Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht. Wenn dieses Sprichwort sozusagen mit mathematischer Präzision – also der Frage des „Einmal“ – passieren würde, dann wäre wohl kein menschliches Zusammenleben mehr möglich. Aber auf der anderen Seite ist es so, dass wir doch irgendwie von Kindheit an durch die Umwelt und auch, denke ich schon, als Kinder aus eigenen Mechanismen lernen, nicht immer die Wahrheit zu sagen, sondern zu lügen. Also irgendwie lernen wir von Kindheit an zu lügen.
Vielleicht erscheint euch diese Aussage zu hart oder zu pauschal. Und ich stelle euch jetzt einfach mal eine Frage: Jemand fragt dich, wie es dir geht? Was kommt dir als Antwort schneller über die Lippen – eine der üblichen Floskeln, eine Halbwahrheit, schnell ablenken oder ich nenne es mal eine wahrhaftige Antwort, die sowohl der Situation als auch der Beziehung zu deinem Gegenüber angemessen ist?
Hier könnte man vermutlich jetzt gleich heftig in die Diskussion einsteigen und dann würden vielleicht solche Sätze kommen wie: „Aber wir können doch nicht immer jedem die Wahrheit sagen. Wir schwindeln doch alle irgendwie so ab und zu mal ein bisschen.“ Jemand anders wird vielleicht sagen: „Die Frage nach Lüge und Wahrheit, die ist doch nicht so einfach – schwarz-weiß.“ Oder jemand könnte sagen: „Manchmal müssen wir doch Not- oder Schutzlügen gebrauchen um uns oder andere zu schützen.“ Oder jemand sagt: „Nehmen wir Todkranken – sag ich die Wahrheit doch auch besser wohl dosiert?“ Das ist alles der Diskussion wert und ich will jetzt nicht mit solchen Grenzfragen von Seelsorge oder von Ethik starten, die damit auch zusammenhängen. Stattdessen will ich mal auf diesen speziellen Punkt unseres Alltags schauen – also diese Antwortfloskeln, die Höflichkeiten, die Halbwahrheiten, so die kleinen Weglassungen, die Entschuldigungen, so kleine Verfälschungen: ein bisschen untertreiben, ein bisschen übertreiben, „ach ich hab's vergessen“, „ach ich wusste es nicht“. Das sind Dinge, die in unserem Alltag drin sind und ich finde, ganz schnell werden sie Lüge oder bekommen diesen Touch der Lüge – oder sie sind zumindest nicht wahrhaftig.
Ich glaube, wenn wir über diesen Bereich der Lüge im Alltag und im Reden und in der Beziehung nachdenken, dürfen wir uns nicht am gesamtgesellschaftlichen Klima orientieren. Wir dürfen uns glaub ich nicht am üblichen orientieren – nicht daran, was man tut, und auch nicht an dem, was man bei sich selber eingespielt hat, an Antwort-, Reaktions- und Denkmustern.
Die Bibel erzählt gut 20 Geschichten, je nachdem sozusagen, wie man den Inhalt als Lüge wertet oder nicht – also gut 20 Geschichten, in denen ganz offensichtlich jemand lügt. Exemplarisch habe ich mal zwei der Kürzeren ausgewählt.
Die erste: Saul sandte Boten zu Davids Haus, um ihn am Morgen zu töten. Michal, Davids Frau, sprach: „Wirst du heute Nacht dein Leben nicht retten? Musst du morgen sterben.“ Michal ließ David durchs Fenster hinab und er entkam. Dann legte Michal den Hausgott aufs Bett, Ziegenhaar ans Kopfende und deckte ihn mit einem Kleid zu. Als Saul Boten sandte, David zu holen, sprach sie: „Er ist krank.“ Dann befahl Saul: „Bringt ihn samt Bett, damit ich ihn töte.“ Als die Boten kamen – das zweite Mal – da lag nur der Hausgott im Bett und Ziegenhaar an seinem Haupt. Da sprach Saul: „Warum hast du mich betrogen und meinen Feind entrinnen lassen?“ Michal antwortete: „Er drohte, lass mich gehen oder ich töte dich.“
Zwei sogenannte Schutzlügen von Michal – eine für ihren Mann, die andere für sich selbst. Die erste Lüge würden wir vermutlich sagen, verständlich, fast zwingend – aber die zweite war die zwingendere, denn in der Geschichte ist nichts berichtet und nichts sieht danach aus, dass das durch Drohung erreicht worden wäre.
