Lichtblicke
Predigt

Lichtblicke

Peter UnsinnPeter Unsinn
Sonntag, 8. Dezember 2024 · 10:00 Uhr
Jesaja 9,5
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

Liebe Geschwister, im Namen Jesu begrüße ich euch herzlich zur Predigt. Ich freue mich sehr, Marion auch, nach dem Urlaub wiederzusehen. Das ist wirklich ein Vergnügen und eine Freude fürs Herz. Ich hoffe, es geht euch umgekehrt auch so. Ja, Lichtblicke, Stärke für das Leben – so das Thema von heute. Wer von euch würde sagen: „Ich brauche keine Stärke fürs Leben“, einfach mal melden? Mal gucken – nein, meldet sich keiner. Also demnach scheint entweder jeder von euch Stärke fürs Leben zu brauchen, oder ihr habt gedacht: „Na, ich brauche das nicht, aber ich melde mich lieber nicht, sonst kommen die alle zu mir und wollen dann wissen, wie das funktioniert.“ Wir haben bereits zwei kleine Zeugnisse gehört: von der Petra, wie sie Gottes Stärke körperlich erlebt hat – wo eigentlich nach irritierten Ärzten Entzugsentscheidungen hätten auftreten müssen – und von der Natascha, wie eine Prüfungsangst dann durch Gebet vollkommen von Frieden erfüllt worden ist. Und dass wir Stärke brauchen oder dass wir auch mit Ängsten oder mit inneren Beklemmungen ringen: Das ist nicht nur etwas, was uns so geht, sondern auch unsere – sozusagen – Vorgeschwister in der Bibel haben das Gleiche erlebt. Ein Mann, Paulus, hat das in besonderer Weise erlebt – zum einen, weil er von außen ganz massiv angegriffen wurde und ihm Schwäche vorgeworfen wurde; und dass doch viel stärker und vollmächtiger als Apostel wären – aber eben auch, weil er eine körperliche Schwäche hatte, die er selber wie eine dämonische Attacke erlebte. Und er sagt dann: „Ich habe Gott dreimal gebeten, sozusagen diese dämonischen Attacken von mir zu nehmen.“ Er bekommt auf seine Bitte um Befreiung folgende Antwort von Gott: „Du brauchst nicht mehr als meine Gnade, denn meine Kraft ist gerade in den Schwachen mächtig“ – so in 2. Korinther 12. Stärke für unser Leben kommt zumindest nach dieser Antwort zuallererst mal durch die Gnade Gottes und diese Gnade wirkt Stärke trotz unserer Schwäche oder gerade in solchen Momenten, wo wir Schwäche erleben. Und Paulus zieht aus dieser Antwort, die Gott ihm gibt, jetzt noch einen persönlichen Schluss: Er sagt: „Deshalb trage ich meine Schwäche gern, weil dann die Kraft von Christus auf mir ruht.“ Wie wäre es denn, wenn wir das mal in den Plural setzen würden? Wie so ein Leitsatz für die Kultur hier in der Gemeinde – wie wir miteinander umgehen. Ich habe das mal versucht: „Wir tragen unsere gemeinschaftlichen und wechselseitigen Schwächen gerne und bauen auf Gottes Gnade, weil dann die Kraft von Christus auf uns ruht.“ Das wäre doch mal ein wirklich nachdenkenswerter Satz für das Miteinander in unserer oder anderen Gemeinden. Eine Gemeinde, auf der die Stärke Christi ruht und die Gnade Gottes – weil sie mit Schwäche umgehen kann: Sowohl mit der persönlichen als auch mit der, die uns in so einer Gemeinde begegnet. Dahinter taucht natürlich so ein bisschen am Horizont eine Frage auf: „Wollen wir denn diese Stärke Christi wirklich haben?“ Wollen wir – wie es eine Predigtreihe in diesem Jahr formuliert hat – auch an diesem Punkt Christus ähnlich werden? Christopher, unser Hauptpastor, hat uns für diese Predigtreihe „Lichtblicke“ sozusagen ein Konzentrat über das Wesen Christi zugemutet. In einem Vers vier Beschreibungen: Was ist das Wesen Christi? Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Er heißt Wunderrat, Gottheld, Ewigvater, Friedefürst. Letzten Sonntag hat Christopher über den Wunderrat Christus als den Wunderrat gepredigt. Heute geht es um das zweite Wesenskonzentrat, das hier genannt wird: Christus als der Gottheld. Ist schon so ein bisschen ein sperriger Begriff und geht sprachlich nicht so ganz leicht runter. Und mit Helden haben wir es heute vielleicht in Romanen, in Comics, in Movies – „Gladiator 2“ zum Beispiel momentan – oder ebenso am rechten Spektrum unserer Gesellschaft zu tun. Die es auch mit den Helden eher haben. Diese sperrige Übersetzung „Gottheld“ entsteht, weil die hebräische Sprache eben ein bisschen anders tickt als unsere Sprache. Diese vier Wesensbeschreibungen lassen sich nämlich entweder als eine Kombination von jeweils zwei Substantiven oder eben auch von einem Adjektiv und einem Substantiv lesen und übersetzen. Und für unseren Gottheld lese ich euch mal die Übersetzungen vor, die im Deutschen und im Englischen angeboten werden: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.“ In den wichtigsten deutschen Übersetzungen taucht dann auf: „Er heißt Gottheld“, „Heldengott“, „mächtiger Held“, „starker Gott“, „kraftvoller Gott“ – und die Engländer sagen einfach „Mighty God“. Also in unserer Sprache im Deutschen viele Übersetzungsvarianten. Die Englischsprachigen machen sich das ganz einfach und sagen: „Ach, exegetisches Hin und Her – das heißt einfach Mighty God.“ Also sind wir jetzt mitten in der ganzen Advents- und Weihnachts- und Jesu-Kindlein-, Christkindlein-Romantik. Sind wir sozusagen bereit, Christus – von dem hier gesprochen wird als dem Kind, das kommen wird – als Heldengott, kraftvollen Gott oder Mighty God zu empfangen? Wie ist es denn bei uns? Worin war oder ist Jesus der „Gottheld“, der Heldengott, der mächtige Held, der starke, kraftvolle Gott, Mighty God? Wie ist er das denn für euch? Ich weiß, dass ihr ja immer dringend darauf wartet, dass ihr in der Predigt nicht nur still sitzen dürft, sondern auch endlich mal was sagen dürft. Also von daher einfach mal als Frage an euch: Woran zeigt sich denn für euch – habt ihr auch erfahren – woran im Leben Jesu seht ihr diesen heldenhaften Gott, diesen Held, diesen starken, kraftvollen Gott? Woran bei Jesus wird das für euch, dieser Wesenszug von Jesus, dem Christus, für euch deutlich, dass er ein heldenhafter Gott ist? Gibt kein Falsch, keine Bewertung von vorne. Traut euch: Worin würdet ihr sagen: „Da sehe ich drin, dass Jesus als Gott stark, kraftvoll oder sogar heldenhaft gewesen ist.“ Nur Mut. Okay. Also, Hannah – vom Todeskandidaten zu unserer mit einer treuesten Geschwister hier, die da ist. Gott hat durch seine Stärke ihr Leben erhalten. Was gibt es noch? Was ihr an Christus seht: Wo er sagt, da sehe ich was Heldenhaftes oder wirklich Starkes, Mächtiges an Jesus. So – hier sind zwei: Der Kampf und der Widerstand gegen die Versuchung des Teufels. Ganz souverän. Marion. Okay. Da bin ich jetzt überrascht, oder? Nein, nein. So – was noch? Wo ihr sagt: „Da sehe ich was Heldenhaftes oder wirklich Starkes, Mächtiges an Jesus.“ Genau. Die Tempelreinigung. Ein Moment, wo er für uns ganz ungewohnt auf einmal sozusagen Prioritäten auch unter Anwendung von kräftigen Auftreten deutlich macht. Noch etwas: Wo er sagt: „Da sehe ich den starken, heldenhaften Gott drin.“ Ja – der Umgang in Konflikten oder mit seinen Kontrahenten, die ihn ja eigentlich gleich von Anfang an nach dem Leben trachten. Also ein Held, dem wir vertrauen können – was nicht bei allen Helden so ist. Super seid ihr dabei. In Zukunft können wir das immer länger machen und ich mache meine Predigten immer einen Tick kürzer. Dann ganz paulinisch werdet ihr immer mehr beitragen. So – jetzt machen wir doch mal ein Bild. Ja, ist auf einem Buchcover drauf. Jeder von uns hat ja eine Art inneres Bild von Jesus: Einfach so, wie wir geprägt worden sind, aufgewachsen sind; auch je nachdem, in was für Gemeinden wir waren; auch was wir aufgenommen haben. Und da überwiegt oft etwas anders als in diesem Bild – der gnädige Jesus, der die Vaterliebe Gottes, den Abervater, die Rettung von Sünde, Gnade, Befreiung verkündigt. Aber wenn wir durch die Evangelien lesen: Die Vaterliebe, die Rettung von Sünde, Gnade, Befreiung ist untrennbar verknüpft mit Jesus Christus als dem mächtigen, starken, kraftvollen Gott. Der, der