euch keine Reichtümer hier auf der Erde, wo Motten und Rost sie zerfressen und Diebe einbrechen und sie stehlen. Wir sammeln doch alle keine Reichtümer, oder? Denn wer von uns könnte oder würde schon sagen, dass er reich ist, verglichen mit all den Reichen und Schönen, die uns tausendfach in Bild und Ton, in Schrift, in der Werbung vor Augen gemalt werden. Da sind wir wirklich nicht reich, oder? Die Zuhörer, denen Jesus das gesagt hat, denen wurde noch nichts digital vor Augen gemalt, aber definitiv haben die sich noch viel weniger als reich verstanden oder erlebt. Und wenn wir den Vers mal genauer anschauen, dann spricht ja auch Jesus mit den Reichen. Jesus nicht vom Reichtum als einer abstrakten Größe, sondern er spricht von unserer Neigung zu sammeln, was wir denn alles so für Reichtümer erachten.
Und egal, was wir da gerne sammeln, er sagt, das ist egal, ob wir ein paar Tausend, ein paar Hunderttausend oder Millionen Euro hätten, das ist alles vom Zerfall, Verlust und Fraß betroffen. Wie hat es denn Jesus gemacht? Wie hat Jesus selbst eigentlich mit den Reichtümern gehalten? Zu einem Schriftgelehrten, der ihm nachfolgen wollte, sagt Jesus, die Füchse haben Gruben, die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Jesus hatte zwar den Evangelien nach über weite Strecken, sowas wie einen festen Aufenthaltsort in Kapernaum, wo er wohnte, das wussten die Leute auch und wo sie auch hingingen, in der Hoffnung, ihn zu treffen. Aber es ist nicht die Rede davon, dass es sein Haus, seine Wohnung, sein Eigentum wäre.
Wahrscheinlich eher ein Wohnen bei Freunden, vielleicht bei Leuten auch aus dem Jüngerkreis. Es gibt einige Indizien, die deuten darauf hin, dass Jesus nicht in Armut lebte. Also zum einen, klar, er war ein Handwerker, hat einen Handwerksberuf gelernt. Er hat darin auch ein paar Jahre gearbeitet und wie andere Handwerker verdient. Er und seine Jünger wurden, als sie dann unterwegs waren für das Reich Gottes, von einigen reichen Frauen, das heißt mit ihrer Habe, unterstützt, die so zum sozusagen erweiterten Kreis der Nachfolger Jesu gehörten. Es wird auch erwähnt im Johannes-Evangelium, es gab einen gemeinsamen Geldbeutel für Opfer, für Ansteller. Es gab auch eine Gruppe, die, wie bekannt von Judas, verwaltet wurde, was nicht so ganz gut ausging.
Und Jesus wurde versorgt. Es gibt Geschichten, mal zeugnishaft durch die Münze, die im Fisch des Mundes für die Steuer ist, dann aber eben auch durch gastfreundliche, wohlgesonne Menschen. Vor seiner Kreuzigung trägt Jesus ein in einem Stück gewebtes. Und untergewandt. Also das hieß, er lief nicht irgendwie verlottet rum und hatte kein Geld für Kleidung, sondern er trug Kleidung, die zumindest so gut war, dass es die Soldaten für wert erachteten, darum zu losen und zu würfeln und das schöne Stück nicht zu zerschneiden. Aber trotz all dieser Indizien müsste man mit einem modernen Wort sagen, dass Jesu Lebensart, die Situation oder wirtschaftliche Situation prekär war. Also dass es mehr ein Leben von heute auf morgen in der Versorgung Gottes ohne wirklich greifbare oder eine Menge von eigenen Dingen und Eigentümern gab.
Und noch dazu äußert sich Jesus ja ein paar Mal wirklich ausdrücklich. Reichtums in Frage stellend oder reichend. Reichtums kritisch. Also da gibt es den Weheruf gegen die Reichen und Satten. Im Skript, das ihr mitnehmen könnt, alles mit Bibelstellen hinterlegt. Da gibt es die Warnung vor Habgier in Erbkontexten. Da gibt es den reichen Mann, der sich's gut gehen lässt und den armen Lazarus, der leidet. Da gibt es den reichen Kornbauer, der sich täuscht, was er alles noch tun kann mit seinem vielen Geld. Da gibt es den reichen Mann, der sich's gut gehen lässt und den armen Lazarus, der leidet. Da gibt es den reichen Jüngling, der alles lassen will, nur nicht sein Reichtum. Es gibt das sprichwörtliche Kamel, das leichter durch das Nadelöhr geht, als ein Reicher in den Himmel kommt.
