Ich begrüße euch alle ganz herzlich im Namen Jesu zur zweiten Predigt unserer neuen Predigtreihe "Wenn Gott spricht". Heute starten wir mal ganz anders in den Gottesdienst, nämlich ich lasse euch mal ein bisschen predigen. Ich stelle euch ein paar Fragen. Manche sind einfach, da kann man ja oder nein dazu sagen oder auch sagen: „Weiß ich nicht“. Bei anderen müsst ihr irgendeine Antwort geben.
Also das erste Mal: Wer von euch glaubt denn, dass Gott tatsächlich zu Menschen sprechen kann und das auch will? Überlegt mal kurz. So, wer ist denn zu einem Ja gekommen? Dann zeigt es mal. Ja, ich bin so ein bisschen geblendet, aber ich sag mal: Die überwiegende Mehrheit ist der Meinung, ja, Gott kann und will sprechen.
Eine zweite Frage: Wer erlebt aktuell oder hat das schon mal erlebt – oder wünscht sich, dass Gott zu ihm spricht? Auch hier wer sagt „Ja“ (erlebt), „schon erlebt aktuell“ oder „ich wünsche es mir“, auch mal zeigen bitte. Ja, ist auch eine Menge.
So, jetzt kommen zwei Fragen, da könnt ihr entweder schweigen oder ihr könnt einen Begriff oder Begriffe als Antwort nehmen. Also: Wenn Gott denn spricht – wie spricht er denn? Auf welche Arten und Weisen spricht Gott? So, wer dazu eine Meinung, eine Erfahrung hat, einfach reinrufen.
Also auf welche Arten und Weisen spricht Gott?
- Durch Begegnung mit anderen Menschen.
- Was noch?
- Durch seinen Geist zu unserem Geist.
- Durchs Gewissen. Andy?
- Im Krankenhaus lag. Also dein Mann hat das wörtlich gehört. Also: Gott kann zu Menschen so sprechen, dass es innerlich in Worten gehört wird.
Was noch?
- Also durch die Bibel, die Schrift, das Wort natürlich.
- Noch eine Idee?
- Durch Musik, ja – durch Low Price Musik. Also etwas, was innerlich in uns wie ein Gedanke oder eine Richtung ist.
- Mayon auch sehr stark durch Filme, ja also: Gott kann sehr breit anscheinend sprechen.
Noch Ideen?
- Durch Träume, ja genau. Träume, Visionen, Engelkörner vielleicht – auch in die Kategorie.
- Durch Predigten, ja das hoffe ich immer sehr stark und bete ich natürlich.
So, letzte Frage: Wozu spricht Gott denn zu uns? Wozu spricht er? Also was will er damit? Was will er erreichen damit? Was ist ihm wichtig hinter seinem Reden?
Okay:
- Trost für uns.
- Hilfe.
- Ah, dass wir ihm ähnlicher werden.
- Okay, dass wir ihn kennenlernen. Ja, ist ja jetzt nicht jeder der Meinung, dass es ihn gibt.
Entschuldigung?
- In Entscheidungen, die wir treffen.
- Wegweisungen, okay.
Noch Ideen?
- Ja, indem wir Beziehungen miteinander haben.
Gut, also ich sehe schon: In Zukunft mache ich weniger die Predigt und lasse euch mehr predigen. Ist ja eigentlich auch ganz neutestamentlich. Ihr wisst ja, wie Paulus das beschreibt, dass viele in den Gottesdiensten was beitragen – und weniger das Modell, das wir heute sehr stark haben.
Also: Jetzt die Predigt, die im kompletten Titel heute heißt „Wenn Gott spricht, Gottes Wort befreit, verändert, prägt“. Ich habe euch dazu drei Erzählungen, Geschichten rings um Jesus rausgesucht und versuche an jeder dieser Geschichte – über die man natürlich auch immer eine einzelne Predigt machen könnte – kurz zu zeigen, was passiert da, wenn Gott spricht.
