Stellt euch mal auch ein Kind vor, noch ganz jung und das wächst heran, dann wird es ein Teenager und Jugendlicher. Und dieser junge Mann, der war einstmal voller Begeisterung, wollte sich einbringen und hat sich selbst Gitarre spielen beigebracht und er übt stundenlang, will singen, will sogar singen lernen, damit er die Gemeinde anleiten kann und sucht dann auch noch Seminare auf und Fortbildung zum Thema Leiterschaft, weil er merkt: Irgendwie brauche ich Handwerkszeug, weil irgendwas ruft mich in der Zukunft und ich möchte mich einbringen in die Gemeinde. Ich möchte sie mitgestalten. Er teilt seine Ideen als junger Mensch und der Gemeindeleitung mit, aber anstatt Unterstützung zu erfahren und zu finden, schlägt ihm Skeptizismus entgegen: Was bildet er sich ein? Überheblich und frech, sagten sie. Und dazu kann er noch nicht mal richtig Gitarre spielen, geschweige von singen – dieses Kratzen. Sie machten sich lustig über ihn.
Doch dieser junge Mann, der hat sich davon nicht unterkriegen lassen, er übte weiter, bildete sich fort und heute, heute, sag ich mal: Dieser junge Mann hat in der Buju-Band dieses Jahr mitgespielt und gesungen und ist heute als Jugendreferent in einer Gemeinde angestellt, wo er jeden Sonntag mit seiner Gitarre dient. Andere haben seinen Wert erkannt.
Heute haben wir ja die kleinen Kinder gesegnet, die in die Schule gehen. Die Kleinen finden wir süß mit ihren Schulranzen und mit der Schultüte, aber sie werden irgendwann größer. Die Generation Z, die jetzt im Jugendalter ist und junge Erwachsene sind, fanden wir auch mal süß. Heute wird über diese Generation geschimpft. Heute beschweren wir uns über die Generation Z: Sie ist so wenig belastbar, zu hohe Ansprüche an die Work-Life-Balance, keine Loyalität, sie sind nicht verlässlich. Das hört man immer wieder.
Durch diese Vorwürfe sind eigentlich nichts neu. Schon Sokrates wird das Zitat zugeschrieben: "Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität." Es scheint, als ob jede Generation immer wieder dieses Urteil fällt. Jede Generation ist verpflichtet, ihre Nachfolgergeneration zu verachten. Wir alle kennen diese Sprüche: "Schlimm, die Jugend von heute" oder "Früher war alles besser", und wir waren in unserer Jugendzeit nicht so.
Und es scheint mir, dass das im Kern eine wahre Gesetzmäßigkeit auch ausdrückt, die seit – ich sag's mal – wenn man schon auf Sokrates zurückgreifen kann: Die seit tausenden von Jahren das Generationsmiteinander beeinflusst. Vor kurzem habe ich mir von älteren Generationen diese Sprüche anhören müssen und dürfen, und inzwischen muss ich mich auch ertappen, jetzt schon gegenüber der Generation Alpha – also schon die, die jetzt so 12, 13 Jahre alt sind – dass ich da auch manchmal schon den Kopf schüttle, weil ich es nicht verstehe: Warum die so agieren, handeln, sprechen, miteinander umgehen.
Ist es also so? Jede Generation ist verpflichtet, ihre Nachfolgergeneration zu verachten?
Natürlich nicht. Das ist ja eigentlich offensichtlich und ich merke jedenfalls in mir, dass ich mich gegen diesen Gedanken sträube: Dass ich verpflichtet sei, die nachfolgende Generation zu verachten – und dennoch ertappe ich mich in einigen Fällen.
Ich schaue auf das, was mich stört. Ich schaue auf das, was mir nicht gefällt, und dann mecke ich vielleicht oder habe meine schlechten Gedanken. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ob ihr euch da auch mal ertappt: Ihr schaut auf das nicht so Gute, auf das, was gerade nicht so gut läuft – anstatt das Potenzial zu sehen, was in dieser Generation liegt. Das, was noch nicht ist zu sehen.
So wie bei dem jungen Mann, den ich am Anfang beschrieben habe, der vielleicht noch nicht perfekt gesungen hat oder Gitarre gespielt hat, aber der auf seinem Weg immer besser wurde – und es gab Menschen, die haben sein Potenzial nicht gesehen, sondern auf das Schlechte geschaut. Und es gab Menschen, die haben auf sein Potenzial gesehen und in die Zukunft investiert.
Aber was können wir jetzt tun?
In 1. Petrus 3,8 bis 11 heißt es: "Haltet einmütig zusammen, nehmt Anteil am Leben des anderen und liebt einander als Geschwister, geht barmherzig miteinander um und seid nicht überheblich, vergeltet nicht Böses mit Bösen, droht nicht mit Vergeltung, wenn man euch beleidigt. Und jetzt kommt es im Gegenteil: Bittet Gott um seinen Segen für die anderen." Bittet Gott um seinen Segen für die anderen.
Wer sich am Leben freuen und gute Tage erleben will, der achte auf das, was er sagt.