Und es gibt später in unserem Text noch den Mammon, dem wir nicht gleichzeitig mit Gott dienen können. Jesus lebte also in puncto Reichtümer prekär, würden wir heute sagen, von Tag zu Tag. Und er äußert sich wirklich ein paar Mal, dass er sich nicht mehr so gut fühlt. Er ist einmal heftig, explizit kritisch gegenüber dem falschen Gebrauch von der Reichtum. Und zwei Verse weiter, ich überspringe einen, der kommt später, formuliert Jesus ein grundlegendes Prinzip unseres Lebens. Denn da, wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein. Wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein. Herz ist im biblischen Denken unser Wesentliches. Das ist unser Lebenskern, das Zentrum unserer Persönlichkeit. Im Herz sind Verstand, Wille, Begehren, Absichten, Vertrauen, Gefühle zentriert.
Das Herz ist sozusagen der Kompass, der Ort unserer inneren Ausrichtung und die Quelle, aus der dann auch Wort und Tat nach außen fließt und erkennbar wird, wer wir als Person sind. Und das ist das, worauf unser Herz durch Lebensumstände, durch Menschen, durch Beeinflussung, durch Manipulation, durch Traumatisches oder auch eigene Entscheidungen sozusagen immer wieder ausgerichtet wird, das wird zu unserem Schatz. So wie bei Gollum im Herr der Ringe. Das sozusagen, worum sich unser ganzes Denken dreht, darauf, wo wir unser höchstes Vertrauen, unsere stärkste Hingabe setzen oder auch, wovor wir im Gegenteil die größte Angst haben. Was wir für besonders wertvoll halten oder fürchten, zieht unsere Gedanken, Zeit, Entscheidungen wie in einer Spirale, die sozusagen immer enger wird an sich und umgibt damit unser Herz.
Das können immaterielle Werte sein, wie Bewunderung, Anerkennung, anderer Ansehen, Status, Macht, Sicherheit, Kontrolle. Aber in unserer Welt, die so massiv in Richtung Konsum geprägt wird, ist es natürlich auch all die Dinge, die wir so haben und die genauso zu unseren Schätzen werden können. Wenn wir uns an Jesu prekärem Lebensstil orientieren, dann muss ich sagen, besitzen wir alle, dass wir alle definitiv zu viel. Wenn wir dann noch den großen Apostel Paulus dazu nehmen, dann immer noch oder auch. Denn der meint, wir haben nichts in die Welt gebracht, darum können wir auch nichts herausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns damit begnügen. Das ist uns wahrscheinlich zu krass und zu zugespitzt.
Aber manchmal wirft ja gerade das Zugespitzte die berechtigten Fragen auf, nämlich wie viele Dinge brauchen wir denn eigentlich? Und deswegen habe ich gedacht, machen wir mal einen kleinen Ausflug in die Welt der Dinge. Dinge, obwohl sie Dinge sind, die wollen unsere Aufmerksamkeit, Zeit, Energie oder sogar Zuwendung und Liebe. desires desires desires desires! Schachteln, Kisten, Dosen, Gläsern oder Sortimentskästen. Und wenn Sie diese Wohnungen nicht bekommen, dann werden Sie zu Nomaden, die ruhelos durch unsere Wohnungsstreifen und schwer zu finden sind. Viele Dinge sind auch nicht gerne alleine. Die lieben Geschwister. Akkuschrauber zum Beispiel brauchen dringend einen Bruder, einen zweiten Akkuschrauber.
Manche von unseren Dingen werden auch zur Großfamilie. Meine Trennschleifer haben sich inzwischen zu einer Großfamilie von sieben Trennschleifern vermehrt. Manche Dinge entwickeln sich auch zu Horden. Kleider, Schuhe, Bücher, Unterlagen, Spielzeug, Sammlungen aller Art, Postbelege und Papier. Stapel. All die lieben es, in Horden aufzutreten. Denen reichen einzelne Geschwister nicht. Alle diese Dinge wollen und brauchen Aufmerksamkeit, Zeit, Energie und Liebe. Das Problem ist nur, unsere Ressourcen in puncto Liebe, Energie, Zeit und Aufmerksamkeit sind eben begrenzt. Und was uns die Dinge in ihrer Gesamtzeit, sozusagen einfordern, abnehmen, brauchen, das geht zulasten von anderen. Menschen, uns selber oder auch Gott.
