Frei von falschen Selbstbildern
Predigt

Frei von falschen Selbstbildern

Peter UnsinnPeter Unsinn
Sonntag, 16. November 2025 · 10:00 Uhr
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

Heute möchte ich vor der Predigt mal beten und lad' euch ein, euch da innerlich mit einzuklingen. Vater im Himmel, du kennst die Woche, aus der wir herkommen – was wir so mitschleppen heute Morgen an Gefühlen und Gedanken in den Gottesdienst. Ja, du siehst den Morgen: ob wir müde sind noch, ob wir Hektik heute Morgen hatten, ob es fröhlich war oder ob es Knatsch gab. Und du siehst auch, was in der kommenden Woche oder den kommenden Wochen vor uns liegt – was uns beschäftigt, was vielleicht ein Ziel ist, was uns Freude macht. Und Vater, ich bitte dich jetzt einfach im Namen Jesu, dass du alles, was wir mitbringen und alles, was wir schon vorausfühlen und denken, dass du das jetzt zur Ruhe bringst und dass du uns Herzen und Ohren öffnest für den Lobpreis, für dein Wort, für das Reden deines Geistes füreinander. Amen. Ja, im Namen Jesu begrüße ich euch zur Predigt am heutigen Volkstrauertag. Wer von euch weiß denn, wie lange die Ursprünge dieses staatlichen Gedenktages zurückreichen – wann das erste Mal über so einen Tag nachgedacht wurde? So, werft mal Zahlen in den Raum. Erster Weltkrieg, ok? Könnt ihr es ein bisschen genauer eingrenzen? Nein. 1919 wurde das erste Mal über diesen Tag nachgedacht. Und zwar hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge diesen Gedenktag vorgeschlagen. Dann hat es allerdings in den politischen Wirren der damaligen Zeit noch sechs Jahre gedauert – die Diskussionen zwischen den Parteien und verschiedenen Interessenlagen – bis dann 1925 das erste Mal reichsweit dieser Tag gefeiert wurde. Und dann fanden tatsächlich von 1925 bis 1934 immer reichsweit diese Feier statt, aber jeweils am fünften Sonntag vor Ostern, also Ende Februar, Anfang März. Und es gab jeweils in Berlin sozusagen zentrale Gedenkfeiern – die wurden in diesem Zeitraum auch fast jedes Jahr dann im Radio übertragen, sodass wer damals ein Radio hatte, daran schon teilhaben konnte. Ab 1935 wurde dann passend zur Ideologie der Nationalsozialisten der Helden-Gedenktag gefeiert. Krieg und Kriegsende in der DDR gab es ab 1952 im September den Internationalen Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg, der diesen Tag fortsetzen sollte. Hier in Westdeutschland wurde der Volkstrauertag dann Anfang der 50er Jahre auf den November – also den jetzigen Zeitraum – verlegt. Er wurde auch ab 1952 in allen Bundesländern gesetzlich geschützt. Aber jedes Land konnte das individuell machen, und sozusagen: So gibt es Bundesländer, die haben diesem Tag eigentlich überhaupt keinen Namen gegeben; und es gibt auch Bundesländer, die haben nie den Zweck dieses Tages beschrieben. Und aus diesem Grund – weil das im Grunde genommen sehr uneinheitlich auch beschrieben wurde in den verschiedenen Bundesländern – gab es eigentlich immer eine Bandbreite, wie dieser Tag gefeiert wurde. Also: Das reichte vom Gedenken an die gefallenen Soldaten bis zum Gedenken dann an die Opfer des Nationalsozialismus bis eben zum Gedenken an die aktuellen Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Terrorverfolgung, Vertreibung, Flucht oder Diskriminierung. Das ist ganz kurz die Geschichte dieses heutigen Tages. Und ich weiß das Datum leider nicht mehr: Irgendwann haben dann die Bundespräsidenten auch jeweils eine Rede zu diesem Tag gehalten. Und der Altbundespräsident Joachim Gauck, der hat eine seiner Reden zum Volkstrauertag mal folgendermaßen beendet: „Wir trauen um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage – um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung – um die Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren. Wir gedenken heute aber auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten und teilen ihren Schmerz. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern – und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“ Wenn wir in die Zeiten schauen, Nachrichten lesen, Nachrichten schauen, Medien im Internet – dann sieht es zurzeit eindeutig so aus, als würden die Gründe über Kriege, über Gewalttat, über Diskriminierung zu trauern uns auf keinen Fall schnell ausgehen; sondern eher so, als ob die Gründe zu trauern mehr werden anstatt weniger. Als Christen haben wir auch in der Lesung jetzt gerade schon gehört: Wir leben aber trotzdem ja in der Hoffnung. Also: Wir gehen davon aus und wir glauben, dass Gott eben nicht einfach sagt: „Okay Leute, ich habe die Nase voll – ich überlasse euch einfach eurem eigenen Gemurkse und seht zu, wie ihr zukommt mit dem Chaos, das ihr veranstaltet.“ Sondern: Wir glauben, dass Gott unsere Welt eben nicht in der Hand von Gewalttat, von Krieg, von Diskriminierung lassen wird. Und sozusagen – wie wir es jetzt gerade ähnlich schon gehört haben – dass Gott zum Beispiel der Gott aller Völker sein wird oder umgekehrt: Alle Völker ihn als Gott haben werden; dass Gott alle Tränen abwischen wird; dass es keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei und kein Schmerz mehr geben wird. So. Bis diese Zeit kommen wird, sind aber wir die Leute, die die Zeiten bis dorthin gestalten. Also: Wenn ich die Worte von dem Altbundespräsidenten aufgreife – in dieser Zeit wird es die Frage sein: „Wie teilen wir denn Trauer und Schmerz zum Beispiel mit Menschen?“ „Oder wie setzen wir Zeichen der Hoffnung?“ „Wie ist es mit Versöhnung unter uns oder in unserer unmittelbaren Nähe, in den Orten und Städten, wo wir leben?“ „Wie ist es mit Verantwortung für Zuhause – in so einer Gemeinde, für Arbeitsplatz, für Verein, Sport – wo immer man ist: Leben wir sozusagen der Verantwortung? Sind wir aktiv in dem Plan Gottes dabei, der diese Welt nicht im Chaos lassen wird?“ Ich glaube, wenn man in die Schrift reinschaut, ist es nicht zu leugnen, dass Gott einen Plan für diese Welt hat. Wie in dieser Lesung beschrieben – wie das, was ich kurz angedeutet habe: „Er sagt: Ich will diese Welt zur Rettung führen, zu einem Heil.“ Wie wir es gerade gehört haben: Da gehört dazu die permanente Gottesnähe, das Ende von Tränen, Tod, Leid, Geschrei und Schmerz. So. Wie ist es nun mit uns? Nimmt uns Gott sozusagen in diesen Plan mit hinein? Oder sagen wir: „Nee, nee – das ist Gott; du magst das – und wir gucken mal so, wie du das magst.“ Ich glaube, auch da kann man sich die Schrift nicht zurechtbiegen. Sondern ich finde: Die Schrift sagt, dass wir eine Rolle in Gottes Plan haben. Wir haben eine Bestimmung auf dem Weg zur Erlösung – zum Heilwerden dieser Welt. Ich nenne aus den vielen biblischen Beispielen kurz mal drei exemplarische: „Ihr seid das Salz der Erde.“ „Ihr, die ich euch hier so anschaue: Ihr seid das Licht der Welt.“ „Ihr seid Botschafter an Christi Stadt.“ „Ihr bittet im Namen Jesu – lasst euch versöhnen mit Gott.