Taufe. Ich war 16, als ich mich taufen ließ und damals war das ein großer Moment für mich. Aber ehrlich gesagt, ich hatte zu damaligen Zeiten nicht alles verstanden und ich glaube, ich verstehe immer noch nicht alles.
Zwei Jahre vorher, bevor ich mich taufen ließ, hatte ich mich bewusst für Jesus entschieden. Ich war 14, innerlich auf der Suche, äußerlich vielleicht nicht so ganz laut auf der Suche, aber ich war auf der Suche. Ich bin in den Jugendkreis gegangen und dort habe ich das erste Mal bewusst wahrgenommen: Jesus hat eine Relevanz im Leben anderer Menschen. Und ich habe mir gedacht, das will ich auch haben.
Natürlich bin ich aufgewachsen in einer Gemeinde, hab das ganze volle Programm mitgemacht – Kindergottesdienst, Jugendschar, Jugendgruppe. Aber Gott, Jesus, das war für mich lange, ich sag mal wie so ein Möbelstück im Wohnzimmer meiner Eltern irgendwie da, aber nicht mein eigenes.
Dann kam dieser Moment und mir war klar: Ich will jetzt auch dabei sein. Ich wollte dazugehören und jetzt wirklich. Und ich wusste, Jesus ruft mich und ich sagte ja – vielleicht nicht ganz laut, aber mit ganzem Herzen. Das veränderte mein Innerstes, ganz langsam, aber tief und ich veränderte mich.
Wie gesagt: Dann zwei Jahre später ließ ich mich taufen und ich wollte zeigen, dass ich wirklich glaube, dass das mein Weg ist, dass es meine Entscheidung ist, mit Jesus zu gehen. Nicht die Entscheidung meiner Eltern oder von irgendjemand anderen, nicht die Entscheidung der Gemeinde, sondern meine eigene persönliche Entscheidung: ein Ja zu Jesus.
Und trotzdem – ich gebe es zu – es gab später Phasen in meinem Leben, da habe ich gedacht: War das vielleicht zu früh? Hätte ich nicht besser gewartet, bis ich reifer bin, mehr verstanden habe, weniger zweifle?
Und heute mit Abstand sage ich: Nein. Nicht weil ich damals alles kapiert habe, sondern weil ich damals auch ehrlich gewesen bin. Ehrlich – es war ein ehrliches Ja, ein ehrliches Ich will. Weil ich wusste: Jesus gehört in mein Leben und das reichte.
Taufe heißt nämlich nicht: „Ich weiß alles.“ Taufe heißt: „Ich vertraue.“ Ich vertraue auf Jesus jetzt und ich lasse los, was war – und ich trete in ein Neues hinein.
Aber noch mal viel tiefer gefragt: Was ist Taufe eigentlich? Ist sie nur so ein öffentliches Zeichen, was wir machen? Ist das so ein Ritual, was wir über die Jahrhunderte hindurch feiern? Ist das einfach nur Tradition – oder steckt da mehr dahinter, hinter der Taufe?
In der Bibel wird die Taufe nicht als nette Geste beschrieben. Sie ist auch kein symbolischer Akt mit ein bisschen Wasser, was geträufelt wird.
Für Paulus ist das ein radikales Zeichen, ein radikaler Akt, der tief in das Herzen der Menschen reingeht und der lebensverändernd ist. Er schreibt im Römerbrief nicht über irgendwelche Gefühle, sondern über eine Realität, die alles auf den Kopf stellt.
Und jetzt hört mal hin, was er sagt: Im Römer 6, Vers 3 bis 5. Dort schreibt er: „Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod. Auf das, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.“
Das klingt nicht nach „nass werden und dann weitermachen“. Das klingt nach: Wirklich Altes stirbt – Neues beginnt.
Die Taufe ist wie ein Schnitt in der Lebenslinie eines Menschen, ein Vorher und ein Nachher. Nicht sichtbar in der Kleidung, aber sichtbar dann im Herzen und im Verhalten, was die Menschen dann an den Tag legen.
In Vers 3: „Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?“ Paulus schreibt das nicht für uns als Info oder an die Empfänger. Es klingt da auch fast unglaublich: „Wisst ihr das nicht?“ Fast so, als hätte er erwartet, dass es jedem klar sein müsste, der getauft wurde.
Aber manchmal ist genau das der Punkt. Wir vergessen, was da wirklich passiert.