Bei der zweiten wäre vielleicht kulturell gesehen eine auch ausreichende oder wahrhaftige Antwort gewesen: „Er ist mein Mann“ – oder ausreichend: „Er ist mein Mann und Herr.“ In einer patriarchalischen Gesellschaft wäre das das ausreichende Argument gewesen. Wahrhaftig wäre vielleicht die Antwort gewesen: „Er ist mein Mann, und ich liebe ihn“, wenn man davon ausgeht, dass das bei den beiden so war.
Die zweite Geschichte: Elia spricht zu Gott: „Ich habe für den Herrn Zebaroth geeifert – deine Israeliten haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich allein bin übrig. Nun trachten sie danach, auch mir das Leben zu nehmen.“ Gott spricht: „Geh und salbe Jehu zum König über Israel und Elisa zum Propheten an deiner Stadt. Ich habe siebentausend in Israel übrig gelassen – alle, die sich nie vor Baal gebeugt und ihn geküsst haben.“
Geht es hier auch um Lüge? Zumindestens geht es um so etwas wie eine ganz starke Selbsttäuschung in dieser Situation – eine Sicht der Realität, die sehr subjektiv ist. Und wie Gott darlegt: Auch eine falsche Sicht.
Denn Gottes Antwort macht ja deutlich: Neben Elia sind siebentausend und zwei Leute übrig, die sich nicht vor Baal gebeugt haben.
Also auch in unserem Inneren – was ja die Gründe sozusagen wieder gibt, warum wir uns wie verhalten, reden, antworten, uns verstellen, Halbwahrheiten sagen – auch in unserem Inneren gibt es solche Unwahrheiten oder manchmal sind das fast wie Lügen, die unser Denken bestimmen, die aber nicht der Realität entsprechen, die andere oder in dem Fall sogar Gott beschreiben.
Jetzt gibt es natürlich im Alten Testament eine Fülle von Aussagen zu Lüge und Wahrheit. Ich greife jetzt mal exemplarisch einen Begriff auf, der Wahrheit und anderes beschreibt – das werdet ihr gleich sehen: nämlich das hebräische Wort „emet“. Das wird oft als ein Schlüsselbegriff im Alten Testament beschrieben, kommt sehr oft vor. Und dieses Wort kann interessanterweise Wahrheit bedeuten, aber eben auch Zuverlässigkeit, Treue, Beständigkeit.
Sein Gewicht bekommt dieses Wort, weil es wiederholt zur Beschreibung von Gottes Wesen, von Gottes Wort dient – aber es kann eben nachdenkenswerterweise auch zwischenmenschliches Verhalten beschreiben. Die Worte, die damit zusammenhängen in der Sprachfamilie können sogar die Zuverlässigkeit, die Sicherheit, die Beständigkeit von Gegenständen beschreiben – und das ist was ganz Typisches fürs Alte Testament und auch fürs jüdische Denken natürlich.
Wahrheit ist im Alten Testament nichts Abstraktes, was in erster Linie hier oben denkend erfasst und beschrieben wird. Wahrheit ist vor allem ein Beziehungsbegriff. Wahrheit erweist sich nicht in dem, was wir wissen und wie wir das beschreiben – sondern sie erweist sich in dem, wie wir miteinander leben: ob wir in Zuverlässigen, in Treuen, in Beständigen, in sicheren Beziehungen miteinander leben. Und auch die Beziehung zwischen uns als Gott wird sowohl als eine von Wahrheit geprägte – eben eine Treue, eine sichere, eine Zuverlässige, eine Beständige – beschrieben.
Zwei Beispiele, wo dieses Wort gebraucht wird:
Das erste: „Er ist ein Fels, vollkommen ist sein Tun. Denn alle seine Wege sind recht. Er ist ein Gott der Emme.“ Eben der Treue kann das übersetzt werden, aber genauso richtig wäre der Wahrheit – und ohne Trug gerecht und gerade ist er.