Viele Dinge, viel Aufmerksamkeit und weniger Aufmerksamkeit für Menschen. Viele Dinge, viel Zeit dafür und weniger Zeit für Menschen, für uns selbst, für Gott. Jetzt geht Jesus einen Schritt weiter. Und in manchen deutschen Übersetzungen ist das ziemlich schwer zu verstehen. Ich habe mir erlaubt, mal Übersetzungen zusammenzubauen, wo ich finde, die haben gut übertragen, was da in der jüdischen Kultur dahinter stand. Dein Auge ist das Fenster deines Körpers. Ein klares Auge lässt das Licht bis in die Welt. Es lässt in deine Seele dringen. Wenn aber dein Auge durch Neid oder Habgier getrübt ist, ist es dunkel in dir. Wenn nun das, was du für Licht hältst, in dir Dunkelheit ist, wie dunkel wird dann die Dunkelheit sein?
Dahinter stehen im jüdischen Denken, und ich wusste es auch nicht, bis ich diese Predigt vorbereitete. Zwei grundsätzlich gegensätzliche Charaktereinstellungen und moralische Haltungen gegenüber Glück und dem Eigentum anderer Menschen. Ayin Tova, das gute Auge, und Ayin Hara, das böse Auge. Das gute Auge steht für Großzügigkeit, Wohlwollen, Demut und aufrichtige Freude am Glück der Mitmenschen. Wer ein gutes Auge hat, gönnt anderen ihren Erfolg, ist nicht geizig, sondern freigiebig, großzügig und wünscht seiner Umwelt Gutes. Das böse Auge steht für Neid, Missgunst, Habsucht, Geiz und einen herabsetzenden, feindseligen Blick auf Erfolg oder Besitz der anderen. Ein böses Auge empfindet insgeheim Kummer, wenn es nicht gut ist, was man für sich hat.
Wenn es anderen gut geht. Und Jesus setzt das in Beziehung zum Sammeln von Reichtümern oder von unserem Umgang mit Reichtümern. Wenn das Sammeln von Reichtümern, sozusagen meine von Gott losgelösten Schätze, egal ob die materiell oder immateriell sind, wenn die zu meinem Auge werden, sozusagen das, womit ich die Welt sehe, der Filter, durch das die Welt in mich eindringt, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder mein Auge ist in dieser Denkweise ein gutes Auge, das eben geprägt ist von Großzügigkeit, Wohlwollen, Demut und der Freude am Glück und Besitz anderer. Das böse Auge, das sich auf den Besitz fixiert, ihn für sich selber will, ihn den anderen neidet und das finden wir ja wichtig, dass wir den haben, dass er bei uns ist, das, sagt Jesus, ist das böse Auge in diesem Denken.
Dass gerade das, was wir so wichtig, so toll finden, unseren Besitz im Grunde genommen zu Dunkelheit in unserem Leben werden lässt. Mit welchem Auge wir uns, Besitz, unsere Schätze und damit auch unsere Mitmenschen sehen, spitzt Jesus jetzt auf eine Tatsache und ausschließliche Alternative in Bezug auf Gott und Mammon zu. Niemand kann zwei Herren dienen. Denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Das griechische Wort hinter Mammon, da ist ein aramäisches auch nochmal dahinter, das kann mit Besitz, Vermögen oder Reichtum übersetzt werden. Jesus macht hier jedoch was ganz Besonderes.
Er personifiziert den Reichtum. Er macht ihn von einer Sache zu einem, wie einem Gegengott, der sich gegen Gott stellt. Oder dieselben Ansprüche. Einfordert wie auch Gott. Er will, dass Menschen ihm dienen. Und Jesus formuliert auch nachdenkensweiterweise seine Aussage als eine Tatsache, nicht als eine Aufforderung. Er sagt nicht, ihr sollt nicht Gott dienen und dem Mammon, sondern er sagt, ihr könnt nicht. Gott dienen und dem Mammon. Es ist ein entweder oder. Schwarz oder weiß. Diese Aussage sagt, ihr könnt nicht das Geld, den Besitz, eure Schätze, eure Sicherheiten zum Mittelpunkt eures Lebens machen und gleichzeitig sagen, dass ihr Gott dient. Ihr könnt Gott nicht dienen mit einem bösen Auge von Habgier, Geiz oder Missgunst geprägt auf die Menschen um euch.
