Start der Allianz Gebetswoche
Predigt

Start der Allianz Gebetswoche

Sonntag, 12. Januar 2025 · 10:00 Uhr
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Transkript

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Ich möchte zum Start kurz bieten: Gott, ich danke dir, dass du da bist. Ich danke dir, dass du in unserer Mitte bist. Ich danke dir, dass wir dir alles anvertrauen dürfen, dir alles hinlegen dürfen. Segne uns jetzt beim Hören, Verstehen und öffnen unseres Herzens für dein Reden. Amen. Evangelische Allianz – ich liebe es, wenn die Allianz zusammenkommt und sagt: „Okay, wir gehen gemeinsam an eine Gebetswoche.“ Ich weiß nicht, wie viel ihr über die Allianz wisst. Man sieht hier schon das Thema, das sie sich für dieses Jahr ausgesucht haben: „Hope – miteinander Hoffnung leben“. Die Allianz besteht aus Gemeinden, die sagen: „Wir sind nicht nur einzeln unterwegs, sondern wollen in der Stadt und in Deutschland gemeinsam zusammenkommen. Wir wollen gemeinsam vor Gott treten, gemeinsam Aktionen durchführen und diese Woche ganz besonders gemeinsam für die Welt, unsere Stadt, Anliegen beten – für unsere Gemeinden beten – dass wir neu wieder die Kraft von Gott spüren.“ Und das finde ich sehr beeindruckend und wichtig. Ein Thema der Hoffnung. Ich weiß nicht, wie ihr das wahrnehmt, aber ich finde es immer so wichtig, gerade wenn ich mit Leuten rede. In dieser Welt gibt es so eine große Hoffnungslosigkeit. Wenn man in die Nachrichten schaut, kann ich das auch verstehen – meine eigene Hoffnung würde total sinken, wenn ich nicht dieses Vertrauen in Gott hätte. Wenn ich Menschen sehe, die Gott nicht kennen oder mit Gott nichts zu tun haben wollen, dann kann man in dieser Welt fast nur hoffnungslos werden. Aber was haben wir als Christen weiterzugeben an Hoffnung? Das finde ich spannend – und unter diesem Aspekt auch den Text zu lesen, den sich die Allianz für diese Woche gegeben hat: 1. Thessalonicher 5, Verse 12 bis 25. Ich werde sie gleich vorlesen. Es ist schön, dass in diesem Text wir ganz persönlich im Blick genommen werden. Manchmal tun wir uns leicht darin, wenn es Probleme gibt, andere Menschen anzuschauen – weil die verantwortlich sind. Wir können Probleme wegschieben und müssen es nicht selbst in die Hand nehmen. Aber dieser Text zeigt: Es beginnt bei uns! Gott will am Anfang an uns wirken – und warum das so ist, werden wir heute auch ein Stück weit erörtern. Ich möchte nun den Text vorlesen. Wir sehen ihn hier vorn genau. Ich lese aus der Basisübersetzung: „Wir haben aber eine Bitte an euch, Brüder und Schwestern: Erkennt diejenigen unter euch an, die sich für die Gemeinde abmühen. Sie sorgen im Auftrag des Herrn für euch und zeigen euch den rechten Weg. Begegnet ihnen wegen ihres Einsatzes mit größter Achtung und voller Liebe. Lebt in Frieden miteinander. Brüder und Schwestern, wir bitten euch: Weist diejenigen zurecht, die kein geregeltes Leben führen. Ermutigt die Ängstlichen. Kümmert euch um die Schwachen und habt Geduld mit allen. Achtet darauf, dass niemand Böses mit Bösem vergilt. Bemüht euch vielmehr, stets einander und allen anderen nur Gutes zu tun. Freut euch immerzu. Betet unablässig. Dank Gott für alles, denn das ist Gottes Wille – und das hat er durch Jesus Christus für euch möglich gemacht. Unterdrückt nicht das Wirken des Heiligen Geistes. Missachtet die prophetische Rede nicht. Prüft aber alles und behaltet das Gute. Haltet euch vom Bösen fern, wie auch immer es aussieht. Gott, der Frieden schenkt, macht euch ganz und gar zu Heiligen. Er bewahre euch unversehrt an Geist, Seele und Körper. Denn es soll an euch nichts auszusetzen sein, wenn unser Herr Jesus Christus wiederkommt. Gott, der euch beruft, ist treu. Er wird das alles tun. Brüder und Schwestern, betet auch für uns.