wie traditionell meistens die ersten Gottesdienste Jahresandacht zur Jahreslosung. Mit der Jahreslosung öffnet Gott uns sowohl persönlich als Gemeinde, aber auch dieser Welt ein spannendes Lebensfeld.
„Siehe, ich mache alles neu.“ „Siehe, ich mache alles neu“, das ist einmal sozusagen die letzte finale, im Grunde genommen unvorstellbare Perspektive für diese Welt. Ein neuer Himmel, eine neue Erde, das alte Vergangenheit, Gotteswohnung bei den Menschen, alle Völker sind sein Volk, Gott wischt alle Tränen ab, es gibt keinen Tod, keine Trauer, keine Klage, keine Krankheit. „Siehe, ich mache alles neu“, das ist sozusagen die Endperspektive und das Ziel von Gott mit uns und mit diesem Kosmos.
Aber wir dürfen solche Worte, besonders diese Losungen oder auch die Tageslosungen, natürlich immer auch losgelöst vom eigentlichen Kontext, der da steht, als ganz persönliche Zusagen für uns nehmen. Und so können wir auch dieses Wort nicht nur als sozusagen das Fernziel, sondern etwas, was Gott gerne in diesem Jahr auch machen will: Dinge neu zu machen und das manchmal ganz umfassend.
Ich weiß nicht, ob euch das klar ist, aber Gott ist ein Gott, der Erneuerung und Neues liebt. Und das beschreibt er in seinem Wort auf vielfältige Weise. Nicht immer mit dem Wort „neu“, aber immer mit Vorgängen, mit Geschehen, die beschreiben, dass etwas Neues durchbricht und entsteht.
Also: Wir werden durch Gottes Wort wiedergeboren (1. Petrus 1). Dann Johannes, Jesus, die Apostel, sie betonen die Notwendigkeit von Buße und Umkehr, wo immer auch etwas Neues geschieht. Gottes Wille ist der Sinneswandel, der Permanente, so in Römer 12: Die Reinigung, das Wachstum, die Befähigung, die Heiligung und das Fruchtbringen.
Immer Beschreibungen, nicht immer mit dem Wort „neu“, aber dass etwas Neues wächst, geschieht, wird, sich verändert. Wenn Gott Neues will und Erneuerung initiiert, dann geht es ihm nie darum, das Alte irgendwie pauschal beiseite zu schieben. Oder da geht es ihm nicht um das Neue, um das neuen Willen. Es geht ihm nicht um Reize oder Faszination von Veränderungen und von Neuen.
Was Gott initiiert an Erneuerung, das beschreibt immer seine Herzensanliegen: wie Umkehr. Das ist das, was Jesus zuerst verkündigt hat. Kehrt um! Oder Heiligung, dass wir nicht dieselben bleiben von der Bekehrung mit 20 bis zum Tod mit 80, sondern dass wir Gottes Wesen ähnlich werden in dieser Zeit. Dass wir nicht nur mehr über Jesus wissen, sondern ihn besser kennenlernen und dadurch verändert werden.
Also: Was Gott will, läuft immer darauf hinaus, dass Erneuerung in unserem Leben passiert.
Jesus macht mal in einem Gleichnis deutlich, dass Erneuerung ein komplexer Vorgang ist. Er sagt in Lukas 5 in einem Gleichnis:
„Niemand reißt ein Stück von einem neuen Kleid und pflegt damit ein altes. Sonst zerreißt man das Neue und das neue Stück passt nicht auf das Alte.“
„Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreißt der neue Wein die Schläuche, wird verschüttet und die Schläuche verderben. Neuer Wein gehört in neue Schläuche, aber niemand, der alten Wein trinkt, will neuen, denn er sagt: Der alte schmeckt gut.“
Wenn jemand zu diesem Gleichnis – da habe ich ehrlich gesagt noch nie eine Predigt drüber gehört, auch keinen vernünftigen Artikel oder kein gutes Buch dazu gefunden. Wenn jemand dazu mal was findet, da wäre ich sehr interessiert, dürft ihr mir jederzeit weitergeben.
