Vielleicht hat sich der ein oder andere schon gefragt: Was soll diese komische Deko hier? Eine Glaskugel – so glaskleinig, dass der eine oder andere vielleicht schon die Assoziation eines Jahrmarktes hatte. Da steht vielleicht ein kleines Zelt, ganz schummrig, und darin sitzt eine Frau vielleicht mit einem Gewand, ganz viele Goldketten um sich und hat vielleicht auch noch ein Kopftuch an. Die Augen halb geschlossen und die Hände vielleicht so ganz geheimnisvoll über der Kugel. Und es ist ein bisschen düster, vielleicht leuchtet die Kugel. Dann kommt der Satz: „Ich sehe deine Zukunft.“ Das hat der eine oder andere vielleicht schon mal im Fernsehen gesehen oder vielleicht gab es das schon mal früher so auf dem Jahrmarkt, auf der Kirmes – oder wie man das auch immer nennen mag – und hat das beobachtet. Oder diese Leute, wo man dann merkt: „Okay, Hände lesen“, dann sieht man die Linien und dann sagt einer: „Ich prophezeie dir anhand dieser Linie, du hast ein langes und erfolgreiches Leben.“ Vielleicht habt ihr davon schon mal so etwas gesehen – wie gesagt im Fernsehen oder sogar live mitbekommen. Und ich sage euch was: Wenn es nach solchen Propheten gehen würde, dann habe ich nach den Glückskeksen, die ich in meinem Leben vielleicht mal geöffnet habe, bereits fünfmal eine große Liebe gefunden, dreimal das große Geld gemacht und wäre mindestens zweimal ins Ausland gereist. Gut, ich karikatiere jetzt ein bisschen – so ein bisschen, ich überspitzte das. Aber es gibt solche Dinge, die unser großes Glück versprechen, die irgendetwas prophezeien. Und zum Glück ist Prophetie nicht dasselbe wie diese Wahrsagerei. Aber genau das ist das Problem: Was viele in unseren Köpfen haben. Viele Menschen haben ein völlig falsches Bild davon, was Prophetie in der Bibel eigentlich bedeutet. Sie stellen sich darunter so eine Art religiöses Hellsehen vor – Jemanden, der die Zukunft voraussagt, wie vielleicht in so einem Fantasy-Film oder wie gesagt in so einem Abenteuer-Film, wo plötzlich so eine Wahrsagerin oder ein Wahrsager vorkommt. Aber biblische Prophetie ist etwas anderes. Gott betreibt keine Wahrsagerbude – oder so ein Zelt, wo man reingehen kann und dann spuckt er da einfach die Zukunft von uns raus. Prophetie im biblischen Sinne ist eine göttliche Gabe, die dem Menschen gegeben wird und durch die ein menschliches Wesen befähigt wird, Gottes Worte zu reden – die dann göttliche Autorität haben. Und so lesen wir im Alten Testament, dass Gott durch die Propheten zu den Menschen spricht. Aber auch im Neuen Testament, wie Gott Christen durch den Heiligen Geist befähigt, prophetisch zu sprechen. Und es geht nicht darum, in eine Glaskugel – so wie diese hier – zu starren und in geheimnisvollen Rätseln dann zu sprechen. Sondern es geht darum, dass Gott selbst zu den Menschen redet – und zwar mit einer klaren Absicht: um die Menschen aufzubauen, um sie zu ermutigen und um sie auf den richtigen Weg wieder zu bringen. Und darum wollen wir uns heute auch ein bisschen besinnen: Was heißt denn das eigentlich für uns als Gemeinde? Was bedeutet es, wenn Gott durch Prophetie zu uns spricht? Und was hat das mit uns heute alles zu tun? Und warum ist Prophetie eigentlich so viel mehr als nur eine geheimnisvolle Botschaft aus einer anderen Welt?