“ Wenn wir über das Thema Hoffnung nachdenken: Warum ist es Paulus an dieser Stelle so wichtig, über das Verhalten in der Gemeinde zu reden? Warum legt Paulus so viel Wert darauf, jetzt aufzuzählen – ziemlich deutlich – was die Gemeinde tun soll? Wenn wir ein paar Verse vorher schauen: In 1. Thessalonicher 5, Vers 5, geht Paulus darauf ein, dass wir Kinder des Lichts sind. Wir sind das Personal von Gott auf der Erde, das Gottes Licht rausstrahlen soll. Deswegen ist es Paulus so wichtig: Wenn wir Licht in der Dunkelheit sein sollen – dann kann die Gemeinde nicht irgendwie leben und selbst in der Dunkelheit untergehen oder verschwinden. Wir sollen das Hoffnungslicht, das wir durch Jesus Christus haben, auch ausbreiten. Diese Leute sollen es in unseren Gemeinden erkennen: Wir sollen Licht sein. Deshalb geht es Paulus hier so eindeutig darum, wie sich die Gemeinde verhalten soll. Die Allianz hat diese Abschnitte an jedem Tag aufgeteilt – immer mal wieder wird ein Schwerpunktthema herausgegriffen, über das nachgedacht und gebetet werden soll. Heute sind es die ersten beiden Verse. Ich lese sie nochmal vor: „Wir haben aber eine Bitte an euch, Brüder und Schwestern: Erkennt diejenigen unter euch an, die sich für die Gemeinde abmühen. Sie sorgen im Auftrag des Herrn für euch und zeigen auch den rechten Weg. Begegnet ihnen wegen ihres Einsatzes mit größter Achtung und voller Liebe.“ Ich habe erst gedacht: „Mensch, gut, dass in so einem Text Kanzeltausch ist – weil wenn jemand hier vorne steht und sagt: ‚Ihr müsst mich lieb haben und mir Ehre erweisen‘ – könnte das ein schwieriger Stand sein.“ Und die Frage bleibt: Wie ehrlich ist eine Gemeinde wirklich? Oder macht sie das nur, weil der Pfarrer oder Pastor gerade gesagt hat? Die Gemeinde soll es tun – und muss es auch. Deswegen finde ich es schön, dass wir heute darüber nachdenken können. Das erste, was mir für diese Verse einfiel: Das Wort „Wertschätzung“. Ihr habt Zettel und Stifte bereitgelegt bekommen. Ich habe das veranlasst – und mich gefreut, dass es möglich war. Bitte nehmt euch einen Zettel und einen Stift, damit ihr etwas aufschreiben könnt. Ich werde die Person beschreiben, von der hier gesprochen wird: Wer soll wertschätzt werden? Mit den Worten aus dem Bibeltext. Bitte notiert die Personen, die euch dazu einfallen – damit ihr sie nicht vergesst. Und vielleicht überlegt ihr nach dem Gottesdienst oder in dieser Woche, wie ihr der Person, die ihr aufgeschrieben habt, diese Woche Wertschätzung leben könnt. Welche Leute fallen euch zu diesen Punkten ein? Macht einfach mit – ich glaube, es ist spannend, darüber nachzudenken. Es ist keiner gezwungen, aber es ist wertvoll. Als Erstes: Welche Personen sollen wir wertschätzen? Ich habe hier mal ein paar Schwerpunkte aufgeschrieben: Wir sollen die Menschen wertschätzen, die sich für die Gemeinde abmühen. Wir haben so schönes Wetter – man erkennt die Bilder nicht. Genau, ist egal: Meinen Sohn trage ich hinten auf dem Rücken und er schläft gerade. Wir sollen die Menschen wertschätzen, die sich für uns abmühen. Ihr dürft aber auch offen lassen, solange man die Texte lesen kann. Ich dachte mal, durch Bilder bleibt manches besser im Gedächtnis – so ist es zumindest bei mir. Menschen, die sich abmühen: Das finde ich spannend in Gemeinden zu erleben – wie Menschen handeln und reagieren. Es gibt immer wieder solche Menschen – und ich mag sie auch. Sie sind da, wenn etwas Spaßiges oder Schönes passiert. Diese Menschen sind wichtig. Aber es gibt auch die Menschen, die bis zum Schluss bleiben: Die Leute, die sagen: „Okay, ich bin noch da – selbst wenn es keinen Spaß mehr macht.