Als ich ein junger Mann gewesen bin – ich war damals ungefähr 20 Jahre alt –, schmunzeln die meisten gerade, weil ihr mich immer noch als jungen Mann seht. Aber vor 20 Jahren ungefähr, da oben an der Technik sitzen welche, die sind jünger; also kann ich das so sagen. Also als junger Mensch, ungefähr 20 Jahre alt, bin ich mit einer Männergruppe auf eine Freizeit gefahren. Wir waren irgendwo im Wald in einer Hütte ohne viel Schnickschnack – da gab es nicht viel. Einfach zusammen mit anderen Männern, jeglichen Alters, die Bibel, Lagerfeuer und dann auch jede Menge Gespräche.
Und eines Morgens hatten wir eine Zeit der Stille. Jeder sollte sich seine Bibel nehmen, irgendwo hingehen und einfach mal hören, was Gott so zu sagen hat. Also bin ich losgezogen, ganz für mich allein mitten in den Wald. Die Vögel zwitscherten, es war gutes Wetter, die Luft war frisch – da war so ein umgestürzter Baum – und da habe ich mich dann draufgesetzt. Dann habe ich die Bibel auf meinen Knien aufgeschlagen und mein Blick fiel auf eine Stelle, die mich dann mitten ins Herz traf: Es war die Szene, in der Jesus zu Simon sagt: „Du sollst Petrus heißen.“ Und ich weiß noch, wie ich da saß und das las – plötzlich war das nicht nur irgendwie ein Bibelfest, den man mal so liest. Es war, als würde Jesus auch direkt zu mir sprechen. Denn in dem Moment habe ich mich genau mit dieser Frage herumgeschlagen: Wer bin ich eigentlich? Ich war kein Jugendlicher mehr; die Zeit war dann vorbei – als 20-Jähriger –, aber irgendwie fühlte ich mich auch nicht so wirklich als Mann. Und vielleicht ist das auch meinem schmächtigen Körper ein bisschen geschuldet und meinem jugendlichen Aussehen, aber irgendwie da fühlte ich es nicht. Und ich wusste nicht so recht, wo ich dann auch stehe.
Und dann lese ich diese Worte – Worte, in denen eine Identität steckt, eine Bestimmung für Petrus: „Petrus der Fels.“ Und Jesus spricht ihn direkt an, gibt ihm einen neuen Namen, eine neue Bedeutung und es ist eine Bedeutung für sein Leben. Und während ich darüber nachdachte – dachte ich nicht darüber nach, dass ich denn jetzt auch Petrus wäre –, aber ich habe über meinen eigenen Namen nachgedacht: Christopher. So wer weiß, was Christopher heißt? Irgendwelche Nuscheln hier? Wissen nicht. „Der Christusträger.“ Der Christusträger. Und mein Vater hatte immer gesagt, wenn ich Geburtstag hatte: „Christopher, der der Christus im Herzen trägt.“ Er hat das so ein bisschen umgedeutet – aber dieses Tragen hat er auf das Herz gedeutet.
Und da mitten im Wald habe ich plötzlich verstanden: Das reicht. Genau das reicht. Ich muss mich nicht beweisen, ich muss nicht jemand anderes sein. Es reicht, dass ich Christus in meinem Herzen trage. Und diese eine Begegnung mit Gottes Wort hat mich damals tief geprägt. Es war nicht nur ein Vers auf irgendeiner Seite, die in der Bibel stand – sondern eine ganz persönliche Antwort Gottes auf meine Situation, da, wo ich gerade steckte: Mit meinen Fragen.
Und genau darum soll es heute gehen: Wenn Gott spricht, dann gibt er uns aktuelle Antworten durch sein Wort. Antworten, die genau in das Leben, in unser Leben hineinsprechen – mit unseren Fragen, mit unseren Unsicherheiten. Und Gott spricht da hinein.
