Predigt · EFG Wiesbaden

Gottesdienst

Peter Unsinn
Prediger
Peter Unsinn
Datum
26. April 2026
Bibelstelle
“5 Wege unseren Nächsten im Alltag zu lieben: Gutes Essen ...”
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Transkript

Ja, es sollte an sein. Also wodurch wird Essen gut? Unter anderem dadurch, ob wir alleine essen oder ob wir in guter Gemeinschaft essen. Und wenn wir uns die Schrift mal anschauen, dann ist die wirklich für Überraschungen gut. Und die Predigt geht heute aus von dem Satz: „Fünf Wege unseren Nächsten im Alltag zu lieben – gemeinsam essen.“ Während ich diese Woche so durch die Bibel las und studierte zum Thema Essen, stieß ich auf eine Stelle, die hatte ich noch nie bewusst wahrgenommen und die erstaunte und faszinierte mich. Mose und 70 Älteste stiegen den Berg hinauf. Dort sahen sie den Gott Israels. Der Boden unter ihm war wie eine Fläche von Saphir, strahlend blau leuchtend wie der Himmel. Und obwohl die edlen Israels Gott sahen, streckte er seine Hand nicht gegen sie aus, sondern sie schlugen in die Hand. Sie schauten Gott und aßen und tranken. Eine Gottesschau hätte ich mit allen möglichen Dingen in Verbindung gebracht: Mit Freude, Ehrfurcht, vielleicht mit Erschrecken und Niederfallen, mit Anbetung, Lobpreis. Aber Gott schauen und gemeinsam essen und trinken – da wäre ich nicht drauf gekommen.

Tatsächlich aber ist es so, dass der Strom biblischer Aussagen, der Gottes Gegenwart mit Essen, Trinken, Gemeinschaft, Feiern, Erlösung verbindet, breit ist. Ich vermute, er wird weiter reichen als mir das zuerst klar war und ich vermute, auch weiter als es euch klar ist.

Zum Beispiel Jesaja 25: „Auf diesem Berg wird der Herr ein großes Festmahl für alle Völker ausrichten. Es wird köstliches Essen geben, fette Speisen und leckeren Wein, Markspeisen. Und erlesene Weine. Er verschlingt dort die Hülle, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt. Er wird den Tod auf ewig verschlingen und die Tränen von allen Gesichtern abwischen.“ Eine Endzeitvision und Verheißung. Die Grundlegendes Heil verheißt. Aber es verbindet nachdenkenswert mit einem Festmahl.

Und das ist hier noch in der neuen Übersetzung sehr dezent geschildert. Also in den alten Übersetzungen wird noch mal deutlich, dass das nach orientalischen Geschmack ein vor Fett triefendes Festmahl ist – das Leckerste, was man sich vorstellen kann.

So ordnet sich denn Jesus auch in diesem Strom von Aussagen ein. Was gibt es bei Jesus? Er vergleicht Gott mit einem Mann, der ein großes Fest ausrichtet: viele Einladungen verschickt, viele Ausflüchte als Antwort bekommt und dann am Ende die Armen, Blinden, Krüppel und Lahmen zu seinem Fest einlädt.

So in Lukas 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4. Vers 4.

Jesus vergleicht das Himmelreich mit einem König, der zum Hochzeitsmahl für seinen Sohn einlädt – aber die Eingeladenen sind alle zu beschäftigt und gehen ihrer Arbeit nach, sodass der König seine Boten hinausschickt an die Ecken der Wege und Landstraßen und dort die Leute einsammelt.

Und natürlich: Was setzt Jesus ein? Als bleibendes Zeichen seines Lebens, seines Sterbens und seines Auferstehens – quer durch die Jahrtausende, quer durch alle Sprachen und Kulturen – ein gemeinsames Mahl. „Nehmt und esst. Das ist mein Leib.“ Dann nahm er den Kelch, dankte und gab ihn den Jüngern: „Trinkt alle daraus. Das ist mein Blut des Bundes für viele vergossen zur Vergebung der Sünden. Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von Neuem davon trinke im Reich des Vaters.“ Also auch hier der Blick quer durch die Zeit bis ans Ende – und auch dort wieder der Mahlgedanke, wo er Wein trinkt mit seinen Jüngern.

Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5. Vers 5.

