Durch die Wüste: Die Säulen des Vertrauens
Predigt

Durch die Wüste: Die Säulen des Vertrauens

Peter UnsinnPeter Unsinn
Sonntag, 21. Juli 2024 · 10:00 Uhr
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

Ich begrüße euch herzlich im Namen Jesu, und ich möchte es gar nicht glauben, dass Ferien sind. Also freue ich mich, dass trotz Ferien heute so viele von euch da sind und sich auf den Weg gemacht haben – das ist super! Ganz herzlich willkommen auch nochmal allen, die heute vielleicht zum ersten Mal hier sind: unsere Gäste. Wenn sie irgendwelche Fragen haben, einfach am besten jemanden schnappen, der vorne war oder auch am Ausgang steht, und dann die Fragen stellen. Mein Name ist Peter Unsinn – alle, die regelmäßig hier sind, wissen es, aber die, die als Gäste hier sind, wissen auch, wer hier vorne steht. Ja, wir fangen heute mit einer neuen Themenreihe an, und die heißt „Durch die Wüste“. Sie geht so bis Ende August, glaube ich. War von euch jemand zumindest schon mal einen Tag in der Wüste? Einfach mal zeigen. Eine Menge. War jemand schon mal länger in der Wüste – also eine Woche oder vielleicht noch länger? Jetzt, glaube ich, ist es vorbei. Also haben wir niemanden, der mal länger durch die Wüste gereist ist oder auch in irgendeiner Wüstenregion gelebt hat. Antoine de Saint-Exupéry ist viele Male als Pilot über Wüsten geflogen. Er hat auch eine Zeit lang einen ganz einsamen Zwischenflughafen, so in der West-Sahara, geleitet und er ist einmal in der Wüste abgestürzt. Und er schrieb über die Wüste: „In der Wüste bin ich das wert, was meine Götter wert sind.“ Sehr nachdenkenswerter Satz. „In der Wüste bin ich das wert, was meine Götter wert sind.“ Das alte Volk Israel hat bereits, bevor dieser Weg durch die Wüste kam, erfahren, was es wert war, wenn es unter fremden Göttern – nämlich den ägyptischen Göttern – leben musste. Und das Fazit dort war: Unter den ägyptischen Pharaonen und Göttern war dieses Volk nichts wert. Sie lebten als Bauarbeiter der Ziegelproduzierenden, Sklaven der gigantischen ägyptischen Großbauten, und sie haben weder den Pharaonen noch deren Göttern irgendetwas bedeutet oder irgendeinem Wert gehabt. Aber die Bibel schreibt, dass dieses Volk seinem Gott etwas wert war. Da heißt es: Die Israeliten seufzten über ihre Knechtschaft, und ihr Schreien aus ihrer Knechtschaft stieg auf zu Gott. Gott erhörte ihr Klagen, gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaac und Jakob, sah auf die Israeliten und nahm sich ihrer an. Und das blieb zu sagen ein grundlegendes Bekenntnis – was dann auch sozusagen vor dem ersten Gebot direkt steht: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.“ Dieses Volk erlebte, dass es einen Gott hatte, dem es etwas wert war – auch dann, als es später in der Wüste war. Dieser Gott sah sie, erhörte ihr Schreien, erwirkte mächtige Wunder und erlöste sie aus dieser Zwangsarbeit in die Freiheit. Und die Wüste – das wurde dann eigentlich die Bewährungsprobe für diese Freiheit, die Gott bereits geschenkt und ermöglicht hatte. Die Israeliten waren äußerlich keine Sklaven mehr, sondern sie waren Gottes Volk in Freiheit. Das Problem war: Innerlich lebte der Sklavengeist und Ägypten noch in ihnen. Das, was äußerlich von Gott geschenkt war – bereits an Freiheit – musste das Innere erst durchdringen und erneuern. Und so heißt die erste Predigt heute im Kompletttitel: „Durch die Wüste – die Säulen der Freiheit“. Wir sind jetzt zeitlich etwa dreieinhalbtausend Jahre von diesem sogenannten Exodus, dem Auszug aus Ägypten, entfernt. Aber auch wir erleben ja durch Jesus, dass wir Gott etwas wert sind, dass er uns sieht, dass er uns hört und dass er Freiheit schenkt. Und wenn man mal die Worte Jesu durchgeht, dann sieht man, dass er etliche Male an wichtigen Stellen davon spricht, dass er derjenige ist, der freimacht. Jesus beschreibt einen Gott, der vergibt und von Schuld freimacht. Als Jesus seine erste Predigt unter dem Geist Gottes hält, da predigt er: „Den Gefangenen und den Zerbrochenen wird die Freiheit gebracht.