Und dann das Ganze in Bezug auf Menschen gesetzt: „Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? Wer untadelig lebt und recht tut und redet die Wahrheit, eben wieder dieses Emme von Herzen.“
„Wer mit seiner Zunge nicht verleumdet, wer seinem Nächsten nichts Altes tut und seinen Nachbarn nichts schmäht.“
Hier sieht man sehr schön sozusagen wie dieses Reden in der Wahrheit einerseits eingebunden ist in das menschliche Miteinander, in die Beziehungen – aber gleichzeitig ist es wie eine Voraussetzung oder wie ein Zugang: etwas was sozusagen die Nähe Gottes vermittelt, wenn wir in solcher Wahrheit eben auch in unseren Beziehungen leben.
So das ist schon im Alten Testament ein starkes Moment. Aber wenn Wahrheit dann im Neuen Testament weitergeführt wird – dann bekommt es ja diese personenhafte Zuspitzung auf Jesus und auf den heiligen Geist, wo es einmal heißt: „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, ich bin das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ Und auch den Geist, den Jesus schickt – auch er wird mit der Wahrheit beschrieben: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in alle Wahrheit leiten.“
Also das Ganze zeigt: Wahrheit und Lüge als Gegenpart in der Bibel sind eben keine abstrakt-denkerischen Fragen – ist das jetzt schon Lüge? Ist das noch Wahrheit? Sondern es beschreibt ein Geschehen der Beziehung untereinander. Und daran ist Wahrheit eben vor allem gelebte Zuverlässigkeit, Beständigkeit, Treue.
Eine Frage daraus: Wenn Gott Wahrheit ist und wirkt – wenn Jesus die Wahrheit ist und den Geist der Wahrheit sendet – können wir als Glieder des Leibes Jesu, können wir dann unwahrhaftig miteinander leben? Und einfach weil es eine Gewohnheit ist, auch wie wir reden: Im Grunde genommen mit Worten, mit Floskeln belügen. Wenn man es weniger hart sagen will: Unwahrhaftig zueinander sein.
Passt das zusammen – Jesus die Wahrheit und wir, die wir so leicht in vielen zumindest nur noch bei der halben Wahrheit sind oder schon im Unwahrhaften?
Wenn ich noch einen Schritt an der Lüge weiterdenke: In der Bibel wird ja nicht nur die Wahrheit personifiziert in Jesus oder in Gott – auch der Ursprung des Bösen oder der Lüge wird personifiziert. Der Teufel war von Anfang an ein Mörder und stand nie auf dem Boden der Wahrheit, weil es in ihm keine Wahrheit gibt.
Wenn er lügt, redet er so, wie es seinem ureigensten Wesen entspricht – denn er ist ein Lügner, ja sogar der Vater der Lüge.
Wenn ich diese Aussage ganz schlicht ernst nehme: Ich bin jetzt keiner, der hinter jedem Busch einen Teufel und einen Dämonen oder einen bösen Geist oder sonst was sieht. Aber wenn wir davon ausgehen, dass es eine Wahrheit ist – dass auch der Teufel etwas personifiziertes ist – und wenn es richtig ist, dass sein Grundwesen Lüge, Unwahrheit, Täuschung sind: dass er das sozusagen erfindet, benutzt – dass seine Wirkungsweise ist.
Will ich dann nicht mit der Lüge so wenig wie möglich gemein haben? Und auch mit diesen unwahrhaftigen Antwortfloskeln, den Höflichkeiten aus Gewohnheit, den Halbwahrheiten, den Weglassungen, den Entschuldigungen und all so weiter?
Ich ergänze die Frage daher: Wenn der Böse Ursprung von Lüge und Unwahrheit ist – wenn Gott Wahrheit ist und wirkt – wenn Jesus die Wahrheit ist und den Geist der Wahrheit sendet – können wir dann als Glieder des Leibes Jesu miteinander unwahrhaftig leben? Uns aus frommer Gewohnheit die Lüge oder die halbe Wahrheit sagen?
Ich weiß, dass das natürlich ein haariges Thema ist. Ich weiß auch die Gründe, warum wir Dinge sagen – sehr breit und vielfältig sind.
