Jahresabschlussgottesdienst
Predigt

Jahresabschlussgottesdienst

Peter UnsinnPeter Unsinn
Sonntag, 29. Dezember 2024 · 10:00 Uhr
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

Schön euch alle zu sehen heute Morgen. Das Jahr 2024 neigt sich definitiv dem Ende entgegen. Von daher habt ihr die letzte Predigt dieses Kalenderjahres. Aber was Gott in unser Leben reingeben will, das ist ja nicht von den Kalenderjahren abhängig, sondern ganz souverän versucht er uns zu sagen, was auf seinem Herzen ist. Aber ich denke, es ist schon irgendwie so, dass auch das, was durch die Schöpfung angelegt ist, auch an Zeiten in unserem Leben, sei es der Wechsel der Jahreszeiten, sei es die Sonne, die unser Tageslicht gestaltet, lädt dieses Jahresende schon irgendwie ein, eben auch so eine Zeit zu realisieren. Kalenderjahr ist zu Ende. Zurückzuschauen und gleichzeitig aber auch den Blick ins nächste Jahr schweifen zu lassen und zu überlegen, was hatte Bedeutung und was soll im kommenden Jahr Bedeutung haben. Und wie ihr hinter mir auf der Bimmerfolie habt, das Kreuz wird immer das Zentrale bleiben. Jesus, der gekommen ist in die Welt, gelebt hat für uns, gestaubt ist, auferstanden ist. Das wird immer das Zentrum bleiben. Aber was das im Detail bedeutet, das ist die Herausforderung zu erfassen. Daher eine Frage: Wie hast du gelebt und wie willst du leben? Das ist natürlich sehr global; ich schränke es mal einen Bezug auf Jesus und sein Reich. Vielleicht sagst du, da hat sich irgendwie in diesem Jahr nicht viel verändert und vermutlich wird sich auch im nächsten Jahr nicht groß was ändern bei mir, wie ich so mein Glauben lebe und was ich so in Gottes Reich erlebe. Ein anderer würde vielleicht sagen: Also irgendwie mit Jesus und seinem Reich, das stagniert bei mir irgendwie. Gemeinde, ja, gehe ich, aber auch das irgendwie; bin ich so dabei. Ich habe mich dran gewöhnt an den Zustand, den ich habe und komme irgendwie nicht wirklich weiter. Ein dritter könnte vielleicht sagen: Nee, ich sehe mich danach mehr von Jesus, mehr von seinem Reich zu erfassen, zu verstehen und auch zu leben. Also wie willst du es machen oder wie ist es? Ist es einfach eine gute Gewöhnung, ist es so, dass du sagst, irgendwie komme ich nicht weiter oder dass du sagst: Nee, egal wie es jetzt ist, ich möchte weiter, mich ausstrecken, lernen, wachsen. Ich lade euch eine kurze Zeit still zu sein und einfach mal nachzudenken, wie war dieses Jahr in Bezug auf Jesus und seinen Reich für euch und was wünscht, es sehnt ihr euch für das kommende Jahr. Danke. Ich weiß nicht, ob euch jetzt in dieser mini kurzen Nachdenkzeit irgendein Gedanke besonders durchs Herz gegangen ist. Als ich so nachgedacht habe über dieses Jahr und auch über diesen Gottesdienst, da keimte in mir so die Frage der Leidenschaft auf: Mit welcher Intensität leben wir eigentlich oder lebe ich und glaube ich und folge ich Jesus nach? Und ich habe mal was formuliert daraus: leidenschaftlich leben und lieben wie Gott. Auch ein Fragezeichen dahinter, weil das ja vielleicht nicht gleich Konsens ist. Wäre das eine Aussicht in die Zukunft, inspirierend, ermutigend fürs eigene Leben, den eigenen Glauben oder auch für eine Gemeinde: leidenschaftlich leben und lieben, so wie meiner Meinung nach Gott das tut? Für mich ist es auf alle Fälle was inspirierendes; ich würde noch ergänzen: gemeinsam leidenschaftlich leben und lieben wie Gott. Vielleicht denkt und fragt jetzt der eine oder andere: Was soll denn dieses leidenschaftlich überhaupt bedeuten? Das ist eine gute und richtige Frage, und ich kam darauf: Manchmal lässt sich ja so ein Begriff besser fassen, wenn man mal überlegt, was ist denn eigentlich das Gegenteil von einem Begriff, in diesem Fall von Leidenschaft oder leidenschaftlich. Also Gegenteile von leidenschaftlich, wenn