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Oder auch gerne und schnell von den biblischen Aussagen, dass Gott ja auch materiell segnet und materiellen Segen schenkt. Ich glaube, das ist wie so eine Abwehrreaktion. Das Ganze schnell rund kriegen und dieses grausam eckige und ausschließliche Wort, ihr könnt nicht Gott und dem Marmontinen schnell irgendwie einzuglätten in andere Dinge. Ich lade euch ein, haltet doch den Blick auf Jesus und seine prekäre Lebensführung und die Spannungen, die er auch mit seiner Kritik am Reichtum ausdrückt, versucht die einfach mal auszuhalten. Ich finde es erstaunlich. Dass wir in der Geschichte der Christen Bewegungen hatten, wie das Mönchstum, das eigentlich gestartet ist in diesem Sinne der Armut und Besitzlosigkeit.
Aber dass heute im Großteil unserer Gemeinden, gerade unserer freikirchlichen Gemeinden, diese harrische Kritik Jesu oder ihn, den wir unseren Herrn und Meister nennen, der so prekär lebt. Und er lebte so wenig, finde ich eine Rolle, spielte für die Art und Weise, wie wir mit Geld und Besitz leben. So jetzt ein Vers, den ich übersprungen hatte, nämlich sammelt euch stattdessen Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie vernichten und keine Diebe einbrechen und stehlen. Jesus benennt zu den von Gott losgelösten Schätzen, die unser Herz formen, Eine Alternative, nämlich die Schätze im Himmel. Und er nennt auch mal beispielhaft einen himmlischen Schatz, der so ist, nämlich das explizite Teilen in Form von Almosen.
Lukas 12, verkauft, was ihr habt und gebt Almosen. Macht euch Geldbeutel, die nicht altern, einen Schatz, der niemals abnimmt im Himmel. Also auch wieder die Frage, wie gehen wir mit dem Besitz und dem Armennächsten in diesem Fall um, als den Schatz, den er beschreibt, wenn wir geben und gerne geben. Viele himmlische Schätze, die wir aus Liebe zu Gott leben und sammeln können, dienen eben unserem Nächsten zur Freude Gottes. Barmherzig zu sein wie Gott. Gott, denke ich, ist so ein Schatz. Zu vergeben, wie Gott vergibt, ist so ein Schatz. Notleidenden praktisch helfen, hungrige Speisen, kranke besuchen, Fremde aufnehmen, Gefangene nicht vergessen, ist so ein Schatz. Und ich glaube, jeder von uns kann sich auf die Suche machen in der Schrift nach diesen Schätzen, die Jesus nicht immer explizit so nennt.
Ja, war vielfach. In seinen Worten beschreibt. Das Letzte, darum sage ich euch, sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Isst nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung. Isst nicht das Leben mehr als Nahrung und Kleidung. Isst nicht das Leben mehr als unsere Schätze, die wir manchmal zu hüten versuchen, wie Gollum seinen Schatz. Isst nicht das Leben mehr als die vielen Dinge, die wir haben. Wie wäre es, wenn wir uns von Jesu Lebensstil und ich nenne es mal seinem Minimalismus in puncto Besitz und seinem Maximalismus in Bezug auf Gottesvertrauen, Versorgung und himmlische Schätze neu anstecken und herausfordern ließen.
Wenn viele Dinge, viel Aufmerksamkeit, viel Zeit, viel Energie und viel Liebe erfordern, dann müsste doch eigentlich so ein von Jesus inspirierter, von Gottes Geist geleiteter Minimalismus oder bewusster Verzicht auf Dinge eine Menge an Aufmerksamkeit, Zeit, Energie und Liebe freisetzen. Wenn wir plötzlich... 10, 50, 100, 200, 500 Dinge, 1000 Dinge weniger hätten, die alle schreien, komm, lieb mich und kümmere dich um mich. Dann wären doch 1000 Zeiten frei für Dinge, die Gott am Herzen sind. Ich glaube, dass die wenigsten von uns so eine gottinspirierte Beschränkung oder geistgeleitete Einfachheit in Bezug auf materielle Dinge und Immaterielle genauso, nicht aus eigener Kraft und nicht individualistisch umsetzen können.
Jesu Jünger lernten von Jesus Einfachheit und Minimalismus in der Gemeinschaft mit ihm und in der Gemeinschaft, wie sie miteinander gelebt haben. Von Franz von Assisi und seinen Anhängern wurde gesagt, dass sie eine fröhliche, glückliche Revolte gegen den Geist des Materialismus führten. Wie wäre es, wenn wir in kleinen Schritten miteinander neu beginnen würden, Jesu Minimalismus und Einfachheit neu einzuüben? Egal, ob das durch Teilen, Schenken, Vergeben, Barmherzigkeit, praktische Hilfe oder den gemeinsamen Kampf gegen die vielen Dinge in unserem Leben geschieht, die schon zu Großfamilien oder ganzen Horden... in unserem Leben geworden sind. Amen.