“ Wir kennen diese Schriftworte; die meisten von uns denke ich. Die Frage ist: Was machen wir damit? Ich schwitze diese Aussagen jetzt mal zu in die Du-Form: „Du bist das Salz der Erde, jeder, jeder einzelne von euch – und ihr zusammen.“ „Du bist das Licht der Welt.“ „Du bist ein Botschafter für Jesus, der zur Versöhnung ermutigt und aufruft.“ Lasst es mal einen Moment ganz bewusst auf euch wirken: dass das wirklich eine Ansprache ganz persönlich an dich – an jeden von uns – ist. „Du bist Licht der Welt; du bist Salz der Erde; du bist ein Botschafter an Jesu Stadt.“ So. Wie geht es euch denn mit dieser Beschreibung eurer Rolle in Gottes Plan? Fühlt mal kurz in euch hinein. Ich schlage mal ein kurzes Stimmungsbild mit drei Möglichkeiten zu voten ab: Die erste wäre: „Mit dieser Rollenbeschreibung in Gottes Plan geht es mir gut.“ Die zweite wäre: „Mit dieser Rollenbeschreibung in Gottes Plan geht es mir nicht so gut – also da bin ich irgendwie innerlich, da regt sich was.“ Und die dritte: „Da muss ich erst in Ruhe drüber nachdenken.“ So. Erstens: Wer würde sagen: „Jawohl – mit dieser Rollenbeschreibung in Gottes Plan, Licht der Welt, Salz der Erde, Botschafter geht es mir gut?“ Zeigt das doch mal kurz. Ja, also ich würde sagen: Verhalten. Wer würde sagen: „Mit dieser Rollenbeschreibung geht es mir irgendwie innerlich nicht so gut?“ Auch mal ein kurzes „ja“, bisschen weniger – auch Verhalten. Und jetzt natürlich: Da muss ich erst in Ruhe drüber nachdenken. Wer würde diese Option ergreifen? Ja, in etwa gleich. Okay, vielen Dank. So. Jetzt bräuchten wir natürlich – anders als es in so einem Gottesdienst möglich ist – viel Zeit zu reden. Das könnt ihr vielleicht nachher beim Kaffee oder auf dem Heimweg oder heute Nachmittag mal tun und fortsetzen. Und zwar: Was uns an diesen sehr bekannten, beispielhaften Beschreibungen unserer Rolle in Gottes Plan sozusagen anspricht – was uns gefällt; was uns irgendwie Magen grummeln verursacht; wo wir uns irgendwie unwohl fühlen oder wo wir vielleicht sagen: „Da weiß ich eigentlich noch gar nicht, was ich damit machen soll.“ Wir würden einerseits vielleicht sagen: „Also Salz der Erde, Licht der Welt – also das ist irgendwie die Messlatte. Ist für mich gefühlt zu hoch. Da habe ich den Eindruck irgendwie: da passe ich nicht rein.“ Oder die andere Beschreibung: „Botschafter für Jesus, der Menschen persönlich zur Versöhnung mit Gott einlädt.“ Da würden vielleicht auch die einen oder anderen sagen: „Nein – das ist so gar nicht mein Typ und meine Persönlichkeit. Botschafter – so öffentliches Auftreten irgendwie – und Menschen direkt anreden und sie ansprechen auf Gott, auf Jesus, auf Versöhnung.“ „Nein – nicht so mein Ding.“ Oder manche würden sagen: „Nein – also ich habe mit Christen viele schlechte Erfahrungen gemacht. Ich habe furchtbare Evangelisation erlebt und mir wurden Traktate in die Hände gedrückt und auf die Straße geschickt: ‚Soll jetzt erzählen mal von Jesus.’ Also auch solche gibt es manchmal unter uns Christen, die sagen: ‚Nein – habe ich erlebt; war irgendwie nicht überzeugend.’“ Wir haben auf alle Fälle – um auf Petras Einleitung zurückzukommen – wir haben ein Bild von uns selbst, wie wir uns in Bezug auf sozusagen diese Aufträge, diese Rolle, die Jesus uns zuweist: Wie wir uns da selber einordnen. Ja. Also: Wir sagen zum Beispiel: „Es halte der Erde viel zu; Licht der Welt viel, viel zu groß für mich.