Unser Ausgangspunkt – den ich heute wähle für diese Predigt – ist die Gabenlehre im Neuen Testament. Und damit auch ein zentraler Gedanke: Gott stattet seine Gemeinde mit allem aus, was sie braucht. Gott stattet seine Gemeinde mit allem aus, was sie braucht. Er gibt Gaben, aber nicht zum Selbstzweck, sondern zum Nutzen aller. So sagt es Paulus im 1. Korinther 12, Vers 7: „Zum Nutzen aller.“ Und das heißt: Geistliche Gaben sind nicht dafür da, dass sich jemand damit profilieren kann oder sich besonders geistlich fühlt. Sie sind nicht für die einzelne Person da – sondern für die ganze Gemeinde. Und damit der Leib Christi gebaut wird, damit Menschen ermutigt werden, damit Gottes Wort spürbar, erfahrbar und lebendig wird: Dafür sind die Gaben da.
Und in dieser Liste der Gaben taucht auch die Gabe der – das könnte man laut aussprechen – der Prophetie auf. 1. Korinther 12, Vers 10 nennt sie ausdrücklich. Genauso finden wir sie in anderen Aufzählungen von diesen Gnadengaben oder Geistesgaben, wie sie genannt werden: Zum Beispiel in Römer 12, Vers 6 oder Epheser 4, Vers 11. Sie gehören also ganz selbstverständlich zu dem, womit Gott seine Gemeinde segnet – ausstattet.
Und der Sinn der neutestamentlichen Gemeindeprophetie ist nach 1. Korinther 14, die Verse 3 bis 4: Das, was wir Seelsorge nennen würden. So heißt es: „Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen – zur Erbauung, zur Ermahnung und zur Tröstung.“ Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst. Wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. Nochmal: Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen – zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.
Und diese drei Begriffe – Erbauung, Ermahnung und Tröstung – sind keine zufälligen Begriffe, die Paulus hier wählt. Sie zeigen uns, was Gottes Absicht mit der Prophetie ist. Und da möchte ich mit euch genauer reinschauen:
Das griechische Wort für erbauen ist „olkodemien“ und das bedeutet wörtlich: „Hausbauen“. Und genau das ist das Bild, das Paulus hier benutzt. Es geht nicht um ein nettes Gefühl – jetzt muss ich mal kurz hier erbauen. Es geht nicht um ein nettes Gefühl, was Paulus hier meint, um irgendwie eine warme Atmosphäre zu gestalten, in der sich alle wohlfühlen. Es geht um Aufbau, um Konstruktion, um etwas Festes.
Und wir nennen das alle: Ein Haus entsteht nicht von alleine – sondern es braucht wirklich ein Fundament. Es braucht Baumaterial, einen Plan und vor allem Zeit. Und genau so ist es auch mit unserem Glauben. Prophetie hat die Aufgabe, uns aufzubauen – nicht nur in unserer persönlichen Beziehung zu Gott, sondern auch als ganze Gemeinde.
Leider wird Erbauung oft so als Stimmung verwechselt – aber Paulus meint hier keine rein emotionale Ermutigung, sondern eine echte Stärkung. Ein Haus wird nicht durch schöne Worte stabil – sondern durch tragfähige Mauern. Und genauso geht es mit der Prophetie: Es sind nicht nette Worte – sondern es sind Fundamente, die gelegt werden.
Prophetie, wie gesagt, nicht nette Worte – sondern es ist wahre Wahrheiten, die ausgesprochen werden, Grundlagen, auf die man bauen kann. Sie stärken unseren Glauben, sie gibt uns Richtung, hilft uns, geistlich auch wieder stabil zu werden oder zu wachsen.
Und da gibt es viele Grundwahrheiten, die wir haben können – die Gott uns durch sein Wort auch gibt. Und manchmal zeigt uns Gott durch Prophetie genau die Stellen, wo unser Leben noch Lücken hat: Da wo wir das füllen müssen, da wo wir noch Wahrheiten für uns verinnerlichen müssen.
Gott möchte gerne, dass wir ein stabiles Fundament haben – Wahrheiten, auf die wir unseren Glauben aufbauen. Und da brauchen wir dieses stabile Haus, diese stabilen Fundamente, diese Wahrheiten, die wir brauchen. Und wenn man das im biblischen Sinn dann auch nennt: Dann nennt man das Prophetie.