Ein herausragender, geistlich gefüllter Höhepunkt des Lebens Jesu – so was Einmaliges. Und ich finde: Nein, es war mehr. Es war zum einen natürlich die Anknüpfung an die Passahfeier des erwählten Volkes, eben auch schon ein gemeinsames Mal.

Und es war die konsequente Fortführung von Jesu Leben, der ja von seinen korrekten und superfrommen Gegnern zu Lebzeiten als Fresser, Sünder, Weinsäufer, Freund der Zöllner und Sünder verunglimpft wurde. Mit Menschen gemeinsam zu essen und zu trinken war so typisch für Jesus, dass in zwei Auferstehungsberichten die Jünger erst daran stutzig werden und ihn erkennen, als er das Brot bricht.

Und dann: Was geschah so alles rings um diese Gelegenheiten, in denen Jesus in einem Haus saß, bei einem Fest, bei einem Essen? Was macht er?

Als erstes Wunder wandelt er auf einer Hochzeit Wasser zu Wein. Er verbringt zwei massive Speisungswunder – 4.000 und 5.000 Leute. Und auch dort lagern sie. Die Menschen, das war nicht ein Abfütter, sondern die lagerten sich dann in ihren Gruppen und Gemeinschaften und aßen das, was dort wunderhaft entstanden war.

Er ist aber auch im Vertrautenkreis mit seinen Freunden Lazarus, Martha, Maria und den Jüngern. Er lädt Menschen zu sich ein. Und er wird von Menschen eingeladen. Er wird eingeladen. Er lädt sich selbst zu Menschen ein. Und beim Essen mit ihm ändern Menschen ihr Leben um 180 Grad.

So wie bei Zeus: Jesus wird von angesehenen Pharisäern eingeladen, aber auch von verachteten Zöllnern. Und er nimmt die Einladung an. Und was macht er beim Essen? Ganz oft lehrt und erklärt er beim Essen grundlegende geistliche Wahrheiten.

Und was macht er beim Essen? Maria, eine Freundin (Johannes 12), salbt ihm die Füße dabei. Und eine Sünderin, namentlich nicht genannt (Lukas 7), salbt ihm auch beim Essen die Füße. Jesus vergibt Sünde beim Essen und er heilt beim Essen.

Das war so typisch und prägend für Jesus: Gemeinschaft und Gemeinschaft – und geistliches Ringsum-Beieinandersitzen. Essen zu erleben, dass die erste große Gemeinde in Jerusalem das in ihren Gemeindealltag ganz massiv übernahm. Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern – und dann hielten die Mahlzeiten mit Freude, lauterem Herzen.

Wenn ihr jetzt in einem Jüngerschaftskurs sitzen würdet, und da wäre ein Fragebogen dabei, und ihr bekämt vier Fragen gestellt:

1. Was bedeutet es für dich, Jesus ähnlich zu werden? 2. Was hältst du für wichtige Elemente eines geistvollen Lebens? 3. Wie kannst du Menschen, Leben und Person Jesu nahebringen? 4. Was hältst du für unverzichtbare Elemente eines neutestamentlichen Gemeindeaufbaus?

Ich vermute: Da kämen alle möglichen Antworten. Gebet, die Schrift, Gemeinde, Gemeinschaft, Diakonie, Werke nach außen.

Aber ich vermute: Die wenigsten von euch hätten eine der vier Fragen in etwa so beantwortet:

„Ich esse regelmäßig wie Jesus mit Freunden und neuen Bekannten. Ich lade ein und lasse mich einladen. Ich höre zu, antworte, erzähle von meinem Leben und bete mit Menschen, wo es sich ergibt. Als Gemeinde essen wir so oft wie möglich. Wir essen so häufig miteinander und feiern dabei das Abendmahl.“

Ich vermute: Das wäre nicht gekommen – obwohl es bei Jesus ein so zentraler Bestandteil seines Wirkens war.