“ Also unser Selbstbild sieht sich irgendwie kleiner als so ein Auftrag. Oder „Botschafter“ – da schauen wir auf unsere Persönlichkeit und sagen: „Nein – ich bin jetzt überhaupt niemand, der so reden kann; und der so Leute einfach in der Kneipe und auf der Gasse und beim Einkaufen irgendwie anquatschen kann; und dann gleich von Jesus erzählt und so.“ Also da sagen wir sozusagen: „Nein – wie ich mich selber als Persönlichkeit erlebe, das passt für mich irgendwie gefühlt überhaupt nicht dazu.“ Und gleichzeitig haben wir so eine Art innere Routine: Wie wir unser Selbstbild und sagen: „Ja – ich bin jetzt nicht so der nach außen Gewandte, der von Jesus erzählt.“ Unser Selbstbild, wie wir das mit all den Worten zusammenbringen, die Gott in diese Richtung sagt. Also unser Selbstbild hat Gewohnheiten, Routinen: Wie wir eben das – wie wir sind und wie wir das Leben in Einklang bringen – mit all den vielen Aussagen, die Gott macht dazu. Und die sind, finde ich, ziemlich extrovertiert; was Gott da alles von sich gibt. Die sind – wir würden sagen – klassisch evangelistisch. Oder manche sagen heute: „Die sind missional.“ „Die sind darauf ausgerichtet, als Mission, als Ziel, Menschen und diese Welt zu erreichen.“ Und Gott beschreibt das vielfach: Dass er einen Heils- und Rettungswillen hat in Bezug auf die Welt – die Hungrigen, die Durstigen, die Verlorenen, die Sünder, die Mühseligen, die Beladenen; die, die sich verirrt haben in ihrem Leben. Das haben wir alles so im Hinterkopf. Und dazu steht im Vergleich unser Bild: Es ist nicht so mein Ding. Wenn ich es mal zusammenfasse und beispielhaft einen Satz nehme – wo Gott diesen Willen beschreibt: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (Aus dem ersten Timotheus-Brief.) Hast du persönlich in deinem Bild von dir eine Rolle, eine Bedeutung – dass Gott dich rein nimmt in dieses Werk, diesen Plan für die Welt: Dass Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen? Sagst du „ja“: „Da habe ich eine Rolle drin. Da nimmt Gott mich mit rein.“ Oder sagst du: „Habe ich eigentlich noch nicht so wirklich eine Peilung und Klarheit dafür?“ Wenn es hier um Erkenntnis der Wahrheit geht – das ist ja sozusagen einer von den sehr milden Sätzen über Gottes Rettungswillen. Dann ist klar: Da geht es nicht um philosophisch oder theologisch richtiges Wissen über Gott. „Erkenntnis“ mündet in der Schrift und bei Gott immer in Beziehungen, die wir leben – zu Gott oder zu Menschen. Und „Wahrheit“ manifestiert sich nicht alleine hier oben im Kopf als Wissen; sondern: Wahrheit ist immer die gelebte Wahrheit. Oder es ist die Wahrheit, die wir in Jesus sozusagen wie konzentriert – personifiziert sehen und erleben. Also nochmal die Frage: Was denkst du über dich selbst? Hast du eine Rolle und eine Bedeutung dabei: dass Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen; an Jesus glauben und diese Wahrheit im Alltag und ihren Beziehungen leben? Wir können das auch mal sozusagen als Frage stellen für uns als Gemeinde: Was denken wir denn eigentlich hier miteinander als Gemeinde, als Gemeinschaft? Haben wir eine Rolle und eine Bedeutung dabei: dass Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und nicht verloren gehen? Da denke ich jetzt noch gar nicht mal an die Frage vom Ewigen verloren sein; sondern: Wir können als Menschen so irre leicht schon in unserem Leben, in allen möglichen Situationen verloren gehen – was uns gefangen nimmt, was uns in die Dunkelheit treibt. So. Haben wir dabei eine Rolle: dass Rettung passiert? Dass Wahrheit in Herzen entsteht? Wenn ich den Psalm, den Christoph für heute für die Predigt