“ Ich bin derjenige, der nicht nur grillt und dabei gut quatscht – sondern der Grill hinterher putzt. Ich mache Aufgaben in der Gemeinde, die wirklich Mühe machen. Paulus kennt das – und wir kennen es auch ehrlich gesagt: Eine Gemeinde ist nicht immer einfach schön und sorgenfrei. Sie kann sehr herausfordernd sein. Dieser Text fordert uns auf, Menschen zu wertschätzen, die sich für die Gemeinde abmühen – die Leute, die in ihrer Freizeit zusammentreffen und darüber nachdenken: „Wie geht es weiter mit der Gemeinde?“ Die Menschen, die da sind, wenn die Gemeinde wirklich in Not ist. Die Menschen, die da sind, wenn anderen die Kraft ausgeht. Menschen, die sagen: „Gottes Gemeinde liegt mir am Herzen – ich gehe diesen Schritt weiter.“ Nicht nur da zu sein, wenn es ihnen Spaß macht, sondern weil sie den Menschen wichtig sind und deswegen weiter investieren. Es ist so wichtig, diese Menschen nicht zu vergessen – sondern gerade für sie da zu sein. Welche Menschen fallen euch ein, die diesen einen Schritt weitergehen und sagen: „Hey, wenn du Probleme hast, bin ich auch da – auch mal über meine Arbeitsstunde hinaus?“ Die Vorstände sitzen oft lange zusammen – aber an diesem Text erkennt man: Es geht hier nicht nur um den Pfarrer. Es geht um Leute, die Gemeinde leben und sich für sie einsetzen. Das geht weit über einzelne Personen hinaus. Das nächste Schwerpunktthema ist: Menschen wertschätzen, die für euch sorgen. Der Text sagt „für euch Sorge tragen“ – das kann man auch übersetzen mit „vorstehen“, sozusagen vorangehen. Das Wort wird auch in der Familie verwendet – für den positiven Vater genutzt: Diejenigen, die für Wachstum und Familie sorgen. Das bedeutet: Menschen, die darum schauen, dass es der Gemeinde gut geht, dass die Menschen wachsen können. Sie machen sehr sorgsame Arbeit und nehmen sich Zeit für dich – damit du wachsen kannst. Welche Menschen fallen euch ein? Vielleicht nicht aus dieser Gemeinde, sondern vielleicht seid ihr in einer anderen Gemeinde aufgewachsen: Welche Menschen haben in dich investiert, dass du geistlich wachsen konntest? Dass du heute der Mensch bist, der du bist – und im Glauben Hoffnung leben kannst? Welche Menschen fallen euch ein? Schreibt sie gerne mal auf. Oft vergessen wir solche Menschen – sie gehen irgendwie in der Geschichte unter. Aber ich glaube: Wir haben so viel diesen Menschen zu verdanken – und könnten sie ehren und wertschätzen. Wenn wir weitersehen, wer schätzt diejenigen, die euch den rechten Weg weisen? In der Basisübersetzung ist das schön übersetzt als „den rechten Weg weisen“ – andere Übersetzungen sagen einfach: „zurechtweisen“. Dann stellt sich die Frage: Mit welchem Ohr höre ich das? Wenn ich von dem Wort ausgehe, dass wir Menschen wertschätzen sollen, die euch zurechtweisen – dann merke ich: Nein! Weil diese Menschen uns herausfordern. Sie werden unbequem. Sie kommen auf mich zu und sagen: „Hey, was du da gemacht hast, war nicht gut – oder überleg mal, ob du das nächstes Mal anders machen kannst.