Taufe heißt: Da stirbt etwas in mir. Nicht mein Körper – aber mein alter Mensch und damit ist gemeint: Mein Ego, mein „Ich zuerst“, mein „Ich schaffe das schon allein“. Ich schaffe das ohne Gott. All das, was sich gegen Gott stellt, was sich selbst genug ist, was meint, keinen Retter zu brauchen – das geht unter, unter Wasser.
Wortwörtlich in der Taufe sterbe ich dann mit Christus. Das ist unsere geistliche Realität als Christen, die wir haben.
Und vielleicht denkst du: „Klingt hart.“ Und ich glaube, das ist es auch, weil wir Dinge zurücklassen. Aber genau darin liegt auch die Kraft – denn solange ich selbst regiere, hat dann Gott keinen Raum. Solange ich mich selbst retten will, kann Jesus mich nicht heilen.
Die Taufe ist die Antwort auf ein Leben, das sagt: „Ich lasse los, ich gebe ab, ich sterbe, um neu zu leben.“ Es ist ein bisschen so, als würdest du einen alten, völlig kaputten Rucksack ablegen. Du hast ihn jahrelang getragen – vollgestopft mit Schuld, Stolz, Selbstzweifel – und du hast dich an sein Gewicht gewöhnt, aber er hat dich gebeugt und auch zurückgehalten. Du bist langsamer geworden.
Und jetzt in der Taufe lässt du ihn los. Du legst ihn ab – nicht weil er repariert werden soll, sondern weil du ihn nicht mehr brauchst. Du brauchst ihn nicht mehr, denn du gehörst jetzt zu Jesus und er trägt dich.
Aber etwas muss noch passieren: Denn ein Tod ohne Beerdigung bleibt offen.
Paulus schreibt weiter: „So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod.“ Begraben – das ist irgendwie endgültig. Und da klingt es so ein bisschen, als wäre Paulus hier einer von einem Bestattungsunternehmen. Da kommt nichts mehr zurück.
Was beerdigt wird, bleibt unter der Erde – und Paulus sagt: Genau das passiert in der Taufe. Nicht nur sterben, sondern wirklich begraben.
Dein altes Ich, deine Schuld, dein Stolz, deine Schatten, deine inneren Dämonen haben keinen Platz mehr in deinem Leben. Sie gehören zur Vergangenheit – und die wird nicht mitgeschleppt, die wird einfach begraben.
Wer sich taufen lässt, zieht eine klare Linie. Keine halben Sachen, kein doppeltes Spiel. Die Taufe ist ein Bruch mit dem Alten, ein Abschied von früher.
Und ja: Das ist herausfordernd – aber es ist auch befreiend, denn was begraben ist, muss dich nicht mehr belasten.
Unser altes Leben ist wie – ich könnte sagen – so ein altes Auto mit Totalschaden. Es fährt nicht mehr, es lässt sich nicht mehr reparieren, egal wie viel Mühe du dir da auch gibst und reinsteckst. Neue Reifen bringen nichts, ein bisschen Lack auch nicht. Es gehört nicht in die Werkstatt – sondern auf den Schrottplatz.
Und genau das sagt Paulus: „Es wird begraben.“ Nicht renoviert, nicht wieder verschönert – sondern wir verabschieden es.
Denn wenn es nur ums Untertauchen ginge, ums Sterben und Begraben, dann wäre das eine düstere Geschichte. Aber genau hier kommt das Entscheidende: Dieses Untergehen verbindet uns mit Christus. Und deshalb führt es nicht ins Ende – sondern in ein ganz neues Leben.
Paulus schreibt weiter: „Auf das, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“
Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod – so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.
Und hier liegt die ganze Schönheit der Taufe: dieses Wunder in der Taufe. Sie endet nicht mit dem Tod – sie mündet im Leben.
Paulus sagt: „Gott hat Jesus auferweckt.“ Er ist auferstanden. Ohne dieser Kraft darfst du als Getaufte auch leben. Und das ist kein Zurück auf Null, kein Neustart mit alten Problemen. Das ist ein komplett neues Leben – das aus Gott kommt.
Das ist nicht mehr allein, denn du gehörst zu Christus. Du bist mit ihm verbunden. Du bist verbunden mit seinem Tod, ja – aber auch mit seiner Auferstehung.
Und das ist wie eine neue Identität, die dir zugesprochen wird. Du musst nicht mehr definieren, wer du bist. Du darfst entdecken: Wer du bist in ihm. Du musst nicht mehr alles im Griff haben. Du darfst wissen: Christus lebt in dir.