Gut, wenn wir an Gottes Wort denken oder wenn wir davon sprechen, dann fällt uns als allererstes die Bibel ein. Und ich möchte heute einmal das Verständnis noch ganz kurz mal weiten, bevor wir uns nochmal auf die Bibel konzentrieren: Denn wenn wir vom Wort Gottes sprechen und dann nur die Bibel oder an die Bibel denken – dann greift das zu kurz.
Das hebräische Wort „dava“ bedeutet nämlich nicht einfach nur „Wort“ im Sinne eines geschriebenen Wortes. Es ist ein lebendiges Wort, ein wirkendes Wort. Und wenn Gott spricht, dann passiert etwas: Sein Wort ist nicht nur eine Information, die irgendwo auf ein Schriftstück geschrieben ist – sondern sein Wort ist eine Handlung. Er schafft, er verändert, er bewegt.
Kleiner Reminder: erste Predigt unserer Predigtreihe. Die wir – 26. Januar müsste das gewesen sein, oder? 26. Januar hört dann nochmal rein. Darum geht es.
Und wenn wir uns die Bibel selbst anschauen, dann merken wir auch schnell: Die Menschen damals hatten ja noch gar keine Bibel. Und trotzdem war für sie das Wort Gottes eine Realität. Schauen wir uns zum Beispiel die Propheten an: Immer wieder heißt es im Alten Testament – und das Wort des Herrn erging an Jeremia, zum Beispiel (Jeremia 1, Vers 4) – oder an Hezekiel. Da geschah das Wort des Herrn zu Hezekiel in Kapitel 6, Vers 1.
Das heißt: Gott hat geredet – und zwar direkt zu den Menschen mit seinem Wort. Und sie hatten kein fertiges Buch in der Hand – aber sie wussten: Gott spricht.
Und auch im Neuen Testament sprechen die Menschen von dem Wort Gottes, obwohl es damals noch gar kein zusammengetragenes Neues Testament gab. Das war ja erst später – drittes, viertes Jahrhundert hat man sich erst so überlegt: Was wollen wir denn da eigentlich im Neuen Testament haben? Also die ersten Christen sprachen von dem Wort Gottes und dann meinten sie: das lebendige Reden Gottes – also das Evangelium – und das weiterzugeben, damit die Botschaft von Jesus Christus weiterlebt.
Und da sind wir auch bei einem entscheidenden Punkt: Jesus selbst ist auch das Wort Gottes. Im Johannes-Evangelium lesen wir: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Und weiter – ein bisschen später – heißt es dann (ab Vers 14): „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“
Das bedeutet: Gottes Wort ist nicht nur etwas, das man lesen kann. Gottes Wort ist auch eine Person. Jesus ist das lebendige Wort. In ihm hat sich Gott selbst offenbart – nicht nur durch irgendwelche Buchstaben, sondern durch sein ganzes Leben, durch seine Taten, die er gemacht hat, durch sein Sterben und auch durch seine Auferstehung.
Und genau deshalb – jetzt komme ich wieder auf die Bibel – ist die Bibel so wertvoll. Sie ist nicht einfach nur dieses Buch; sie ist ein Zeugnis davon, dass Gott redet. Sie ist ja ein Zusammenschluss von Berichten, Erlebnissen, Erfahrungen, in denen Menschen Gott gehört haben – so wie wir es vielleicht heute tun, so wie es Gerlinde getan hatte: durch das Schriftwort, was sie empfangen hat; durch das, was ich damals im Wald empfangen habe.
Also: Die Bibel ist nicht vielleicht das einzige Reden Gottes – aber sie ist ein zuverlässiges Zeugnis davon, dass Gott spricht. Und sie hilft uns, sein Reden auch in unserem eigenen Leben dann zu erkennen.
Aber – und das ist das Wichtige – wir können Gott nicht zwingend zu reden. Wir können nicht die Bibel einfach aufschlagen und dann ist es plötzlich da: Alles ist uns erkenntlich, unsere Fragen sind beantwortet und das, was ich als nächstes tun soll, steht dann auch fest.