Aber nehmt mal so die ganzen „Abers“ erst mal raus und versucht, das mal zu denken oder auch Gott zu fragen: Wenn mich heute Morgen zum Beispiel jemand fragt: „Peter, wie geht es dir?“
Dann wäre zum Beispiel die Antwort ganz gut gelogen – weil wenn ich meine Woche, die Tage anschaue, dann hat mir zum Beispiel die Vorbereitung der Bibelstunde, die ein ähnliches Thema hatte, die heutige Predigt, familiäre Dinge sehr zu denken gegeben. Hat mich sehr beschäftigt und ich bin verschiedene Situationen und Beziehungen innerlich durchgegangen – und habe dabei überlegt: Bin ich da eigentlich in meinem Reden und wie ich eine Beziehung lebe mit meinen Worten? Bin ich da eigentlich wahrhaftig oder lüge ich im Grunde genommen, selbst indem ich Dinge verschweige?
Wo die Beziehung eigentlich so ist, dass ich es sagen könnte – wenn ich zum Beispiel in der Beziehung sozusagen den schwierigen oder störenden Teil einfach nicht anspreche.
Und ich denke: Vielleicht ist es hart zu sagen. Das ist schon Lüge.
Ich weiß, vielleicht geht es auch nicht immer – aber im Grunde genommen kommt in dem Moment, wo ich so eine Störung mit mir weitertrage, schon etwas Falsches rein, etwas Störendes.
Also kann zum Beispiel das Nicht-Gesagte in einer Begegnung oder Beziehung mit Lüge auf eine Ebene gestellt werden.
Ich habe mir überlegt: Was tragen wir denn so alles mit uns, während wir jemand anderem freundlich zunecken – einen Gruß zu sagen oder ihm auch die Hände schütteln und jetzt vor so einem Gottesdienst einen gesegneten Tag oder einen gesegneten Gottesdienst wünschen?
Was haben wir in uns, was wir nicht sagen? Jemand kann zum Beispiel einen unerfüllten Wunsch in sich haben. Die Person möchte schon länger, dass das Gegenüber sich Zeit nimmt für ihn – aber der Wunsch wird nicht ausgesprochen und das Gegenüber nimmt diesen Wunsch anscheinend auch nicht wahr.
Und was beginnt im Laufe der Zeit, aus diesem nicht ausgesprochenen Wunsch – wo ich trotzdem freundlich bin, grüße und all sowas? Beginnt eine Enttäuschung zu werden. Und diese Enttäuschung, finde ich, beginnt wie so ein feines, schleichendes Gift zu wirken.
Wie ist es mit anderen Dingen?
Ganz oft tragen wir ja so die kleinen Grolle mit uns. Bei Heger, dem Wikinger, gibt es das ganz nett in einem Comic – da sitzen die im ganzen Zimmer voll und kleine und große Grolle grollen da so vor sich hin.
Also: Wir tragen den Groll mit uns oder was wir eine Verletzung nennen. Der Ursprung kann unterschiedlich lange her sein – das kann was von vor zwei Wochen sein, das kann schon mehrere Jahre zurückliegen.
Und wenn das schon lange zurückliegt, dann sagen wir als Christen natürlich: „Na, das ist vergeben.“ Und wir begegnen uns freundlich und alles. Aber ist das nicht bereits eine Form der Falschheit, der Unwahrhaftigkeit, der Lüge?
Denn wenn ich sage: „Es ist vergeben“, aber der Groll ist trotzdem noch irgendwie da – oder die Enttäuschung – dann macht das ja was mit der Beziehung. Und eigentlich immer, wenn ich demjenigen oder derjenigen begegne, ist das doch wie im Hintergrund – selbst wenn es im unbewussten Hintergrund ist.
Ich habe überlegt: Hätte Jesus das so gemacht? Hätte er Dinge sozusagen so liegen lassen in sich?
Und mein Gedanke ist: Nein. Ich glaube, er hätte es nicht so gemacht – denn er spricht ja zum Beispiel Petrus trotz seines wirklich üblen Verrates an. Er spricht ihn nach seiner Auferstehung an.
Er fragt ihn an diesem wunden Punkt: „Petrus, liebst du mich mehr als die anderen?“ Er macht nicht irgendwie „Schwamm drüber – weit weg – nach hinten“, sondern er thematisiert, was passiert ist.
