Ich weiß noch ganz genau, wie ich sehnsüchtig auf diesen einen Film als Jugendlicher gewartet habe: *300*. Wer kennt den Film? Ganz wenige nur. Das ist die Geschichte der Spartaner, die sich bei Thermopylae einer riesigen Übermacht entgegenstellen mussten – und das waren 300 Spartaner gegen die Perser, die als Übermacht kamen. Sie kämpften in einer kleinen, engen Schlucht gegen sie, standhielten.
Klar: Es war überzogen, es war auch brutal. Also die Freigabe ist auch ab 18 – stilisiert aber eben auch bildgewaltig und eindrucksvoll. Diese Männer standen Schild an Schild, kein Spalt zwischen ihnen. Jeder war auf den anderen angewiesen: Wenn einer schwach wurde, riss das die ganze Linie auf. Aber solange sie zusammenhielten, war da diese unüberwindbare Front – unbeweglich, entschlossen, furchtlos.
Und mich hat das damals beeindruckt nicht nur wegen der Action oder diesen Slow-Motion-Szenen, die in diesem Film waren, sondern weil da etwas mitschwang: Stärke entsteht nicht durch einzelne Kämpfer, sondern durch Gemeinschaft. Wenn jeder seinen Platz kennt und einer für den anderen da ist.
Und jetzt viele Jahre später denke ich manchmal: Wäre die Gemeinde vielleicht auch so eine Einheit – eine Schutzlinie Schulter an Schulter? Aber die Realität sieht oft anders aus. Viel eher fühlen wir uns wie eine chaotische Truppe ohne klare Formation. Manchmal verletzt uns gerade der Nebenmann, oder wir zweifeln ob überhaupt jemand mit uns steht. Oder es fällt uns schwer, offen, ehrlich und verbunden auch in dieser Gemeinschaft zu leben – als wären wir mitten im Gefecht, aber ohne die Rüstung, ohne die Einheit, ohne das Bewusstsein, dass wir überhaupt in einem Kampf stehen.
Dabei beschreibt Paulus in Epheser 6 genau das: Dass wir mitten drin sind. In keinem physischen Kampf, sondern in einem geistlichen Kampf – nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte, die uns spalten, lehmen und entgegen wollen.
Und er ruft nicht den Einzelnen zu „Ziehe deine Rüstung an“, sondern der ganzen Gemeinde: Zieht sie gemeinsam an, damit ihr standhalten könnt als Einheit. Und so schreibt Paulus an die Gemeinde in Epheser 6, Kapitel 6 ab Fest 10 – lese ich vor aus der Basis-Bibel:
Es ist ein Schlussgedanke und es heißt dann: „Und schließlich werdet stark durch eure Verbundenheit mit dem Herrn. Lasst euch stärken durch seine Kraft! Legt alle Waffen an, die Gott euch gibt, dann könnt ihr dem Teufel und seiner Hinterlist wieder stehen. Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut – er richtet sich gegen die Mächte und Gewalten, die Weltherrscher, die diese Finsternis regieren. Ja, er richtet sich gegen die bösen Geister, die im Reich der Lüfte herrschen! Deshalb sollt ihr zu allen Waffen greifen, die Gott euch gibt – damit könnt ihr in den schlimmen Tagen Widerstand leisten. Und wenn ihr alles richtig zum Einsatz bringt, könnt ihr dem Angriff standhalten.
Also: haltet Stand!
Tragt die Wahrheit als Gürtel um eure Hüfte und zieht die Gerechtigkeit als Brustpanzer an! Tragt an euren Füßen als Schuhe die Bereitschaft, die gute Nachricht vom Frieden zu verkündigen – was auch kommen mag. Ergreift als euren Schild den Glauben: Mit ihm könnt ihr alle brennenden Pfeile abwehren, die der Böse gegen euch schießt! Nehmt den Helm eurer Rettung entgegen und lasst euch das Schwert geben, dass der Heilige Geist euch schenkt – das Wort Gottes. Betet und bittet zu jeder Zeit: Lasst euch dabei vom Heiligen Geist leiten. Seid dabei stets wachsam und hört nicht auf, euch für alle Heiligen zu bitten.“
Wenn du mit uns durch den Epheser-Brief gegangen bist, dann weißt du: Die Reise war ein intensiver Weg durch unsere Berufung, durch unsere Identität, unseren Platz in Gottes großer Geschichte. Paulus hat Kapitel für Kapitel entfaltet, was es heißt, in Christus zu leben und wofür wir gemacht sind.