Manchmal hätten wir das ja gerne – oder? Dass Gott uns einfach eine direkte Antwort gibt, wenn wir eine Frage haben. Dass wir die Bibel aufschlagen und da steht dann genau das, was wir hören wollen oder müssen. Aber so funktioniert das ja nicht: Gott ist kein Automat, in den wir ein Gebet werfen – und dann eine klare Antwort herausbekommen.
Gott bleibt souverän und er spricht, wenn er will und auch auf die Weise, wie er will. Manchmal spricht er sehr direkt und klar – und manchmal müssen wir warten und es aushalten. Und vielleicht merken wir auch erst im Rückblick, dass Gott gesprochen hatte – und wir es danach erst wirklich verstehen.
Und manchmal, selbst wenn Gott schweigt, ist das auch wiederum ein Reden Gottes: Wir haben nicht die Kontrolle darüber, wie Gott zu uns spricht und wann er zu uns spricht. Unsere Aufgabe ist es einfach nur offen zu bleiben – aufmerksam zu sein und ihm zu vertrauen – und dann mit offenen Herzen, mit offenen Ohren durch die Welt zu gehen.
Und wenn Gott spricht, dann tut er das auch auf unterschiedlichen Ebenen:
Es gibt Dinge, die hat Gott schon gesagt und die gelten für alle Menschen. Das hatten wir schon in der Predigt von Peter – als es darum ging, wo er gesagt hat: „Das Wort Gottes prägt uns.“ Das war die Predigt vom 2. Februar. Also ihr müsst euch die Sache merken; die hängen miteinander zusammen. Also wer da jetzt nochmal reinhören will – 2. Februar.
Das sind Dinge wie Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Liebe – und das sind Worte Gottes für alle Menschen. Wir brauchen manchmal gar keine besondere Eingebung, um zu wissen: Das, was Gott will, dass wir vielleicht einander vergeben oder dass wir einander dienen sollen – das hat er schon längst gesagt. Es steht in seinem Wort und es gilt allen.
Aber dann gibt es auch das Reden Gottes zu seiner Gemeinde. Die Frage ist: Wo haben wir als Gemeinde eigentlich einen Rahmen, um Gottes Stimme gemeinsam zu hören? Ist es nur hier vorne – wenn wir predigen (Peter und ich)? Ist das die einzige Möglichkeit, wo wir Gottes Reden hören als Gemeinde? Oder haben wir noch andere Wege, wie wir gemeinsam auf Gottes Stimme hören, als ganze Gemeinde?
Gott kann einer ganzen Gemeinde eine Richtung zeigen – eine Berufung geben, eine Herausforderung ins Herz legen. Aber wir müssen uns auch als Gemeinde dann diese Zeit nebenhin zuhören.
Am Mitarbeitertag, letzte Woche Samstag, da gab es eine kleine Idee: Wie wir sagen können: „Okay, wir wollen auch mal als ganze Gemeinde hinhören.“ Und wir verfolgen diese Idee jetzt einfach mal weiter und gucken, ob wir da einen neuen Rahmen bilden können – ob wir einen Abend mal uns zusammensetzen, um auf Gottes Stimme zu hören.
Und ich erinnere mich an eine Gemeinde: die war eine südamerikanische Gemeinde gewesen in Brasilien. Da war ich auf einer Konferenz und da hat der Pastor dann einen Vortrag gehalten. Und die hatten gesagt: „Wir haben uns zusammengesetzt – plötzlich hatten wir irgendwie eine ganz demütige Haltung, mussten Gott anbeten – und dann hatten wir gemerkt: Wir müssen unsere Gemeinde ganz neu strukturieren.“
Und die haben dann keine Gottesdienste mehr gefeiert; sondern die hatten dann nur noch Kleingruppen gemacht. Das waren dann evangelistische Kleingruppen – und die hatten dann gesagt: „Okay, das haben wir von Gott aufs Herz gelegt bekommen.“ Und dann haben die angefangen – und haben mit irgendwie zehn Kleingruppen angefangen; wo immer nur so fünf Christen waren – und es sollten immer zwei bis drei Nicht-Christen dabei sein.
