Ihr Lieben, schön euch zu sehen! Ich freue mich, dass wir miteinander über einen Part von Gottes Wort nachdenken können. Ich grüße euch herzlich im Namen Jesu.
Gottes Wort ist voller Verheißungen. Ich weiß nicht, ob es jemand mal gezählt hat, aber ich vermute viele hunderte von Verheißungen – seiner Hilfe, seiner Treue, seiner Macht auf dem Lebensweg, den wir so gehen. Und dann ist Gottes Wort nicht nur voll Verheißungen, sondern auch voll von Weg- oder Zielbeschreibungen: Von Zielbeschreibungen für unseren Alltag bis hin zu mutigen Schritten im Glauben, zu denen Gott uns einlädt – Schritten, die ihn freuen und sein Reich wachsen lassen. Und dann enthält Gottes Wort natürlich auch Momente, in denen er uns mal sanft, mal erschreckend deutlich einen Spiegel vorhält, in dem wir uns erkennen können: So wie wir durchs Leben tasten oder manchmal sogar mogeln.
So auch die Israeliten am Anfang unseres Predigtextes:
"Mose ließ die Israeliten vom Schilfmeer aufbrechen und sie zogen weiter in die Wüste Schur. Drei Tage lang wanderten sie durch die Wüste ohne Wasser zu finden. Danach kamen sie zur Oase Mara, aber dort war das Wasser so bitter, dass sie es nicht trinken konnten. Deshalb hatte man dem Ort auch den Namen Mara – was so viel wie Bitter oder Bitterkeit heißt – gegeben."
Die Israeliten hatten eine Verheißung von Gott bekommen: "Ich bin herabgekommen, um mein Volk aus der Gewalt der Ägypter zu befreien. Ich will sie aus Ägypten herausführen und in ein schönes, weitläufiges Land bringen, in dem Milch und Honig überfließt."
Die Befreiung hatten sie zu diesem Zeitpunkt schon erlebt – ich denke, die war nicht anders als bei uns: Nach solchen großen Befreiungserlebnissen sollte es jetzt schnell und zügig weitergehen ins gelobte Land voller Milch und Honig. Doch weder die Milch kam noch der Honig – nichts davon in Sicht, nicht mal Wasser. Und als dann endlich eine Oase in Sicht kam, war das Wasser bitter und ungenießbar.
Wenn wir von Gott so etwas wie ein Versprechen oder eine Zusage bekommen oder er uns ein Ziel zeigt, was wir im Glauben ansteuern – dann wäre es uns immer am liebsten, wenn Gott uns unter seinem Schutz und Segen möglichst zügig an dieses geglaubte Ziel bringen würde. Wir glauben zum Beispiel, dass Gott uns eine neue Arbeitsstelle schenken oder unserem finanziellen Mangel abhelfen wird; Gottes Wort hat uns Glauben geschenkt, dass er die Menschenfurcht in uns überwinden kann oder uns von Einsamkeit befreit. Wir glauben voller Zuversicht, dass Gott eine Beziehung heilen wird oder unsere Gemeinde erneuern wird – oder dass uns Gott eine Berufung geschenkt hat.
Ihr könnt einsetzen, was euch vor Augen steht: "Ja, das ist sozusagen, was Gott mir verheißen hat und wo ich unterwegs bin." Doch auch bei uns ist es oft so, dass sich statt dem schnellen Einzug ins gelobte Land die Wüste – der noch nicht Erfüllung – dahinzieht. Und statt ins gelobte Land zu kommen, werden unsere Lebensumstände manchmal eher schwieriger und die nächste Etappe dessen, was wir geglaubt haben, wird nicht besser, sondern sie wird vielleicht sogar bitter.
Wie reagieren wir, wenn wir so ein Ziel – von dem wir glauben, Gott hat es uns gegeben – vor Augen haben und jetzt zieht sich das Ganze und Situationen auftauchen, die sogar Bitterkeit in uns wecken? Das Volk damals hat folgendermaßen reagiert: Es machte Mose Vorwürfe, beklagte sich oder murrte. "Was sollen wir denn nun trinken?"
Da schrie Mose um Hilfe – und der Herr zeigte ihm ein Stück Holz. Als Mose es ins Wasser warf, wurde das Wasser genießbar.
Wenn so ein Glaubensweg und so ein Glaubensziel sich zieht und eine Durststrecke kommt – wenn Schwieriges und Bitteres auftritt – dann sagt dieser Text einmal: Dann ist es naheliegend, dass wir menschlich und allzu menschlich darauf reagieren. Wir beginnen zu murren oder eben auch Vorwürfe zu machen. Wir machen vielleicht uns selber Vorwürfe – je nach Typus gerne machen wir den anderen Vorwürfe – oder wir schieben dann Schuld zu, wie die Israeliten das vor und nach diesem Text oft gemacht haben: an Menschen oder sogar an Gott.