Henry Nou, ein katholischer Theologe, Priester, Psychologe und Schriftsteller, schreibt über uns, das Essen und die Eingeladenen Folgendes:

„Wenn wir Freunde zum Essen einladen, tun wir damit viel mehr, als ihnen Speise für ihren Leib zu bieten. Wir bieten ihnen Freundschaft, Gemeinschaft, gute Unterhaltungen, Vertrautheit und Nähe. Wenn wir sagen: ‚Bedien dich, nimm doch etwas mehr, sei nicht zaghaft, schenk dir noch ein Glas ein‘ – dann stellen wir unseren Gästen nicht nur Essen und Trinken zur Verfügung, sondern auch uns selbst.“

Jesus hat den Menschen beim Essen nicht nur Freundschaft, Gemeinschaft, gute Unterhaltung, Vertrautheit und Nähe angeboten. Jesus hat Menschen beim gemeinsamen Essen Hoffnung, neues Leben, Befreiung, Sündenvergebung, Heilung – und vor allem sich selbst geschenkt.

Eine Essensbegegnung Jesu hat mich innerlich beim Lesen besonders berührt: Das ist, glaube ich, die längste, die es gibt. Ich fasse sie für euch zusammen:

Es steht in Lukas 7: Jesus wird von einem Pharisäer zum Essen eingeladen. Eine Frau, ortsbekannt als Sünderin, hört davon, kommt, fällt Jesus auf die Knie. Sie weint über seinen Füßen, trocknet seine Füße mit ihren Haaren, küsst ihm immer wieder die Füße und salbt diese schließlich mit einem teuren Öl.

Der Pharisäer ist sich jetzt sicher: Dass das kein von Gott gesandter Prophet sein kann – denn der wüsste ja, dass diese Frau eine ortsbekannte Sünderin ist. Was? Was meistens hieß, dass sie in ihrem Umgang mit Männern nicht das tat, was das Gesetz vorschrieb.

Jesus erzählt dem Pharisäer daraufhin die Geschichte von zwei Männern: Einer mit 500, einer mit 50 Tageslöhnen Schuld, die sie beide nicht zurückzahlen können. Die Schuld wird aber beiden von ihrem Geldleier erlassen. Dann stellt Jesus die entscheidende Frage: „Wer von den beiden liebt ihn danach wohl mehr?“ Simon antwortet richtig: Der mit der großen erlassenen Schuld.

Und jetzt der Schluss im Originaltext:

„Jesus wandte sich der Frau zu. ‚Simon, siehst du diese Frau? Du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben. Sie hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben. Sie hat unaufhörlich meine Füße geküsst. Du hast mein Haupt nicht mit Öl, sie hat meine Füße mit Balsam gesalmt. Ich sage dir: Ihren vielen Sünden sind vergeben, weil sie viel geliebt hat. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.‘ So der Frau sagte Jesus: ‚Deine Sünden sind dir vergeben. Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden.’“

Das alles passiert – tiefste seelsorgerliche Verkündigung und Freisetzung – bei einem Essen.

Jesus erlaubt der Frau eine körperliche Nähe, die erschreckend ist für die Frommen, die dabei sitzen.

Und dann so eine interessante Kleinigkeit: Als er das am Schluss klarstellt, um was es hier geht, wendet er sich nicht dem Pharisäer zu – an den das ja gerichtet ist. Sondern er wendet sich, heißt es ausdrücklich, der Frau zu. Und er macht damit seine Worte an den Pharisäer zu Worten an sie: Vergebung, Glaube, Rettung, Frieden spricht er der Frau direkt zu – und macht sie damit auch sicher über seine innere Nähe zu ihr.

Wenn ihr diesen aus meiner Sicht breiten biblischen Strom anschaut, den ich heute ganz kurz skizziert habe – angefangen bei Mose und den 70 Ältesten, die Gott schauen, dabei essen und trinken; dann die Rolle von Gemeinschaft, Essen und Trinken bei Jesus bis zum Abendmahl (das ja, wie man im Korintherbrief sehr schön nachlesen kann, wirklich als Mahl gefeiert wurde); wo sich zugespitzt hat, wie sie miteinander umgegangen sind – in der ganzen sozialen Breite, in der sie aufgestellt waren; dann bis zum Mahl am Ende der Zeit mit den fetten Speisen und köstlichen Wein.

Wenn ihr das anschaut: Dann finde ich, stellt sich die Frage: Wie ist es denn bei uns? Welchen Raum hat Gemeinschaft und Essen in unserem Leben?

Hat Gemeinschaft und Essen bei uns ansatzweise eine geistliche Dimension – wie das in der Schrift deutlich wird?