“ Er sagt, dass seine Worte die Wahrheit sind und die freimachen. Er sagt von sich: „Ich bin der, der euch wirklich freimacht durch meine Worte.“ Und auch die ihm nachgefolgt sind – wie Paulus – die verkünden zum Beispiel: Paulus sagt, wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Und doch war schon in diesen ersten Gemeinden diese Freiheit umkämpft. Und auch dort war die Versuchung wieder zu dem Alten zurückzukehren, was man vor Jesus gelebt hatte. Und schon etwa 20 Jahre nach der Auferstehung Jesu muss Paulus die Galater ermahnen: „Zur Freiheit hat euch Christus befreit. Bleibt daher standhaft und lasst euch nicht wieder unter ein Joch der Knechtschaft bringen.“ Wenn man auf Israel schaut, dann brauchte dieses Volk mehr als eine Generation – 40 Jahre – um diese Freiheit wirklich buchstabieren zu lernen und dann ins gelobte Land zu kommen. Uns ist die Freiheit geschenkt: Kinder Gottes zu sein, Jesus ähnlich oder immer ähnlicher zu werden durch sein Wort, durch seinen Geist, durch die gelebte Gemeinschaft. Aber auch wir müssen genauso lernen, die Freiheit in Jesus zu buchstabieren. Und dazu gibt es – wenn ich diesen Text anschaue – drei Dinge, die mir auffallen: Drei Dinge, die zur Freiheit führen. Das erste: Freiheit wächst, indem wir Altes loslassen. Freiheit wächst, indem wir Altes loslassen. In 2.Mose 12,40 wird geschrieben, dass Israel 430 Jahre in Ägypten lebte. Es gibt eine zweite Stelle, da werden 400 Jahre genannt: 430 Jahre – das sind, je nachdem wie man die Generationen rechnet, etwa 12 Generationen, die von den Pharaonen, von der ägyptischen Kultur und von diesem Sklavenleben geprägt waren. Und nach 12 Generationen – das wäre so, als wenn bei uns von 1600 bis heute alles geblieben wäre und wir immer unter Königen gelebt hätten. Nach 12 Generationen kommt dann plötzlich der radikale Wandel: Gott greift ein, er schickt Mose den Retter, er zwingt den Pharao durch zehn massive Plagen in die Knie – und die geschockten Ägypter verschenken Gold, Silber, Kleidung, Vieh, nur um endlich diesen plagenbringenden Gott loszuwerden. Und da könnte man doch denken: Was für ein Ding! Was für ein Aufbruch in die Freiheit! Aber wenn man die Geschichte dann weiter verfolgt, dann gibt es Indizien, wie tief diese über 400 Jahre alte Prägung saß. Gott ist ja weise und er rechnete ganz klar damit, dass das Volk seine Meinung ändern und wieder nach Ägypten zurückwill, sobald es Widerstand erlebt. Trotz dieser gigantischen Freiheit wusste Gott: Wenn jetzt was gleich hart wird – dann wollen die zurück. Und so kam es dann auch tatsächlich. 2.Mose 14 – da werden wir nächstes Mal nochmal sein – da sagen sie schon: „Gibt es keine Gräber in Ägypten, dass du uns zum Sterben in die Wüste führst? Was hast du uns angetan, uns aus Ägypten herauszuführen? Haben wir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe – wir wollen Ägypten dienen? Es wäre besser für uns, Ägypten zu dienen, als in der Wüste zu sterben.