Gemacht für mehr Liebe
Predigt

Gemacht für mehr Liebe

Christopher NorkChristopher Nork
Sonntag, 11. Mai 2025 · 10:00 Uhr
Epheser 3,14-21
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

So, auch von mir hier vorne noch mal einen guten Morgen und auch einen gesegneten Muttertag. Heute wollen wir viel Dankes Gott dankbar sein, dass Sie da sind und dass es diesen besonderen Tag gibt. Nicht nur Mütter, sondern auch Großmütter und vielleicht auch geistliche Mütter oder Bonusmütter. Manche haben ja noch mal so eine Ziehmutter, so zusätzlich, wo man sagt: "Okay, da fühle ich mich heimisch." Und wir wollen Danke sagen – Danke an Gott, dass er Ihnen Liebe geschenkt hat, dass er Ihnen Geduld, Stärke und Treue gegeben hat, damit Sie einfach die Zöglinge großziehen können. Also, ihr gebt viel, oft auch im Verborgenen, oft ohne Pause. Und heute wollen wir, dass auch diese Liebe – und wir glauben daran, dass die Liebe nicht aus euch selbst kommt, sondern von Gott – gefeiert wird. Gleichzeitig weiß ich: Muttertag ist nicht für alle ein Tag der ungetrübten Freude. Vielleicht denkst du heute an deine Mutter, die nicht mehr da ist. Vielleicht bist du in einer schwierigen Beziehung zu ihr. Vielleicht wünschst du dir selbst sehnlichst, Mutter zu sein und es ist bisher nicht eingetreten. Oder du trägst den Schmerz eines Verlustes in dir. Und wenn das heute dein Empfinden ist, dann möchte ich dir sagen: Du bist da nicht allein und du bist heute nicht fehl am Platz. Im Gegenteil – gerade in solchen Momenten brauchen wir einander und brauchen wir Gott. Ein Vers aus dem Römerbrief fasst das zusammen: "Freut euch mit den Fröhlichen, trauert mit den Weinen." Wir als Gemeinde wollen ein Ort sein, wo beides Platz hat: Ehrliche Freude und ehrlicher Schmerz. Und beides darf heute da sein. Und mit diesen offenen Herzen möchte ich dich einladen, heute gemeinsam mit mir auf ein Gebet zu schauen – das Paulus für eine junge Gemeinde gebetet hat. Ein Gebet, das nicht nur für ihn selbst galt, sondern für die Gemeinde damals. Und ich glaube, dass dieses Gebet auch uns heute noch etwas sagen soll. Es ist ein Gebet, das sich um etwas dreht, was wir alle dringend brauchen: Ob nun Mutter oder nicht, ob voller Freude oder voller Fragen – nämlich die Liebe Gottes. Und bevor wir gleich in den Text tiefer eintauchen, sind wir ja mittendrin in einer Predigtreihe, die heißt "Gemacht für mehr". "Gemacht für mehr." Und der Epheserbrief, durch den wir uns Kapitel für Kapitel bewegen, zieht genau diese Linie. Paulus schreibt an Menschen, die Jesus kennengelernt haben und jetzt entdecken dürfen, wofür sie eigentlich gemacht sind. Und jeder Abschnitt bringt einen neuen Aspekt ins Licht. Aber der rote Faden bleibt: Du bist gerufen, geliebt, gesendet – gemacht für mehr. Paulus schreibt den Epheserbrief und damit auch das Gebet, was wir gleich uns vornehmen, aus dem Kapitel 3 nicht aus einem komfortablen Umfeld heraus. Er sitzt nämlich aktuell, als er diesen Brief schreibt, im Gefängnis. Und doch ist sein Herz voller Hoffnung und voller Leidenschaft – nicht für sich selbst, sondern für diese junge Gemeinde in Ephesus. Er betet für die Menschen in der Gemeinde und zwar nicht um äußere Veränderungen, nicht um bessere Umstände, sondern um die innere Kraft für diese Menschen. Um eine Tiefe im Glauben, die uns auch dann trägt, wenn das Leben uns müde macht. Lass uns das Gebet einmal im Ganzen gemeinsam lesen und dann ein paar Gedanken dazu empfalten. Ich werde Epheser 3, die Verse 14 bis 21, vorlesen: „Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, vor dem jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde seinen Namen hat. Ergebe euch Kraft aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit, dass ihr durch seinen Geist gestärkt werdet im inneren Menschen. Durch den Glauben wurde Christus in euren Herzen, in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet. So sollt ihr mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und die Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr erfüllt werden in die ganze Fülle Gottes hinein, dem aber der Gemäß der Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder erdenken. Ihm sei die Herrlichkeit in der Kirche und in Christus Jesus bis in alle Generationen für ewige Zeiten. Amen.