Durch das Wasser ins neue Leben
Predigt

Durch das Wasser ins neue Leben

Peter UnsinnPeter Unsinn
Sonntag, 1. Februar 2026 · 10:00 Uhr
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

Im Namen Jesu begrüße ich euch zur Predigt, heute unter dem Titel "Durchs Wasser ins neue Leben". Es gibt ungefähr 20 Stellen in den Briefen des Neuen Testaments, die in unterschiedlicher Weise die Taufe thematisieren. Eine davon steht im ersten Petrusbrief, im dritten Kapitel – ich habe die Verse 15 bis 22 genommen. Also: Was drückt Taufe aus? Der erste Vers kommt gleich sozusagen zum Zentrum und macht Christus zum Herrn eures Lebens. Das ist wirklich der Mittelpunkt des christlichen Glaubens. Christus – der Herr, der Erlöser, das Zentrum, der Mittelpunkt, Vorbild, Kraft, Inspirationsquelle. Er präsentiert sich durch die verschiedenen Kulturen, durch die Jahrtausende, durch sein Wort, durch seinen Geist und auch durch die Gemeinschaften, die sich rings um ihn versammeln. Jeder von uns hat seine eigene Geschichte mit Christus – ich glaube, für jeden von euch ist es wert, mal zu schauen: Wie ist denn meine Geschichte? Oder wie war sie bis heute? Meine zum Beispiel begann mit Kirche und Gott. Ich bin von Kind an in eine evangelische Kirchengemeinde in den Oberwein gegangen. Was dort passiert ist – Atmosphäre, Menschen, Musik – das hat mir immer gefallen. So ein erster Schritt war die Konfirmation. So um 14 ist man da und da war der wirklich bewusste Entschluss: Ich will mit Gott leben. Sicher ist in dieser Kirchengemeinde damals auch Christus verkündigt worden, aber entweder habe ich das nicht so wahrgenommen oder es blieb hinter Gott als Gestalt zurück. Erst als ich so 17, 18 war, hat mich mal jemand in der Schweizer Freikirche gefragt: "Wie ist denn das eigentlich mit Jesus in deinem Leben?" Das war eine entscheidende Frage. Denn irgendwie die Rolle von Jesus war mir trotz meiner Kirchengeschichte nie so bewusst geworden – und das hat mich und meine damalige Freundin Marion auf einen Weg geführt, der dann über Gebetskreise, über charismatische Kellerkirchen, über Theologiestudium und auch persönliche Krisen mit 23 zu dem Punkt führte: der Taufe. Und ich sagte: "Ich will mit Christus leben – und das in einer Gemeinde zusammen mit anderen, die genauso sagen, dass Jesus der Mittelpunkt ihres Lebens sein soll." Beides zusammen – sowohl die Taufe als auch das Leben dann in der konkreten Gemeinde – das war für mich und für uns wirklich etwas lebensprägendes und verändertes. So. Jetzt mag euer Weg vielleicht ganz anders aussehen oder ausgesehen haben. Vielleicht bist du noch irgendwie so mehr am Anfang, auch mit vielen Fragen skeptisch und bewegst alles mögliche im Kopf. Vielleicht sagst du auch: "Ja, also Jesus – den finde ich schon irgendwie faszinierend, aber so auf Kirche und auf die Menschen dort, die sind mir oft viel zu weltfremd – da habe ich überhaupt keine Lust drauf." Vielleicht bist du auch schon Jahrzehnte in einer Gemeinde und das mit Begeisterung oder auch manchmal mit Skepsis und Fragen. Vielleicht, so wie Kari jetzt an dem Punkt: dass die Taufe dich innerlich bewegt – oder du sagst: "Ja, das will ich tun." Egal, wo du dich auf diesem Weg befindest – die Frage finde ich ist bei unserem Leben: Hat der Weg ein lohnenswertes Ziel? Ja, gibt ja alle möglichen Wege und manche sagen ja auch: "Der Weg selber ist das Ziel." Aber ich finde schon die Frage ist: Wo führt so ein Weg auch hin? Und ich kann nur sagen: Christus zum Herrn zu machen – ihn zum Mittelpunkt, sich auf ihn auszurichten, sich von ihm inspirieren zu lassen – das finde ich ist nach wie vor das lohnenswerteste Ziel und auch ein fantastischer, wenn auch oft herausfordernder Weg. Petrus macht weiter: "Wenn man euch nach eurer Hoffnung fragt, seid immer bereit, jedem Auskunft zu geben – aber freundlich und mit Achtung. Bewahrt euch ein reines Gewissen; wenn jemand euch verleumdet, wird er beschämt werden, weil euer vorbildliches Leben mit Christus ihn lügen straft." Hier ist der erste Satz, finde ich, eine Aufforderung oder eine Frage an alle unter uns, die schon länger mit Jesus unterwegs sind: Wie sieht es aus mit der Hoffnung in eurem Leben? Und wie sieht es aus – habt ihr was zu erzählen, wenn ihr anderen begegnet, was euch Hoffnung macht, was euch durch Krisen hindurch hilft, auch