“ Also trotz 10 spektakulärer Befreiungswunder, trotz dieser elenden Knechtschaft, die sie erlebt haben – ist, als die erste große Herausforderung kommt: Das ist, als sie dann am Schilfmeer sitzen und die Ägypter hinter ihnen sind. Kommt sofort das Alte als erste Reaktion: „Nicht: Gott hat 10 gigantische Wunder getan, er hat uns befreit – jetzt wird er eben ein Elftes tun.“ Sondern nein: „Mist! Wären wir doch in Ägypten geblieben.“ Gut. Jetzt sind unsere Prägungen und Gewohnheiten und Einstellungen – die sind vielleicht je nach Alter nur 20 Jahre alt, oder 40 Jahre alt, oder 60 Jahre alt. Aber ich glaube, dass es bei uns oft genauso ist: Dass wir auf Veränderungen, die Gott schenkt, oder Freiheit, die er uns anbietet – gerne dann, wenn es schwierig wird, wenn es mal knistert, wenn wir etwas überwinden müssen – mit der Rückwendung zu dem reagieren, was wir kennen, was uns bekannt ist, was wir schon immer gelebt haben: Die letzten 20, 40 oder 60 Jahre. Nun ist es vielleicht verständlich, dass wir wissen und sagen: „Ja gut. Bevor ich mich dann irgend so was Neues reinbegebe – wo ich noch nicht weiß, wie es ausgeht und ob ich das bewältige – bleibe ich lieber bei dem, was ich kenne.“ Aber es ist gleichzeitig ein Problem: Denn wenn Jesus von sich sagt: „Siehe, ich mache alles neu“ – können wir einem Gott oder einem Meister, wie die Jünger oft gesagt haben, mit unseren alten menschlichen Sicherheiten, Gewohnheiten und Reaktionsmustern dienen? Geht das? Einen Gott zu haben, der von sich sagt: „Ich mache alles neu“, und selber lieber alles beim Alten lassen wollen – ich meine nicht, dass das geht. Weil Jesus oft, wenn er sagt: „Folge mir nach“ – dann wird in diesen Texten oder Situationen deutlich, dass dieses „folge mir nach“ Priorität hat vor allem, was dieser Mensch zu Jesus mitgebracht hat. Sein Familienleben, eine anstehende Beerdigung, sein Besitz – das ist hart. Aber Jesus macht deutlich: „Folge mir nach.“ Ich sage jetzt mal ins Neue – bedeutet: Du musst das Alte verlassen. Und die Freiheit in Jesus und auch das Neue fängt immer damit an, dass wir bereit sind, das Alte hinter uns zu lassen, wenn Jesus uns in Neues führen will. Dann ist immer der Schritt, dass wir zu Gott kommen oder zu Jesus kommen und sagen: „Jesus, es fällt mir schwer, die Sicherheit, das Vertraute zu lassen – das Gewohnte. Aber wenn du was Neues hast – dann nimm mich an der Hand und führe mich in das Neue rein.“ Das Zweite: Freiheit wächst, indem wir Neues einüben. Gott nimmt die Israeliten – wenn ihr euch diese Kapitel 2 der Mose 12, 13 mal durchliest – er nimmt sie nicht einfach nur aus dem Alten raus. Sondern er gibt ihnen wie so eine Art Führungsseil: Was man manchmal an so schwierigen Bergpassagen hat. Er gibt ihnen sozusagen Vergewisserungspunkte, Verhaltensempfehlungen oder Regeln, Maßstäbe – er gibt ihnen das mit in diese neue Freiheit. Er gibt zum Beispiel in diesem Auszug diese detaillierten Anweisungen für das erste Passafest des Auszugs und dann aber auch für die künftigen: Wie soll dieses Passafest zur Erinnerung an den Auszug immer wieder gefeiert werden? Er erklärt ihnen, wie lange es dauern soll. Er erklärt, wie diese ungesäuerten Brote verwendet werden sollen. Er erklärt, wie der zukünftige Umgang mit den Erstgeburten von Mensch und Tier sein soll – und erinnert sie nochmal an diese Erinnerungszeichen auf der Stirn und am Arm, die auch immer wieder an diesen Auszug und die Befreiung erinnern sollen. Und dann schickt er ihnen oder hält er ihnen Mose als Führer, als Kontinuität praktisch – gibt er ihnen mit auf diesen Weg. Also sie gehen nicht alleine, sondern sie haben einen starken Leiterführer in diesem Fall, der mit ihnen diesen Weg geht und Gott selbst begleitet diesen Weg