Wahrscheinlich hat der eine oder andere das zu jemandem schon gesprochen – aber es niemals Prophetie genannt. Aber wenn man das neutestamentlich verstehen möchte, dann ist das prophetisches Reden.
Dann haben wir unseren zweiten Begriff: Und zwar das Wort der Ermahnung – oder auch Zuspruch. Und das Wort ermahnen klingt im Deutschen ein bisschen unangenehm – wir denken an erhobenen Zeigefinger, an strenge, vielleicht unangenehme Erinnerungen. Ein bisschen unangenehm: Wir denken an erhobenen Zeigefinger, an strenge – vielleicht auch Korrektur.
Doch das griechische Wort, das Paulus hier verwendet – Paraklesis – hat einen völlig anderen Sinn und einen anderen Klang. Es bedeutet beistehen. Beistehen, zusprechen: Es bedeutet zusprechen, beistehen und ermutigen. Und es ist eine andere Art, anstatt nur mit dem Zeigefinger erhoben zu sein, das klein machen – sondern es meint eher ein Aufrichten.
Eine Ermahnung, die nicht nur sagt, was falsch läuft, sondern auch den Weg zeigt: Wie es richtig geht. Und das ist ja das große Prinzip des Evangeliums: Gott bleibt nie im negativen Stehen. Selbst wenn es uns auf unser Versagen vielleicht hinweist – tut er das nie, um uns zu entmutigen oder um uns bloßzustellen – sondern um uns herauszufordern oder herauszurufen, um ihm nachzufolgen.
Er zeigt uns immer den Weg der Gnade. Und ein gutes Beispiel dafür für so ein Wort ist die Gemeinde von Laodicea: Jesus hält ihr den Spiegel vor, zeigt ihr ihren Zustand – dass sie lau und selbstzufrieden ist. Aber er bleibt nicht dabei. Er ruft sie zur Umkehr und lädt sie ein und sagt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ Seine Ermahnung ist immer mit einer ausgestreckten Hand verbunden.
Und genau das ist die Kraft dieses prophetischen Zuspruchs – Paraklesis. Es deckt Verborgenes auf, was in den Herzen ist – aber nicht im Sinne von nur Sünde und Verfehlungen, die im Herzen sind. Sondern es geht um das, was verborgen ist: Das, was in unserem Herzen schlummert.
Und das sind vielleicht auch Nöte, das sind ungeklärte Fragen, die wir selbst vielleicht noch nicht mal richtig benennen können. Wir alle sind geprägt von Erfahrungen – vielleicht sogar Verletzungen und noch vielleicht katastrophaler von Traumata: Die uns unbewusst steuern, die im Verborgenen in uns leben.
Und dann kommt Gott durch Prophetie und spricht genau da hinein – nicht um bloßzustellen, sondern um zu befreien. Er möchte, dass wir frei werden von diesen Dingen.
Wir sehen ganz viele Dinge im Neuen Testament: Wie Gott das macht. Wir sehen den ersten Korintherbrief, die Verse 14 und 25, wenn prophetische Rede als Verborgenes des Herzens ans Licht bringt. Und dann fällt der Mensch vor Gott nieder und erkennt Gott. Gott ist wirklich hier.
Also wie gesagt: Es geht nicht darum, Menschen vorzuführen – sondern darum, dass sie sich erkannt und dann auch geliebt wissen. Wir alle brauchen solche Momente des Zuspruchs. Manche von uns sind halt – wie gesagt – so sehr in Fragen und Probleme oder Schuld verstrickt, dass sie selbst keinen Ausweg finden.
Und für sie ist ein prophetisches Wort oft wie ein Lichtstrahl dann auch in dieser dunklen Nacht: Ungläubige brauchen Hilfe zum Glauben. Zweifelnde brauchen Zuspruch zur Heilung. Und auch wir – die schon lange mit Jesus unterwegs sind – brauchen es.