man das sucht, sind zum Beispiel: apathisch, lethargisch, passiv, teilnahmslos, energielos, gleichgültig, monoton, verbittert, desinteressiert, resigniert – also ich vermute mal, jeder von euch würde sagen: So will ich nicht leben; also überhaupt nicht. Und in Bezug auf Jesus oder in Bezug auf meine Nachfolge auf Gott, natürlich erst recht nicht. Und ich habe dann angefangen zu suchen und zu blättern und bin auf einen Vers gestoßen, den kannte ich so noch nicht oder ich habe ihn noch nie bewusst in dieser Formulierung wahrgenommen: 2. Moser 34,14; da heißt es: „Du sollst keinen anderen Gott anbeten, denn der Herr ist ein eifersüchtiger Gott.“ Und eifersüchtig – manche übersetzen sogar: „Und der Eifersüchtige ist auch sein Name“ – da dachte ich: Das ist wirklich krass. Kann das sein, dass Gott ein eifersüchtiger Gott ist und hier sogar explizit gesagt wird: Das ist auch sein Name? Also: Eifersucht und Leidenschaft – das wäre für mich so gefühlt irgendwie auf derselben; ich sage jetzt mal Emotions- und Intensitätsebene. Aber Eifersucht ist was, was bei uns doch sprichwörtlich negativ geworden ist – und zwar durch eine Redensart: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht.“ Was Leidenschaft, ist bei uns Menschen wohl so; aber ich habe gedacht: In Bezug auf Gott kann das eigentlich nicht stimmen. Denn wir wissen, dass in Gott nichts Böses, nichts Schlechtes leben und existieren kann; es gibt nichts Negatives in ihm. Also muss doch Eifersucht – wie Gott sie lebt und wie er hier sogar benannt wird – bei ihm etwas Positives sein: eine Art zu leben, die wir vielleicht meistens in der negativen Variante erleben. Und wenn wir mal ganz wortwörtlich dran gehen: „Eifersüchtig ist jemand, der etwas oder einen anderen mit Eifer sucht.“ Und in diesem Text ist auch deutlich: Was oder wen sucht denn Gott mit Eifer? Er sucht unsere Hinwendung zu ihm; er sucht unsere Anbetung; er sucht unsere Liebe; er sucht unsere ungeteilte Aufmerksamkeit und Ausrichtung zu ihm hin. Es soll eben keinen anderen Gott geben, sondern wir sollen ganz und gar auf Gott, unseren himmlischen Vater fokussiert sein – und das sucht Gott mit Eifer. Er lebt es uns gegenüber: diese ungeteilte Zuwendung; er ersehnt sie sich von uns – dass wir uns ihm ungeteilt zuwenden. Diesen Vers gibt es auch in einer anderen Übersetzung, wo er vielleicht noch mal anders fassbar wird – auch dieser Begriff der Eifersucht. Ich: „Der Herr bin ein leidenschaftlich liebender Gott und er sehne auch von euch ungeteilte Liebe.“ Ich finde das macht deutlich, was Eifersucht mit Eifersuchen im Sinne von etwas Heiligen, Positiven, von einer Leidenschaft bedeutet – dass sie von Gott zu uns fließt und von der er sich wünscht, dass sie von uns zu ihm fließt. So wie ist es jetzt mit dem leidenschaftlichen Leben und Lieben? Ist es dein Ding? Jesus leidenschaftlich lieben; in seinem Reich und seiner Gemeinde intensiv fokussiert und engagiert zu leben – ist das dein Ding oder eher nicht, weil wir sind ja die meisten von uns Deutsche oder sogar Norddeutsche und Leidenschaft ist doch eher was für die nach den Alpen Richtung Süden? Und hier in Deutschland haben wir es eher so mit den ausgeglichenen Stimmungen. Aber das kann doch irgendwie nicht stimmen; denn jeder der von euch schon mal bei einem Fußballspiel war oder zugeschaut hat, der wird Deutsche erleben – egal ob sie in München sitzen oder in Hamburg – dass die Deutschen dann durchaus voller Leidenschaft und Begeisterung mit ihrem Verein mitgehen können. Also auch wir scheinen eine Begabung und Anlage zu haben: mit Leidenschaft bei einer Sache oder bei den Menschen, die dort spielen, zu sein. Aber im Grunde genommen ist die Frage wie Leidenschaft mit unserer Nationalität oder Kultur zusammenhängt gar nicht entscheidend. Entscheidend ist die Frage: Wie macht Gott das eigentlich? Wie leidenschaftlich ist Gott oder wie leidenschaftlich ist Jesus? Ich habe es mal genannt: „Jesus der leidenschaftliche Messias.