die Vaterliebe Gottes verkündigt, ist eben gleichzeitig der, der den Kranken und Ausgestoßenen dient. Der von Evangelium erzählt, ist gleichzeitig der, der bei den Besessenen die Dämonen austreibt. Der Krankheiten weist, der einem Sturm befiehlt, sich ruhig zu legen. Der aus wenigen Broten Speise für Tausende macht. Die Menschen um Jesus hätten kein befreiendes Evangelium gehört, hätten nichts von der Liebe Gottes gehört, hätten keine Möglichkeit zur Umkehr bekommen – wenn Jesus nicht genauso eben der Gott hält, der starke, mächtige, kraftvolle Gott ist. Und umgekehrt ist auch bei ihm etwas deutlich: Wie Paulus das auch sagt. Dort, wo er scheinbar seine größte Schwäche, seine größte Niederlage hatte – wenn man das von außen betrachtet – in seiner Kreuzigung, passiert gleichzeitig sein größter Sieg. Und die Kraft Gottes kommt in der Auferstehung in einer unvorstellbaren Art und Weise zur Entfaltung. Wenn wir diese Titel aus der Predigtserie anschauen: Dann könnte man sagen, es gibt Jesus Christus – den Wunderrat, den Ewigvater, den Friedefürst – eben nicht ohne Jesus, den Helden Gott, den starken, den mächtigen Gott. Drei Gedanken dazu: Stärke für das Leben brauchen wir. Und hier wird uns Jesus als „Gott hält“, Heldengott, mächtiger Held und so weiter vorgestellt. Und das ist er zuerst mal für uns. Es gibt nichts in unserem Leben – nichts in meinem, nichts in eurem Leben – wo er nicht genügend oder zu wenig Kraft oder Macht hätte. Es gibt keine Furcht, die uns quält; kein inneres Trauma; keine Herausforderung; keine Verletzung; keine Schuld; keine Sünde; keinen Groll; keine alten Erfahrungen; keine charakterlichen Festgefahrenheiten; keine negativen Gemeindeerfahrungen; keine Herausforderungen des Zeitgeistes – wo Jesus als der kraftvolle, als der Heldengott zu wenig Kraft, zu wenig Macht hätte. Wir allerdings müssen auch zulassen, dass Jesus der mit Kraft in unserem Leben ist. Wenn wir in Anfechtung, in Attacken sind; vor schwierigen Situationen stehen: Dann spricht Gott manchmal ein Wort zu uns – so wie bei Paulus. Aber dieses Wort oder diese Antwort von Gott muss nicht unbedingt unser Lieblingswort oder unsere ersehnte Antwort sein – wie bei Paulus: „Du brauchst nicht mehr als meine Gnade.“ Das andere bleibt und trotzdem ist gerade darin sozusagen meine Stärke in dir. Aber auch umgekehrt, vielleicht manchmal das genaue Gegenteil, was wir uns erwarten. Dass Jesus – als der Gott hält – uns, wie er es auch war: mutig in die Konfrontation, in die Auseinandersetzung mit Menschen und Situationen führt. Die Kraft, die er für uns hat und für uns gibt, ist auch die Kraft umgekehrt, die uns manchmal in Auseinandersetzungen, in klaren Statements, in ein deutliches Wort für die Sache Gottes führt. Und das ist eben oft dann auch eine Kraft, der die Gegenkraft von anderen begegnet. Aber egal, in was Jesus uns hineinführt – auch wenn es Konfrontation mit Menschen und Situationen ist: Seine Kraft ist die größere. Auch wenn wir subjektiv unsere Menschenfurcht sehr groß fühlen oder die Kraft, die wir nicht spüren; oder die Kompetenz, die wir meinen nicht zu haben; oder die Weisheit, von der wir denken, die fehlt uns: Bei Jesus ist immer mehr an Kraft, an Weisheit, an Macht für uns und unsere Herausforderungen da. Das Zweite: Stärke fürs Leben. Jesus – der Gott hält – starke, kraftvolle Gott in uns. Jesus betont ja besonders im Johannesevangelium, dass es mit ihm und auch mit dem Wort und dem Geist nicht nur um eine Kraft oder eine Dynamik geht, die irgendwie so um uns herum wirkt und dann auch in Situationen und an Menschen wirkt. Sonst er macht bei Johannes ganz besonders deutlich: Dass er in uns bleiben will – und wir in ihm bleiben sollen. Und er macht deutlich bei diesem „in ihm bleiben“ und umgekehrt, dass er in uns bleibt; da geht es um alles oder nichts. Alles, wenn ihr in ihm und seinen Worten bleibt. Oder wenn wir in ihm und seinen Worten bleiben: Er wird unser Gebet hören. Jesus sagt: „Ihr könnt bitten, um was ihr wollt – es wird euch zuteil werden, wenn ihr in mir bleibt.