Also: Die erste Geschichte, Gottes Wort befreit. Jesus und die Ehebrecherin. Viele kennen diese Geschichte; ich fasse sie mal ganz kurz zusammen. Also: Eine Frau wird frisch beim Ehebruch ertappt – und die Frommen erwischen sie, packen sie, schleppen sie zu Jesus und sagen: „Diese Frau wurde beim Ehebruch ertappt.“ Mose gebot, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? Und dann kommen diese Szenen, wo Jesus erst mal gar nichts sagt – und im Sand schreibt oder malt – und nach einiger Zeit antwortet er: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie!“ – und er schreibt wieder im Sand. Und da gingen sie einer nach dem anderen weg, die Ältesten zuerst.
Und in der Schlussszene sagt er zu dieser Frau: „Hat dich keiner verurteilt? Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“
Für diese Frau ging es im wahrsten Sinne um Leben und Tod. Das war die damalige bittere Praxis – und vielleicht heute unverständliche Praxis: dass auf Ehebruch der Todesdurchsteinigung stand.
Und das ist sozusagen, das wäre die letzte bittere Konsequenz, sichtbare Konsequenz für ihre Sünde gewesen. Und durch Jesus und nach Jesus gilt das nicht mehr – aber das was Sünde mit uns macht, bleibt so.
Paulus sagt mal im Römerbrief, ganz konzentriert: „Der Lohn der Sünde oder die Konsequenz der Sünde ist der Tod.“ Das unverdiente Geschenk Gottes dagegen ist das ewige Leben durch Jesus Christus. Also: Sünde ganz kurz – Sünde wird ja oft gesagt sozusagen, das ist das was nicht Gottes Willen entspricht, was nicht seinen Zielen entspricht, was ihm in seiner Persönlichkeit und allem nicht entspricht.
Und es ist eigentlich logisch: Wenn Sünde etwas abseits von Gott ist – und wir sagen: „Gott ist die Quelle allen Lebens“ – dann kann eigentlich nur die logische Konsequenz sein, dass Dinge sozusagen die nicht Gott entsprechen, die nicht der Quelle des Lebens entsprechen, dass uns die in verschiedener Weise vergiften, erstarren lassen, dass wir Bereiche von unserem Leben verstecken müssen vor anderen – oder dass uns solche Dinge abseits von Gott schnell oder langsam im wörtlichen oder in anderem Sinn umbringen.
Jesus öffnet jetzt dieser Ehebrecherin einen Weg in die Freiheit. Er befreit sie zum einen von ihren menschlichen Anklägern, weil die sind wenigstens so klug mit sich selbst, dass sie wissen: „Wir sündigen auch.“ Und dann gibt er ihr die entscheidende Wegweisung für ihr Leben: „Geh hin und sündige nicht mehr!“
Wir wissen nicht, wie diese Frau sozusagen diese Chance ergriffen hat – aber das, was Jesus zu ihr gesagt hat, hat sie frei gemacht, aus dem verkehrten, dem falschen in ihrem Leben rauszutreten und mit ihrem Leben in eine neue Richtung zu gehen.
Jesus sozusagen öffnet ihr den Weg in die Freiheit – aber sie muss ihn selber gehen. Und so ist es auch bei uns ganz oft: dass das, was Gott zu uns sagt durch sein Wort, durch Umstände, durch Träume, durch Menschen, dass das eine Chance, ein Weg in die Freiheit ist.
Aber wir müssen auch anfangen, diesen Weg in die Freiheit selber zu gehen. Also: Gottes Wort befreit.
Zweite Geschichte: Gottes Wort verwandelt – Jesus und Zacchäus. Auch hier eine kurze Zusammenfassung; ihr seht sie draußen. Also: Zacchäus, reich, verhasst, klein, oberster Finanzbeamter, will diesen Jesus unbedingt sehen.
Zacchäus, ein reicher Oberzöler, wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus sei. Und dann klettert er – wie viele wissen – auf diesen Baum, weil er eben klein vor lauter Leuten nichts sieht und wartet dort oben auf Jesus.