Ich greife nur mal ein Element aus diesem Gleichnis auf:
„Niemand, der alten Wein trinkt, will neuen, denn er sagt: Der alte schmeckt gut.“
Und dabei ist der alte Wein gar nicht immer wirklich ein alter Wein, sondern sehr schnell gewöhnen wir uns an Dinge, die noch vor zwei Jahren neu waren und dann sind die schon wieder alt für uns. Es ist die Gewohnheit, die wir haben, die wir festhalten wollen und die uns schmeckt.
Und wenn dann wieder eine Veränderung kommt, dann wollen wir das Neue von vor zwei Jahren, was inzwischen unser Altes ist, genauso festhalten, weil es so gewohnt ist.
Wie sind wir denn im Bezug auf Erneuerung, neue Dinge, Veränderungen geschaffen? Wenn man mal so guckt: Wie sind Menschen und was wird da so beschrieben werden?
Also: Es gibt Menschen, die sind sehr offen für neue Erfahrungen, Ideen. Die suchen Abwechslung. Ja, das Neue, das Unbekannte, das ist anziehend, das wird gerne ausprobiert.
Andere brauchen zusätzlich die soziale Interaktion über das Neue. Ja, sie teilen gerne das Neue weiter, sie reden, sie diskutieren gerne in Gemeinschaft, in der Gruppe drüber.
Noch andere sind geradezu enthusiastisch aus dem Häuschen über neue Dinge. Sie wollen andere anstecken und sie können gar nicht verstehen, wenn andere auf ihren Enthusiasmus, ihre Action und ihre wechselnden neuen Dinge ganz wenig begeistert reagieren oder sogar das Neue kritisch hinterfragen.
Andere sind da etwas ruhiger. Sie sind durchaus offen für das Neue, sie brauchen aber Zeit – manchmal auch viel mehr Zeit – um sich an Neues zu gewöhnen. Ihnen ist: Wenn schon Neues, dann die gewissenhafte Auseinandersetzung wichtig. Sich selber informieren über das Neue, vielleicht zuerst lieber mal Einzelgespräche mit jemandem, dem man vertraut (einem Freund, einer Freundin, einem Partner) und das Neue wollen die verstehen und dann in Planung, in klare Strukturen, in gute Routine umsetzen.
Wieder andere sehen das Neue eher als eine Bedrohung von guter Tradition, bewährten Wahrheiten, Erfahrungen, Sicherheit, Stabilität. Ihnen geht es oft ums Prinzip und den sicheren Rahmen, die vertraute Gemeinschaft. Der Austausch, das Persönliche ist nicht so wichtig.
Diese typisierte Gruppe ist für das Neue deutlich schwerer zu gewinnen – umgekehrt sind das oft die Typen, die sehr zuverlässig im Gebet, im Gemeindebesuch, in der Mitarbeit oder auch in der Spendenbereitschaft sind. Und wenn sich dieser Typ dann mal fürs Neue entschieden hat, dann besteht eine große Chance, dass er auch dort zuverlässig dabei ist.
So: Jetzt ist es natürlich alles typisiert, aber es macht deutlich, wenn wir als Gemeinde neue Dinge angehen, dann gibt es welche, die werden sagen: „Jo!“ Die anderen werden sagen: „Ja, interessant. Können wir mal drüber reden?“ Und andere wird es geben, die sagen: „Ich weiß nicht … also kommt mir irgendwie schräg und komisch vor. Möchte ich eigentlich nicht.“
Also: Erneuerung wird immer unter uns sozusagen den Diskurs und die Ergänzung auch dieser verschiedenen Arten und Weisen auf Neues zuzugehen brauchen.
Und Gott kann jeden Typ von uns gebrauchen, egal ob wir die Huratypen sind oder die, die sagen: „Na Vorsicht! Eher mal das Alte bewahren.“ Und keine dieser Verhaltensmuster ist in sich gut oder in sich schlecht. Jedes dieser Muster kann sozusagen über die Stränge schlagen und kann – ich nenne es jetzt mal eine sündhafte Struktur bekommen.
Die Jagd nach dem immer neuen kann einen schlechten, zerstörerischen Charakter entwickeln: „Das ja, aber vergewissern, sichern, prüfen, prüfen …“ In Formen bringen ist gut – aber es kann manchmal ewig dauern und dadurch einen schwierigen Zug bekommen.
Und auch das prinzipielle Vorsicht – ja – ist nicht schlecht. Aber es kann genauso eben Dinge hindern, blockieren, verschließen für das, was dran ist.
