich soll euch als erstes mal Grüße ausrichten von unserem Hauptpastor Christopher Nork. Den hat gestern die Magen-Darm-Grippe oder irgendwas Vergleichbares dahin gerafft und flach gelegt und von daher bin ich eingesprungen.
Mein Name ist Peter Unsinn. Ich bin der Pastor für die, die 60 plus sind. Die Predigt heute daher etwas anders. Es wird keine Präsentation geben, es gibt auch kein Predigtskript zu mitnehmen. Also heute müsst ihr einfach mal voll konzentriert bei der Sache sein, weil ihr es hinterher nicht nachlesen könnt.
Das Stück der Kinder, der Reporter hat ja zusammengefasst, um was ging es da eigentlich. Der Reporter sagte: „Essen, Trinken und Geschenke sind nur die Verpackung von Weihnachten. Das Entscheidende ist, dass Jesus mitten in das Leid und Chaos unserer Welt gekommen ist. Er macht den Weg zu Gott frei.“
Und es ist ja tatsächlich so: Egal in welcher Konfession wir leben, Jesus ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens.
Und selbst die Namen, die ihm gegeben wurden, sind bereits Programm für das, was er ist. Der Name, der wahrscheinlich am bekanntesten geworden ist, Jesus, ist ja abgeleitet vom hebräischen Jeshua und das bedeutet: „Der Herr ist heil“ oder auch „der Herr ist Rettung.“
Und hunderte von Jahren vor Jesus kündigte der Prophet Jesaja Jesus mit den Worten an:
„Die Jungfrau wird schwanger werden, einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben.“
Und auch das ist Programm. Immanuel bedeutet nämlich „Gott mit uns“ oder eben auch „Gott ist mit uns“. Dass Gott mit uns ist, das wird ja immer wieder in Frage gestellt und durchaus auch zu Recht, wenn wir verrückte Zeiten – wie wir sie momentan haben – anschauen.
Aber das ist nicht nur in unserer Zeit so. Dass wir uns manchmal fragen: „Ist Gott mit uns? Ist er mit dieser verrückten Welt?“ Das war für die Leute damals nicht anders. Auch dort gab es Ungerechtigkeit, es gab Habgierige, Mächtige, es gab wenige, die viel zu reich waren und viele, die viel zu arm waren.
Also auch als Jesaja gesagt hat: „Da kommt der Gott mit uns“, war es bereits eine verrückte Zeit. Das Volk Israel hatte damals bereits die Hälfte seines Territoriums verloren an eine Großmacht der damaligen Zeit – die Assyrer. Und für die Leute, die im verbliebenen Teil des Landes waren, für die gab es wenig Hoffnung.
Sie hatten eine intern kaputte staatliche Situation, sozial kaputte Situation und sie hatten die Feinde direkt an den Grenzen. Die Assyrer waren bekannt für ihre Skrupellosigkeit und Grausamkeit.
Und trotzdem prophezeit Jesaja mitten in diese krasse Situation auch damals hinein – wie so ein Konzentrat von Hoffnung – vier Namen, die er für den ersehnten Messias hört. Und er fasst das zusammen in Jesaja 9,5:
„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ist auf seiner Schulter und er heißt Wunderrat, Gottheld, Ewigvater, Friedefürst.“
Jeder dieser vier Namen des Messias beschreibt sozusagen entscheidende Wesenszüge des Messias und damit Jesu.
Wir haben schon die letzten beiden Sonntage hier über zwei dieser Namen nachgedacht: einmal den Namen „Wunderrat“ und den Namen „Gottheld“. Und wir haben gehört, was aus diesen Namen sozusagen an Wesen Jesu oder an Hoffnung und Lichtblicken für uns rausblitzt.
Heute soll es um die Bezeichnung Jesu als des Ewigvaters gehen. Das heißt im hebräischen Aviad – das sind sozusagen zwei verbundene Wörter:
Da ist einmal das Wort Ab oder Av drin, das bedeutet Vater – einfach im Sinn von Verwandtschaft – aber es ist auch ein Ausdruck für eine Wertschätzung einer Person. Zum Beispiel konnten Fürsten oder Könige auch mit diesem Wort Av angeredet werden.