Vom ersten Kapitel an ruft uns Paulus zu: „Ihr seid gemacht für mehr – mehr als ein frommes Programm zur Verwirklichung von sich selber. Mehr als religiöses Pflichtbewusstsein. Mehr als ein ruhiger Platz auf der Kirchenbank.“
In Kapitel eins bis drei hat Paulus uns den Spiegel hingehalten: nicht irgendwie, um uns schlecht zu machen, sondern unsere Identität aufzuzeigen – die wir in Christus haben.
Wir sind geliebt. Wir sind gerettet. Wir sind gesegnet mit allem, was der Himmel zu bieten hat.
Kapitel vier und fünf dann eine Einladung: Diese Identität in Christus auch zu leben – miteinander in echter Gemeinschaft, in der Gemeinde und im Alltag.
Und jetzt Kapitel sechs. Plötzlich wirkt es als würde der Ton wechseln. Plötzlich ist da Kampf, Rüstung, Feinkontakt: Als hätte sich die Stimmung irgendwie verdichtet und verändert. Aber das ist kein plötzlicher Bruch – das ist der logische nächste Schritt für Paulus.
Denn wer seine Identität in Christus kennt, wer sich aufmacht im Licht zu leben, wer sich nach Einheit sehnt und sich in Beziehungen begibt: Der wird früher oder später merken: Es gibt Widerstand. Und dieser Widerstand ist oft gar nicht so laut und nicht offensichtlich – kein Drache mit Hörnern und Rauch, eher wie vielleicht so ein kalter Gegenwind, wie eine Stimme im Inneren, die Zweifel sät.
„Meinst du wirklich: Du bist geliebt? Warum überhaupt Mühe geben? Bringt doch eh nix. Hier in der Gemeinde vertrauen nicht öffne dich lieber nicht – du wirst verletzt.“
Die Schlacht von der Paulus spricht, tobt nicht irgendwo da draußen vor den Türen, in dunklen Gassen: Sie beginnt in uns selbst.
Viele denken bei geistlichen Kampf sofort an den moralischen Verfall der Gesellschaft, an politische Kämpfe oder an „die große böse Welt“ da draußen. Doch Paulus richtet unser nicht zuerst nach außen – sondern nach innen: Die eigentliche Auseinandersetzung beginnt in unseren Gedanken, in unserem Herzen, in unseren Beziehungen – dort wo Zweifel, Stolz, Angst oder Misstrauen wurzeln schlagen. Da ist der Kampf.
Als Jesus in der Wüste war: Es sah von außen aus wie ein einfacher Überlebens-Trip. Aber der wahre Kampf lief auf anderer Ebene. Der Teufel sagte nicht „Ich werde dich besiegen“, er sagte: „Wenn du wirklich, wenn du wirklich Gottes Sohn bist…“ Der erste Angriff zielte nicht auf seine Kraft – sondern auf die Identität Jesu.
Und genau das ist auch unsere größte Herausforderung:
Bevor wir den Schild hochhalten oder Schwert ziehen müssen, wissen wir: Wer wir sind. Und vor allem: Wessen wir sind.
Wer Epheser 6 liest, sieht schnell das Bild vor sich: Ein Soldat ausgerüstet mit Helm, Brustpanzer, Schild und Schwert – bereit für den Kampf. Und vielleicht hast du das auch so gelernt:
Jeder Christ soll sich diese geistliche Waffen-Rüstung anziehen – Stück für Stück jeden Morgen neu.
So wie ein Geistlicher Allein-Gänger der bereit sein muss, den Angriffen Satans dann auch stand zu halten. Aber vielleicht haben wir das zu sehr durch unsere individualistische Brille gesehen.
Paulus schreibt nicht an einzelne Personen – sondern an eine Gemeinschaft, an eine Gemeinde, an ein „Ihr“ und dieses „Ihr“ zieht sich durch den ganzen Epheser-Brief schon. Schon in Kapitel vier bezeichnet er die Gemeinde als Leib Christi: Viele Glieder aber ein Körper – viele Stimmen aber ein Glaube – viele Wege, ein Ziel.
Und wenn wir also das Bild der Waffen-Rüstung anschauen, dann dürfen wir es nicht isoliert betrachten. Es geht nicht um einen einsamen Krieger, der durch die geistliche Wildnis stapft – es geht um eine kämpfende, bestehende, verbundene Gemeinde: Eine Einheit Schulter an Schulter.
Wie die Spartaner und so dann auch die Römer sie gewannen nicht durch einzelne Helden, sondern durch diese geschlossene Einheit. Diese geschlossenen Reihen – damit fängt es an.
Es war nicht irgendein modisches Accessoire: So wie heute. Es hielt die Rüstung nämlich zusammen. Ohne den Gürtel hing alles lose flatternd herum, stürzte beim Gehen der Gürtel zog die Tunika fest – stabilisierte den Körper und an ihm hing dann auch das Schwert.