Dann kommt Jesus: „Zacchäus, komm schnell herab! Denn heute muss ich in deinem Haus einkehren oder Gast sein.“
Und während Jesus dort ist, mit anderen Leuten bunt gemischt, kommt er zu einer entscheidenden Verwandlung. Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen. Und wenn ich jemanden betrogen habe, gebe ich es vierfach zurück.
Da passiert etwas, was dieser Mann vorher nicht gewesen ist. Es wird in dieser Geschichte gar nicht erzählt: Was hat denn den Zacchäus eigentlich zu diesem Entschluss geführt? Es wird nicht erzählt: Worüber hat Jesus gesprochen – ob er über Geld überhaupt gesprochen hat, ob er über Sünde oder vielleicht auch ganz anderes gesprochen hat.
Es gibt nur einmal den Begriff der Sünde erwähnt – und zwar die Leute, die das mitbekommen, dass Jesus den Zacchäus verhasst, außerhalb des Volkes. Die sagen: „Er, Jesus, ist bei einem Sünder eingekehrt.“
Vielleicht war das der Satz, der alles, was Jesus, was Zacchäus rings um Jesus erlebt hat, sozusagen zugespitzt hat.
Und dann kommt so ein Entschluss: „Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen. Wenn ich jemand betrogen habe, gebe ich es vierfach zurück.“
Wir sind es so gewohnt, dass es da steht – aber er hätte auch einfach sagen können: „Herr, ich werde in Zukunft den Armen geben, wie Mose es geboten hat. Ich werde niemanden mehr betrügen und in puncto Reichtum werde ich nicht mehr sündigen.“
Aber er geht ja viel weiter. Das führt Zacchäus nicht nur zu so irgendwie einer frommen Richtigkeit – und jetzt mache ich es richtig – sondern: Zacchäus wird geändert, verwandelt.
Er entschließt sich zu etwas vollkommen Neuem. Und das, was wir da sehen, ist, glaube ich, etwas, was Gott immer will, wenn er spricht. Der will nicht nur, dass wir sozusagen äußerlich irgendwie frommen und so aussehen – dass wir Christen sind, dass wir an Gott glauben.
Er will, dass in unseren inneren Veränderungen, Verwandlungen, ja: neue Dinge passieren, dass sich Prioritäten komplett ändern.
Die letzte Geschichte oder zwei Verse zu einer Person: Paulus. Gottes Wort prägt – ich habe mal ein altes Wort dazu geschrieben: heiligt. Paulus. Ich nenne zwei Aussagen zu Paulus, die deutlich machen, wie unglaublich die Veränderung ist, die dieser Mann erlebt.
Paulus ursprünglich noch mit dem Namen Saulus heißt. Saulus fügte der Gemeinde – also da ist gemeint: der christlichen Gemeinde – großes Leid zu. Er drang in ihre Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und ließ sie ins Gefängnis werfen.
Und dann, Jahrzehnte später, in einem Brief, den er an christliche Gemeinden schreibt, sagt er: „Alles, was mir gewinnen war – alles, was auch in dieser Phase war, als er die Christen verfolgte und vorher – betrachte ich als Dreck. Wenn ich nur Christus gewinne und in ihm meine Heimat finde. Ihn will ich kennen und die Kraft seiner Auferstehung und – hier interessante Formulierung: die Gemeinschaft mit seinem Leiden.“
So wie wird dieser Mann so komplett verändert? Ich muss sagen, ich habe erstmalig das bewusst mal so mir vor Augen geführt, wie oft von diesem Saulus oder Paulus berichtet wird, dass Gott zu ihm geredet hat. Damit ihr die Fülle mal seht: lese ich das mal kurz auf.
Also es gibt etwa ein Dutzend Stellen, wo – weiß nicht, ob ich alle entdeckt habe – wo explizit gesagt wird, dass Gott in einer Weise zu Paulus geredet hat. Und zwar durch Visionen, durch den Heiligen Geist, durch Propheten.