Und ich kann für mich sagen: Wäre ich in bestimmten Krisenzeiten nicht durch ein prophetisches Wort gestärkt worden, wobei ich das vielleicht auch gar nicht so wahrgenommen habe, dass das prophetisch gewesen wäre. Aber so im Nachklang kann ich sagen: Das war prophetisch – dann weiß ich nicht, ob ich heute hier vor euch stehen würde.
Und das ist das Wesen von Paraklesis: Prophetie spricht nicht nur Wahrheit – sondern bringt den Menschen weiter. Er gibt wirklich einen Zuspruch, eine Ermutigung weiterzumachen. Und sie deckt aber auch auf, was verborgen ist: Das, was uns vielleicht prägt und wovon Gott uns befreien möchte. Das, was in uns eigentlich zerstörerisch wirkt.
Aber wir brauchen da Heilung.
Und dann das dritte Wort, das Paulus nennt – das Wort der Tröstung. Und hier verwendet er Paramythia: Ein anderes griechisches Wort, das eine besondere Nuance mitbringt. Es geht nicht nur um Trost im Sinne von Mitgefühl – sondern um eine tiefe, beruhigende Zuwendung.
Es ist ein Wort, das dem aufgewühlten Herzen Frieden bringt. Und das ist der Kern – der Kern von diesem Trost: Er nimmt nicht einfach nur Anteil – sondern spricht diesen Trost aus in Gottes Namen und spricht in die Unruhe hinein, die ein Mensch verspürt.
Prophetie tröstet – dann gibt es Halt, wenn Menschen durch Leid oder Entmutigung dann auch ins Wanken geraten sind. Und sie zeigt: Gott ist nicht fern – sondern er ist ganz nah bei ihm. Sein Trost ist kein bloßes „alles wird gut“ – sondern ein Wort, das trägt, weil es von ihm kommt und es gibt Hoffnung.
Und daran sehen wir: Prophetie ist nicht nur eine Gabe für besondere Situationen oder außergewöhnliche Menschen. Sie gehören mitten in den Alltag unserer Gemeinde hinein. Denn wer prophetisch redet – der sorgt sich auch um seine Mitgeschwister, der nimmt sich dieser Sorgen an und nimmt diese Lasten mit.
Und er geht diesen Weg mit, wenn ein Mensch ins Wanken geraten ist. Und gerade dann brauchen ja Menschen Worte, die die Orientierung geben: Worte, die nicht nur vielleicht das Problem analysieren – sondern wirklich aufrichten.
Vielleicht denken wir da an Jesus selbst: Wie oft hat er Menschen in ihrer Not nicht nur geholfen – sondern sie auch mit seinen Worten in die Freiheit geführt. Ob es jetzt nun die Sünderin gewesen ist, die alle verurteilen wollten oder bei den Jüngern, die in Angst vor dem Sturm waren: Seine Worte haben nicht nur Trost gespendet – sondern auch Zuversicht geweckt.
Sie haben eine Perspektive neu eröffnet. Und so wirkt dann auch das prophetische Reden unter uns, wenn der Geist uns da befähigt. Und so können wir, wenn wir ins Wanken geraten: Trost haben mit solchen Worten, die prophetisch bei uns sind. Sie zeigt – wie gesagt – nicht das Problem nur auf – sondern gibt einen Hoffnungsweg weiter.
Sie bleibt nicht beim Leid stehen – sondern öffnet die Tür für die Hoffnung. Und denn das ist auch der Charakter Gottes: Er bleibt nicht im Negativen – sondern führt uns aus dieser Negativität heraus.
So ist Prophetie im Neuen Testament. Es ist wertvoll, weil sie uns erinnert, dass Gottes Geschichte mit uns nicht zu Ende ist – sondern dass es weitergeht.
Aber viele stellen sich jetzt vielleicht die Frage: Wie äußert sich Prophetie so? Wie geht das? Wie macht man das?
Prophetische Rede ist nicht auf eine bestimmte Form beschränkt – sondern kann ganz unterschiedlich in Erscheinung treten. In der Bibel und in der Geschichte der Gemeinde sehen wir verschiedene Ausdrucksformen – und ich habe sie euch mal mit auf die Folie gebracht.