Soweit 1. Petrus 3. Das sind starke Verse, die hier Petrus macht – und Petrus fasst die Beschreibung so zusammen: Wie wir miteinander umgehen sollen. Und er sagt, dass mit den Worten "bittet Gott um seinen Segen für den anderen". Oder anders ausgedrückt: Wir dürfen unsere Mitmenschen sogar die nachfolgende Generation oder Generationen segnen.
Was genau tun wir, wenn wir segnen? Das Wort "segnen" heißt auf Lateinisch *benedictio* und das bedeutet gut sprechen – über jemanden gut sprechen. Also hat segnen etwas mit den Worten zu tun, die wir aussprechen: Aussprechen über andere Menschen.
Und es ist kein Zufall, dass Petrus im Anschluss an den Segen auf die Worte verweist, dass wir auch übereinander aussprechen sollen. Wer sich am Leben freuen und gute Tage erleben will, der achte – der achte auf das, was er sagt.
Eine der wichtigsten Waffen gegen Bitterkeit ist es: Gute Dinge über Menschen auszusprechen. Also Menschen zu segnen.
Ich musste an diese wilde Geschichte von Jakob und Esau denken. Jakob und Esau sind die Söhne von Isaak und Rebecca, und sie kamen als Zwillinge auf die Welt – und Esau war, wenn auch nur knapp der Erstgeborene – und die beiden werden älter.
Esau ist dann der Beharte, der wilde Hund, der Jäger, der Frauenheld, der gegen den Willen seiner Eltern auch eine kanonitische Frau heiratet. Und Jakob ist der sanfte, aber auch klügere von den beiden – und dann auch noch der Liebling der Mutter, die zu einer Prophetie noch kam: Die besagt, dass der Ältere dem Jüngeren dienen wird.
Teile der Geschichte kennen vielleicht viele von uns – und Jakob luxt Esau das erstgeborene Recht in einem Kuhhandel ab. Er gibt Esau ein Linseneintopf, weil er Esau hungrig war – und dann sagt er: "Ja, dann gibst du mir halt dein erstgeborenes Recht." Blind vor Hunger hat Esau eingeschlagen.
Und einige Jahre später ereignet sich folgende Geschichte. Isaak ist alt geworden und seine Lebenszeit neigt sich dem Ende zu. Und deshalb möchte er nun seinen erstgeborenen Esau segnen – und schickt ihn vorher los, um einen Braten zu jagen und dann zuzubereiten.
Rebecca hört von diesem Vorhaben und schickt Jakob stattdessen zum Vater, der ihn segnet. Als Esau zurückkommt und die beiden den Verrat von Jakob bemerken – lesen wir folgendes: In 1. Mose 27, da erschrak Isaak heftig und fing an zu zittern.
"Aber gerade eben hat mir schon jemand gebratenes Wild zu essen gegeben", rief er. "Ich habe alles gegessen und ihn gesegnet, bevor du kamst. Ich kann mein Wort nicht mehr rückgängig machen."
Als Esau das hörte, schrie er voll Bitterkeit laut auf: "Bitte, Vater, segne mich doch auch."
Wir lesen hier von einer ganz komplexen Geschichte, die vielleicht auch bei ganz vielen viele Fragen aufwirft. War Jakob da im Recht und so weiter.
Für jetzt ist das nicht so ganz entscheidend – weil ich auf zwei Punkte hinaus möchte:
Erstens: Segen ist kraftvoll – oder wie die Jugend heute sagt, vielleicht powervoll – und es sind mehr als nur Worte. Ein Segen ist mehr als einfach nur gute Worte über jemanden aussprechen – und die Reaktion von Esau und auch Isaak zeigt das ganz gut. Sie sind außer sich.
Wenn wir Menschen segnen, geht es offensichtlich nicht nur um gut gemeinte Wünsche – und dabei sind segnende Worte auch kein Zauberspruch, den man einfach so bedienen kann und dann geht das in Erfüllung. Nein: Segen hat etwas mit Gott zu tun.
Segen kommt von Gott. Segen ist Gott gewirkt und hat damit zu tun, dass wir Gottes Wahrheiten über das Leben der anderen Menschen aussprechen.
Und im Alten Testament bedeutete Segen oft materiellen Wohlstand, Schutz und Schutz der Nachkommenschaft – während es im Neuen Testament stärker auf diese geistliche Erfüllung oder Füllung und das ewige Leben in Jesus Christus bedeutet. Segen ist die besondere Zuwendung Gottes zu uns als seine Geschöpfe, durch die er ihnen unter uns dann Kraft und Leben in Fülle schenken möchte.
Segen heißt vor allem volles, ewigliches Leben in Jesus Christus.
Wenn wir durch den heiligen Geist geleitet oder auf Grundlage vom Wort Gottes Menschen segnen – gute göttliche Worte sprechen – dann macht das einen Unterschied als einfach nur einen guten Wunsch zu sagen. Ich habe mal ein paar Beispiele rausgesucht, die man so jemandem mitgeben kann: Göttliche Wahrheiten, die gedeckt sind von der Bibel.