“ Das ist das Gebet von Paulus, was er für die Gemeinde spricht. Das sind nur wenige Sätze, aber in diesen Sätzen steckt viel Inhalt. Und er hat eine Fürbitte für die Gemeinde – und wir tauchen gleich in die erste Bitte ein. Ich finde sie nämlich sehr stark: Sie soll, das ist die Bitte darum, dass die Gemeinde gestärkt werde im Inneren heraus durch Gottes Geist. Also nochmal den Vers 16: „Ergebe euch Kraft aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit, dass ihr durch seinen Geist gestärkt werdet im inneren Menschen.“ Paulus weiß: Unser Glaube steht und fällt nicht mit dem, was wir nach außen hin zeigen, sondern mit dem, was in uns lebt. Er bittet nicht um Stärke für die Muskeln und den Terminkalender, sondern er bittet für das Herz – für das, was niemand sieht, aber was alles bestimmt. Und mal ehrlich: Wie oft merken wir, dass wir innerlich müde sind – nicht einfach nur gestresst, sondern wirklich erschöpft, leer, ausgepowert, emotional dünnhäutig? Manchmal funktioniert nach außen noch alles, aber innen fehlt einfach die Kraft und man steht morgens auf und denkt gleich schon mit dem ersten Gedanken: „Ich habe keinen Bock.“ Und genau hier setzt Paulus an. Es gibt eine Kraftquelle, die über das Menschliche hinausgeht – eine Kraft, die nicht auf Leistungen basiert, sondern auf die Beziehung zu Gott. Paulus nennt sie die Kraft durch seinen Geist, also den Heiligen Geist, der uns geschenkt ist. Und diese Kraft wirkt im inneren Menschen – also da, wo deine Identität, deine Entscheidungen, deine Hoffnung leben. Denn der innere Mensch war ein Begriff, der sehr vertraut für die damaligen Menschen war und darunter haben sie wirklich drei Dinge verstanden: nämlich die Vernunft, das Gewissen und der Wille – dass man in diesen drei Dimensionen vom Gottesgeist gestärkt ist. Wie oft investieren wir in unsere gesunde Ernährung, laufen Kilometer, lesen vielleicht sogar Etiketten auf Lebensmitteln? Ich sage nicht, dass das falsch ist, aber wie oft kümmern wir uns nun darum – und wann haben wir das letzte Mal gefragt: „Wie geht es eigentlich meiner Seele?“ Wann habe ich sie genährt mit der Kraft, die wirklich trägt – nämlich mich in die Gegenwart Gottes zu begeben? Und ich finde das unheimlich oder unglaublich tröstlich: Gott möchte uns nicht nur äußerlich helfen. Er will uns im Kern unseres Seins stärken – nicht oberflächlich, sondern so tief, dass unsere Seele wieder atmen kann und wir an Kraft gewinnen. Und es gibt – vielleicht beginnt es mit einem einfachen Gebet, was man heute sprechen kann: „Ja, ich brauche dich, ich schaffe es nicht aus eigener Kraft, bitte stärke mich innerlich.“ Das ist kein Gebet der Schwachen; es ist das Gebet derjenigen, die erkannt haben, dass wahre Stärke dort beginnt, wo ich meine Abhängigkeit von Gott wirklich anerkenne. Paulus schreibt weiter – ab Vers 17: „Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen, in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet. So sollt ihr mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr erfüllt werden in die ganze Fülle Gottes hinein.“ Was für ein Bild erstmal – und schon das erste Wort hat Gewicht: „Wohne Christus in euren Herzen.