Wenn Gott spricht, dann...
Predigt

Wenn Gott spricht, dann...

Christopher NorkChristopher Nork
Sonntag, 26. Januar 2025 · 10:00 Uhr
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

Ich möchte euch ein kleines Erlebnis erst mal mitgeben. Ich war mal in einer Gemeindeversammlung – nicht in unserer, also keiner muss sich heute erschrecken oder versuchen zu erahnen, welche Person das ist. Es hat nicht in dieser Gemeinde stattgefunden. Ich war einmal in einer Gemeindeversammlung und es war ein ganz normaler Nachmittag, eine ganz normale Versammlung, die wir hatten. Dann war plötzlich eine empörte Stimme aufgestanden und sagte: „Wer hat das Spielzeug im Gemeindecafé weggenommen? Wer hat es den Kindern geklaut?“ Der Raum war erst mal still. Die Worte hingen wie so eine schwere Wolke in der Luft, und alle waren erst mal so: Was passiert hier gerade? Man merkte auch die Unruhe – denn es gab Schuldzuweisungen im Raum, auch wenn nicht direkt jemand angesprochen wurde. Ein paar Minuten später klärte sich die Situation auf. Eine Mitarbeiterin hatte das alte, kaputte Spielzeug und die unvollständigen Spiele aussortiert, weil sie Platz für Neues schaffen wollte. Es war eine gute und nützliche Entscheidung – aber die ersten Worte dazu hatten eine ganz andere Realität geschafft, eine ganz andere Wirklichkeit: Irgendjemand hat den Kindern doch was geklaut! Und diese Worte hatten Misstrauen gesehen, wo eigentlich ein gutes Anliegen stand. In der Psychologie gibt es diesen Satz: „Worte haben Macht.“ Sie schaffen Atmosphäre. Sie können belasten oder auch befreien. Und das, was Eltern ihren Kindern sagen, hat Auswirkungen auf ihre Psyche. Es kann sie ermutigen, Vertrauen in sich selbst stärken und auch das Vertrauen in die Welt gestärkt werden. Oder es kann genau das Gegenteil bewirken: Unsicherheit und ihre Gefühle unterdrücken lassen. Vielleicht kommt dann auch das Gefühl hoch, nie genug zu sein – manchmal so heftig, dass sie im Erwachsenenalter eine Therapie machen müssen, um das aufzuarbeiten. Worte haben Macht und schaffen Realitäten. Worte erschaffen Wirklichkeiten. Und wie viel mehr gilt das für die Worte Gottes? Wenn er etwas spricht, geschieht etwas. Wenn Gott spricht, dann – so heißt es hinter mir – wenn Gott spricht, dann offenbart er sich. Wenn Gott spricht, dann entsteht Leben, Hoffnung und Ordnung. Lass mich euch noch eine Geschichte erzählen: Stellt euch vor, ihr kommt in ein chaotisches Kinderzimmer. Und das ist nicht unbedingt ganz weit weg – viele Eltern wissen, wovon ich jetzt rede. Ein chaotisches Kinderzimmer. Überall liegt Spielzeug herum. Nichts ist an seinem Platz und es fühlt sich an wie ein pures Durcheinander. Und das ist ein Zustand, den wohl ja wirklich alle Eltern kennen. Ich muss zugeben: Auch bei mir in meinem Zimmer, als ich Kind oder Jugendlicher war, war da ein pures Chaos. Klamotten lagen auf dem Boden. Irgendwelche Teller, die ich dann oder Schüsseln von Müsli, die ich dann gegessen habe, standen dann auf meinem Schreibtisch einfach abgestellt und erst ein- bis zwei Tage später sind die vielleicht in die Küche gewandert. Also stellt euch dieses Chaos mal vor. Und was ist dann, wenn in dieses Chaos jemand kommt, der einen klaren Plan hat – der dafür sorgt, dass es sortiert wird und alles wieder in Ordnung bringt? Plötzlich siehst du den Boden wieder, weil alles aufgeräumt ist. Du erkennst Struktur: Dinge liegen nicht einfach nur rum, sondern sind in den Regalen einsortiert. Andere Dinge sind abgeheftet und so weiter. Und genau das ist es, was Gottes Worte tun. Am Anfang der Bibel lesen wir nämlich: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und die Erde war wüst und leer. Und Finsternis lag auf der Tiefe. Wüst und leer – im Hebräischen heißt es *Toh vabohu*. Im Deutschen haben wir daraus ein Lehnwort gemacht: Wenn wir nämlich „Toh vabohu“ sagen, meinen wir ein absolutes Chaos, ein heilloses Durcheinander. Und Gott spricht in dieses Toh vabohu – also in dieses Durcheinander hinein. Und so heißt es weiter: „Gott sprach.