Und so fixieren wir uns auf den Mangel – so wie sich die Israeliten auch hier auf den Mangel fixierten: Das Wasser, das nicht da ist. Aber nicht auf das Ziel, das gelobte Land, was Gott ihnen versprochen hat. Und so machen wir das oft: Wenn so eine Strecke kommt, schauen wir auf den Mangel – auf das, was nicht ist – und nicht auf das, was Gott versprochen hat und was werden soll.
Wir glauben zum Beispiel, dass Gott Menschen retten will, indem er ihr Herz, ihren Verstand, ihr Leben zu Jesus hinführt. Diese Menschen sollen dann einen Lebensraum finden in so einer Gemeinde hier oder in anderen Formen von Gemeinschaft – eben auch in Gottes großem Reich insgesamt.
Ich glaube zum Beispiel und bete dafür: dass Gott uns alte Hasen, aber auch die, die noch jung sind, Jesus ähnlicher macht. Aber natürlich auch, dass Gott einfach Menschen neu hier herführt – Menschen für die das hier wirklich die passende Heimat ist. Und dass sich eine Gemeinde wie wir sie sind erneuert und neue Dynamik, neues Leben bekommt.
Aber was machen wir denn, wenn sich zum Beispiel so eine Erneuerung – egal ob bei uns in der Situation oder auch in einer Gemeinde – mehr Durststrecken hat als wir erwartet haben? Wenn die eine oder andere Wegstrecke zum neuen Ziel uns überhaupt nicht schmeckt oder befriedigt?
Machen wir dann uns selbst Vorwürfe und sagen: "Ja, ich hätte mehr beten sollen für die Gemeinde Erneuerung – oder mehr glauben sollen." Oder machen wir eher den anderen in der Gemeinde Vorwürfe und sagen: "Ihr und du – wenn ihr das so tutet, würde das alles hier flotter vorwärts gehen."
Fixieren wir also uns auf den Mangel – auch in einer solchen Gemeinde – das was nicht ist oder noch nicht ist. Oder machen wir es wie Mose.
Was macht Mose? Er schreit zu Gott. Und was macht Gott? Er offenbart Mose eine Lösung gegen die Bitterkeit, die wie auch immer im Detail dieses Wasser zum Guten, zur Genießbarkeit umkippen lässt.
Wir kennen den umgekehrten Prozess: Wie schnell ein Wasser schlecht wird und umkippen kann. Gott macht es umgekehrt. Er lässt dieses Wasser genießbar werden. Gott ist meines Erachtens ein Pragmatiker, der solche Durststrecken und das Bittere auf dem Weg erstmal durch ganz Naheliegendes löst. Seine Lösung liegt dort – nur sie war Mose nicht vor Augen.
Unsere erste Reaktion ist oft eben dieses Murren oder die Vorwürfe machen plus dieses Fixieren auf den Mangel. Ich glaube, Gottes naheliegende Lösung ist Ermutigung, Korrektur und die Hinwendung zu Jesus. Denn in dieser eigenartigen Geschichte steckt im Grunde genommen schon ein prophetischer Hinweis auf Jesus drin: Der das Bittere süß macht.
Denn von Jesus heißt es: "Christus hat uns vom Fluch freigekauft, indem er für uns zum Fluch geworden ist." Denn so sagt die Schrift: "Verflucht ist jeder, der am Holz hängt."
Mich würde interessieren, wenn Jesus den Jüngern erklärt: In der Schrift ist schon von mir geschrieben – und ihnen all diese Stellen zeigt. Ob er sie auf diese Stelle auch aufmerksam gemacht hat? Das Holz, was dort das Wasser wieder lebendig macht – ein sozusagen Vorbild prophetisch auf Jesus, der uns von Sünde befreit: Er trägt am Kreuz und uns dadurch Leben schenkt.
Wenn wir also unterwegs sind auf so einem Weg mit Gott – Verheißungen, die wir glauben – und es zieht sich und bekommt einen bitteren Geschmack: Haben wir immer zwei Optionen. Wir murren, machen Vorwürfe, fixieren uns auf den Mangel oder wenden uns an Jesus und bitten ihn und ringen mit ihm: "Jesus, was ist denn der nächste naheliegende Schritt an dem Punkt, wo ich gerade stecke und nicht weiterkomme?"
Wir können Jesus um Offenbarung bitten – dass er auch in unserem Leben sozusagen das Bittere wieder süß und lebenswert macht.
Und was passiert weiter? In Mara gab der Herr dem Volk Ordnungen und Rechtsbestimmungen und stellte damit ihre Bereitschaft, ihm zu gehorchen, auf die Probe. Er sagte: "Achtet genau auf das, was ich, der Herr, euer Gott, euch sage und tut, was mir gefällt. Beachtet meine Gebote und haltet euch an meine Ordnungen. Dann werde ich euch keine der Krankheiten aufbürden, die ich über die Ägypter gebracht habe – denn ich bin der Herr, euer Arzt." Oder man kann es auch übersetzen: "Der Herr, der euch heilt."