Du bist von Gott geliebt und wertvoll in seinen Augen.
Oder: Möge der Herr dir Weisheit schenken in all deinen Entscheidungen. Das macht etwas mit einem – wenn dieser Zuspruch auch da ist: Gott ist mit dir.
Und ich habe noch mehrere Beispiele:
Der Friede Christi sei mit dir und begleite dich in allem, was du tust.
Oder: Gott hat dich wunderbar geschaffen, du bist ein Segen für diese Welt. Möge Gottes Liebe dich in Zeiten der Not umarmen und dir Kraft geben, weiterzugehen.
Der Herr sieht dein Herz und weiß um deine Kämpfe. Er wird dich niemals verlassen.
Gott hat große Pläne für dich. Vertraue darauf, dass er dich führt – auch wenn der Weg steinig ist.
Möge der Friede, der alles Verstehen übersteigt, dein Herz und deinen Geist in Christus Jesus bewahren.
Sind wir uns bewusst, wie kraftvoll solche Worte in ein Leben eines anderen Menschen hineinsprechen kann? Sind wir uns dessen bewusst, welche Auswirkungen diese Worte auf uns selbst und auf andere Menschen haben?
Wie spreche ich über meine Mitmenschen? Wer sich am Leben freuen und gute Tage erleben will: Der achte auf das, was er sagt.
Noch ein zweiter Punkt:
Segen und segnen hat in der Regel eine Richtung – und Ausnahmen bestehen die in der Regel. Jeder darf segnen und gesegnet werden. Das steht erstmal außer Frage. Doch oft ist segnen eine bewusste Handlung von Personen, die älter oder erfahrener ist.
In vielen Fällen wird die jüngere Person oder die nicht so erfahrene Person gesegnet. Natürlich kann es auch anders herum geschehen: Dass auch junge Menschen die älteren segnen. Aber normalerweise segnet Gott. Propheten segnen, Väter und Mütter segnen, Leiter und Leiterinnen segnen – so wie wir es im Alten Testament auch sehen, wo Mose oder Aaron segnet und Jesus Christus segnet.
Und es geht dabei nicht um besser oder schlechter, sondern um die Weisheit der Person, die den Segen spricht. Jemand, der in seiner geistlichen Reise weitergekommen ist – und deshalb besser weiß, worauf es vielleicht wirklich ankommt: nämlich echtes Leben in Christus.
Als geistliche Väter und Mütter haben wir die Aufgabe zu segnen, anstatt schlecht über andere zu reden. Es gibt immer eine jüngere Generation, egal wie alt sie sind. Auch die jüngere Generation hat eine Aufgabe: sich nämlich diesen Segen auch abzuholen.
Jakob holt sich den Segen zwar durch eine List – aber er will diesen Segen. Auch Esau möchte diesen Segen und er fleht seinen Vater an, ihn auch zu segnen.
In unserer heutigen Gesellschaft, die ja oft dazu neigt, die Jugend zu idealisieren oder alt zu kritisieren, ist es wichtig, dass wir den wahren Wert des Segens dann auch erkennen. Es geht nicht darum, sich von oberflächlichen Meinungen beeinflussen zu lassen oder von flüchtigen Trends geformt zu werden.
Der Segen von weisen und erfahrenen Gläubigen in der Gemeinde bietet wirklich eine tiefe Orientierung und ist kraftvoll. Der Segen ist nicht nur auf den einzelnen Menschen begrenzt, sondern beeinflusst auch die gesamte Gemeinschaft.
Wenn wir hier uns gegenseitig segnen – wird das die Atmosphäre verändern. Wir werden einander stärken und das nicht nur in den individuellen Beziehungen, sondern wir bauen auch eine gesunde und unterstützende Glaubensgemeinschaft hier auf, wo wir im Glauben auch miteinander wachsen.
Segnen schafft halt eine Atmosphäre, wo wir einander auch vertrauen – und wo wir uns gegenseitig respektieren. Die ja eigentlich – diese Atmosphäre ist notwendig, damit wir auch gemeinsam in der Nachfolge von Jesus Christus wachsen.
Und daher sollen wir uns stets bemühen: Sowohl zu segnen als auch den Segen anzunehmen – um in unserem geistlichen Leben und in unserer Gemeinschaft zu gedeihen. Also zu wachsen.
Und das nicht nur von den Pastoren hier vorne, sondern wirklich auch, wenn wir einander begegnen, nach dem Gottesdienst oder in den Kleingruppen – oder dann, wenn wir uns einfach mal so zum Kaffee trinken treffen.
Segnen sind nicht nur Worte, sondern auch Taten. Haltet einmütig zusammen, nehmt Anteil am Leben des anderen und liebt einander als Geschwister. Geht barmherzig miteinander um und seid nicht überheblich. Vergeltet nicht Böses mit Bösen, droht nicht mit Vergeltung, wenn man euch beleidigt.
Im Gegenteil: Bittet Gott um seinen Segen für den anderen. Amen.