“ „Und Gott sprach: Es werde Licht!“ Was geschah? Licht. Sein Reden bringt Ordnung ins Chaos und erschafft dann etwas. Es erschafft Leben. Und es heißt weiter: - „Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern.“ - „Gott sprach: Das Wasser soll sich unter den Himmel an einem Ort sammeln.“ - „Gott sprach: Die Erde lasse aufgehend Gras und Kraut.“ - „Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels.“ - „Gott sprach: Das Wasser soll voller lebendiger Getier sein, und Vögel sollen fliegen.“ - „Gott sprach: Die Erde bringe vor lebendiges Getier.“ - „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen ein Bild, das uns gleich sei.“ All diese Bibelstellen machen deutlich: Wenn Gott spricht, passiert etwas. Seine Worte sind nicht leer, nicht bedeutungslos. Sie sind kraftvoll – sie schaffen Leben und bringen Ordnung und Schönheit in dieses Chaos ein. Da, wo es wüst und leer war, da bringen die Worte Gottes etwas hervor. Seine Worte bringen Licht in die Dunkelheit, das Leben in das Chaos, die Struktur dann in die Leere. Jetzt könnte man denken: „Schön und gut – aber was hat das jetzt mit mir zu tun? Was hat das mit meinem Alltag zu tun, mit meinen Sorgen, meinen Fragen, die ich habe?“ Und genau hier wird es ja spannend. Denn das, was wir in der Schöpfung sehen und lesen, ist ein Muster, das sich durchzieht. Wir sehen es immer wieder in der Bibel. Und ich glaube: Gott spricht auch heute noch. Und sein Reden hat immer noch diese Kraft, unser Leben zu verändern. Stell dir mal vor, wie das aussehen könnte. Vielleicht gibt es Bereiche in deinem Leben, die sich anfühlen wie wüst und leer – wo es wirklich chaotisch zugeht. Und ich glaube: Genau dann wünschen sich ja auch Menschen, wenn sie dieses Leere oder diese Wüste spüren, dass Gott anfängt zu ihnen zu sprechen. Vielleicht in eine Beziehung hinein, die ganz schwierig ist. Vielleicht in ein Projekt, bei dem du keinen Anfang findest. Vielleicht eine innere Unruhe, ein Chaos, das dich nicht loslässt – vielleicht, weil man keinen guten Ansatz hat, woran man sich hängen kann. Vielleicht, weil alle Optionen einfach bescheiden sind. Gottes Reden hat die Macht, genau dort hinein zu sprechen und etwas zu verändern. Und die Frage an uns ist nicht: Ob Gott eigentlich spricht – sondern ob wir bereit sind, hinzuhören, wenn Gott spricht? Gott spricht auf so vielfältige Weise: - Durch die Schöpfung - Sein Wort (die Bibel) - Durch Menschen - Manchmal sogar durch Situationen, die wir im ersten Moment vielleicht gar nicht verstehen Und wir werden in den nächsten Wochen noch genauer auf diese einzelnen Punkte eingehen – wie Gott zu uns Menschen spricht. Aber hier erst mal das Entscheidende: Gottes Reden ist nie bedeutungslos und es steckt in Gottes Reden Kraft. Kraft zum Leben. Gott hat immer eine Absicht, wenn er spricht. Und es hat eine Relevanz für unser Leben. Wenn Gott spricht, dann hat er – hat es nämlich immer etwas Schöpferisches an sich. Das heißt also: Es bewirkt etwas in uns. Gott spricht aber nicht nur, um zu handeln oder zu erschaffen, sondern auch, um sich selbst zu zeigen. Gehen wir mal ein paar Kapitel weiter in das zweite Mosebuch. Stell dir Mose vor – einen einfachen Hirten, einen Mann, der sich wahrscheinlich längst an das Leben in der Wüste gewöhnt hatte: Er hütete die Schafe seines Schwiegervaters Tag für Tag und gestaltete sein Leben so. Alles scheint ganz normal. Nichts Außergewöhnliches – doch plötzlich sieht er etwas, das ihn stutzig macht: Ein Busch. Ein Busch, der brennt, aber nicht verbrennt. Neugierig nähert er sich und dann geschieht es: Eine Stimme spricht zu ihm. Es ist die Stimme Gottes. Aus einem gewöhnlichen Tag wird ein heiliger Moment – ein Moment, der für Mose alles verändert. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht etwas ganz Besonderes: Es ist nicht der Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt. Im Mittelpunkt steht auch nicht das Sehen – also dass dieser Busch einfach brennt. Der Dornbusch ist nämlich nur ein Signal, damit Mose kommt und dieser Busch markiert einen besonderen Raum der Gottesbegegnung. Im Mittelpunkt steht etwas ganz anderes: Im Mittelpunkt steht das Reden Gottes und das Hören von Mose. Mose stand in einer Situation, die alles andere als gewöhnlich war. Er begegnete plötzlich diesem außergewöhnlichen Gott und hörte seine Stimme. Und mitten in diesem heiligen Moment stellt Mose eine Frage – die aus seinem Leben und der Situation auch seines Volkes, der Israeliten, herauskommt: „Wer bist du, Gott? Wer bist du?“ Er war unsicher: Ein Mann, der einst als Prinz in Ägypten lebte und aufgewachsen ist und jetzt Schafe in der Wüste hütete – weil er sich einen Fehltritt erlaubt hatte und fliehen musste. Und er hat immer noch im Hinterkopf: dass das Volk unterdrückt wird in Ägypten, sie sind Sklaven und dieses Volk schreit um Befreiung oder Nachbefreiung. Und Gottes Antwort? Sie ist faszinierend und zugleich auch ganz tiefgründig. Da lesen wir im zweiten Mosebuch Kapitel 3, Vers 14: „Ich bin, der ich bin.“ „Wer bist du, Gott?“ „Ich bin, der ich bin.“ Das scheint auf den ersten Blick erst mal sehr rätselhaft zu sein – diese Antwort, die Gott Mose gibt. Fast so, als würde Gott die Frage vielleicht auch zurückweisen oder sogar ausweichen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Gott offenbart hier seinen Namen. „Ich bin, der ich bin.“ Oder anders übersetzt: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Und das ist mehr als eine Beschreibung – es ist eine Verheißung, die in Gottes Namen schon steckt. Gott sagt: „Ich werde da sein, mit dir, für dich. Ich bin, der Gott, der aufmerksam ist, der mitfühlend ist, der entschlossen ist, zu retten und auch zu helfen. Ich bin, der Gott, der dich nicht allein lässt – auch dann, wenn du meine Gegenwart vielleicht gerade nicht spürst. Unsichtbar, verborgen, manchmal kaum wahrnehmbar – aber ich werde da sein.“ Dieser Name auf Hebräisch, Jahwe, trägt die Zusage in sich: dass Gott unveränderlich ist und ewig und gegenwärtig. Und er ist kein Gott, der sich verbirgt oder distanziert bleibt. Nein, er ist der Gott, der sich offenbart – der Beziehung sucht und dessen Herz für sein Volk, die Israeliten, schlägt. Auch wenn seine Wege für uns manchmal verborgen bleiben: „Vertraue darauf, dass ich da bin.“ „Lass dich nicht täuschen. Vergiss nicht, wofür mein Herz eigentlich schlägt.“ Und deswegen lasst euch sagen: Wenn Gott spricht, dann zeigt er dir, wer er ist. Er ist der Gott, der sieht – er ist der Gott, der hört – er ist der Gott, der sich erbarmt – er ist der Gott, der das Böse verneint – und er ist der Gott, der retten will. Wenn Gott spricht, dann geschieht etwas Großes. Sein Reden hat Kraft, die Wirklichkeit zu verändern. Doch Gottes Reden ist nicht nur machtvoll – es ist auch persönlich. Und genau das sehen wir, wenn wir auf Jesus Christus blicken: Johannes schreibt: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ (Johannes 1, 14) „Das Wort wurde Fleisch.