in dieser Wolken- und der Feuersäule. Wenn wir in der Gemeinde sind – so wie unsere – dann werden wir immer wieder in solche Fragen, Klärungen kommen über das Alte und das Neue. Nur fangen wir meistens an beim Gottesdienst, bei den Musik-, bei den Liedern, beim Abendmahl, bei der Technik, bei der Dekoration oder auch bei der Gestaltung von so einem Gemeindezentrum. Wenn Jesus vom Neuen spricht – dann fängt er ganz woanders an. Er sagt: Johannes 3, Vers 3 und 7, dass wir von Neuem geboren werden müssen. Oder er sagt: Johannes 13, dass er uns ein neues Gebot gibt – der Liebe untereinander an seiner Liebe orientiert, seiner Liebe vergleichbar. Und Paulus spricht nicht von den Gottesdienstformen, Liedern, Musik, Technik und allem – sondern er sagt: „Ihr seid eine neue Kreatur, wenn ihr in Jesus seid.“ Wenn wir also Neues suchen, anstreben in unserer Gemeinde – egal um was es geht – dann habe ich mal formuliert: „Wenn wir Neues lernen und einüben wollen, dann soll es von Jesus, seinem Wesen, seinem Wort und seinem Geist inspiriert sein.“ Gott hat den Israeliten zu ihrer Zeit ihre sozusagen Führungsseile durch die Wüste gegeben – auf diesem Weg ins gelobte Land. Unser Führungsseil in die Freiheit ist definitiv Jesus. Wenn wir also, egal in welcher Hinsicht – für uns persönlich, für uns als Gemeinde – Freiheit, Erneuerung suchen: Dann müssen wir uns an dem orientieren, was Jesus sagt. Ich mache mal ein Beispiel. Also Jesus sagt zum Beispiel: „Die Zeit kommt und ist schon da, in der die wahren Beter den Vater anbeten werden – im Geist und in der Wahrheit.“ So will der Vater anbetet werden: Johannes 4 steht das. Kann man doch sicherlich als etwas super Nachdenkenswertes auf Gottesdienste und Treffen, die wir haben, übertragen. Denn dort soll doch Gebet und Anbetung Gottes geschehen. Gleichzeitig ist es aber – wenn wir Jesus anschauen, dann und wie er verkündet und sich mit Menschen versammelt hat – wird deutlich: Dass er alltagsnah, bildhaft, verständlich Gottes Wort geredet hat. Dass er ohne Schranken Menschen aus allen Kulturen und Sozialschichten ansprechen konnte und sie sich von ihm angezogen wussten. Dass er dieses Wort Gottes der Freiheit und der Wahrheit meistens in Gemeinschaft erklärt hat – und dass er dabei nach meinem Empfinden immer zielstrebig verfolgt hat, was Gott wichtig ist. Nämlich: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. So. Und wenn man allein jetzt mal diese zwei Dinge auf zum Beispiel unsere Gottesdienste anwendet – dann wäre die Frage: „Wie können wir Gottesdienste feiern, in denen Anbetung im Geist und in der Wahrheit geschieht? Was bedeutet das für uns? Was verstehen wir darunter? Was erleben wir damit?“ Und gleichzeitig: „Wie können wir Gottesdienste feiern – die wie bei Jesus heute 2024 Menschen anlocken und anziehen, wo die Schwellen klein sind, wo in verständlicher Sprache gesprochen wird, wo Menschen erleben, dass Gott nahe ist?“ Das heißt: Wenn wir Erneuerung anstreben, an Jesus orientiert – und an seinen Worten und ringsum so ein Gottesdienst zum Beispiel – wie passiert denn dann die Anbetung im Geist und Wahrheit? Und gleichzeitig: Wie ist es für Menschen einfach? Wie kommen sie gerne die Schwelle in so einen Gottesdienstraum? Das dritte: Freiheit wächst, indem wir Gott vertrauen lernen. Das Gute ist: Bevor wir Gott vertrauen lernen – ist Gott schon lange voraus vertrauenswürdig. Und sozusagen: Während unser Vertrauen noch wächst – hat er schon lange Vertrauen auch in uns. Aber er kennt uns eben auch. Er weiß, was uns überfordert. Gott weiß, was er uns wann und wie zumuten kann. Er weiß, wie wir aus dieser Komfortzone von unserem Glauben und den guten alten Gewohnheiten in diese Zone kommen – wo wir lernen und wachsen von Jesus. Und er kommt uns dabei entgegen. Zum Beispiel: Wie bei den Israeliten. Er kennt die. Und er weiß: Die müssen Vertrauen erst lernen. Und darum überlegt er gleich nach dem Auszug sozusagen: „Was können die verkraften?