Und dieses Reden zu Paulus fängt ganz dramatisch an: dass er, nachdem Jesus schon auferstanden war, so eine visionäre Begegnung mit Jesus als dem Auferstandenen hat – dramatisch, mit Blindheit, mit einer Heilung, die ihm vorher sozusagen innerlich zugesagt wird – mit einem Christen, der kommt, für ihn betet und er kann wiedersehen – und er wird auch mit dem Heiligen Geist erfüllt.
Also ganz dramatisches Reden bei Paulus am Anfang seiner Veränderung. Dann wird mehrfach berichtet: Die Bibel stellt dazu – findet ihr alle mein Predigtskript – dass Paulus den Heiligen Geist erlebt hat.
Das erste Entscheidende: Er ist in einer Gemeinde, wie wir das sind, und der Heilige Geist sagt zu dieser Gemeinde: „Sendet mir diesen Mann aus zu den Nichtjuden.“
Dann geht es weiter. Er ist auf seinen Missionsreisen – und es wird berichtet, dass der Heilige Geist sozusagen ihn hindert, in bestimmte Landstriche zu gehen – oder ihm neue Ziele dieser Reise in einem Traum oder eine Vision zeigt.
Apostelgeschichte 18: Paulus wird ermutigt, dass er in Jerusalem bleibt – durch eine Vision. Obwohl das der schlechteste Platz eigentlich für ihn nach seiner Ansicht war.
Dann später kommt ein Prophet, Agabus hieß der, zu ihm und sagt: „Bindet sich die Hände mit einem Strick!“ Und sagt: „Diesen Mann wird man so die Hände binden und wird ihn an die Heiden überliefern.“
Dann später berichtet Paulus so im Rückblick und sagt: „Ich hatte im Tempel eine Vision – er nennt es eine Verzückung – und da hat Gott mir gesagt: Geh zu den Nichtjuden, geh zu den Heiden!“
Dann sagt Jesus: „Ich habe das Evangelium von Jesus nicht von den anderen gehört.“ Also nicht die Christen haben mir das erzählt. Sondern: Jesus hat mir das durch eine direkte Offenbarung erklärt, was sein Evangelium ist.
Dann Paulus ist in einem großen Sturm im Mittelmeer vor Malta – und es sieht aus, als ob sie alle in diesem Sturm untergehen – und was passiert? Es erscheint ihm ein Engel und sagt: „Ihr werdet alle gerettet werden!“ Der Engel beschreibt auch, was sie tun müssen, dass sie stranden müssen sozusagen. Und er sagt: „Du aber musst weiter zu den Heiden gehen.“
Dann 2. Korinther 12: Da spricht Paulus, dass er Visionen, Offenbarungen von Jesus hatte – dass er in eine himmlische Ebene, er nennt es den 3. Himmel, entrückt wurde.
Er beschreibt, dass er vom Bösen körperlich gequält wird – und als er Gott bittet, von dieser körperlichen Qual freizuwerden, bekommt er eine direkte wortgetreue Zusage: „Meine Gnade genügt dir! Denn meine Kraft ist in den Schwachen vollendet.“
So. Jetzt kann man vielleicht sagen: Ja, das ist Paulus – aber trotzdem: Was Paulus ist, zeigt es, wie Gott zu einem Menschen in vielfacher Weise reden kann.
Und wir wissen: Der Paulus war ein Schriftgelehrter; der kannte natürlich auch die Schrift von A bis Z. Aber dann kommt dieses vielfache aktuelle Reden zu ihm.
So – und was macht das mit ihm? Es prägt ihn, und zwar zutiefst.
Er sagt: „Christus will ich gewinnen! In ihm will ich meine Heimat finden. Christus will ich erkennen. Die Kraft seiner Auferstehung will ich erleben.“ Aber auch die Gemeinschaft mit seinem Leiden.
Und ich glaube, das ist so was wie das entscheidende Ziel, was Gott auch mit uns hat: Er will, dass wir von ihm geprägt werden – dass wir uns bleibend verändern, dass sich unser Charakter verändert, dass unsere Persönlichkeit reif wird, dass unser Verhalten, auch unser zwischenmenschliches Verhalten zueinander reif und kompetent wird.