Und das sind ja jetzt noch die – da kann man auch sagen: Ja, ist eine Halbwahrheit oder wieder immer: Naja, ist schon mehr Lüge. Aber es gibt ja auch die Dinge, wo wir direkt fast automatisch manchmal lügen:
Jemand sagt: „Ich habe dich gestern vermisst.“ Die Antwort – wie aus der Pistole: „Ich konnte nicht, ich hatte zu viel zu tun.“
Die Wahrheit ist aber vielleicht dahinter: „Ich wollte nicht, ich hatte keinen Bock, ich war zu müde. Ich hatte mich gerade, bevor ich weg wollte, mit meinem Partner gestritten.“ Also da geht es schon in einen Bereich, wo wir mit kleinen Sätzen ganz direkt die Unwahrheit, die Lüge sagen.
So was machen denn diese ganzen Halbwahrheiten, Unwahrhaftigkeiten – sogar direkten Lügen mit uns?
Ich habe es mal verglichen: Seid ihr schon mal in einem Auto gefahren? Bei Motorrädern ist es noch schlimmer. Wo der Luftdruck in den Reifen nicht stimmt – zu niedrig ist vor allem.
Das fühlt sich ganz komisch an. Ja, die neuen Autos melden das – die alten haben es nicht gemeldet. Das fühlt sich an, als ob man irgendwie schwammig dahin gleitet. Komisch, seltsam – man wird verunsichert dabei. Auch wenn das Auto scheinbar seinen Dienst tut und fährt – aber es bleibt ein diffuses Störgefühl durch diese Platten oder selbst einer nur, der deutlich platt ist.
Oder habt ihr schon mal ein Auto gehabt, was plötzlich diffuse, nicht zu ordnende, nicht zu verstehende Schleif-, Quietsch-, Knarz-Geräusche macht? Mein Sohn hatte sein Auto jetzt die Woche in der Werkstatt und er gab es zurück – und es fing an, diffuse, schräge Geräusche zu machen. Und er war total verunsichert: Es fuhr, er ist auch weitere Strecken gefahren – es fuhr das Ding – aber er fühlte sich total unwohl.
Er war verunsichert durch diese seltsamen, nicht zu ordnenden Geräusche. Manche Leute kann das verrückt machen, wenn ein Auto plötzlich sowas macht: Nicht zu fassen.
Die Lösung war ganz einfach – bei einem Rad waren alle fünf Schrauben nicht ganz fest angezogen und dieses kleine bisschen nicht angezogen hat die seltsamen Geräusche gemacht.
Aber so ähnlich ist das mit diesen ganzen Formen der halben Wahrheiten. Ich finde, sie machen aus einer Gemeinschaft oder eine Gemeinde wie so ein Auto – wo immer so ein bisschen so ein schwammiges Gefühl bleibt – oder wo man wie diese Geräusche Störgefühle hat, aber man kann sie nicht fassen und nicht ordnen.
So: Vielleicht stimmt ihr der Grundrichtung dieser Predigt zu. Ich weiß natürlich, die konnte bei Weitem nicht abdecken, was da alles dazugehört – die war sehr vereinfacht. Also vielleicht stimmt ihr zu – vielleicht findet ihr sie auch ganz furchtbar. Dann bitte ich euch: Seid im Sinne dieser Predigt wahrhaftig und sprecht mich an.
So, egal welche der genannten Reaktionen auf euch zutrifft, ich gebe euch einen Satz von Paulus als Herausforderung mit:
„Bei allen Diskussionen, die man da führen kann – bei allen Feinheiten, die es da abzuwägen gibt – bei allem, was manchmal berechtigt ist: finde ich, gibt uns die Schrift eine Grundrichtung vor. Eine Richtung, wo wir sagen: Ja, ist manchmal schwierig, alles und so weiter – aber da wollen wir hin, da will ich hin, da wollen wir hin.“
Und das, finde ich, sagt ein Satz von Paulus sehr gut:
„Legt die Lüge – das heißt das Falsche, das Unwahre – ab und redet Wahrheit. Ein jeder mit seinem Nächsten, denn wir sind untereinander Glieder.“ Amen.