Gottes Ja steht
Predigt

Gottes Ja steht

Christopher NorkChristopher Nork
Sonntag, 1. März 2026 · 10:00 Uhr
Röm 5,1–11
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Transkript

Zum Mitlesen oder gezielten Springen zu Passagen.

Wir haben uns als Gemeinde in der letzten Zeit sehr intensiv mit dem Thema Aufbruch beschäftigt. Wir hatten eine Predigtreihe „Gottes neue Wege“ und haben uns herausfordern lassen von bestimmten Bibelstellen, Abschnitten, und haben dann Pläne geschmiedet. Wir haben uns Ziele ins Auge gefasst und wir haben einfach geguckt: Wie kann man einen Weg mit Gott gestalten – sei es nun im privaten Leben oder halt hier im Raum der Gemeinde? Und das war wichtig und das tut uns als Gemeinschaft auch richtig gut. Gleichzeitig wissen wir alle aus eigener Erfahrung ganz genau, dass jeder Aufbruch enorm viel Energie kostet. Wer sich bewegt, der verbraucht auch Kraft. Zusätzlich spüren wir gerade auch in diesen Wochen einen massiven gesellschaftlichen Druck. Wir lesen und hören es jeden Tag in den Nachrichten: Unser Bundeskanzler Friedrich Merz fordert uns alle auf, wieder mehr zu leisten. Die politische Ansage ist da unmissverständlich – jeder könnte doch mal eine Stunde mehr arbeiten. Wir sollen mehr arbeiten, die Ärmel hochkrempeln, Überstunden machen und das, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Und die Botschaft dahinter brennt sich tief in unser Unterbewusstsein ein: Wer den Wohlstand halten will, muss mehr, muss sich mehr anstrengen. Stillstand bedeutet eigentlich Rückschritt. Ohne Leistung gibt es keine Belohnung. Wir atmen dieses Leistungsdenken jeden Tag ein. Und oft schleicht sich dieser Dauerlauf völlig unbemerkt auch in unseren Glauben ein. Und ich bemerke das auch bei mir selbst: In meinen zwölf Jahren als Pastor ertappe ich mich immer wieder bei einem bestimmten Gedankenmuster. Ich versuche dann, mir Gottes Wohlwollen durch Aktivität zu sichern. Ich will geistlich immer besser werden – ich organisiere, ich bete, ich kümmere mich um andere Menschen. Wir stapeln und strampeln uns dann ab, um vor Gott, ich sag mal, eine gute Figur zu machen. Wir wollen unseren spirituellen Wohlstand durch harte Arbeit dann auch sichern, indem wir Bücher lesen, viel beten und versuchen, irgendwas zu tun. Und vielleicht spürst du genau das auch heute: Vielleicht sitzt du hier und bist einfach nur erschöpft von all den Müssen und Sollens im Beruf, in der Familie und eben auch im Glauben. Heute feiern wir im Kirchenjahr den Sonntag Reminiscere. So – wer wusste das? Zwei oder drei, vier, fünf, fünf Leute. Gut, die haben auch zum Teil meine E-Mail bekommen. Das ist ein lateinisches Wort und bedeutet übersetzt „Gedenke“. Gedenke. Wir bekommen heute gewissermaßen einen göttlichen Stoppbefehl: Wir stellen das Machen, das Leisten, das Vorankommen für diesen Gottesdienst komplett ein. Wir verweigern uns für einen Moment der totalen Leistungsgesellschaft. Wir dürfen uns heute einfach nur an eine fertige Tatsache erinnern. Und dazu erst mal ein Bild: Stell dir für einen Moment vor, du bist auf einer langen Wanderung durch ein dunkles, nebliges Tal. Der Weg war anstrengend, steil und voller Hindernisse. Du hast versucht, aus eigener Kraft den Berg der Gerechtigkeit zu erklimmen. Und du bist unzählige Male abgerutscht. Deine Kräfte sind jetzt nicht mehr da – deine Kräfte sind am Ende. Und jetzt steht da plötzlich eine große, schwere Tür. Du trittst über diese Schwelle und befindest dich auf einmal in einem endlos weiten, lichtdurchfluteten Raum. Die Dunkelheit ist weg. Die Steilheit ist weg. In diesem Raum gilt eine völlig andere Realität. Und der