Weihnachtsandacht
Predigt

Weihnachtsandacht

Peter UnsinnPeter Unsinn
Freitag, 26. Dezember 2025 · 10:00 Uhr
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

Ich begrüße euch im Namen Jesu zur Predigt. Ich freue mich, dass ihr euch auf den Weg gemacht habt heute und dass ihr nicht das warme Bett bevorzugt habt und liegen geblieben seid. Und ich bedanke mich vor allem bei allen, die heute auch hier Musik und Technik und Moderation und alles, was nötig ist, möglich gemacht haben. Das ist an solchen Tagen gar nicht so einfach. Und es ist immer toll, wenn das dann trotzdem klappt. "Ehre sei Gott im höchsten Himmel und Friede auf Erden für alle Menschen, an denen Gott gefallen hat." Dieser bekannte wie ein Schlusswort oder ein Schlusssegen oder ein Schlusslobpreis, damit beschließen die himmlischen Engel, die in Fülle den Hirten erscheinen, ihr Lob Gottes bei der Geburt Jesu. Und seitdem wird dieses Wort vom Frieden auf Erden und der Ehre, die Gott im Himmel sein wird, seit Tausenden von Weihnachten inzwischen wiederholt. In vielen deutschen Übersetzungen taucht dabei das alte Wort "Wohlgefallen" auf. So heißt es zum Beispiel in der Zürcher Bibel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden unter den Menschen seines Wohlgefallens.“ An Weihnachten feiern wir, dass Gott seinen Sohn, von dem wir glauben, dass er sein Ab- und sein Ebenbild ist, in die Dimension unserer Welt und unseres Daseins gesandt hat. Der Evangelist Johannes fasst das in die Worte: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Gott wird Mensch und spiegelt uns durch Jesus sein Wesen wieder – in Gedanken, in Worten, in Werten, in Taten. Gott wird dadurch aber auch sozusagen angreifbar. Im physischen Sinn damals, er wird auch angreifbar im Sinne von hinterfragbar. Gott wird diskutierbar, sogar manchmal missverständlich, weil er eben in die Sprache, die Gedanken, die Werte, die Taten von Zeit, von Kultur, von Gesellschaft oder von konkreten Beziehungen sich hineinbegeben hat. Und das, was uns Jesus zeigt, dann eben auch hineingelebt werden soll – in die konkreten Zeiten und Umstände, in denen wir jeweils sind. Es ist verhältnismäßig einfach, je nachdem, wie gut man singt und Musiker ist, an Weihnachten Gott in der Höhe die Ehre zu geben mit Liedern und mit Musik. Es ist viel herausfordernder, die Verheißung des Friedens zu ergreifen, zu begreifen und dann auch zu leben – was Gottes Herz gefällt. Ich habe gedacht, ich greife mal dieses Stichwort des Friedens heute auf und wir schauen uns zumindest einige biblische Blitzlichter in Bezug auf den Frieden an, den Gott uns verheißen hat. Eins haben wir schon gehört heute: Epheser 2,14 – „Denn Christus ist unser Friede.“ Der Apostel Paulus beschreibt hier in kurzen, prägnanten Worten, es gibt nur eine Person, durch die Frieden kommt – bei Gottes, Jesus. Dieses Wort wurde oft verwandt; es war mal Jahreslosung, das gibt es als Buchtitel, das gibt es als biblische Spruchkärtchen. Aber wenn man nur auf dieses Auszugszitat schaut, dann ist man ein bisschen in Gefahr, dieses Wort misszuverstehen. Wir denken als Christen dann schnell an den persönlichen, geistlichen Frieden mit Gott durch Jesus – an Vergebung, Vergebung der Schuld, an Gottes Kindschaft. Paulus beschreibt oder er reißt das hier im Kontext auch alles an; das ist alles drin. Aber an dieser Stelle beschreibt er Frieden, der eigentlich undenkbar ist: den Frieden in Beziehungen zwischen zwei Menschengruppen, die geschichtlich, kulturell und religiös vollkommen verschieden geprägt waren – nämlich den Juden seiner Zeit und den Andersreligiösen, den Heiden aus seiner Sicht seiner Zeit. Er sagt: Durch Jesus passiert etwas undenkbares – nämlich zwischen diesen Menschengruppen, die so vollkommen verschieden sind, so vollkommen andersartig sind – zwischen ihnen stiftet Jesus Frieden. Und ich glaube, das ist eine große Verheißung, gerade wenn wir unsere irre Zeit anschauen: dass es beim Frieden Gottes nicht nur sozusagen um unseren Inneren geht – dass wir eine gute Zeit mit Gott haben, mit Jesus haben, mit seinem Wort, mit dem Heiligen Geist; dass wir Wegweisungen bekommen, uns aber auch gut fühlen dabei, herausgefordert werden. Sondern: Friede, wie Gott ihn schenkt und wie er durch Jesus gekommen ist – immer auch der Friede ist, der sich