Für uns heute bedeutet das: Die Wahrheit ist das, was uns zusammenhält. Nicht nur im Sinne von richtig oder falsch – sondern im biblischen Sinne als etwas, das trägt, verlässlich ist, treu bleibt.
Vielleicht klingelt das bei dem einen oder anderen? Letzte Woche bei der Finchspredigt haben wir auch über Wahrheit gesprochen: Was ist eigentlich Wahrheit im biblischen Sinne?
Und am Ende ist Wahrheit eine Person – nämlich Gott selbst. Wenn wir aufhören ehrlich zu sein mit Gott, mit uns, wenn wir uns etwas vormachen, übereinander reden aber nicht miteinander – dann verlieren wir auch Stabilität: Wir verlieren das Vertrauen, wir verlieren den Halt.
Wahrheit ist nämlich das, was Halt bietet. Doch wenn wir in Liebe wahrhaftig sind, treu in unseren Worten, verlässlich in unserem Umgang miteinander – dann halten wir fest zusammen und dann ist kein Platz für Zweifel, für Zwietracht.
Als nächstes kommt der Brustpanzer: Und der schützte das Herz – die empfindlichste Stelle. Der Sitz des Lebenskrafts – und diese ist so verletzlich.
Unsere Gerechtigkeit ist keine Selbstdarstellung, sondern ein Verhalten, was wir an den Tag legen. Es geht darum, dass wir einander gerecht begegnen: Das heißt respektvoll, ehrlich und auch versöhnend.
Wenn wir anderen in der Gemeinde nicht gerecht handeln – wenn wir mit unfairen Erwartungen, auch mit Härte oder Gleichgültigkeit reagieren – dann reißen wir Lücken in unsere Reihen. Doch wenn wir das Richtige tun, auch wenn es unbequem ist: Dann schützen wir uns gegenseitig. Dann bleibt das Herz heil.
Die römischen Soldaten trugen Schuhe mit dicken Sohlen und Nägeln darunter – so wie heute Spikes kennt ihr die Schuhe, die zum Laufen diese Spikes damit hatten sie dann einen festen Stand auch in unbequemem Gelände. Sie konnten dann lange Strecken marschieren und zurücklegen – die vielleicht auch sehr rutschig waren – und dadurch hatten sie mehr Halt und sie waren mobil: Dadurch bereit sich schnell zu bewegen.
Frieden, auch im biblischen Sinne, ist nicht nur das ruhige Gefühl im Bauch. Frieden ist Beziehung, Versöhnung, Verbindung – vor allem die Verbindung erst mal mit Jesus, den Frieden mit Gott. Und diese Schuhe sagen: Ich bin bereit dann auch Schritte der Liebe auf andere Menschen zuzugehen.
Ich warte nicht nur ab. Ich bleibe nicht stehen. Ich bin bereit den ersten Schritt zu tun – auch wenn es mal Mut braucht, auch wenn ich verletzt wurde, auch wenn es hier sehr unbequem wird.
Dann ein römisches Schild: So ein römisches Schild war riesig – fast wie eine Tür. Das Schild schützte nicht nur den, der ihn trug, sondern auch den Neben ihm. Und bevor es in den Kampf ging, wurde das Schild mit Wasser in Wasser getaucht – damit die feurigen Pfeile, die der Feind schoss, nicht das Lager in Brand setzten.
Und so ist unser Glaube: Nicht nur das Gefühl „Ich bin da ganz sicher“, sondern ein gelebtes Vertrauen auf Gott und aufeinander. Wenn ich glaube, dass Gott treu ist – kann ich auch dich tragen, wenn du schwach bist. Wenn du glaubst, dass Gott größer ist als dein Zweifel – kannst du mich schützen, wenn ich ins Wanken gerate.
Und gemeinsam löschen wir die brennenden Pfeile auf uns zu fliegen: Anklage, Misstrauen, Spaltung.
Und dann ist da der Helm. Der Helm, den man sich aufsetzt – aber das ist das Erste, was man braucht, wenn es ernst wird. Ohne Helm lebensgefährlich: Der Kopf ist die Schaltzentrale – wenn dort etwas trifft, ist alles andere egal. Gottes Rettung ist dieser Helm.
Gottes Rettung ist dieser Helm und die Rettung schützt unser Denken, unser Urteilen, unsere Sicht auf die Welt. Wenn du weißt, dass du gerettet bist, dass dein Leben bei Jesus sicher ist – dann gehst du ganz anders durch den Tag, ganz anders in den Alltag hinein.
Dann lässt du dich nicht so leicht verunsichern. Dann hörst du zwar die Stimmen, die dich anklagen oder auch entmutigen wollen – aber du weißt: Wer du bist und wem du gehörst.