“ Diese Menschen wertschätzen ist manchmal das Erste, wo wir Abstand halten. Paulus sagt: Nein! Genau diese Menschen brauchen wir in der Gemeinde. Diese Menschen sind wichtig. Und wisst ihr was? Wir sind alle zu diesen Menschen berufen. Ich habe euch mal einen Vers aus Kolossen mitgebracht – Kolossen 3, Vers 16: „Das Wort, in dem Christus gegenwärtig ist, wohne in reichem Maß bei euch; lehrt einander und ermahnt euch gegenseitig – tut das in aller Weisheit. Singt Gott aus vollem Herzen Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder, denn er hat euch Gnade geschenkt.“ Er mahnt euch gegenseitig – es steht hier nicht: „Der Pfarrer soll euch am Sonntagmorgen von der Kanzel her ermahnen“, sondern wir sollen es gegenseitig tun. Wir tragen in der Gemeinde Verantwortung füreinander – das geht über den Pfarrer, Pastor oder Gemeinderat hinaus. Zugleich ist hier festgeschrieben: In welchem Maß und Umfeld dies passieren soll. Der Maßstab ist Gottes Wort und seine Liebe. Es geht nicht, dass ich mich vorne stelle und sage: „Was für mich schön wäre – wie ihr leben sollt.“ Also liebe Gemeinde: Ladet mich jeden Sonntag zum Essen ein! Oder ich gehe herum und drücke meine Meinung auf andere – nur damit passiert, was ich will. Nein. Es geht um Liebe und im Maßstab zu Gottes Wort. Und dann kommen wir wieder am Ende bei dem Wort „Wertschätzung“ an: Menschen ermutigen, begleiten – diese Menschen sollen wir wertschätzen. Sind euch solche Menschen eingefallen? Wenn nicht, tut es mir leid für euch – ich glaube, dass wir diese Menschen wirklich brauchen. Ich wünsche euch in Zukunft solche Menschen zu kennenlernen und hoffe, dass ihr sie in dieser Gemeinde findet. Ich bin sicher: Ihr habt solche Leute. Jetzt lesen wir nochmal aus dem Thessalonicher Brief die Verse 13 oder 14: „Begegnet ihnen wegen ihres Einsatzes mit größter Achtung und voller Liebe.“ Das Wort, das hier gebraucht wird – „größter Größe“ – bedeutet im größten Übermaß. Es ist nicht nur irgendwie groß – sondern im größtmöglichen Maß sollen wir diese Menschen ehren und wertschätzen. Und das kann erstmal herausfordernd sein: Man denkt vielleicht, der Pfarrer sollte eigentlich der demütigste Mensch in der Welt sein – und den sollen wir ehren. Er steht ja sowieso schon immer vorne. Diese Menschen, die so viel Arbeit leisten – brauchen sie das wirklich? Ja! Gott sagt: Wir sollen sie wertschätzen. Ich habe einen weiteren Grund gefunden, warum wir sie wertschätzen sollten – nicht nur, weil sie in euch investieren, sondern wenn wir ein paar Verse vorschauen: In Thessalonicher 3, Vers 12: „Der Herr lasse eure Liebe zueinander zu allen Menschen über jedes Maß hinaus wachsen. Sie soll so groß werden wie unsere Liebe zu euch.“ Das bedeutet: Die Voraussetzung für diese Menschen – die in euch investieren – ist, dass sie euch ehren und lieben. Und von diesen Menschen wird das verlangt und vorausgesetzt, bevor ihr sie wertschätzt und liebt. Diese Menschen leben oder sollten schon vorher Wertschätzung entgegenbringen – daher möchte ich euch ermutigen: Überlegt, wer diese Menschen sind und wie wir sie wertschätzen können. Nehmt das Wort ernst, was in der Bibel steht – weil es oft zu Gemeindespaltung und Problemen führt, wenn alle sagen: „Ja, okay, wir sehen das Problem.“ Entweder wird es behoben oder man geht. Wir sind leider häufig nicht so wertschätzend – sondern decken die Probleme auf. Wir sehen, was ein Mensch nicht kann, und erzählen darüber – weil was gut läuft, sollte ja normal sein, gerade in der Gemeinde. Ich möchte mit euch noch einmal drüber nachdenken: Wie kann Wertschätzung aussehen? Ich habe mal überlegt, was Wertschätzung ausmacht. Mit Jugendlichen und Ehrenamtlichen habe ich darüber gesprochen – was macht Wertschätzung aus? Leitung sitzt oft am Ende des Jahres zusammen und sagt: „Jetzt brauchen wir für Mitarbeiter ein Dankeschön-Geschenk.