Aber dieser Begriff konnte auch heißen: nicht nur Vater, sondern Urheber, Wohltäter, Versorger, Lehrer, Ratgeber.
Und der zweite Begriff, der drinsteckt – Ad – das kann mit Ewigkeit, mit unbegrenzte Zukunft oder eben mit dem Substantiv „Ewig“ übersetzt werden.
Wie übersetzen denn eigentlich jetzt die verschiedenen Bibelausgaben Deutsch und Englisch dieses zweifache Wort aus dem hebräischen Aviad?
Also da gibt es die Übersetzungen: Ewigvater, Ewiger Vater, Vater der Ewigkeit, Vater in Ewigkeit, Vater für alle Zeit.
Die englischen Bibeln übersetzen: everlasting father, the everlasting father, father who lives forever. Also immer wieder taucht im Grunde genommen der Begriff des Ewigen oder der Ewigkeit und des Vaters auf.
Wie im Deutschen – wenn wir „Ewig“ oder „Ewigkeit“ hören – dann denken wir zuerst im Grunde genommen glaube ich immer einfach an die zeitliche Dimension. Also: Ewig, das ist eben unendlich viel Zeit, die nie endet.
Wird „Ewig“ oder „Ewigkeit“ aber in der Bibel verwendet, dann ist es nicht sozusagen die erste zentrale Bedeutung. Sondern „Ewig“, das kann zum Beispiel die Perspektive oder die Werte oder des Wesen Gottes beschreiben.
„Ewig“ beschreibt auch so was wie die Lebens- und Daseinsqualität, die es bei Gott gibt. Ewiges Leben ist also nicht in erster Linie ein endloses zeitlich unbegrenztes Leben – sondern es ist ein Leben, das von Gott, seinem Wesen, seiner Wirklichkeit geprägt ist.
Das heißt: Es ist ein Leben ohne Sünde, ohne Tod, ohne Krankheit, ohne Leid, ohne Krieg, ohne Machtmissbrauch, ohne Widersprüche, ohne irgendwelchen ungelösten Fragen – und es ist stattdessen ein Leben in Gottes Gegenwart. Das ist Ewig.
Ein Leben in Fülle – das ist Ewig.
Ein Leben in umfassenden Frieden und Gut und Wohlsein – das ist Ewig.
Vollkommenes Leben.
Man könnte auch sagen: Ein Leben, das nie langweilig wird.
Manche stellen sich ja den Himmel oder Gottes Gegenwart irgendwie voll langweilig vor. Aber nein, das Gegenteil. Ewiges Leben ist ein Leben, was nie langweilig sein wird – nie unbefriedigend.
Ich glaube, dass das auch heißen wird: Dass es immer neue Entdeckungen bei Gott geben wird und eben dass das alles umfasst:
Den Kosmos, die Zeit, alle Geschöpfe, alle Beziehungen, alles was wir gestalten können – alle Formen, alle Farben, alle Energie, alle Klänge, alle Düfte – alles was fühl- und wahrnehmbar wird perfekt vernetzt sein, zusammenpassen und harmonieren.
Das ist Ewig. Und das ist Jesus, wenn von ihm als dem Ewigvater gesprochen wird.
Warum kann eigentlich von Jesus gleichzeitig als vom Ewigvater gesprochen werden? Was hat Jesus mit diesem Vater im Himmel zu tun?
Er sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ Oder noch zugespitzt – da formuliert er: „Ich und der Vater sind eins.“
Jesus, das Kind im Stall geboren, ist gleichzeitig der Messias am Kreuz gestorben. Er ist der Erlöser hinabgestiegen ins Reich des Todes. Er ist der Messias, der auferstanden ist von den Toten – und er ist untrennbar verbunden mit dem Vater.
Und auch was Jesus von seinem Wesen ist, ist – wie er sagt – eben untrennbar mit dem Vater verbunden: „Wir sind identisch.“
Was verkündet denn Jesus? Er verkündet und zeigt einen Vater, der ist vollkommen. Er ist voller Liebe, er ist Barmherzigkeit, aber auch Gerechtigkeit.