Bisher ging es vor allem um das Schützen, um Standhalten, Abwehren, Deckung geben. Doch Paulus bleibt nicht dabei stehen. Er bringt jetzt einen Teil der Rüstung ins Spiel: Das Nach-vorne – also aktiv ist, das kämpft. Jetzt wird’s offensiv.
Das Schwert war gar kein Schmuckstück – es war dafür da: Aktiv auch zu kämpfen – nicht aus der Ferne, sondern im Nahkampf.
So ist auch Gottes Wort: Es trifft, es deckt auf, es führt zurück zur Wahrheit. Paulus nennt es das Schwert des Geistes – weil es nicht einfach irgendein Wort ist. Es ist von Gott selbst inspiriert, von dem Geist Gottes eingegeben und der Geist bringt es genau im richtigen Moment zur Anwendung.
Wenn wir heute „Wort Gottes“ hören: Denken wir ja oft an die Bibel. Paulus hatte damals natürlich noch keine Bibel in dieser Form – die wir heute haben und kennen. Aber die Botschaft Gottes, die Wahrheit, die von Gott selbst kommt – die war damals schon lebendig und sie ist es heute auch.
Darum ist es gut, wenn wir auch Bibelverse kennen: Nicht um damit dann auch anzugeben „wie toll wir uns in der Bibel auskennen“, sondern damit wir gewappnet sind. Um Wahrheit zu – um uns an die Wahrheit zu erinnern, wenn Lüge plötzlich auftaucht.
Um uns etwas einzureden: Was wir nicht sind – dann können wir uns daran erinnern: Wer wir sind. Wir können Hoffnung aussprechen, wenn Angst sich breit macht. Wenn jemand wirklich mit den Knien zittert und Sorge hat – dann können wir ihm Mut zusprechen.
Wenn die Dunkelheit jemanden versucht einzulullen – dann können wir Licht in sein Leben reinbringen: Indem wir einen ermutigen Bibelvers dem anderen weitergeben.
Jesus selbst hat genau das getan, als er in der Wüste vom Feind angegriffen wurde. Er hat keine Show gemacht – er hat einfach das Wort zitiert: Klar, kraftvoll und der Teufel hatte nichts mehr zu sagen.
Paulus hört beim Schwert aber nicht auf. Er sagt: Betet! Zu jeder Zeit mit aller Beharrlichkeit für euch selbst – aber vor allem füreinander!
Beten ist wie ich nenne es mal so eine Funkverbindung auf diesem Schlachtfeld im Kampf. Ohne sie wird es gefährlich.
Wenn wir aufhören zu beten, dann verlieren wir den Kontakt zu Jesus. Dann verlieren wir den Kontakt zu Gott – und wir verlieren auch: Wenn wir nicht gemeinsam beten, den Kontakt zueinander. Dann laufen wir vielleicht auch in verschiedene Richtungen.
Aber wenn wir verbunden bleiben mit Gott und auch untereinander – dann sind wir nicht aufzuhalten.
Eine Gemeinde die gemeinsam betet, gemeinsam das Wort Gottes kennt, gemeinsam ihre Rettung trägt wie ein Helm: Ist nicht ungeschützt. Sie bewegt etwas. Sie drängt das Dunkel zurück.
Und vielleicht erinnerst du dich noch an das Bild von Anfang – die 300 Spartaner: Schild an Schild, keine Lücke. Keiner kämpft allein. Jeder schützt seinen Nebenmann und alle wissen:
Wenn wir zusammenhalten, kann selbst eine Übermacht uns nicht brechen.
Ich glaube Gott ruft uns als Gemeinde genau dazu auf – nicht zu Helden, nicht zu Einzelkämpfern, sondern zu einer kämpfenden, bestehenden, lebenden Einheit: Die standhält. Zu Menschen die füreinander eintreten, die Wahrheit sagen, gerecht handeln, Frieden suchen, Glauben leben, Rettung tragen, Gottes Wort aussprechen und miteinander beten.
Und mitten in allem Kampf – bei allen Ringen und Fragen: Gilt:
Wir sind nicht allein. Der der uns diese Rüstung gibt an unserer Seite: Jesus selbst – er der die Finsternis besiegt hat, der durch den Tod gegangen ist und jetzt lebt – er ist unser Haupt, unser Schild, unser Wort, erst unser Friede.
Und wenn wir in seiner Kraft stehen, wenn wir Schulter an Schulter bleiben, wenn wir lernen einander zu tragen: Dann wird etwas sichtbar. Dann ist Gemeinde nicht ein Gebäude, in dem Veranstaltungen einfach stattfinden – dann wird sie zu einem Ort der Hoffnung, ein Bollwerk gegen die Angst, ein Licht in dieser Welt.
Dann wird deutlich:
Wir sind wirklich gemacht für mehr.