“ Und er führt das Volk nicht den kürzesten Weg. Es heißt dort: „Gott führte das Volk nicht den Weg ins Land der Philister, obwohl er der Kürzere war.“ Denn Gott dachte: Das Volk könnte – wenn es kämpfen muss – seine Meinung ändern und nach Ägypten zurückkehren. Und dann schickt er sie den langen Weg – damit sie Zeit haben zu lernen. Damit sie nicht lange durch ein Gebiet voller Kämpfe wandern müssen. Und er gibt ihnen eben seine permanente Gegenwart: Das heißt, der Herr zog vor ihnen her. Bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen. Nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht wandern. Also dürfen wir Gott vertrauen lernen – weil er zutiefst vertrauenswürdig ist. Und weil er weiß, wie wir sind. Und weil er auch Umwege führt, wenn er weiß: Wir verkraften es nicht direkt. Und weil er uns seine permanente Gegenwart schenkt – durch sein Wort und seinen Geist. Manchmal habe ich allerdings den Eindruck – ich weiß nicht – das mit dem Vertrauen ist so ein Thema. Da kommen wir schnell an Grenzen. Und diesen Eindruck habe ich, weil wir manchmal finde ich: So hyper vorsichtig sind. Auch persönlich oder so im Rahmen auch von der Gemeinde. Also nur keine Fehler machen. Nur nicht versagen. Nur niemanden irgendwie zu nahe treten. Nur schön alles immer schön flüssig irgendwie ablaufen lassen – auch was du Gottesdienst oder andere Dinge oder auch Prozesse in der Gemeinde angeht. Aber ich frage mich: Gott kann doch damit leben, wenn wir versagen. Gott kann damit leben, wenn wir mal einen Fehler machen oder wenn was nicht so gelingt. Und Gott will sogar, dass wir ihm nahe treten. Ihm können wir gar nicht zu nahe treten. Wir haben ja zum Beispiel jetzt die letzten Monate diesen Umstieg auf diesen einen 10-Uhr-Gottesdienst gemacht und haben dann auch das eine oder andere so in unseren Gottesdiensten geändert und ausprobiert. Und da gab es die eine oder andere Diskussion. Aber ich frage mich: Kommt Gott denn von seinem Weg ab? Weil zum Beispiel irgendein Versuch mit einer Form des Abendmahls mal nicht so gelingt? Oder ist Gott auf einmal furchtbar irritiert, weil ein Gottesdienst mal einen Tick zu lang geworden ist? Hält sich Gott die Ohren zu, weil die Musik zu laut war? Oder bringen eine Panne in der Moderation oder der Technik Gott in Irritation – wie es denn jetzt weitergehen soll mit den Plänen für unsere Gemeinde? Ihr seht: Ich glaube definitiv nicht. Das ist nicht das, was Gott von seinen Wegen abbringt. Der kennt uns sowieso. Der kennt auch die Umwege, die wir gehen müssen – damit wir an sein Ziel kommen. Die tiefere Frage ist aber: „Traue ich Gott zu, dass er uns den richtigen Weg führt – auch wenn mal was nicht nach meinen Vorstellungen geht? Auch für mich als Pastor? Oder wenn Dinge mal meinen Vorlieben oder meinen Bedürfnissen zuwiderlaufen?“ Traue ich Gott zu: „Dass er nicht nur mich und meine Schwäche, sondern dass er auch die anderen und ihre Schwäche benutzen kann – um in sein gelobtes Land zu kommen?“ Ich habe daher die dritte Säule nochmal etwas geändert: „Freiheit wächst, indem wir Gott und einander Vertrauen lernen.“ Damit Amen. Das Skript werdet ihr, wie fast immer, dann hinten links und rechts wieder finden.