“ Das klingt fast harmlos, ist aber theologisch ganz, ganz tief. Im Griechischen steht hier das Wort "kathokeio" und das bedeutet nicht: Jesus kommt mal kurz vorbei, schaut sich um und geht wieder weiter. Nein, "kathokeio" meint dauerhaft wohnen – sich niederlassen, ein Zuhause finden. Es steht im Gegensatz zu einem anderen griechischen Wort, das der Begriff dafür ist, dass man eigentlich nur zu Gast mal kurz da wohnt – einfach nur mal beiläufig vorbeikommt und dann wieder geht. Und um das greifbar zu machen: Stell dir einmal folgendes Bild vor: Du bist zum ersten Mal bei jemanden eingeladen. Du bist höflich, vielleicht erstmal zurückhaltend, lehnst vielleicht auch erstmal ab, was dir angeboten wird. Sagst du: „Nein danke“, weil du nicht aufdringlich sein willst – wartest lieber erstmal ab. Aber je öfter du kommst, je mehr Vertrauen da ist, desto freier wirst du und irgendwann sitzt du ganz selbstverständlich auf dem Sofa, kennst den Weg zur Küche und hast keine Scheu mehr selbst vielleicht sogar an den Kühlschrank zu gehen. Weil klar ist: Du gehörst hier hin – du bist willkommen. Und so will Jesus in deinem Leben wohnen – nicht als Gast, sondern als Teil deines Alltags. Nicht nur sonntags, nicht nur in den sauberen Räumen, sondern auch dort, wo es vielleicht unaufgeräumt ist, wo du dich selbst vielleicht lieber verschließest würdest. Und die Frage ist: Ist dein Herz ein Ort, wo Jesus wirklich wohnen darf – oder gibt es Türen, die du lieber geschlossen hältst? Darf Jesus bei dir wohnen – oder lässt du ihn nur als Gast rein? Und heute ist eine gute Gelegenheit, ihm neu zu sagen: „Jesus, du darfst hier wohnen – ganz. Nicht nur als Besucher, sondern als der Herr dieses Hauses.“ Jesus will nämlich nicht nur Besucher sein; er will dein Mitbewohner sein, dein Herr – der bleibend. Und wenn er bleibt, verändert sich etwas. Paulus sagt: „Ich bete, dass Christus in euch wohnt und dass ihr in der Liebe verwurzelt und gegründet bleibt.“ Verwurzelt wie ein Baum, der tief im Boden steht – gegründet wie ein Haus auf stabilen Fundament. Paulus sagt damit: Das Fundament deines Lebens soll nicht deine Leistungen sein, nicht dein Erfolg, nicht wie gut du durch den Tag kommst oder was andere über dich denken. Das Fundament soll die Liebe Gottes sein – die in dir wohnt. Und damit meint er: Auch wenn er es um Liebe spricht, meint er kein nettes Gefühl oder irgendwie einen netten Gedanken – sondern eine Kraft, eine Kraft, die wirklich trägt. Eine Liebe, die nicht schwankt, die bleibt auch, wenn du selbst zweifelst – eine Liebe, die uns hält, wenn unsere eigenen Kräfte auch versagen. Paulus beschreibt diese Liebe mit vier Dimensionen: Länge, Breite, Höhe und Tiefe. Und er will damit sagen: Gottes Liebe ist größer – größer als wir sie je begreifen können. Sie reicht weit genug, um jeden Menschen einzuschließen, egal wie weit er weg ist. Sie geht tief genug, um auch die dunkelsten Stellen in uns zu erreichen – das, was wirklich im Verborgenen liegt, das, was vielleicht wir gar nicht bewusst wahrnehmen, aber unser Leben trotzdem unbewusst bestimmt. Sie ist hoch genug, um uns mit dieser himmlischen Perspektive zu erfüllen – sie reicht in den Himmel hinauf und sie ist lang genug, um bis in die Ewigkeit zu tragen. Wir müssen nicht zweifeln; wir dürfen einfach geborgen bleiben in dieser Liebe. Und dann sagt Paulus etwas Erstaunliches: „Ich bete, dass ihr die Liebe Christi erkennt – die alle Erkenntnis übersteigt.“ Mit anderen Worten: Du kannst noch so viele theologischen Bücher lesen, aber wenn du Gottes Liebe nicht erlebst, bleibt sie bloße Theorie. Paulus betet, dass wir sie erfassen, erfahren, wirklich erleben – nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Dass wir sie aufnehmen wie ein trockener Boden das Wasser – tief, sättigend, lebensverändernd – sodass etwas Neues entstehen kann. Und vielleicht ist das heute dein größtes Gebet: „Her, lass mich deine Liebe neu erleben – nicht nur wissen, dass du mich liebst, sondern es wirklich auch spüren, vertrauen und mich darauf zu ruhen.