“ Wenn ich mich durch die Evangelien lese – die Lebensberichte über Jesus –, dann entdecke ich auf alle Fälle keinen Jesus, der in irgendeiner Weise passiv, energielos, monoton oder irgendwie bitter ermahnend durch diese Welt geht. Also: Die Gegenteile von Leidenschaft sind definitiv nicht bei ihm da. Ich sehe vielmehr, dass es Leidenschaften von Jesus gibt – die sind fast nur ganz still und dezent mal angedeutet in der Schrift. Zum Beispiel ein paar Mal wird so oder ähnlich erwähnt: „Am Morgen noch vor Tag stand Jesus auf und ging hinaus; er ging an eine einsame Stätte und betete dort.“ Immer wieder mal wird in den Evangelien erwähnt, dass Jesus sich morgens oder auch tagsüber bei besonderen Gelegenheiten in die Stille zurückzog um zu beten. Was machte er da? Er macht das was wir vorhin über Leidenschaft oder diese Eifersucht Gottes gehört haben: Er richtet sich auf Gott aus; er sucht ihn alleine; er fokussiert sich auf ihn; er guckt, was von Gott zu ihm kommt für einen Tag oder für eine Situation. Und ich denke: Das ist eine Leidenschaft von ihm gewesen – diese Zeiten mit Gott zu suchen und Gott umgekehrt hat diese Zeiten mit seinem Sohn gesucht. Und da wird gar kein großes Gewesen drum gemacht irgendwie in der Schrift; es wird erwähnt, dass das Jesus wichtig war. Also: Das wäre doch eine Form von Leidenschaft, die könnte doch jetzt auch jemand sagen – der sagt: „Ich bin da so ein eher gesettelter, temperamentmäßig …“ oder der jeder sagt: „Ja, ich bin eher so.“ Auch leben kann man ganz in der Stille; aber in Bezug auf die Hinwendung zu Gott intensiv in der Leidenschaft oder in der Eifersucht – im Suchen Gottes. Und wenn ich mir Jesus anschaue, dann sehe ich eine Breite von Leidenschaft. Also: Jesus konnte mal kurz und heftig den Tempel säubern; würde ich mit Leidenschaft in Verbindung bringen. Wenn er spricht – ab und zu gibt es diese Sätze von ihm – ein Satz, der konzentriert ist und explosiv ist wie eine Bombe – und wo ich finde: Da kommt massiv rüber was in ihm gelebt hat. „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen; ihr könnt nicht Gott und den Mammon dienen.“ Das ist kein Pflichtersachlicher Satz, da steckt für mich Leidenschaft dahinter. Oder die frommen Schriftgelehrten – kann er als Heuchler, als übertünchte Gräber voller Totengebein und Unrat zusammen stauchen. Das wäre für mich auch ein Teil von Leidenschaft: Auch Dinge, die nicht gut, die falsch sind, deutlich und mutig zu benennen. Aber genauso konnte er sich menschlichen Nötenden und Situationen – ob das kranke, besessene waren; Menschen, die gescheitert waren mit ihrem Leben, innerlich intensiv bewegt zuwenden. Das heißt: Ein paar Mal ja dieses „Dass sich sein Inneres umdrehte“ – es jammert ihn übersetzt – lud er dann ganz oft, wenn er Menschen in ihrer Not sah. Und auch das ist nicht apathisch; passiv; nicht teilnehmen – sondern auch dort steckt für mich eine Leidenschaft dahinter. Und Jesus beschreibt es im Grunde genommen auf: dass es für uns ihm nach nur den Weg gibt, den er selber auch gegangen ist. „Wenn jemand mir dienen will, muss er mir auf meinem Weg folgen; wo ich bin, da wird auch mein Diener sein und mein Vater wird ihn ehren.