“ Wer spricht? Gott spricht – spricht Worte. Gottes Worte werden lebendig. Gottes Worte bekommen eine Gestalt. Und das ist eine unfassbare Wahrheit: Gott wollte uns nicht auf Abstand begegnen. Er wollte nicht nur über uns reden oder zu uns sprechen – er wollte mitten unter uns sein. Er wollte, dass wir ihn sehen, hören und auch berühren können. In Jesus hat Gott sich selbst dann offenbart: - Seine Liebe - Seine Geduld - Seine Wahrheit Alles, was Jesus sagt und tut, ist Gottes Reden an uns. In seinen Worten hören wir dann auch Gottes Herz schlagen. In seinen Taten sehen wir Gottes Liebe. Jesus ist nicht einfach nur ein Bote Gottes gewesen – irgendein Engel oder ein Prophet. Er ist Gott selbst, der zu uns kommt. Er sucht uns, er ruft uns, er lädt uns ein, ihm dann zu vertrauen. Sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung zeigen uns, wie sehr Gott uns liebt und wie sehr er uns auch als Menschen retten möchte. Doch dieses Reden Gottes bleibt nicht allgemein – es wird wirklich konkret. Es wird persönlich: Gott spricht auch heute noch zu dir, zu mir in unsere Lebenssituation hinein. Vielleicht durch ein Wort aus der Bibel, vielleicht durch einen Moment im Gebet und vielleicht auch so, wie Gerlinde es erzählt hat: durch ein Zeichen, dass der Regenbogen am Himmel steht. Vielleicht durch einen Menschen, der dir etwas sagt – das genau zu deinem Leben gerade passt. Wir sehen das in den Begegnungen, die Jesus hatte: - Er sprach die Ehrbrecherin an und schenkte ihr Vergebung und Hoffnung. - Er suchte den Zöllner Zacchäus auf, sprach mit ihm, aß mit ihm – und veränderte so sein Leben. - Er berührte den Aussätzigen, der ausgestoßen war, und heilte ihn – sodass er ein ganz neues Leben beginnen konnte. - Und er weinte mit Maria und Martha, bevor er Lazarus aufweckte, als die beiden noch glaubten, er sei tot. Gott kommt uns nahe – genau dort, wo wir sind. Und wieder die Frage: Hören wir hin? Hören wir hin, wenn Gott spricht? Sind wir offen dafür, was Gott uns sagen will? Das ist nämlich die Herausforderung und gleichzeitig die Einladung: Gott spricht. Gott spricht zu uns. Nicht, um uns zu kontrollieren oder uns zu verurteilen. Er spricht uns an, weil er uns liebt. Er kennt unser Leben, unsere Fragen, unsere Zweifel. Und er will uns führen, stärken und erneuern. Aber dafür müssen wir hinhören. Wir müssen bereit sein, seine Stimme zu erkennen – und dann auch zu antworten. Ich habe damit begonnen, über die Kraft von Worten zu sprechen: Wie sie Realitäten schaffen können, Atmosphären kreieren können. Manchmal gute, manchmal schlechte. Worte haben eine enorme Macht. Und wenn schon unsere Worte so viel bewirken können – wie viel mehr gilt das dann für Gottes Worte? Wenn Gott spricht, passiert etwas. Seine Worte bringen Ordnung ins Chaos, Licht in die Dunkelheit und auch Hoffnung in diese Hoffnungslosigkeit. Sie erschaffen Leben und zeigen uns, wer er eigentlich ist: Ein Gott, der sich nicht zurückzieht – sondern der uns begegnen möchte. Und sie werden auch ganz persönlich – die Worte von Gott in Jesus Christus, der nicht nur zu uns spricht, sondern mitten in unser Leben hineinkommen möchte. Vielleicht fragst du dich: Was das mit deinem Alltag zu tun hat? Und ich glaube ziemlich viel. Denn Gott spricht auch heute noch in deinen Chaos, in deine Dunkelheit, in deine Fragen hinein. Und wieder diese große Frage: Sind wir bereit hinzuhören? Halten wir inne, um seine Stimme wahrzunehmen? Kommen wir zur Ruhe, um mal hinzuhören? Haben wir schon gelernt, seine Stimme zu erkennen? Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir zu Gott kommen: - Durch Gebet - Oder wenn andere Menschen zu uns sprechen, dass Gott zu uns spricht Und wir müssen dann gucken und vielleicht auch fragen: „Gott, bist du das, der gerade zu mir spricht?“ Und wenn es Gott ist – und das ist das Tolle und das Faszinierende – die Worte Gottes bleiben nie folgenlos. Wenn er spricht, bleibt nichts, wie es war. Sein Reden hat nämlich die Kraft, uns zu verändern, uns zu erneuern und uns Hoffnung zu geben. Egal, wo wir gerade stehen. Und deshalb möchte ich dich heute ermutigen: Sei offen für Gottes Reden. Nimm dir Zeit, hinzuhören. Und wenn du seine Stimme wahrnimmst – dann nimm sie ernst. Denn wenn Gott spricht, dann passiert etwas. Amen.