Einmal inspirierte Gedanken und Rede: Das nennt man dann im Fachjargon charismatische Prophetie. Also Menschen empfangen Eindrücke, die sie weitergeben oft ohne ein spektakuläres Ereignis. Sie merken einfach: „Das soll ich jetzt sagen.“ Und haben dann so Eindruck: „Ich muss jetzt einfach vielleicht ein Bibelwort jemandem weitergeben.“
Vielleicht hattet ihr diesen Eindruck schon und hättet es niemals als prophetisches Reden so gekennzeichnet – aber genau das ist es.
Als zweites Visionen in Tag- oder Nachtgesichten, so wie es vor allem im Alten Testament vorgekommen ist: Manche Menschen bekommen innere Bilder oder Szenen vor Augen, die eine Botschaft transportieren. Und dann gibt es solche Sachen wie – ok – ich habe da so ein Bild vor Augen, vielleicht ist das für dich bestimmt, ich gebe es dir einfach weiter, prüfe es und gucke, ob das etwas mit dir wirklich zu tun hat.
Und dann gibt es das Hören einer Stimme: Das ist selten – aber auch biblisch bezeugt. Menschen nehmen dann Gottes Stimme akustisch wahr – richtig hörbar – und Gott redet dann in die Situation hinein.
Dann, was uns Baptisten vielleicht sehr fremd ist, ist die Auslegung der Zungenrede: Die eher in charismatischen Kreisen vorkommt oder praktiziert wird. Also eine Gabe, die darin besteht, gesprochene Zungenrede für die Gemeinde verständlich auszulegen.
Und dann gibt es Zeichenhandlungen: Propheten können auch durch symbolische Handlungen ausdrücken – wie es oft bei den alttestamentlichen Propheten zu sehen gewesen ist. Und ich erinnere mich an ein Beispiel von einem Prediger, wo ich auf dem Kongress als Jugendlicher gewesen bin, und der hatte auch so einen Eindruck: dass er eine Zeichenhandlung machen musste.
Der ist an einer Tankstelle vorbeigefahren mit seinem Auto – und hatte den Eindruck: „Ich muss in diese Tankstelle gehen und einen Handstand am Getränkeautomaten machen.“
Erstmal ganz wirr, er ist vorbeigefahren, weitergefahren. Das kann Gott ja nicht ernst meinen – vielleicht ist das gar nicht von Gott.
Er ist dann weitergefahren und auf seinen Rückweg kommt er wieder an dieser Tankstelle vorbei – und dann hat er wieder diesen Eindruck: „Ich soll in diese Tankstelle reingehen und einen Handstand am Getränkeautomaten machen.“
Dann geht er rein, dachte er: „Okay. Wenn es Gott ist, ich probiere es mal. Und wenn es Gott nicht gewesen ist – habe ich mich halt blamiert, ist okay. Ich kenne den vielleicht nicht.“
Er geht rein und dann sitzt da einer hinter der Theke – Arme voll tätowiert, richtig groß und stark gebaut, Lederjacke an und sieht richtig gefährlich aus.
Der denkt: „Was soll ich jetzt hier machen?“ „Ich mache es einfach. Gehe zum Getränkeautomaten, mache einen Handstand.“
Und geht wieder – will wieder rausgehen – und merkte, wie dieser Mann in Tränen ausbrach. Denn dieser Mann, der hatte sich vorgenommen: Nachdem seine Schicht beendet wird, sich selbst umzubringen. Und er hatte gesagt: „Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann mach was ganz Ungewöhnliches: Lass einen Mann in meine Tankstelle kommen und einen Handstand am Getränkeautomaten machen.“
Das zeigt, wie vielfältig eigentlich Gott auch zu uns sprechen kann. Prophetie ist nicht einseitig – und es kann wirklich jeder von uns ansatzweise vielleicht prophetisch reden. Und einige von uns haben sogar die Gabe: Die wir vielleicht sagen, die sind seelsorglich begabt und können prophetisch in das Leben eines Menschen hineinsprechen – weil Gott sie dazu befähigt.