Apostel Paulus beschreibt diesen Raum im fünften Kapitel seines Römerbriefes: Er ruft auf – er ruft uns zu. „Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Du bist in diesem Raum komplett entlastet. Der Friedensvertrag mit Gott ist unterschrieben. Die Verhandlungen sind längst abgeschlossen. Du musst keinen spirituellen Krieg mehr führen, um dir Liebe zu verdienen. Du bist eigentlich schon angekommen. Und lasst uns in diesen weiten Raum der Gnade gemeinsam einmal ehrlich hineinblicken – oder vielleicht eher erst mal auf unser eigenes Leben blicken. Der Apostel Paulus blendet die harte Realität des Lebens in seinem Brief keineswegs aus. Er nennt uns in Vers 6 ganz unverschönt schwach. Und wir kennen diese Schwäche sehr genau: Wir leben sie in Momenten der totalen Überforderung am Arbeitsplatz, bei plötzlichen gesundheitlichen Rückschlägen oder tiefen persönlichen Krisen. Paulus spricht völlig offen von Bedrängnissen. Und er wusste absolut davon zu reden – er kannte den extremen Gegenwind, wenn man an Jesus Christus glaubt. Er saß selbst nach harten Peitschenhieben im finsteren Gefängnis von Philippus, der in der Zeit des Lebens in der Zeit der Heiligen Geist war. Er wusste um die Härte des Lebens und um die Bitterrealität von Schmerz. Und an dieser Stelle entsteht oft ein großes Missverständnis auch in unseren Köpfen, wenn wir diesen Bibelvers lesen oder diese Abschnitte: Manchmal denken wir, Gott schickt uns diese schweren Zeiten als eine Art pädagogische Erziehungsmaßnahme – als wolle er uns durch Leid abhärten oder eine geistliche Lektion erteilen. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir uns nicht nur in der Zeit der Heiligen Geist, sondern auch in der Zeit der Heiligen Geist, die wir in der Zeit der Heiligen Geist haben, die wir in der Zeit der Heiligen Geist haben, die wir in der Zeit der Heiligen Geist haben, Gott fügt uns niemals absichtlich Schmerz zu. Er nutzt Leid auf keinen Fall als grausames Trainingslager. Krisen und Schwierigkeiten gehören zu unserer zerbrochenen Welt ganz natürlich dazu. Gott ist ein liebender Vater – er leidet in diesem Moment mit uns. Er lässt uns in der Not, aber nicht alleine. Er trägt uns durch diese dunklen Täler hindurch. Und der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat diesen Umgang mit schweren Zeiten auf eine wunderbare Weise beschrieben: Bonhoeffer saß ja selbst im Gefängnis in Tegel, hörte die Bomben fallen im Zweiten Weltkrieg, blickte dem Tod ins Auge. Das Todesurteil stand schon über ihm – also er kannte Bedrängnis in ihrer extremsten Form. Und aus dieser Zelle heraus schrieb er faszinierende Worte: Er war zutiefst davon überzeugt, dass Gott uns in jeder Notlage exakt so viel Widerstandskraft gibt, wie wir genau in diesem einen Moment brauchen. „Gott gibt uns in jeder Notlage exakt so viel Widerstandskraft, wie wir in genau diesem einen Moment brauchen.“ Und er hat uns gesagt: Stellt uns diese Kraft ganz bewusst im Vorfeld unzugänglich zur Verfügung – wir bekommen keinen Vorratsspeicher für die nächsten fünf Jahre. Wir bekommen die Kraft für das Heute. Wir bleiben dadurch eng an seiner Seite, verlassen uns vollkommen auf ihn und schöpfen unsere Lebensenergie jeden Tag aufs Neue, frisch aus seiner Hand. Wir können dieses tiefe Vertrauen in Gott nur aufbauen, wenn wir das Fundament seiner Liebe wirklich auch verstehen. Und wir müssen begreifen, auf welchem Boden wir stehen. Lass uns gedanklich zurück in die Geschichte reisen: Paulus liefert uns das stärkste Argument für unsere ewige Geborgenheit – er blickt auf den Kreuzestod von Jesus Christus. Lass uns ein alltägliches Beispiel