Und dann lief diese Kleingruppe maximal ein Jahr – und dann wurde diese geteilt, also wie so eine Zellteilung. Und dann haben sich immer mehr Kleingruppen gebildet – und diese Gemeinde ist exponential gewachsen und hat jetzt über 4000 Mitglieder.
Also: etwas, was wächst, wenn Gott spricht – kann er auch eine ganz neue Richtung einer Gemeinde geben.
Und dann schließlich spricht Gott auch ganz persönlich – auf der ganz persönlichen Ebene – das, was nur für dich bestimmt ist. Nicht für alle; nicht für die Gemeinde – sondern nur für dich. Das, was damals im Wald ich so erlebt hatte: das galt nur mir in diesem Augenblick – niemand anderen.
Also es gibt Momente, da trifft uns ein Wort mitten ins Herz und dann ist es nur für dich bestimmt. Es hat keine allgemeine Bedeutung für andere; es ist nicht etwas, das für die ganze Gemeinde gilt. Aber für uns persönlich ist es eine direkte Antwort Gottes auf unsere Situation.
So: Jetzt habe ich beschrieben, dass das Wort Gottes nicht nur gedruckte Buchstaben sind – ich habe das ganz weit gefasst, ganz bewusst. Ganz bewusst, ganz breit erklärt – um unseren Horizont zu weiten.
Doch gerade jetzt im geschriebenen Wort – also die Bibel – erfahren Menschen seit Jahrhunderten, dass Gott in ganz konkrete Situationen hineinspricht. Also ich versuche das jetzt wieder ein bisschen zusammenzuführen:
Es kann auf ganz unterschiedliche Weise in unser Leben sprechen: Es ist eine persönliche Anrede – so wie sie vielleicht Mose mal erfahren hat.
Es kann ein Trost sein – so wie es Jesaja erfahren hat und auch zuspricht: „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir.“
Aber es kann auch eine Mahnung sein – so wie kein, als Gott ihn vor der Sünde bewahren wollte – eine Mahnung erhalten hat. „Warum grimmst du?“ heißt es; die Sünde lauert vor der Tür – also er wollte ihn bewahren.
Aber das Wort Gottes kann auch ein Zuspruch sein – so wie es Joshua erlebt hatte, als Gott ihn ermutigt hatte: „Sei stark und mutig, denn der Herr dein Gott ist mit dir, wohin du auch gehst.“
Es kann ein Ansporn sein – wie es Paulus erfahren hat; wie er Timotheus ermutigt: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens.“ Oder es soll dazu wirken, dass wir etwas überwinden. So wie Petrus, als Jesus ihn nach seiner Verleugnung dreimal fragte: „Liebst du mich?“ Jesus gab ihm damit eine neue Chance und stellte ihn wieder her – und er konnte wieder ganz frei und neu leben und seinen Aposteldienst ausführen.
Und es kann auch dazu dienen, dass es Sünde aufdeckt – Sünde in unserem Leben. Wie als der Prophet Nathan zu David sagte: „Du bist der Mann.“ Da ist der König David, der untreu gewesen ist; hat sogar jemanden in den Tod geschickt. Und dann kommt Nathan und sagt: er hat ein Gleichnis erzählt, eine Parabel – und dann hat er gesagt: „Du bist dieser Mann, den ich da beschrieben habe.“
Die Liste könnte sicherlich noch viel länger sein.
Gottes Wort begegnet uns in jeder Lage des Lebens. Es will uns ermutigen, ermahnen, heilen, herausfordern, Sünde aufdecken und so weiter.
Für uns bleibt weiterhin die Frage: Ob wir uns dieser Situation auch aussetzen – dass Gott spricht. Er spricht ja wirklich; wir müssen nur hinhören. Es ist eine Begegnung mit diesem lebendigen Gott – und wie ich schon am Anfang gesagt habe: dieses Wort, wenn Gott spricht, das bewirkt etwas.