Jesus malt einen Vater vor Augen, der gerne schenkt und gerne vergibt – und der heile Beziehungen stiftet. Er zeichnet einen Vater, für den es keine Grenzen gibt, der stärker ist als alles Böse, stärker als alles Ungerechte, stärker als alles, was widersprüchlich oder missbräuchlich oder Sünde ist.
Und er zeichnet einen Vater, der Vollkommenes neu schaffen wird in allem – ein Reich voller Möglichkeiten, voller Herausforderungen.
Und das fasst Jesaja zusammen in diesem: „Das Kind, das uns geboren ist, der Sohn, er wird Ewigvater heißen.“
Nun haben wir, wenn wir von Vätern oder Müttern hören – natürlich auch unsere Väter und Mütter vor Augen. Und die sind natürlich nicht ewig.
Im Bezug zur Zeit werden sie alt, sie sterben.
In Bezug auf ihr Wesen, ihre Beziehung zu uns, was sie uns als lebenswert vermittelt haben: Haben sie denke ich bei vielen von uns etwas von Gottes Lebensqualität tatsächlich geprägt – und was von Ewigkeit in unsere Herzen reingelegt.
Vielleicht haben viele von uns hier Eltern gehabt, die ein erfülltes, ein authentisches Leben gezeigt. Ein Leben, was voller Möglichkeiten, Gestaltungsmöglichkeiten und Herausforderungen war.
Und bei manchen von uns hat die tiefe Liebe, die Eltern hatten, einen festen Lebensgrund gegeben – weil sie barmherzig vielleicht waren oder auch klar und gerecht.
Aber natürlich haben Eltern in uns auch das Gegenteil sozusagen von ewiger Lebensqualität in uns geprägt. Viele oder manche hatten vielleicht Väter und Mütter, deren Liebe konnte man sich eben nicht sicher sein – weil man nie irgendwie gut genug war.
Oder vielleicht auch Eltern, Väter, Mütter, die unberechenbar waren: mal voll verwöhnender Liebe und dann wieder irgendwie in unverständlichen Zorn uns gegenüber.
Oder Eltern auch manchmal, die man nicht einschätzen konnte – wo das irgendwie diffus war. Und man merkte irgendwas ist im Busch – und man schlich irgendwie so auf Zehenspitzen durch die Familie, weil man nicht wusste: Was ist eigentlich los? Und hat versucht nur ja nichts falsch zu machen.
Wenn jetzt von Jesus, dem Ewigvater gesprochen ist, der uns diese ewige Lebensqualität sozusagen zugänglich macht – dann denke ich sind da zwei Dinge drin:
Es ist meines Erachtens drin das, was Eltern eben unvollkommen gemacht haben. Wo sie Dinge in uns gelegt haben, die nicht sozusagen diese ewige Lebensqualität hatten.
Da bietet Jesus an: Diese Dinge mit uns anzusehen – sie in Vergebung, in Heilung, in Erneuerung reinzubringen.
Aber gleichzeitig eben auch: Wo wir liebevolle Eltern hatten, die schon ein Hauch Ewigkeit in uns gelegt haben. Da sagt Jesus: „Komm! Lass das, was deine Eltern schon gelegt haben – und lass es entfalten zur vollen Blüte dessen, was ewiges Leben ist.“
Nun sind wir alle erwachsen. Unsere Eltern, wir leben eigenständig von unseren Eltern. Die Eltern sind vielleicht sogar schon tot. Und wir haben schon lange begonnen in Eigenverantwortung zu leben und zu entscheiden.
Und auch hier gilt uns diese Lebensqualität – egal wie der momentane Zustand von unserem Leben ist oder auch egal wie unser Lebensweg gewesen ist:
Egal ob wir an Punkten an Kämpfen sind, wo wir zu enge Grenzen immer noch leben. Wo wir immer noch uns mit unerfüllbaren Herausforderungen quälen – oder andere mit unerfüllbaren Erwartungen quälen.
Oder auch: Wo wir wissen, da habe ich Dinge einfach schlichtweg falsch gemacht, das war verkehrt – es war das, was Jesus Sünde nennen würde.