dafür nehmen. Denkt an einen Konflikt mit einem Nachbarn oder Kollegen, oder mit irgendeinem Menschen, den ihr habt. Und wenn jemand uns feindselig behandelt, ziehen wir uns normalerweise eigentlich zurück – wir gehen da auf Distanz, umgehen auch die Leute. Niemand von uns würde große Opfer für jemanden bringen, der uns ganz offen ablehnt. Unter normalen Umständen würde jemand sein eigenes Leben vielleicht für einen außergewöhnlich guten, gerechten, heldenhaften Menschen opfern – oder für jemanden aus der Familie. So etwas kommt vor in der Menschheitsgeschichte und auch heute. Gott handelt hier aber völlig anders: Er durchbricht unsere menschliche Logik. Christus stirbt für uns genau am tiefsten Punkt unserer Schwäche. Wir waren nach den Worten von Paulus in diesem Zeitpunkt absolut gottlos – wir waren sogar Feinde Gottes. Gott hat sein lautes Ja zu dir gesprochen, lange bevor du überhaupt den ersten Schritt in seine Richtung gegangen bist. Sein Liebesbeweis ist völlig unabhängig von deiner Leistung oder deinem moralischen Kontostand. Gott hat den Friedensvertrag unterschrieben, als wir noch mit dem kompletten Rücken zu ihm standen. Und Martin Luther hat mit dieser Wahrheit jahrelang gerungen: Er war gefangen in der Angst vor einem strafenden, fordernden Gott. Er hat sich im Kloster verliebt – er hat fast zu Tode gegeißelt, gebetet bis zur völligen Erschöpfung, um irgendwie einen inneren Frieden zu finden und zu spüren. Er wollte sich den Himmel dadurch erarbeiten. Erst durch das Studium des Römerbriefes fiel ihm quasi die Schuppen von den Augen: Er erkannte die pure, unverdiente Gnade. Luther betonte von da an immer wieder die Realität dieses vollkommenen Friedens – Friedens mit Gott tief in seinem Gewissen. Wir sind vor Gott gerecht gesprochen. Das ist eine unumstößliche Tatsache im himmlischen Gerichtssaal. Ganz egal, wie viele Anfechtungen im Alltag oder im eigenen Herzen toben: Der Richter hat den Hammer fallen lassen und du bist freigesprochen – du bist geliebt. Diese historische Liebe von Golgatha bleibt aber keine trockene Theorie. Sie wird genau jetzt, heute Morgen, in diesem Moment spürbar. Und Paulus formuliert das in Vers 5 wunderschön – das ist fast schon poetisch: „Die Hoffnung lässt uns niemals zu Schanden werden.“ Denn die Liebe Gottes ist in unser Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Stell dir dein Leben wie dein Smartphone vielleicht vor. An manchen Tagen schaust du auf die Anzeige und der Akku steht bei einem mageren Prozent – du bist im tiefroten Bereich. Genauso fühlen wir uns auch manchmal geistlich oder auch die Leute draußen: Wir stehen da und versuchen Liebe, Glaube und Hoffnung mühsam aus uns herauszupressen. Wir wollen den Akku aus eigener Kraft wieder aufladen. Gott will dir aber diesen Druck komplett abnehmen – weil er möchte dich jetzt schon überschütten. Der Heilige Geist ist da, gießt: Gott gießt seinen Heiligen Geist. Seine Liebe ist dadurch wie ein warmer Strom in deinem leeren Herzen. Er füllt dich großzügig und randvoll mit seiner puren Gegenwart. Und das ist wie ein lebendiger Garantieschein direkt in deiner Seele: Und wenn Zweifel in dir aufsteigen, blickst du einfach auf diese göttliche Zusage. Und genau an dieser Stelle wünsche ich mir als Pastor oft, ich könnte euch jetzt ein griffiges Tool an die Hand geben – so eine Art einfache Anleitung, drei Schritte: Wie lade ich meinen geistlichen Akku ganz komplett wieder auf? Aber das Verrückte ist doch: So ein Tool gibt es schlichtweg nicht. Wenn ich euch jetzt eine Methode oder eine Technik präsentieren würde, wären wir exakt wieder bei unserem Ausgangspunkt – wir würden sofort wieder versuchen, den Akku aus eigener Kraft, mit unseren eigenen Leistungen aufzuladen. Das Eingießen der göttlichen Liebe durch den Heiligen Geist bleibt für uns unverfügbar. Das können wir nicht von unserer Seite aus tun. Es ist und bleibt ein Geheimnis – es ist ein göttliches Mysterium. Wir können es unmöglich selbst herstellen: Wir dürfen einfach nur unsere leeren Hände hinhalten, und uns von Gott beschenken lassen. Das, was Gott uns in diesem Moment in die leeren Hände legt, ist eine unerschütterliche Zusage für unser Leben. Und stell dir diese dreifache Zusage von Glaube, Frieden und Liebe wie die drei Stange eines dicken Kletterseils vor: Du bist als Bergsteiger in einer steilen, ungemütlichen Felsenwand unterwegs. Und plötzlich verlässt dich die Kraft – deine Finger rutschen ab, du verlierst den Halt. In diesem Moment hält dich dann auch keine Anstrengung mehr – dich hält einzig und allein das Seil, das dich fest mit dem Haken im Fels verbindet. Und Gott ist dieser felsenfeste Haken: Sein Kletterseil ist durch den Heiligen Geist direkt an deinem Herzen. Du fällst absolut weich – du bist vollkommen gesichert. In all den Momenten der Erschöpfung trägt dich diese unverdiente, ausgegossene Liebe. Und mit dieser ausgegossenen Liebe im Gepäck ändert sich dein Blick nach vorne grundlegend: Bedrängnisse bringen Ausdauer hervor. Und du bist in dieser Liebe – wenn Gott wenn Gott wenn Gott wenn Gott Es entsteht eine völlig neue Tiefe im Charakter. Und daraus erwächst eine Zuversicht, die extrem stabil im Boden verankert ist. Du bist dann wie ein starker Baum, der in einem wilden Sturm steht. Und der Sturm selbst ist zwar hart und ungemütlich – und ich glaube, niemand wünscht sich einen Sturm. Aber der Baum reagiert darauf auf eine unsichtbare Weise: Seine Wurzeln wachsen immer tiefer in das Erdreich hinein. Sie suchen nach festem Grund, krallen sich am Gestein fest. Und am Ende des Sturms steht der Baum sehr viel fester als je zuvor. Genau diese sturmerprobte Hoffnung lässt uns niemals zu Schanden werden – wie Paulus es schreibt. Vielleicht fragst du dich: Wie sieht dieses Leben aus der Gnade am Dienstagmorgen im Büro oder am Esstisch mit der Familie aus? Da hat die Theologin Annette Kurschuss was Wunderbares geschrieben. Sie beschreibt sehr alltagsnah, wie diese Liebe Gottes aus uns herausfließt: Es zeigt sich in den ganz kleinen Dingen – z.B. in einem befreienden, unheimlichen Humor, mit dem wir eine belastende Situation einfach mal aufmüpfig ins Gesicht lachen. Es zeigt sich in einem ehrlichen Bekenntnis, wenn wir eigene Schuld auch zugeben, ohne uns verteidigen zu müssen – ohne die Schuld irgendwo weiterzuleiten. Wir sind durch Jesus befreit: Wir sind durch Jesu Ja bereits komplett gerechtfertigt. Es zeigt sich in einer feinfühligen Geste, in einem klaren Wort oder in einem mutigen Umgang mit unseren Mitmenschen. All das passiert völlig ohne krampfhafte Anstrengung – diese ausgegossene Liebe braucht in uns einfach Raum und fließt ganz allein zu unserem Gegenüber. So wird der Friede mit Gott in unserem stressigen Alltag auf einmal handgreiflich: Du gehst gleich auch wieder in die Woche mit einem ganz klaren Wissen. Der wirtschaftliche Druck wird vielleicht bleiben – die Anforderungen im Job werden nicht verschwinden, aber der Friede mit Gott hält. Jede Krise steht. Du musst vor Gott nichts mehr beweisen. Du musst dir seine Liebe nicht durch Mehrarbeit irgendwie verlieren. Du musst dir seine Liebe nicht verdienen: Du bist im weiten Raum der Gnade angekommen – du bist mit Gott versöhnt. Du darfst aufatmen. Lass uns kurz zur Ruhe kommen.