Und diese grundlegende Prägung: Das ist immer sozusagen eine Prägung – wie es bei Paulus ist. Namlich: Jesus soll sich in uns widerspiegeln. Wir sind Christen; Christus soll in uns sichtbar werden.
Jetzt ist es so, dass mit Sicherheit die meisten Christen weltweit sagen würden: „Natürlich! Gottes Wort ist wichtig. Gottes Reden ist wichtig.“
Aber verzeiht, wenn ich es ein bisschen drastisch sage: Oft tragen wir in unseren Gemeinden sozusagen nur fromme Farbe auf.
Ich zeige euch das Beispiel. Das ist ein Schild im sogenannten Siebdruckverfahren hergestellt – und darauf sind mächtige Worte „Freistaat Bayern“, es sind kräftige Farben, und es sind auch mächtige Symbole: All die Kronen, Drachen, Löwen.
Aber wenn ich so ein Schild nehme und ich nehme ein kräftiges Lösungsmittel oder ein Schmirgelpapier – dann schütte ich das da drauf und ich kann es nach und nach einfach abwischen. Es wird einfach weggehen: verstimmen, die mächtigen Worte, die Farben, die mächtigen Symbole, sie sind weg.
Denn das hier, die Farbe ist nur oberflächlich – und Gott will nicht, dass wir fromme Farbe oberflächlich aufgetragen haben; er will was anderes.
Dazu habe ich euch ein Autokennzeichen mitgebracht. So auch bei diesem Autokennzeichen kann ich mit einem starken Lösungsmittel dran gehen. Ich kann mit Schmirgelpapier das schon deutlich mühsam – aber ich kann es weg machen.
Aber es ist ein geprägtes Schild und die Prägung, die dieses Schild maschinell unter großem Druck von mehreren Tonnen erlebt hat: Die bekomme ich aus diesem Schild nicht raus. Selbst wenn ich einen Hammer nehmen würde – und würde versuchen, das alles klack zu klopfen – trotzdem würde ich diese Prägung nie komplett rausbekommen.
Und ich denke: So ist, was Gott mit seinem Wort an uns will. Er will nicht oberflächlich Farbe auftragen – so schön die dann auch ist und so mächtig und so mächtig die Worte; er will uns prägen.
Leider hatte ich kein Schild, wo Christus drauf gewesen wäre – das wäre natürlich perfekt gewesen. Aber die Idee kam mir zu spät.
Aber das ist: Was Gott will durch sein Wort. Er will uns prägen, dass wir wie Christus werden – in aller Unvollkommenheit vielleicht, in aller Schwachheit – aber dass unser Wesen, unser Charakter, unser Inneres, unser zwischenmenschliches Verhalten dem entspricht, wie Jesus ist und war.
So: Jetzt haben wir mit Fragen angefangen; jetzt auch mit Fragen werde ich enden. Die lassen sich auch nicht einfach mit Ja und Nein beantworten.
Ich habe die erste Frage mal genannt:
Gott spricht und wirkt – er will uns immer noch Freiheit schenken, er will unser Leben verwandeln, er will, dass unser Wesen grundlegend geprägt ist – christusorientiert geprägt ist. Wie kann denn eigentlich hören auf Gott individuell, persönlich oder auch in Gemeinschaft neu selbstverständlich werden?
Ich denke: Ein Anfang wäre, wenn wir neu und stärker anfangen, miteinander zu reden: wie erleben wir denn Gottes Reden? Ja – durch sein Wort, durch die Umstände, durch andere Menschen, durch eine Kombination von verschiedenen Dingen. Oder: Wie haben wir das schon erlebt?
Ein Schritt wäre auch, einfach mal wieder mehr zu erzählen. Ja, die klassischen Zeugnisse, die es in unseren Gemeinden so oft gab.
Wenn Gott sozusagen etwas in meinem Leben gesprochen hat – und was sich damit erlebt hat oder was sich für Fragen sich damit aufgetan haben.