“ Es darf nicht zu teuer sein, weil es viele sind. Aber es darf auch nichts Billiges sein. Dann wird über Wertschätzung nachgedacht – ist das wirklich Wertschätzung? Ich glaube: Ja – aber nicht alles. Wertschätzung geht tiefer. Wenn ich Jesus anschaue und sehe, wie er Menschen wertschätzend behandelt hat, fällt mir auf: Es geht um Wahrnehmung und Interesse. Diese beiden Worte habe ich hier vorn notiert: Wahrnehmung und Interesse. Warum bringt ihr euch in die Gemeinde ein? Wie wollt ihr Dank bekommen? Ich bin noch kein Mensch begegnet, der gesagt hat: „Ja, ich will aber mindestens einen Gutschein von 50 Euro haben – oder mehr.“ Die meisten Menschen sagen: Es ist mir egal. Wichtig ist für mich, dass ich wahrgenommen werde und dass sich jemand für mich interessiert. Ich glaube, genau daraus kommt die wirkliche Wertschätzung heraus. Hier sind ein paar Punkte, wo es um Wahrnehmung geht – und dann wird es persönlich: Konkret Danke sagen. Manchmal sagt man: „Danke für alles!“ Oder: „Danke an alle, die hier mitgewirkt haben.“ Ich will das nicht als immer falsch darstellen – ich finde es gut, dass es gemacht wird. Aber viel wertschätzender ist es, wenn ich zu einer Person gehe und sage: „Mensch, Gerlinde! Es war nett, mit dir telefoniert zu haben – obwohl ich von der Zeit spät dran war. Danke für das Predigthema und dass ihr das Lobpreisteam und die Lieder noch gemanagt habt – ohne mich zu spüren lassen: ‚Du bist viel zu spät!‘ Das fand ich super.“ Dann wird es persönlich: Auf Menschen zugehen und sagen, warum man ihnen dankbar ist. Man kann auch mal einen Brief schreiben. Einen echten Brief mit Hand. Ich vermute nicht, dass auf eurem Zettel jetzt eine Liste steht – wo ihr nicht wisst, wo sie enden soll. Für einige Leute könnt ihr sagen: „Okay, ich setze mich hin und schreibe mal einen Brief.“ Das ist anders als ein ausgedrucktes Ding oder ein Zettel mit Unterschrift. Es ist persönlich – aber für alle das Gleiche: Wirklich persönlich zu schreiben, mit Menschen persönlich zu reden und sich für sie zu interessieren – das ist auch schon Wertschätzung. Das kann gerade häufig für Pastoren und Leitende wichtig sein – weil sie oft aus ihrer Rolle nicht herauskommen. Ich höre so viel von Pfarrern: Überall wo sie hingehen, sind sie sofort Pastor oder Pfarrer – sie werden als normale Person nicht mehr gesehen. Aber wenn man auf Menschen zugeht und sagt: „Mensch, wie geht es dir wirklich?“ „Ich komme jetzt nicht nur mit meinen theologischen Fragen zu dir – sondern ich interessiere mich persönlich: Wie geht es dir gerade?“ Das ist wertschätzend. Man kann auch mal jemanden zum Essen einladen. Einfach sagen: „Mensch, ich koche eh – ob da zwei Personen mehr essen, ist kein Problem.“ Bei uns hat es mal Leute aus der Gemeinde gesagt: „Okay, wir bringen einfach mal Essen vorbei.“ Das war zur Corona-Zeit. Der Kirchenvorstand hatte sich per Zoom-Konferenz getroffen und gesagt: „Okay, die treffen sich abends – wir bringen ihnen jetzt leckere Schnittchen oder so vorbei.“ Dann sind sie rumgefahren und haben überall geklingelt – ohne dass die es wussten. Sie haben einfach mal als Dankeschön etwas zu essen vorbeigebracht: Ein kleines Lunchpaket. Die Stimmung im Kirchenvorstand war total anders – vor allem, weil sich es um Leute drehte, von denen der Kirchenvorstand wusste: „Das sind auch unsere schärfsten Kritiker.