in Beziehungen manifestieren muss. Also: das ist der Friede zwischen jedem von euch und mir; das ist der Friede, wenn ihr einen Partner oder einen Mann habt – zwischen deinem Mann und dir oder deiner Frau und dir. Das ist der Friede zwischen Menschen, wenn sie ganz unterschiedlich geprägt sind – zum Beispiel auch in so einer Gemeinde, wenn das Schriftverständnis, das Gemeindeverständnis, die Schwerpunkte von Nachfolge ganz unterschiedlich gesehen werden. Frieden entsteht immer dann, wenn wir, obwohl wir unterschiedlich sind, gemeinsam Jesus begegnen; gemeinsam seinen Willen verstehen und das dann auch gemeinsam in Leben umsetzen. Jesus selbst zeigt über den Frieden, den er gibt: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch – nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ Jesus sagt das in seiner sogenannten Abschiedsrede bei Johannes – also im Evangelium des Johannes. Wenn man sich das mal vorstellt: In der Situation der Jünger spricht er auf einmal von seinem Weggang zum Vater, dass er einen Platz für die Jünger vorbereitet, dass er wiederkommen wird, dass er sie zu sich holen wird. Und man merkt in diesem Text – die Jünger können das überhaupt nicht einordnen; diese unverständlichen Worte versetzen sie in Verwirrung, in Erschrecken, in Furcht. Ich weiß nicht, was euch vielleicht momentan in Verwirrung setzt: an Situationen, Beziehungen, Herausforderungen – oder was es an Situationen gibt, die euch mit unguten Gefühlen oder sogar mit Angst oder mit Furcht erfüllen. Ich glaube, dass das, was die Jünger erlebt haben, ein normaler Teil von Nachfolge ist. Das wird immer so sein: dass wir in unserem Leben mit Jesus Zeiten erleben, wo wir verwirrt sind; wo wir nicht wissen, wie wir Situationen einordnen sollen; wo wir sogar vielleicht erschrocken sind, Furcht haben. Das ist normal – das gehört dazu zu Glaube, solange wir in dieser Welt sind. Erst einmal: wenn wir bei Gott sind, dann wird es keine Verwirrung, keine Furcht, kein Erschrecken mehr geben. Aber solange wir hier sind, ist das eine Normalität. Das wird es immer geben – über Zeiten und von Zeit zu Zeit. Und für all so Situationen, wo ihr erschrocken seid; nicht wisst, wo es lang geht; verwirrt seid; sogar vielleicht Furcht habt: gilt dieser Zuspruch von Jesus: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Ich gebe euch nicht, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ Jesus macht – wenn man sich diesen Text dann mal so im Kontext anschaut – auch deutlich, welche zwei Realitäten das möglich machen: dass Friede entsteht. Er sagt: Die eine geistliche Realität, durch die das möglich wird, klingt folgendermaßen: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten. Mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.“ Die andere, zweite geistliche Realität heißt: „Der Beistand aber – der Heilige Geist, den mein Vater in meinem Namen senden wird – der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Furcht weicht; Friede kommt. Gottes Liebe und Gegenwart wird erlebbar. Ich glaube: immer dann, wenn wir ringen um die Worte – besonders die Jesus uns gesagt hat. Ich weiß nicht, wie ihr die Schrift so insgesamt seht und deutet. Für mich sind die vier Evangelien der Kern der Schrift. Das ist der Mittelpunkt; was Jesus gelebt und gesagt hat – von dem wir alles andere, was in der Schrift beschrieben wird, sehen und deuten und verstehen. Und Jesus sagt: Sein Wort, verbunden mit dem, was uns der Geist aktuell hineinspricht in unsere Zeit – das entfaltet Frieden; das überwindet Angst. Denn Gottes Wort hat es ja quer durch alle Zeiten gegeben. Aber was das unter Nero bedeutet hat; was das im finsteren Mittelalter bedeutet hat; was das in der Reformation, in der Aufklärung, in der heutigen Zeit bedeutet – das müssen wir immer neu erfassen, erringen und dazu brauchen wir den Geist Gottes, damit wir verstehen: Was bedeuten die Worte Jesu in unserer Zeit? Wie sollen wir sie leben? Und Jesus gibt uns auf den Weg, dass der Frieden nicht nur ein Geschenk ist – sondern dass wir auch eine Rolle beim Frieden spielen. Er sagt zum Beispiel: „Selig die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ Ich finde es eigenartig und es berührt mich: wie Jesus uns ermutigt, auf welche Weise er uns ermutigt, Frieden zu stiften. Er packt das zum Beispiel nicht in eine direkte, harte Aufforderung an jeden von uns individuell ein. Stifte Frieden – wie ich zwischen euch und Gott Frieden gestiftet habe. Also so ein harter Imperativ: Nein! Er packt diese Ermutigung, Frieden zu stiften, in den Zuspruch der Seligkeit, Glückseligkeit ein; und in die Verheißung „Kinder Gottes genannt zu werden.