sozusagen ausgesucht hat – wenn ich den mal vielleicht exegetisch und homiletisch nicht so ganz korrekt nur auf diese Frage hin betrachte – dann fällt mir Folgendes auf: Psalm 139: Zuerst wird dort mal in den Versen 13 bis 16, wer sich zu Hause nochmal nachlesen wird, da wird betont, dass Gott jeden und jede von uns ganz persönlich wie ein kunstreicher, fähiger Handwerker geschaffen hat – individuell. „Du hast mein Innerstes geschaffen; mich kunstvoll gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir: dass ich staunenswert und wunderbar gestaltet bin.“ Und dann ist ein zweiter großer Gedanke in diesem Teil drin: Da wird nämlich betont, dass Gott die Tage unseres Lebens ganz bewusst gestaltet hat. „Als ich noch gestaltlos war – sahen mich deine Augen bereits. In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: Die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war.“ Gott hat jeden von uns – das klingt in den sozusagen hebräischen Originalworten mit – er hat uns wie ein genialer Künstler geschaffen; gewoben wie ein Teppich, wie ein Stoff: der kunstvoll mit Absicht gestaltet und gewoben wird. Und die Schöpfungsgeschichte sagt: „Er hat darin sein Ebenbild – ein Bild von sich hineingelegt.“ In die Art und Weise, wie er unser Wesen gestaltet hat; wie er so diesen Entwurf der Tage unseres Lebens gestaltet hat: Da hat er sozusagen sich selbst hineingewoben, sich selbst hineingelegt. Aus dem Ganzen kommt für mich eine große Frage oder Erkenntnis: Wenn das so ist – dass Gott uns so gestaltet hat; dass er sich selbst sozusagen in uns hineingelegt hat: dass wir ihn widerspiegeln oder dass wir Jesus widerspiegeln, der in eine besondere Weise zeigt, wie Gott ist. Wenn das so ist: Kann es dann sein – dass Gottes zentrales Herzensanliegen sich in uns nicht widerspiegelt? Wenn Gott sein Bild in uns gelegt hat – sozusagen sein Herz; das was ihm wichtig ist: Kann es dann sein, dass sein zentrales Herzensanliegen – das zum Beispiel beschrieben wird: „Dass alle gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit sein“ – dass sich das bei uns nicht widerspiegelt? Ich sage: Nein. Das kann gar nicht sein. Wenn wir Gott widerspiegeln, dann wird oder dann muss sich – dann soll sich auch widerspiegeln: „Dass wir genauso wie er wollen, dass Menschen Wahrheit erleben; Jesus kennenlernen; rauskommen aus Dingen; befreit werden; gerettet werden.“ Das Zweite: In einem anderen Teil dieses Psalms – Verses 7 bis 12 – wird beschrieben: Dass Gott in unserem Leben gegenwärtig ist. Und zwar egal, wie fern oder wie nah wir ihm innerlich sind; egal, ob wir versuchen, vor ihm zu fliehen; oder ob unsere Psyche sich verdunkelt hat und unser Leben gefühlt in Dunkelheit gehüllt ist. „Wohin kann ich gehen vor deinem Geist? Wohin fliehen vor deinem Angesicht? Stiege ich zum Himmel, lagerte ich mich in der Unterwelt – sehe: da bist du. Liese ich mich nieder am Ende des Meeres – auch dort würde deine Hand mich leiten. Würde ich sagen: Finsternis soll mich verschlingen – dann bleibt auch die Finsternis nicht finster bei dir.