Und da mal so eine Frage an euch – jetzt rein rhetorisch (ihr müsst nicht reinrufen) – aber mal zum Reflektieren:
Wo hast du erlebt, dass ein Bibelwort genau in deine Situation hineingesprochen hat?
Und vielleicht – das habe ich mit dem Gottesdienst-Team nicht abgesprochen – aber vielleicht können wir nächsten Sonntag einen Zeugnisgottesdienst auch machen: wo wir sagen: „Wir nehmen uns mal zehn Minuten Zeit“ und dann seid ihr dran und sagt aufgrund der Predigt nach dieser Frage: Was habt ihr eigentlich mal an konkreten Erlebnissen, wo das Wort Gottes zu euch gesprochen hat?
Und dann gibt ihr Zeugnis als Ermutigung für uns alle – dass Gott wirklich noch in unserer heutigen Zeit spricht.
Ich will jetzt noch ein paar Beispiele nennen, wo Gott wirklich gesprochen hat – damit das auch nicht so theoretisch bleibt. Dieses Wort ist nämlich lebendig und wir lesen es schon in der Bibel: dass Gott spricht.
Und es gab auch zu Zeiten des Alten Testamentes schon geschriebene Schriftrollen – da möchte ich eine Begebenheit rausstellen:
Es war eine Zeit in Israel, wo es einen geistlichen Zerfall gab. Israel hatte sich von Gott abgewendet; den Götzendienst im Alltag bedient – also sie hatten fremde Götter sogar schon angebetet.
Viele Menschen wissen noch nicht einmal mehr, was Gott ihnen eingesagt hatte – weil viele Schriftworte oder weil das sind verloren gegangen und es wurde auch nicht mehr tradiert. Also man hat es sich auch nicht mehr weiter erzählt.
Und dann passiert etwas Entscheidendes: Beim Tempelbau findet der Priester Hilkiah eine alte Schriftrolle – und zwar das Gesetz des Herrn. Als der König Josiah davon erfährt, lässt er die Worte laut vorlesen. Und plötzlich wird dem ganzen Volk klar: groß ist der Zorn des Herrn gegen uns, weil unsere Väter nicht gehört haben auf die Worte dieses Buches (Zweiter Könige 22, Vers 13).
Also: Die haben diese Schriftrolle gefunden und sie lesen es – das, was sie lesen, trifft mitten ins Herz. Er zerreißt seine Kleider; er demütigt sich vor Gott – und verändert sein Leben, der König, und auch das von Volk.
Durch das geschriebene Wort Gottes wird eine ganze Nation wachgerüttelt: Der Götzendienst wird beseitigt; ein geistlicher Neuanfang beginnt mit diesem Volk.
Dieses Beispiel zeigt: Gottes Wort kann uns ein Spiegel vorhalten. Es kann uns korrigieren – so wie ich vorhin schon gesagt habe. Aber es tut das nicht, um uns niederzudrücken – sondern um uns zurück zu Gott zu führen. Das ist die Intention von Gott.
Ein anderes Beispiel: Ein junger Mensch namens Martin Luther. Wir kennen ihn hoffentlich alle. Er ringt mit der Frage: Wie kann ich vor Gott gerecht sein? Er quält sich, fastet, betet; sucht nach Frieden und findet ihn doch nicht. Und dann beim Lesen der Bibel trifft ihn ein einziger Satz aus dem Römerbrief mitten ins Herz:
„Der Gerechte wird aus Glauben leben.“
Römer 1, Vers 17.
Und da entstand die Zeit der Reformation: In diesem Moment fällt ihm die Last von den Schultern. Nicht durch Werke; nicht durch Anstrengungen – sondern allein durch den Glauben kann ich zu Gott kommen.
Und das war nicht nur eine theologische Erkenntnis damals für Martin Luther. Es war für ihn eine Befreiung.