So: Das Gute ist, Gott lässt sich nicht irritieren von dem, wie wir sind und von den unterschiedlichen Herangehensweisen, die wir da haben. Er lädt uns quer durch sein Wort zur Erneuerung ein.
Schon bei den Propheten:
„Denkt nicht an das Frühere! Auf das Vergangene achtet nicht: Siehe, ich wirke Neues.“
Jetzt sprost es auf: „Erkennt ihr es denn nicht? Ich mache durch die Wüste ein Weg und ströme durch die Einöde.“
Also schon dort lockt Gott seine Leute zum Neuen.
Gott verspricht aber, dass es nicht nur um die Veränderung von Äußerem geht bei dem, was er auf dem Herzen hat – sondern dass es auch immer um die Umgestaltung unseres Inneren geht. Ganz klassisch: Hesekiel 36:
„Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz aus eurem Fleisch, das Herz von Stein aus eurem Fleisch – und gebe euch ein Herz von Fleisch.“
Jesus greift das ganz stark auf:
Er spricht von der Neugeburt, die nötig ist, um ins Reich Gottes zu kommen: „Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in Gottes Reich kommen.“
Und auch das zentrale Gebot, das Jesus seinen Leuten gibt, ist eben das neue Gebot:
„Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“
Und dann beschreibt Jesus, dass nach seinem Weggehen etwas kommen wird, das auch vollkommen anders ist als was die Menschen vorher kannten. Nämlich, dass der Heilige Geist in einer Art und Weise präsent sein wird – wie das früher nur die Propheten, die Könige, einzelne Gestalten und Leiter erlebt haben:
„Ich will den Vater bitten; er wird euch einen anderen Tröster geben: dass er bei euch sei in Ewigkeit – den Geist der Wahrheit.“
Also Gott malt uns eigentlich quer durch die Bibel vom Alten ins Neue Testament bis in die Offenbarung hinein übergroß vor Augen, dass sein Herz für Erneuerung in diesem Sinne schlägt.
Und seit Pfingsten kann das – was in Ezekiel schon versprochen ist – dass das steinerne Herz weggenommen wird – jeder erleben, der sein Herz für Jesus öffnet. Gottes Wort, sein Geist, die Gemeinschaft in Liebe und die Jesusnachfolge werden zu den entscheidenden Grundlagen für das neue Herz und den neuen Geist.
Also zusammenfassend: Gott ist ein Gott, der Erneuerung liebt. Das behaupte ich.
Und blättert und sucht in eure Schrift – und falls ihr es widerlegen könnt, dann kommt zu mir und sagt mir, wo ihr sagt: „Gott ist einer, der im Schwerpunkt das Alte liebt.“ Können wir dann gerne weiter diskutieren.
Wiederkehrende Erneuerung ist sozusagen seine Methode auf dem Weg auf dieses Finale – alles neu zu machen. Jesus macht deutlich: Wenn wir Erneuerung suchen, können wir nicht einfach sozusagen irgendein zipfliches Neues nehmen und es auf das Alte draufkleben oder draufsticken.
Und wir können auch nicht einfach die alten Formen weiter behalten – weil die alten Formen oft Gottes Willen und seine Gegenwart nicht mehr fassen können. Und Gottes Wort macht deutlich: Egal welcher Typ wir sind, die Vorsichtigen, die sagen: „Ja, warum nicht?“ Schlecht oder die, die sagen: „Juhu! Was Neues.“ Er kann jeden von uns auf diesem Weg der Erneuerung gebrauchen.
Wie wäre es, wenn wir 2026 bewusst, mutig, entschlossen, kreativ um diesen Weg der Erneuerung ringen würden? Sowohl für uns persönlich, als auch vielleicht für unsere Ehen, Familien – als auch für uns als Gemeinde?
Wie wäre es, wenn wir sagen würden: „Ja, ich mache Platz für Gottes Erneuerung in meinem Leben. Ich komme zu ihm und sage: Vater im Himmel, wenn mein Herz noch irgendwo hangt und steinern ist, dann zeig es mir durch Wort und Geist – und mach mich frei davon.“
Gott sagt: „Ich mache alles neu.“ Und ich fände es toll und verheißungsvoll, wenn das das wäre, was wir für unsere Gemeinde anstreben zu sagen:
„Ja, Vater, du darfst neu machen, was du neu machen willst.“ Amen.