Also: Prophetie ist nicht auf eine bestimmte Erfahrung beschränkt. Gott spricht wirklich auf diese unterschiedliche Weise – aber immer mit einem Ziel: Die Menschen aufzubauen, seine Gemeinde aufzubauen. Doch nicht jede als prophetisch bezeichnete Äußerung kommt tatsächlich dann auch von Gott.
Deswegen ist entscheidend: Prophetie auch zu prüfen. Paulus schreibt im ersten Thessalonicherbrief 5, die Verse 19 bis 21 – das, was ja auch unsere Jahreslosung ist: „Den Geist dämpft nicht, prophetisch Rede verachtet nicht, prüft alles und das Gute behaltet.“
Und das bedeutet: Wir sollen offen für Prophetie sein – aber nicht unkritisch allen gegenüber. Die entscheidende Frage ist dann: Was ist das Gute? Und wie können wir das erkennen?
Und da gibt es drei Kriterien, die ich euch mitgeben möchte:
Einmal: Prophetie muss sich am Wort Gottes – also an der Heiligen Schrift – messen. Wenn das dem biblischen Wort widerspricht, kann es keine Prophetie von Gott sein.
Dann als zweites: Von der Qualität und Klarheit der Botschaft. Ist sie hilfreich? Ist sie aufbauend? Ist sie auch mit Liebe gesprochen?
Denn auch prophetische Rede – auch wenn ein Mensch damit begabt sein sollte – kann er sich im Ton verfehlen. Und es kann ein Kern Wahrheit drin stecken und dennoch kann sich Menschlichkeit mit einfließen lassen.
Und es ist etwas damit drin vermischt, in dieser Prophetie: Was nicht von Gott ist. Oder ist sie da verwirrend oder destruktiv – vielleicht sogar wirklich zerstörerisch?
Und dann als drittes: Wird diese Prophetie dem Auftrag gerecht? Dem Auftrag, den wir im ersten Korintherbrief Kapitel 14 auch gelesen haben: Dient sie dem Leib Christi? Oder geht es um vielleicht Selbstdarstellung, persönlichen Profit?
Irgendwelche Menschen in Verbindungen oder in irgendwas hineinzuführen – was nicht gut ist. Etwas Ungeistliches, Liebloses oder Hochmütiges.
Und dann müssen wir auch Prophetie korrigieren – oder sogar sagen: Das ist nicht von Gott. Denn Prophetie soll immer etwas von Gottes Herzen widerspiegeln und das bedeutet: Sie richtet auf – und sie drückt nicht nieder.
Für uns als Gemeinde ist das vielleicht sehr herausfordernd. Wir sind eingeladen, sensibel für Gottes Reden zu sein. Vielleicht haben wir prophetische Eindrücke schon so erlebt – ohne sie als solche wirklich wahrzunehmen oder so zu bezeichnen.
Vielleicht gibt es in unserer Mitte Menschen, die Gott auf diese Weise gebraucht – aber sich bisher nicht getraut haben, das so weiterzugeben. Die Herausforderung ist: Mutig und zugleich verantwortungsvoll mit Prophetie umzugehen. Offen für dieses Wirken des Heiligen Geistes zu sein – aber mit der nötigen geistlichen Reife alles auch zu prüfen.
Am Anfang stand hier die Glaskugel, das trügerische Bild einer Prophetie, die in Wahrheit keine ist. Doch während wir gemeinsam nachgedacht haben, ist etwas anderes entstanden: Stein für Stein wurde eine Mauer aufgebaut – nicht um abzugrenzen – sondern als ein Bild für das, was echte Prophetie tut.
Sie erbaut, sie ermutigt, sie tröstet.
Und stell dir vor, wie diese Mauer weiter wächst – wie jeder von uns mit dem, was Gott ihm gibt, daran auch baut. Eine Gemeinde, in der Prophetie nicht Spekulation ist – sondern Gottes lebendige Stimme widerspiegelt. Eine Gemeinde, die nicht stehen bleibt – sondern wächst: Weil Gott selbst der Baumeister ist.
Gott baut seine Gemeinde auch mit prophetisches Reden. Amen.