Und das: egal ob wir zu zweit in dem Gespräch sind, in Kleingruppen, in Mitarbeitergruppen, in Hauskreisen, in Bibelstunden oder auch hier mal im Gottesdienst – so wie die Andi das über ihren Mann erzählt hat.
Und was ganz wichtig ist: Beim Beten miteinander sollten wir neben dem Loben, dem Danken, der Fürbitte auch neue Zeiten haben, wo wir sagen:
„So, Vater im Himmel! Jetzt sind wir mal still – und jetzt hören wir. Und wenn du uns was sagen willst – durch dein Wort, durch dein Geist – dann sprich in die Stille hinein.“
Und dann auch miteinander darüber zu reden: Was hat denn Gott für Impulse gegeben?
Wenn ich durch die letzten Wochen schaue – seit der deutschen Regierungskrise, seit Trumps Wiederwahl oder die letzte Bundestagsdebatte (ich habe sie mir teilweise angeschaut) – die Zeiten, finde ich, werden deutlich verwirrender. Die Neuigkeiten werden immer mehr widerstreitend; auch die politischen Deutungsversuche der Realität – die sogenannten alternativen Wahrheiten, Fake News – das wird nach meinem Empfinden immer mehr: auch mit den Möglichkeiten von KI, von Internet und allem.
Und ich glaube: Weil das Reden sozusagen rings um uns rum immer mehr und immer verwirrender – und ich glaube auch immer verlogener wird – deswegen müssen wir neu hören, was Gott uns zu sagen hat. Ganz klassisch durch sein Wort, aber eben auch durch alle die anderen Möglichkeiten, wie die biblisch bezeugt sind.
Die zweite Frage: Wie kann tiefere Erkenntnis von Gottes Wahrheit, von seinem Wort auch zu einer Erneuerung und Vertiefung – ich habe es jetzt mal genannt – unserer Kompetenz als Menschen und als Nachfolger Jesu führen? Und zwar so, dass eben da nicht nur Oberfläche rauskommt, sondern bleibende Prägung, die Jesus entspricht.
Also: Es ist toll, wenn wir wissen, dass Gott uns sagt: „Dass wir barmherzig sein sollen – weil er zu uns barmherzig ist.“
Aber es nützt uns nichts, wenn es nur Farbe ist, die allzu leicht abgewischt wird. Barmherzigkeit nützt nur, wenn sie wie bei Jesus eine Prägung wird.
Und auch eben von unserem Charakter, von unserem Wesen – die sogenannten Früchte des Geistes, die an uns wachsen sollen: All die Dinge, die in der Lesung drin waren – der Zorn und die Wut und all die Sachen, die nicht oder weniger sein sollen.
Ich gebe euch diese zwei Fragen mit in die Woche. Das Predigt-Skript findet ihr hinten – und ich lade euch ein: Bewegt es in euren Herzen als Paare, als Familien, in Hauskreisen.
Wie ist es mit dem, was Gott redet – und was uns letztendlich prägen soll – bis zutiefst hinein in unsere Kompetenz auch, wie wir miteinander umgehen? Nämlich im Ziel: So wie Jesus umgegangen ist mit Menschen.
So. Ich beende zum Schluss:
Vater im Himmel!
Ich danke dir, dass du ein Gott bist, der redet – und auch so, dass wir wenigstens Teile davon einfach verstehen können. Das, was für unseren Alltag, für unser Leben, für unser Miteinander entscheidend ist.
Und die Worte in unserer Zeit werden immer mehr, immer wirrer – auch immer schwerer in der Wahrheit zu prüfen.
Und ich bitte dich deswegen einfach: dass wir neu dein Leben in der ganzen Breite erleben – wie es die Bibel dein Wort bezeugt. Und ich bitte dich für uns, dass du uns die Herzen öffnest, dass wir uns einfach neu ausstrecken, dass wir Dinge neu angehen – die sozusagen nur Farbe sind an uns – und uns ausstrecken: dass wir wirklich durch Jesus geprägt und verändert werden bis ins tiefste hinein.
Amen.