Und wenn wir doch immer sagen: Wir wollen Jesus ähnlicher werden. Gilt es dann auch, an diesem Punkt Jesus ähnlicher zu werden? Und wie er in Gemeinschaft beim Essen dem Neuen einen Raum im Leben zu geben.

Jeder von uns hat – wenn man so einen Wochenkalender erstellen würde – mit unterschiedlichen Essensgewohnheiten: Von Frühstück über Brunch bis zu einem Late-Night-Snack. Jeder von uns hat 20, vielleicht auch 40 kleine Gelegenheiten und Pausen mit Essen und Trinken.

Vielleicht ist bei einem das Frühstück nur ein schneller Kaffee – vielleicht ist bei anderen der Late-Night-Snack, den man auch um 20 Uhr mit einem netten Nachbarn noch einnehmen könnte, ein guter Tagesabschluss. Aber jeder von uns hat solche Gelegenheiten und sie sind sowieso in unserem Alltag integriert.

Die sind da. Die Frage ist: Was machen wir mit diesen Zeiten?

Wie wäre es denn – wenn wir inspiriert von Jesus in Zukunft wenigstens eine dieser Zeiten pro Woche oder vielleicht auch zwei mit Freunden oder auch mit bisher Unbekannten oder noch nicht vertrauten Menschen verbringen würden?

Es gibt immer tausend Gründe, warum das nicht oder schwer geht: Der Zeitmangel, der Energiemangel, die unaufgeräumte Wohnung, die unzureichenden Kochkünste, die eigene Persönlichkeit – Gastfreundschaft liegt mir nicht so. Oder auch so die individuelle Stimmung.

Manche dieser Gründe, keine Frage: Sie sind zutreffend. Aber ich finde: Sie sind auch nicht jede Woche und zu jeder Zeit und zu jeder dieser Möglichkeiten zutreffend.

Und wie wir das gestalten – ist ja breit:

Wir können, wenn wir sagen: „Ich bin kein super Koch“, dann kann ich auch jemanden fragen: „Hier gehst du mit mir zur Wurstbude hier am Ring. Und wir essen da eine Kleinigkeit.“ Oder auch meinetwegen zum Edelrestaurant – was immer euch liegt.

Man kann sich eine Pizza nach Hause kommen lassen oder anderes essen, wenn man sagt: „Ich bin kein so super Koch.“

Man kann mit Kleinigkeiten – kleine Nettigkeit in der späten Nacht für einen netten Nachbarn, der mitmacht – noch essen und einen Schluck trinken.

Das ist breit aufgestellt. Jeder nach Person, Lebensstil, Essensgewohnheiten.

Also: Manche dieser Gründe, warum wir sagen „ja, geht nicht“, schwierig – zutreffend. Aber eben: Ich finde auch nicht immer.

Andere, finde ich, sind Gewohnheiten. Und unsere Gewohnheiten: Gewohnheiten sind nicht immer von Gott inspiriert, sondern sind Gewohnheiten, die Gott auch manchmal ändern will. Und er kann es vor allem.

Anderes, finde ich, sind schlichte Ausflüchte – die hängen mit unseren Ängsten zusammen oder auch Bequemlichkeit: Weil es eben auch erst mal so ein Aufraffen ist, sich Zeit zu nehmen, mit anderen zu essen.

Und ihr könnt ja Gott selber fragen (haben wir ja auch jetzt bei Predigten gehört): Was sind die berechtigten Gründe? Was sind die Gewohnheiten – Vater, die du ringsum Essen und Gemeinschaft bei mir ändern willst? Was sind bloße Ausflüchte?

Und dann wird er schon selber reden, was er dazu meint.

So für Jesus: Für Jesus war das gemeinsame Essen eine Zeit, um mit Vertrauten zusammen zu sein – und sein Allgemein. Er hatte den Auftrag, zu erfüllen: Menschen aus der Gottesferne in die Gemeinschaft mit Gott zu führen. Er segnete und liebte Menschen, indem er zusammen mit ihnen aß und ihnen dabei seine Zeit, sein Ohr, seine Zuwendung und seine verändernde Gegenwart schenkte.

So – was könnte das für uns sein? Für uns könnte Gemeinschaft und Essen mit Menschen jede Woche neu eine Gelegenheit Gottes werden: In unserem Leben und dem der Menschen um uns herum zu wirken. Amen. Amen.