in einer Welt, die finde ich irgendwie immer verrückter zu werden scheint? Und wenn ihr ins Gespräch kommt mit Menschen über Jesus, über Glauben und Leben – wie ist es dann? Seid ihr, wie der Petrus das hier andeutet, eine freundliche Auskunftsquelle für Jesus mit Achtung – ohne Rechthaberei bei Menschen, die berechtigte Fragen oder Skepsis äußern? Satz 2 in diesem Teil – da geht es ums Gewissen. Das kommt später nochmal – darum lasse ich das hier weg. Wie sieht es mit Satz 3 aus? Dem vorbildlichen Leben. Die meisten Freikirchen entstanden ja im 19. Jahrhundert zeitgleich mit dem Boom des Vereinswesens und der starken gesetzlichen und auch gesellschaftlichen Veränderungen, die es da gab. Das brachte mit sich, dass Gemeinden – weil sie in dieser Zeit entstanden und auch die sozusagen rechtlichen Muster übernommen haben – manchmal in Gefahr waren, einfach mehr ein frommer Verein zu werden und Christen dann ethisch korrekte, pflichtbewusste, vorbildliche Bürger in erster Linie sein wollten. Das ist nicht schlecht, aber ist das wirklich dasselbe wie ein vorbildliches Leben mit Christus? Mich hat es mal interessiert – auch bei allen Fragen rings um KI: Was passiert denn, wenn man mal eine KI fragt: "Was sind denn eigentlich Vorbildchristen?" So. Da wurde genannt: Dietrich Bonhoeffer, Clemens August Graf von Galen, Albert Schweitzer, Martin Luther King, Florence Nightingale, William Wilberforce, Corrie ten Boom. Alle schon tot. Dann habe ich nach lebenden Vorbildern gefragt – und da nannte die KI diverses – es war über zumindest einen nicht klar, dass der nicht mehr lebt. Also: Da nannte sie als lebende christliche Vorbilder Papst Franziskus, Jimmy Carter (der nicht mehr unter uns weilt), Dennis Mukwege, Shane Claiborne, Heinrich Bedford-Strohm, Anselm Grün und Samuel Koch. Also es scheint immer noch Christen zu geben, die als Vorbilder wahrgenommen werden – das spiegelt ja nur Beiträge im Internet wieder und die eine KI dann findet. Aber die Frage ist: Wollen wir Vorbilder sein? Und zwar nicht aus eigener Kraft, Korrektheit, Stärke oder was auch immer – sondern weil wir mit Christus zusammen sind und an ihm orientiert Vorbild sein wollen. Andere ermutigen, andere inspirieren, anderen Hoffnung geben in einer verrückten Welt, wo es irre viele Wechsel gibt – aber vielleicht auch deswegen irre viele neue Möglichkeiten und Wege. Christus hat gelitten, als er ein für allemal für unsere Sünden starb. Er hat nie gesündigt, aber er starb für die Sünder, um uns zu Gott zurückzubringen. Der Weg in Richtung Christus – zurück zu Gott, wie es hier heißt – ist definitiv kein einfacher und billiger. Jesus hat diesen Weg lebenslang Widerstand, Verrat, Final, dann Leiden und Tod eingebracht. Aber sein Weg hat auch das angebrochene Reich Gottes, Vollmacht, Zeichen, Befreiung, Vergebung, Umkehr, neue Gemeinschaft unter Menschen mit sich gebracht. Petrus schreibt ein Stück vor unserem Text, dass Christus uns ein Vorbild hinterlassen hat – wo wir wie im Schnee den Fußspuren nachfolgen. Schaut euch den mal an: 1. Petrus – sehr interessant. Der entfaltet dann unheimlich viele Möglichkeiten, was sozusagen eine Alternative zu Zeit, Gesellschaft und Zeitgeist im Alltag bedeutet – und wie sich das in konkreten Verhaltensalternativen entfalten soll. Jesus hat sich ja nicht darauf beschränkt, Sündern zu zeigen, was falsch ist. Er hat immer auch gezeigt: Was ist denn die lebensspendende Alternative? Er hat nicht nur gesagt: "So nicht!" – sondern er hat befreit, er hat neues Leben ermöglicht und mit Gott beschenkt. Jesus ist – wie wir das in der Taufe bezeugen – für uns gestorben, um uns zu Gott zurückzubringen und uns ein neues, ein Jesus-gleiches, ein Jesus-alternatives Leben zu schenken. Jesus ist nicht gestorben, damit wir als fromme Besserwisser den anderen nur sagen: "Was ihr falsch macht" – oder was wir denken, das Sünde ist. Er ist gestorben, damit wir anderen zeigen: Was ist die Alternative? Und dass wir ihnen helfen, diese Alternative auch zu leben. Wir sollen Vorbilder, Begleiter sein – nicht nur Leute mit Worten und andere in Richtung Christus begleiten. Weiter in unserem Text: "Als Mensch wurde er getötet, aber im Geist wieder zum Leben erweckt. In der Kraft dieses Geistes ging er und predigte den Geistern im Gefängnis, die Gott vor langer Zeit ungehorsam