“ Alles, sagt er, ist dann möglich – gleichzeitig auch nichts ohne ihn. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; aber ohne mich könnt ihr nichts tun. Ich glaube, dass sich dieser Satz auch auf die Frage nach Kraft und Stärke anwenden lässt: Wer in mir bleibt und ich in ihm – der wird meine Kraft auf sich erleben. Aber ohne mich habt ihr keine Kraft. Mit diesem Thema – warum ist so wenig Kraft eigentlich oft in den heutigen Gemeinden? – könnten wir mal eine extra Schiene machen, wenn ich es ganz kurz sage: Ich glaube, dass wir so wenig von Jesu Kraft erleben, weil wir uns erlauben, so viele Abstriche und Relativierungen in Bezug auf Jesu Worte zu machen. Ich finde, Jesus ist oft sehr radikal, sehr herausfordernd, sehr deutlich – manchmal ganz liebevoll; manchmal super hart. Aber wir sind in einem Zeitalter des Individualismus. Und deswegen erlauben wir uns oder sind wir geprägt: Dass wir einfach viele Dinge relativieren und sagen: „Nein, nicht für mich – nicht für unsere Gemeinde – nicht heute – nicht in dieser Situation.“ Aber können wir ein anderes Mal weitermachen? Weil ja auch Texte zur Endzeit sagen: Da werden die Christen die äußere Form der Förmigkeit haben; aber ihre Kraft werden sie verleugnen. So, das Letzte. Stärke für das Leben. Wieder Jesus – der Gott hält oder starke, kraftvolle Gott – aber eben für andere. Auch hier machen wir – ist das meines Erachtens auch ein Bereich – wo wir gerne einen dieser zuletzt genannten Absprüche machen: Wir sind tolle Gemeinden; aber wir fixieren uns so leicht und schnell und gerne auf uns, unsere Vorlieben, unsere nicht erfüllten Erwartungen, unsere Gewohnheiten. War denn Jesus – der Gott hält – der mächtige, starke, kraftvolle Gott? War der auf sich und seinen nicht erfüllten Erwartungen fixiert? Zum Beispiel: Wenn seine Jünger mal wieder gar nichts rafften – hat er sich dann schmollend von ihnen zurückgezogen oder in die Ecke gezogen, weil sie nichts verstanden haben? Er hat eben nicht auf das geschaut, was ihn vermutlich genauso verletzt hat wie uns Dinge verletzen; sondern er hat geschaut: Was ist das – was Gott will – auch mit diesen sturen und manchmal so unverständigen Jüngern? Oder hat er sich schmollend zurückgezogen und Gericht prophezeit, als ihn seine Heimatstadt so überhaupt nicht haben wollte und infrage gestellt hat; und nichts von ihm wollte – weil sie ihn ja so gut kannten? Nein, auch dort nicht. Sonst hat er geschaut: Was will Gott? Und er hat wenigstens einige geheilt in dieser Stadt. Er hat nicht das Gericht auf sie runtergeredet; er ist in den nächsten Ort und hat dort wieder Gottes Reich verkündigt und Gottes Kraft gezeigt. Jesus war immer der – der für andere die Kraft Gottes präsent gemacht hat. Er ist der Gottheld, der mächtige Gott für andere. Er selber sagt: „Für die Armen, für die Gefangenen, für die Blinden, für die Zerschlagenen.“ Und wir wissen: Für die Ausgestoßenen; für die Besessenen. Jesu Kraft und Macht hat sich für andere entfaltet. Jesus ist der Gottheld für uns – und er gibt seinen Geist, könnte man sagen: seinen Heldengeist – denn der Geist entspricht ihm ja in uns; aber eben damit seine Kraft nicht nur für uns und in uns wirkt, sondern damit sie auch für andere rings um uns erfahrbar und mächtig wird. Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Macht.“ Darum geht hin und macht alle Völker zu Jüngern. Also selbst in diesem zentralsten seiner Aufträge verbindet er die Macht, die er hat und die er gibt – mit dem: „Geht hin zu den anderen“ und für die anderen und hilft ihnen jünger zu werden. So, Schlusssatz: Jesus’ Stärke in unserem Leben wird freigesetzt, wenn wir ihn – den Gottheld für uns und in uns – sein lassen; aber genau wie Jesus Gottes Kraft und Macht für andere einsetzen und erfahrbar machen. Amen.