Und dieses geschriebene Wort veränderte dann, wie ich eben schon gesagt habe: nicht nur Martin Luthers Leben – er setzte dadurch eine ganze Bewegung in Gang, die die Welt bis heute geprägt hat.
Noch ein drittes Beispiel:
Nach dem zweiten Weltkrieg in einer Kirche in Deutschland. Cory Ten Boom – die Jahre zuvor im KZ in Ravensbrück gelitten hatte – predigte über Vergebung. Und nach der Predigt kommt ein Mann auf sie zu und sie erkennt ihn sofort: Es war einer der Wärter im KZ; einer von denen, die sie und ihre Schwester misshandelt hatten.
Und der Mann streckte die Hand entgegen und sagte:
„Frau Corrie Ten Boom, ich bin Christ geworden. Gott hat mir vergeben. Können Sie mir auch vergeben?“
Und in diesem Moment steht Cory vor der größten Herausforderung ihres Lebens – so wie sie es schreibt: Alles in ihr schreit Nein.
Und dann erinnert sie sich an das Wort aus der Bibel:
„Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.“
Und in diesem Moment trifft sie eine Entscheidung: Sie hebt langsam ihre Hand und ergreift die von dem Wärter. Und sie spricht ihm Vergebung zu.
Vergebung – so beschreibt sie es dann auch – ist dann keine menschliche Leistung. Sie ist aus der Kraft Gottes, aus seinem Wort heraus entstanden. Das geschriebene Wort wurde für sie dann zu einer Realität und es veränderte ihr Herz.
Das sind wirklich große und krasse Beispiele, die zeigen: dass Gottes geschriebenes Wort in ganz konkrete Situationen hineinspricht.
Aber – und das ist jetzt auch der entscheidende Punkt – damit Gottes Wort uns trifft, müssen wir es auch kennen. Stell dir vor: Du stehst in einer schwierigen Situation. Du bist entmutigt; hast Angst; steckst in einer Sackgasse.
Und genau dann fällt dir plötzlich ein Vers ein – ein Wort aus der Bibel, das du mal gelesen oder gehört hast. Plötzlich ist Gott da: mitten in deiner Situation.
Aber das passiert nur, wenn wir Gottes Wort auch in uns tragen.
Und deshalb will ich uns heute auch herausfordern:
Erstens: Lies die Bibel – nicht aus Pflichtgefühl; sondern weil Gott durch sie sprechen will zu dir, ganz persönlich.
Zweitens: Lerne Bibelferse auswendig – damit sie in deinem Herzen sind, wenn du sie auch wirklich brauchst.
Und drittens: Sprich anderen auch Bibelferse zu. Manchmal brauchen wir diesen Zuspruch von anderen; weil wir es uns selbst nicht geben können.
Und das geht ganz einfach:
Schreib einen Bibelfers in eine Geburtstagskarte oder in eine Nachricht. Schenk jemanden eine kleine Bibelferskarte – einfach mal so: Die gibt es ja zu kaufen. Kann man sich bestellen, vielleicht haben wir auch welche am Büchertisch; weiß ich nicht. Aber da kann man die auch einfach gut verteilen.
Oder wenn du merkst, dass jemand kämpft – dann sag ihm ein Bibelwort, das ihn ermutigen könnte: Einfach mal Mut haben, etwas auszusprechen.
Und wenn Gott dich nutzt durch dieses Bibelwort – dann ist es was Gutes. Und wenn es nicht funktioniert – dann hast du es jedenfalls mal probiert. Und irgendwann wird es funktionieren. Vielleicht ist es ja genau der Moment, in dem Gott durch dich wirklich dann spricht: In die Situation des anderen hinein.
Gottes Wort ist nämlich nicht nur für dich; sondern für alle Menschen. Gottes Wort ist auch zum Weitergeben. Denn wenn Gott spricht – dann verändert er Leben. Er verändert dein Leben und er verändert das Leben der anderen.
Und ich glaube dann, dass Gott in unsere konkreten Situationen hineinsprechen wird. Amen.