waren – als Noah die Arche baute und Gott geduldig wartete. Nur acht Menschen wurden durch das Wasser hindurch gerettet." Es gibt etwa fünf Stellen im Neuen Testament, die thematisieren, was in vielen Kirchen im apostolischen Glaubensbekenntnis bezeugt und miteinander gesprochen wird: "Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten." Ich habe mal geguckt, ob jemand versucht hat, das mal in ein Bild zu geben – und tatsächlich gibt es einen skandinavischen Künstler Joachim Skovgaard, der hat versucht, das darzustellen. So. Haben wir das Bild drin? Nein. Haben wir nicht drin. Das ist sehr schade. Also: Ich versuche es euch mal zu schildern. Also da kommt Christus sichtbar sozusagen wie einen Hang hinunter – er ist weiß, er ist strahlend, er breitet die Hände siegreich aus und das Licht sozusagen leuchtet von ihm nach unten in die Dunkelheit. Und wenn man hinschaut: Man sieht, dass er sozusagen auf einem Totenkopf steht – der zertreten ist. Und dass unter ihm eine zertretene Schlange ist. Und dann von unten strecken sich die Menschen ihm entgegen – und die sind entgegen so klassischen Höllenbildern einfach nur grau und bleich, sozusagen starren mit offenen Mündern zu ihm hin. In vorderster Linie Eva und Adam. Das ist ein künstlerischer Versuch zu zeigen: Welche Tragweite Jesu Leben und sein Sterben hat – dass es Dimensionen berührt, die wir uns überhaupt nicht denken oder vorstellen können – und die auch schwer sind zu fassen und auch in Worte zu fassen. So. Der letzte Teil: Das ist ein Bild für die Taufe, die euch jetzt rettet. Sie ist keine körperliche Reinigung, sondern die Bitte an Gott um ein reines Gewissen. Das ist möglich durch die Kraft der Auferstehung Jesu Christi. Christus ist in den Himmel aufgestiegen – er sitzt zur Rechten Gottes. Alle Engel, Gewalten und Mächte beugen sich vor ihm. Wenn man das mal nachschaut in der Schrift: Dann gibt es eben ein paar Berichte, wo Rettung durch das Wasser passiert. Also Noah und seine Familie werden durch das Wasser der Sintflut hindurch gerettet. Das Israel wird durch das Schilfmeer gerettet – das sich auftut. Israel geht um ins heiße Land zu kommen – durch den Jordan, der sich aufrichtet auf einer Seite, auch wie eine Wasserwand. Jonas muss durch die Tiefen des Wassers und Jesus nimmt dieses Bild und bezieht sich darauf auf sein Tod und seine Auferstehung. Und auch Petrus greift diese Linie von Rettungstaten auf – wo immer das Wasser auch eine Rolle spielt. Als ein Bild für die Taufe – und er verbindet zwei ungewöhnliche Aussagen damit: Erstens: Die Taufe rettet – ist die einzige Stelle, die das so zuspitzt. Nur auf die Taufe. Die anderen haben alle Glaube und Taufe. Ungewöhnlich ist auch die Aussage, dass die Taufe die Bitte an Gott um ein reines oder gutes Gewissen ist. Ich habe versucht euch das mal auszumalen: Wie ist ein Leben mit immer gutem Gewissen – mit immer reinem Gewissen? Ohne einen Hauch von schlechtem Gewissen über Eigenerwartungen, die nicht erfüllt sind – über Fremderwartungen, die nicht erfüllt sind – über verkehrtes, was man gemacht hat. Also: Wenn ich mir das so ausmale – das ist doch ein fantastisches Leben. Mit reinem Gewissen, einfach gut, zufrieden, im Klaren mit Jesus zu leben – ohne die tausend eigenen Fremden und Erwartungen stets im Hintergrund zu haben. Und Petrus sagt etwas Interessantes: Er sagt: "Das ist möglich durch die Kraft der Auferstehung." Ja, wir können uns kein gutes oder reines Gewissen aus eigener Kraft machen. Aber er sagt: Bei Jesus – und dem, was er getan hat – ist eine Dimension, die befreit uns immer wieder, jederzeit, wenn wir das wollen, vom schlechten Gewissen und führt uns in das reine Gewissen. Und vor allen Dingen: Es orientiert unser Gewissen eben nicht beliebig hier und da und dort – eigenen Fremden, Erwartungen – sondern es orientiert sich an einem Fixpunkt, nämlich Jesus. Und so werden in der Taufe – könnte man sagen – all diese falschen Erwartungen, die eigenen, die Fremden – da ständig schlechte Gewissen – ersäuft. Sie müssen sich vor Jesus beugen und wenn danach irgendwas kommt: Alles was versucht unser Gewissen matschig zu machen – darf jederzeit Gott geklagt werden. Und ich kann sagen: Ich bin ein Kind, ich bin getauft und du hast mir ein reines Gewissen verheißen. Und so hilf mir zu einem wieder reinen Gewissen. Amen.