“ Und er setzt das Ganze in den Plural. Und das finde ich ist ein tröstender Plural. Er sagt: Diese Verheißung – Glückseligkeit zu erleben; Kinder Gottes genannt zu werden – das ist nicht eine nur für dich, sondern das ist eine für uns, die wir gemeinsam erleben, erfahren dürfen, erringen. Wie können wir Friedenstifter werden? Wenn ich es mal vereinfacht sage: angelegt an ein Buchtitel „Friedensstifter wird man unterwegs.“ Der Weg zur Glückseligkeit – wie Jesus beschreibt – führt über die ganz persönlichen Herausforderungen, wie sie schon im Alten Testament beschrieben werden. Zum Beispiel: „Lass ab vom Bösen; tue Gutes; suche Frieden; jage ihm nach.“ So steht es im Psalm 34,15. Ich lese mal nochmal: „Lass ab vom Bösen; tue Gutes; suche Frieden; jage ihm nach.“ Der Weg zur Glückseligkeit – oder in Freude Kinder Gottes zu sein – führt eben zum Beispiel über den Weg: - Sich nicht zu vergelten; - Nicht nachzutragen; - Nicht zu vergeben; - Nicht Rache zu üben. Paulus entfaltet das jetzt noch ein bisschen mehr. Er sagt: „Vergeltet niemand Böses mit Bösen.“ Er macht deutlich, wir fangen an sozusagen bei dem Persönlichen – wo wir gefordert sind, das Böse zu überwinden. Aber dann kommt der Punkt in Beziehungen: - Nicht Böses mit Bösem; - Schlechtes mit Schlechtem zu vergelten. „Vergeltet niemand Böses mit Bösen; seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist es möglich, so viel an euch liegt: So haltet mit allen Menschen Frieden.“ Steht in Römer 12. Paulus hat sich viele Gedanken gemacht – weil ich glaube, er hat viel in Gemeinden erlebt, wo Frieden war oder eben auch Unfrieden war. Und er beschreibt an einer Stelle, die ich euch ganz am Schluss lesen werde: Was ist sozusagen das Ergebnis dieses Weges Friedensstifter zu werden? Was für eine Kultur; was für ein Miteinander entsteht in einer Gemeinschaft, wenn Menschen bewusst unterwegs sind auf dem Weg, Frieden zu stiften? Was ist eine Kultur einer Gemeinde? Man kann sagen: Kultur ist so etwas wie das unsichtbare Betriebssystem einer Gemeinde. So wie wir auf unseren Computern und Handys ein Betriebssystem haben – so ist sozusagen die Kultur einer Gemeinde, die verborgene Art und Weise wie eine Gemeinde funktioniert. Gemeindekultur kann man sagen: das ist die Gesamtheit der ungeschriebenen Gesetze; der Werte; der Überzeugungen, die das Miteinander in einer Gemeinde prägen. Gemeindekultur in diesem Sinn beginnt bei unserem Unbewussten – unseren Grundannahmen; unseren tief verwurzelten Überzeugungen. Und sie reicht dann weit über das hinaus: zur sichtbaren und gelebten Übereinstimmung von Worten, von Werten, unseren Umgang mit Entscheidungen, die wir gefunden haben; unseren Umgang mit Fehlern, Kritik, Vergebung oder auch möglichen Neuanfängen. Kultur reicht rein in die Fragen: wann sind wir zugehörig? Wie kommunizieren wir miteinander? Wie geben wir einander Respekt, Wertschätzung, Liebe? Und wie wäre es – wenn der Weg zur Glückseligkeit; zur Gotteskindschaft; zum Frieden – wenn der mit folgender Kultur und Gemeindekultur übereinstimmen würde: die Paulus im Philippi-Brief beschreibt. Stellt euch vor: Das ist die Kultur, die Menschen erleben, wenn sie hier zu uns reinkommen. Wenn ihr euch untereinander begegnet; wenn ihr neuen Leuten, die hier reinkommen, begegnet – und was Leute sehen, wenn sie hier reinkommen. „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit.“ Noch einmal sage ich: „Freut euch!“ Eure Güte soll allen Menschen bekannt werden. Der Herr ist Naher. Sorgt euch um nichts; sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott. Und dann sagt er: „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.“ Und im Übrigen: „Ihr Brüder und Schwestern – was immer wahrhaft; edel; recht; lauter; liebenswert; ansprechend ist; was Tugend heißt und lobenswert ist – darauf seid bedacht. Und was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt: das tut.“ Und der Friede Gottes wird mit euch sein. Philippi 4,7 bis 9. Amen.