“ Manche übersetzen soll etliche Muss – ich glaube im Grunde genommen ist es tatsächlich ein Muss. Unsere Charaktere, unsere Persönlichkeitstypen, auch so wie wir emotional aufgestellt sind und in welchen Leveln wir da reagieren und ähnliches: Das darf und soll verschieden sein. Aber es wird immer darum gehen, dass wir mit dem, was wir sind – in unserem Charakter, unserer Persönlichkeit, unserem emotional Setting – dass wir Jesus nachfolgen. Und Jesus war voller Leidenschaft; das mag vielleicht bei manchen von uns dann eine stille Variante der Leidenschaft und der Zuwendung zu Gott und zu seinem Reich werden. Aber wir alle, egal ob wir die eher ruhigen sind oder eher so die hohen Typen sind – wir alle sind gerufen: einen Weg zu gehen, wie Jesus ihm gegangen ist; und das ist ein Weg, den er mit Leidenschaft für Gott und für sein Reich und für die Menschen gegangen ist. Mit Jesus oder in Bezug auf Gottes Reich gibt es eigentlich nur eine Variante. Und das Ziel ist – wie bei Jesus: intensiv, ungeteilt, fokussiert; auch mit Mut zu entweder und oder in Bezug auf Jesus und in Bezug auf Gott zu leben. Hier sagt er: „Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein und mein Vater wird ihn ehren.“ Ich glaube, es wäre theologisch auch korrekt zu sagen: Wie ich bin, wird mein Diener sein und mein Vater wird ihn ehren. Ja – im Sinne von: So wie Jesus leidenschaftlich sein Leben gelebt hat, so sind wir gerufen in unserer ganzen Unterschiedlichkeit; wie er leidenschaftlich zu lesen. Nikolaus von Flühe, ein Schweizer, der hat ein interessantes Leben gehabt. Das ging von Bergbauer, Soldat, Politiker, Richter – dann zu eigentlich dem einflussreichsten Schweizer: Einsiedler, Asket und Möstier. Und er fasst seinen Weg mit Jesus folgendermaßen zusammen in einem Gebet: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.“ Die erste Bitte – „Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir“ – beschreibt im Grunde genommen den Anfang der Leidenschaft. Es ist wie eine Bitte um eine äußere und eine innere Reinigung. „Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.“ Die zweite Bitte – „Gib alles mir, was mich fördert zu dir“ – ist eine Bitte um Offenbarung und um Wachstum zu Jesus im Verständnis von ihm. Und die dritte Bitte beschreibt so was wie die Sehnsucht nach ganzer Hingabe oder ganze Vereinigung mit Jesus: Sozusagen auf ihn allein leidenschaftlich fokussiert. Ich denke dieses Gebet zeigt eine gute Richtung, wenn wir neu Leidenschaft für Gott, für Jesus, für sein Reich gewinnen wollen in diesen drei verschiedenen Bitten und Schritten: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.“ „Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.“ „Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und mache mich ganz zu eigen dir.“ Ich bete zum Schluss: Bei dem Himmel – wir haben uns oft angewöhnt, dass wir all die Schriftstellen, wo du leidenschaftlich sprichst, bittest, mahnst; um dein Volk Israel zum Beispiel ringst oder die vielen Stellen, wo Jesus mit ungeheurer Intensität und Leidenschaft für dich und dein Reich lebt – einfach irgendwie wegzublenden. Vater: Du kennst jeden von uns vollkommen und du weißt, was sozusagen das Level, das Maß ist von Charakter, Persönlichkeit, von Emotionen; was du in uns gelegt hast und was stimmig ist. Und ich bitte dich einfach – Vater in Jesu Namen: Nimm uns neu mit auf einen Weg der Leidenschaft und der Hingabe – so wie du uns gegenüber als liebender Vater ausgerichtet bist, so wie Jesus das gelebt hat und durch seinen Geist weiter tut. Ich bitte dich: Was uns hindert; machst uns deutlich und hilf uns frei zu werden oder nimm es. Was unsere Liebe, unsere Beziehung zu dir und deinem Sohn, deinem Wort und deinem Geist fördert – ich bitte dich: Gib und beschenke, was wir da brauchen. Vater: Jesus spricht oft von dem „in dir sein“ oder „in ihm bleiben“; und ich bitte dich, dass wir wirklich zu einem Ruhen in dir, einem Frieden in dir kommen – der aber nicht in uns oder unserer Familie und unserem Gemeindehaus bleibt, sondern der rausstrahlt in die Welt. Vater: Ich danke dir, dass du nicht der Uhrmacher Gott bist, der uns aufgezogen hat und laufen lässt und diese Welt; sondern dass du ein leidenschaftlicher Gott bist, der uns mit Eifer sucht. Amen.