“ Wir brauchen vor Gott nicht zu fliehen und wir können vor ihm auch nicht fliehen. Er ist einfach präsent; da, egal wie unsere Situation ist, wie wir uns fühlen: ob Freude oder Dunkelheit in unserem Leben da ist. Gott ist gegenwärtig. Und das bringt für mich mit sich diese Frage: Dann brauchen und können wir auch vor Gottes Herzensanliegen nicht fliehen. Gott wird mit seinen Herzensanliegen immer sozusagen um uns, bei uns sein: Sein Anliegen – dass Menschen gerettet werden; heil werden; befreit werden; geheilt werden. Das wird immer um uns sein, weil er ist so – das ist sein Anliegen. Wir können davor nicht fliehen und wir brauchen davor auch nicht zu fliehen. Warum? Am Anfang dieses Psalms – die ersten fünf Verse – da wird beschrieben: Dass Gott jeden von uns zutiefst kennt. „Du hast mich erforscht und kennst mich. Ob ich sitze oder stehe: du weißt es; und kennst meine Gedanken selbst aus der Ferne. Ob ich gehe oder ruhe: du siehst es – und bist mit allen meinen Wegen vertraut.“ „Noch ehe ein Wort auf meine Zunge kommt, hast du, Herr, es schon gehört. Von allen Seiten umgibst du mich. Ich bin ganz in deiner Hand.“ Dieses Wissen ist unfassbar für mich; ich kann es nicht begreifen. Wenn das stimmt – und ich glaube, dass das stimmt – und ich gehe davon aus, dass die meisten von euch das auch glauben oder sagen: „Ja, das ist, wo ich zumindest hin will.“ Dann glaube ich: „Er wird uns zwar so mal aus der Komfortzone unseres geistlichen Lebens holen; wo wir uns bequem eingenistet haben und was uns vertraut ist – und was wir schon lange so machen. Ich glaube: Da wird er uns gerne mal rausholen.“ Und: „Er wird uns in die Lernzone reinbringen.“ Auch was sein Willen für Welt und Menschen betrifft – Heil, Rettung, Vergebung, Freiheit, Bekehrung und solche Dinge. Das ist dann Lernzone. Ich glaube: Gott bringt uns manchmal kurz in die Panikzone; wo so dann dieses „zu viel für mich, zu neu, zu anders – bin ich nicht“ kommt. Aber er holt uns schnell wieder zurück in die Zone, wo wir was lernen. Also: Wenn Gott uns kennt und weiß, wer wir sind; was wir für ein Bild von uns selber haben; was wir für Erfahrungen gemacht haben; was wir für Ängste haben; was wir im Gespräch mit Menschen erlebt haben – dann wird er uns doch nicht irgendwo hinstellen, wo wir total gestresst und überfordert sind. Auch was sein Herzensanliegen angeht. Er wird uns an den jeden an den Platz locken und versuchen hinzuführen: Wo jeder von euch passt in Bezug auf das, was Gott am Herzen ist. Wenn er die Welt retten will – und ihr seid nicht Billy Graham – dann wird er euch nicht vor 100.000 Leute hinstellen und sagen: „So, jetzt evangelisiere mal und sprich.“ Oder er wird euch langsam auf einen Weg dorthin führen. Wenn ihr vielleicht Leute seid, die Menschen durch tun lieben – wird er euch vermutlich nicht in erster Linie zu jemand machen: der das durch Worte weitergibt. Gott weiß: „Wer ihr seid; was ihr könnt; wovor ihr Furcht habt.“ Und er wird euch auch in Bezug auf sein Willen, Menschen zu retten – sein Reich auszubreiten – genau dorthin bringen: wo ihr passt. So. Das letzte: Der Psalm endet mit einer Bitte: „Erforsche mich Gott und erkenne mein Herz. Prüfe mich und erkenne meine Gedanken.“ Und wenn ich in Gefahr bin, mich von dir zu entfernen – dann bring mich zurück auf den Weg zu dir. Schaut euch das mal zu Hause an; ganz einfach zu finden: Ende des Psalms. Und dann überdenkt diese Bitte. Und wenn ihr findet, dass es eine gute und eine wichtige Bitte ist: Dann macht sie doch zu eurer eigenen Bitte in Bezug auf Gottes Herzensanliegen: „Erforsche mich Gott und prüfe mein Herz. Prüfe mich und erkenne meine Gedanken – ob dein Herzensanliegen, alle Menschen zu retten und zur Erkenntnis der Wahrheit zu führen, auch mein Herzensanliegen ist.“ Und wenn ich in Gefahr bin, mich darin von dir zu entfernen: Dann bring mich zurück auf den Weg zu dir. Amen.