Oder eben auch: Wenn es um Dinge geht, die in uns schon lebendig sind und schon herangereift sind. Die Gottes Wesen schon entsprechen und dem Ewigvater Freude machen – dann ist es genauso:
Dass Jesus sagt: „Komm! Auch diese Dinge, ich nehme dich an die Hand und ich gehe mit dir, dass sich das entfaltet und zur vollen Blüte kommt.“
Ein Gedanke: Wie kann sich denn diese ewige Lebensqualität in uns entfalten? Diese Qualität des Ewigvaters?
Jesus hat – finde ich – ganz viele Möglichkeiten mit Worten und mit Taten beschrieben, wie wir uns auf den Weg machen können, dass sich dieses ewige Leben in uns entfaltet.
Aber ich greife einfach mal einen Satz heraus aus einer der, finde ich, besten Geschichten, die Jesus erzählt hat. Die – finde ich – passen zu dieser Frage nach dem ewigen Leben und auch unserem Leben, wo wir gerade stecken, sehr gut:
Vielen von euch bekannt: Die Geschichte von den zwei Söhnen und dem Vater.
Ein Sohn, bei dem das Leben definitiv erstmal entgleist war und in die falsche Richtung ging. Und dieser Sohn kommt an den Krisenpunkt seines Lebens – und da heißt es über ihn:
„Da ging der Sohn in sich und sprach: Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter Essen in Fülle, aber ich komme hier vor Hunger um. Ich will mich aufmachen, zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und gegen dich.“
Ich kann jetzt nicht in eure Herzen schauen – es sei denn der Heilige Geist würde mir direkt was eingeben, wenn ich jemand von euch anschaue.
Ich kann nicht sehen. Bei manchen kann ich es erahnen: Was an Begabungen, an Fähigkeiten, an Leben, was schon gereift ist, an Heiligung oder an Berufungen ist – die nur darauf warten, dass sie von Gott entfaltet werden.
Ich weiß nicht, wo ihr das Gefühl habt vor innerem Hunger umzukommen – so wie es dieser Sohn beschreibt. Bei Gott ist Fülle – aber ich habe den Eindruck: Bei mir ist nur Mangel innerlich, ich komme vor Hunger um.
Ich weiß nicht, welche Wege ihr gegangen seid, die vielleicht nicht ewige Lebensqualität hatten – sondern die Leben eher geraubt haben oder verunmöglicht haben. Aber egal wo ihr seid:
Ob ihr sagt: Innerlich ist bei mir ein Riesenloch und Hunger, der nicht gestillt ist.
Oder innerlich: Da brennt es in mir, mit Gott weiterzugehen.
Für beide Situationen ist der entscheidende Anfang: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.“
Und dann beginnt dieser Sohn mit diesem Vater zu reden – macht er dann ja auch, als sie ihn wirklich sieht. Und macht das Gleiche:
Macht euch auf zu Jesus! Kommt vor ihn und fangt an mit ihm zu reden über eure Lebenssituation, über das, wo ihr das Gefühl habt: Da ist nur ein großes Loch in mir – in einem bestimmten Bereich von meinem Leben.
Oder wo ihr das Gefühl habt: Da brennt massiv in mir. Vater im Himmel! Aber ich weiß nicht: Wie kann es zur Entfaltung, zur Blüte kommen?
Oder ihr kommt vielleicht und sagt: „Jesus, mein Gefühl ist ein Gefängnis von Anforderungen und von Erwartungen – die ich an mich selber stelle und die ich auch an andere stelle.“
Vielleicht seid ihr auch in der Situation, dass ihr euch noch nie bewusst an Jesus gewandt habt. Und auch erstmalig jetzt in dieser Weihnachtszeit einfach zu ihm kommt und sagt:
„Jesus! Ich habe das Theater Spiel gesehen – mein Kind oder mein Enkel hat vielleicht mitgespielt. Aber eigentlich habe ich so kein Draht zu dir.
Ich bitte: Ich komme in mein Leben, fang an zu mir zu reden, an mir zu handeln.“
Egal ob ihr brennend für Gott seid oder ob ihr sagt: Irgendwie Sackgasse und Loch im Leben – das Entscheidende wird immer sein:
Ob ihr euch aufmacht zu Jesus, dem der die Qualität ewigen Lebens euch bringt.
Und ich lade euch ein. Ich werde jetzt noch mal beten – und wer will, kann sich da mit seinem Gebet einklinken.