“ Und die kamen auf einmal und sagten: „Danke!“ Ich möchte damit zeigen: Es geht nicht darum, alles schön zu reden. In der Gemeinde heißt Wertschätzung auch, manche Fragen wirklich kritisch zu diskutieren – aber sich gegenseitig zuzuhören und das in Respekt zu machen. Ein persönliches Geschenk ist wichtig – nicht nur Riesengeschenke. Manchmal denkt man: „Boah, ich weiß, der mag Krokusse – deswegen kaufe ich ihm jetzt diesen Krokus und schenke ihn.“ Oder man sieht halt irgendwie, wo man normal versagt – ein dummes Kuscheltier oder eine Karte. Aber wenn es zu dieser Person passt: „Ich kaufe dir das!“ Einfach mal zwischendrin. Nicht nur am Danke-Sonntag wertschätzen – sondern sich fragen: Was mag diese Person wirklich? Was ist ihr wichtig? Zeit für ehrliche Gespräche. Nicht hintenrum, sondern auf Personen zugehen. Ich möchte abschließend noch zwei wichtige Fakten mitteilen: 1. Wenn wir über Wertschätzung nachdenken – es wird ein großes Gebetanliegen bleiben. Wir müssen beten, dass Gott uns das schenkt – weil wir es aus eigener Kraft nicht schaffen würden. Wenn wir in die Realität gucken: Wir sehen Gemeindespaltung. Menschen verlassen Gemeinden. Menschen sind unzufrieden. In den Gemeinden fallen bestimmt solche Menschen ein – wo man denkt: „Wenn die Person schon kommt, versuche ich einen Bogen drum zu machen – weil es anstrengend wird.“ Wir können diese Wertschätzung, diese Liebe zueinander – gerade in höchsten Maßen – gar nicht alleine erleben. Wir müssen beten, dass Gott uns das schenkt. 2. Wenn wir es von Gott erhalten und diese Wertschätzung erleben: Ich bin davon überzeugt, dass es eine unglaubliche Strahlkraft nach außen hat. Die Welt erkennt, dass wir Kinder des Lichts sind – weil Gemeinde eigentlich menschlich gesehen nicht funktionieren kann. Wenn ich jetzt mit jedem von euch darüber reden würde, wie der perfekte Gottesdienst aussehen sollte: Ich würde viele Antworten bekommen – und keiner könnte diese Interessen zusammenbringen. Dass alle sagen: „Das ist für mich der perfekte Gottesdienst.“ Das kann nicht gelingen. Menschlich gesehen müsste jede Gemeinde scheitern – aber sie funktioniert, weil wir einen anderen Mittelpunkt haben: Gott ist unser Zentrum. Und wir gehen aufeinander ein und sagen: „Gott liebt jeden – deswegen gehe ich von meinem Standpunkt auch ab und schaue, was ihm wichtig ist.“ Wenn Menschen das erleben und merken: „Du bist in dieser Gemeinde – aber da geht doch xy hin. Wie kommst du damit klar?“ Und wir erzählen: „Hey, wisst ihr was? Diese Person ist total liebenswert – es kann funktionieren!“ Wir steigen nicht in die Kultur ein, wo wir uns nur übereinander aufregen oder motzen – sondern wertschätzen. Aus tiefstem Herzen gegenseitig lieben. Das wird unsere Gemeindekultur prägen und verändern. Wir werden anders mit Gott unterwegs sein. So möchte ich jetzt beten: Gott, wir brauchen deine Kraft, dass wir uns mit wertschätzenden Augen – mit Augen der Liebe – gegenseitig annehmen und ansehen können. Ich bitte dich: Gib uns die Fähigkeit dazu – und mache uns zu Lichtern. Ich bitte dich: Lass uns neu lernen, auf Menschen zuzugehen – die in uns investieren, sich abmühen für uns in der Gemeinde, für uns sorgen, jahrelang tun oder es in der Vergangenheit getan haben. Für solche Menschen, die wirklich uns am Herzen liegen. Schenk, dass das nicht in der kommenden Woche im Untergrund verschwindet – sondern dass wir es leben und aktiv werden. Dass wir anfangen, uns gegenseitig wahrzunehmen. So legen wir uns in deine Hände und wollen es von dir schenken lassen. Amen.