“ Paulus endet sein Gebet mit einem kraftvollen Lobpreis, fast wie ein Ausruf, der aus ihm herausbricht. Vers 20: „Dem aber der Gemäß der Macht, die in uns wirkt – unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder erkennen.“ Ihm sei die Herrlichkeit in der Kirche und in Christus Jesus bis in alle Generationen für ewige Zeiten. Das ist ein Vers, den man sich auch einrahmen kann – das vielleicht gerade dann, wenn man an die eigenen Grenzen kommt, wenn man nicht mehr weiter weiß und wenn man vielleicht auch nicht mehr weiß, was man beten soll, wenn man denkt: „Das wird sich nie ändern oder für diese Situation gibt es keine Lösung mehr.“ Paulus sagt: Doch. Gott kann – und zwar mehr als du je zu bitten wagst, mehr als du zu hoffen wagst, mehr als du überhaupt denken kannst. Warum? Weil dieselbe Kraft, die Jesus aus dem Grab geholt hat, in uns wirkt durch seinen Geist. Wir reden hier nicht über Wunschdenken oder positives Denken – sondern über göttliche Kräfte, die in uns wirken. Die Frage ist: Trauen wir Gott das noch zu? Oder beten wir so klein, wie wir denken? Ich glaube Paulus will uns Mut machen: Betet nicht gemäß deiner Vorstellungskraft, betet gemäß Gottes Möglichkeiten. Ein alter Missionar-Pionier, William Carey, der in Indien missioniert hat, hat einmal gesagt: „Erwarte Großes von Gott – wage Großes für Gott.“ Das heißt nicht, dass Gott immer so handelt, wie wir wollen. Und ich muss auch sagen, ich bin da manchmal selbst sehr zurückhaltend, weil ich weiß, dass Gebete sich vielleicht nicht so erfüllen, wie ich sie mir gerne wünsche. Aber es heißt: Er kann – er kann und er hört. Er kann und er hört – nichts, was du ihm im Gebet hinlegst, ist vergeblich, auch wenn es dich vielleicht nicht in deinem Sinne erfüllt. Vielleicht wartest du gerade auf eine Veränderung oder du betest seit Jahren für eine Person oder du wünschst dir, dass Gott dir in dir selbst etwas heilt oder wiederherstellt. Dann möchte Paulus uns daran erinnern: Er kann mehr tun – viel mehr, weit mehr – als das, was wir erdenken. Und am Ende dieses Gebets steht nur noch eins: Ihm sei die Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus in alle Ewigkeit. Darum geht es nicht um unser Ansehen, nicht um unsere Kontrolle, unseren eigenen Interessen – sondern um Gottes Ehre. Und darum dürfen wir groß beten mit einem noch größeren Vertrauen. Wenn wir uns dieses Gebet von Paulus anschauen, dann entdecken wir ein tiefes Herzensanliegen, was in Paulus auch vorgeht: Dass die Gemeinde – und ich schließe uns damit ein – dass wir Gottes Liebe nicht nur hören, sondern wirklich spüren. Dass wir nicht nur über Gott reden, sondern mit ihm leben. Dass unser Glaube nicht an der Oberfläche bleibt, sondern wirklich verwurzelt wird: tief, stark und unerschütterlich. Und vielleicht merkst du heute: Genau das brauche ich eigentlich – denn ich fühle mich kraftlos; ich weiß nicht mehr weiter. Du sehnst dich nach dieser neuen Kraft – vielleicht kämpfst du im Inneren mit Zweifeln oder mit einer Dürre, mit einer Trockenheit – oder vielleicht weißt du vieles über Gott, aber du hast seine Liebe lange, lange nicht mehr wirklich erlebt. Dann darfst du heute beten – so wie Paulus gebetet hat: „Du darfst bitten: Herr, stärke mich; pflanze mich neu in deine Liebe; tu mehr, als ich nur sehen kann.“ Denn du bist geschaffen, um geliebt zu werden – geliebt zu werden von Gott und um diese Liebe weiterzugeben. Nicht aus eigener Kraft, sondern aus der Kraft, die in uns lebt, weil Christus in uns wohnt. Und zum Schluss lade ich dich ein: Innerlich zu fragen – wo brauche ich gerade Gottes Kraft? Wo darf ich heute neu verwurzelt werden in seiner Liebe? Wo habe ich vielleicht zu klein gebetet und will neu anfangen, Gott Großes zuzutrauen.