Wie klingt das in euren Ohren? Auf die Probe stellen oder auf die Probe gestellt werden? Fühlt sich das eher negativ an – so ein bisschen unwohl?
Luther hat es so eher in die Richtung übersetzt: "Gott gab ihnen Gesetz und Recht und versuchte sie." Oder ist "auf die Probe stellen" eigentlich was Positives, wie in folgendem Satz:
"Ich stelle meine Fähigkeiten auf die Probe, indem ich mich auf neue Herausforderungen einlasse und mein Wissen und meine Fähigkeiten anwende, um neue Ziele zu erreichen."
Hat jemand so formuliert: "Ich stelle meine Fähigkeiten auf die Probe, indem ich mich auf neue Herausforderungen einlasse. Ich bringe mein Wissen, meine Fähigkeiten ein – um damit neue Ziele zu erreichen." Das klingt doch ganz anders.
Gott hat den Israeliten sein Wort als Gesetz gegeben. Uns hat Jesus, der das Bittere süß machen kann, sein Wort und seinen Geist zusätzlich zu ihm gegeben. Gott hat uns durch Jesus all diese genialen Worte von Jesus gegeben – die Dinge so irre gut konzentrieren.
Ich habe überlegt: So wie ein geistliches Superfood, was Jesus da oft in einem oder zwei Sätzen konzentriert:
- "Sucht zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben."
- "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Aber getrennt von mir könnt ihr nichts tun."
- "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon – deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben."
Sind solche Superfood-Worte Jesu Versuchungen Gottes, bei denen Gott kritisch schaut, ob wir scheitern? Oder ist das sozusagen eine positive Erprobung? Wie Übungsfelder Gottes – damit wir heil werden und wachsen?
Denn Gott sagt ja da von sich – später wird es auf Jesus zugespitzt: "Denn ich bin der Herr, euer Arzt, der euch heilt."
Ich glaube nicht, dass Gott uns erprobt, um dann hinterher selbstzufrieden sagen zu können: "Wusste ich es doch, dass du das nicht schaffen wirst." Ich glaube, dass Gott ein barmherziger Gott ist – wie ein weiser Vater, aber auch ein gerechter Vater, der weiß, was das Richtige für uns ist. Damit wir menschlich, aber auch geistlich wachsen und kompetent werden.
Ich glaube: Gott als Vater kennt uns, er kennt unsere Berufungen, er kennt die Herausforderungen, die er uns zumuten kann – und er lässt uns nicht einfach so verkümmern in solchen Komfortzonen. Wo wir sozusagen geistlich auf der Couch sitzen und die Daumen drehen: Das geistliche Programm spult sich vor uns ab.
Der weiß: Da werden wir geistlich fett und schwabbelig – oder wie immer man das geistlich sagen könnte. Nein, sondern er will, dass wir wachsen – wie wir es in diesem Jahr oft gehört haben: Dass wir Jesus ähnlicher werden und dadurch sein Reich ganz neu bauen.
Und dieser Wachstumsweg von Gott aus der Komfortzone heraus mag durchaus mal länger dauern. Es mag Durststrecken geben, manche Situation mag auch mal bitter schmecken – bis das, was wir von Gott gehört haben und was wir glauben, dann auch tatsächlich Realität wird.
Aber ich glaube: In den allermeisten Fällen ist es so, dass Gott das Versprochene kommen lassen will und kommen lässt. Und in dieser Geschichte endet alles sehr eigenartig:
"Dann kam die Israeliten nach Elim, wo es zwölf Quellen gab und 70 Palmen. Dort am Wasser schlugen sie ihr Lager auf."
Nach dieser Durststrecke und dem bitteren Wasser, was das Volk erlebt hat – schenkt Gott sozusagen eine vollkommene Oase: Zwölf ist ja in der Bibel oft so eine Zahl der Vollkommenheit – wie die Stämme Israels oder die Jünger. Und 70 ist auch so eine Zahl der Vollkommenheit.
Also: Gott wird nach bitteren Zeiten auch solche Oasen schenken, wo einfach mal da ist, was wir brauchen.
Falls ihr also zurzeit so eine Durststrecke erlebt – dann möchte ich euch folgendes raten:
Erstens: Wendet euch vom Murren und den Vorwürfen ab. Auch von dieser Fixierung auf den Mangel. Wendet euch neu Jesus zu, der das Bittere heilen und süß oder genießbar machen kann.
Bittet Jesus euch in solchen fest scheinbar festgefahrenen, bitteren Situationen einen naheliegenden nächsten Schritt zu zeigen – zu offenbaren.
Und dann lasst euch von Gott an der Hand nehmen und aus dieser Komfortzone des Glaubens herausführen. Und ich glaube: Dieser Text sagt auch: Ihr dürft Gott einfach um Oasenzeiten in eurem Leben bitten, wo die Dinge mal eine Zeit einfach gut – und sogar vollkommen sein können. Wo ihr eine geistliche Verschnaufpause habt – bis Gott euch den nächsten Schritt weiterführt.
So und darin segne euch der Herr. Amen.