Bergkamm, der zu einem vom warmen Morgenlicht beschienenen Gipfel aufsteigt; ruhige, gedaempfte Landschaft mit dunkler Zone unten links.
Predigt · EFG Wiesbaden

Gottesdienst

Christopher Nork
Prediger
Christopher Nork
Datum
14. Juni 2026
Bibelstelle
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Transkript

Hallo, heute beginnen wir eine neue Predigtreihe, die heißt Gewinnen, wenn es zählt. Und wir wollen darüber nachdenken, was ein echter Gewinn eigentlich in unserem Leben ist. Wir schauen ja diese Woche oder die nächsten Wochen auf die großen Bildschirme, auf die Stadien, auf diese großen Millionen Events. Und dann sehen wir die, ja manchmal hoffentlich Perfektion. Und wir sehen die Athleten, die vielleicht auch ein bisschen durchgestylt sind. Wir sehen perfekt einstudierte Spielzüge. Wir sehen die neuen Trikots der ganzen Mannschaften. Aber wenn ich jetzt zum Beispiel ganz ehrlich bin und jetzt auch an Fußball denke, dann denke ich nicht in erster Linie an die WM, die Fußball-WM. Sondern an etwas ganz anderes. Ich denke auch nicht an die Allianz Arena oder an das Wembley-Stadion. Ich denke eher an meine Kindheit zurück. An Lübeck und meine Freunde. Und da gab es diesen alten Ascheplatz, wo wir immer wieder gebolzt haben. Rote Erde. Und wer von euch schon mal auf so einen Asche-Fußballplatz gespielt hat, weiß genau, wie das riecht. Vor allem, wenn es dann mal so regnet. Und vor allem, wie sich das anfühlt, wenn man hinfällt und die nächsten Wochen so kleine rote Körner aus seinen Knien pulen muss. Aber für uns war das das San Siro von Lübeck. Wir waren ein riesiger Haufen Jungs in der Grundschule. Und irgendwann haben wir gesagt, wir machen unsere eigene Liga. Es gab keine Trainer. Es gab keine Sponsoren. Es gab auch keine... Es gab keinen wirklichen Verband. Wir haben das einfach für uns als Grundschüler selbst organisiert. Jeder hat von uns sein Erspartes geopfert. So fünf bis zehn Mark hat jeder so in den Topf geworfen. Und als erstes sind wir in die Stadt gezogen und haben uns einen echten Pokal gekauft. Es war ein echter, glänzender, für uns majestätischer Pokal. Und der stand dann immer auf so einer kleinen Kiste. Oder am Spielfeldrand. Und wir haben dann, wenn wir gespielt haben, uns diesen angeguckt. Wir haben wochenlang rumgebolzt, Tore geschossen, gespielt. Wir haben natürlich vorher erst mal Mannschaften gegründet. Und wir mussten den Spielplan uns ausklügeln, so wie wir das halt irgendwie mit unserem kindlichen Verstand machen konnten. Und ich glaube, wir haben das ganz gut gemacht. Dabei haben wir natürlich dann viel geschwitzt. Wir haben geschrien und wir haben gefeiert. Und ich empfand das. Und es ist so jedenfalls in meinem Kopf geblieben als eine absolut grandiose Zeit. Und jetzt wollt ihr natürlich wissen, wer hat diesen Pokal geholt? Nun, meine Mannschaft war es nicht. Wir haben nicht gewonnen. Wir waren, glaube ich, sogar der letzte Platz. Aber es war wirklich eine schöne Zeit und wir haben alle miteinander gefeiert. Und das Faszinierende war, wir haben damals, ohne es zu wissen, glaube ich, auch eine Lektion für unser Leben gemacht. Und das Faszinierende war, wir haben damals, ohne es zu wissen, glaube ich, auch eine Lektion für unser Leben gemacht. Wir haben gelernt. Und das ist viel mehr wert als dieses Stück Blech, was wir uns damals für, weiß nicht, 50 Mark damals gekauft haben. Wir haben gelernt, du kannst den genialsten Stürmer der ganzen Schule in deinem Team haben. Aber wenn der Ball nicht abgegeben wird, verliert man oft. Gegen die Jungs, die dann auch miteinander spielen. Also auf diese Lektion. dieser roten Erde in Lübeck ging es um das Spiel, um die Leidenschaft und um das Team. Da zählte für uns einfach das Miteinander, die Gemeinschaft, die wir da miteinander hatten. Aber wie schnell dieser Geist verloren gehen kann, sehen wir, wenn das eigene Ego die Führung übernimmt. Und das passiert nicht nur auf dem Bolzplatz, das passiert auf der ganz großen Bühne des Lebens. Es gibt eine vierteilige Dokumentation, die es in der ZDF-Mediathek gibt und auch auf YouTube und die heißt WM 1994, elf Helden, ein Albtraum. Und diese Doku blickt zurück auf die Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Deutschland reist damals als amtierender Weltmeister an. Die Mannschaft war vollgestopft mit Weltstars, mit unfassbarem Talent und eigentlich war das nicht so, dass wir die perfekte Voraussetzung, um zu gewinnen, wenn es dann auch zählt. Doch die WM wurde zu einem sportlichen und menschlichen Desaster, das im Viertelfinale gegen Bulgarien dann auch endete. Und die Dokumentation arbeitet dabei heraus. Warum? Weil da zwar elf Genies auf dem Platz standen, aber keine Mannschaft. Es herrschte ein mörderischer Konkurrenzkampf. Da gab es die Fraktion um Luther Matthäus, dann die Fraktion um Jürgen Klinsmann und mittendrin zerrieb sich alles. Und Mario Basler war damals dabei und der bringt es in dieser Dokumentation in einem Interview in der Rückschau auf den Punkt. Und er redet über diesen alten Mythos von diesem deutschen Teamgeist und sagt ungeschminkt elf Freunde von wegen. Das war Luke und True. Und das war ein ehrliches Eingeständnis von ihm. Wir haben nach außen das Trikot der Nationalmannschaft getragen, aber im Herzen hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht. Es ging um Egos, um Werbeverträge, um Machtkämpfe. Und jeder wollte der Star sein. Und das Ergebnis? Ein Albtraum. Sie haben verloren, als es zählte. Wenn wir ehrlich sind, ist das kein reines Fußballproblem. Das ist das Grundproblem unseres Schmenzschweins. Wir alle wollen gewinnen, wenn es zählt. In unserer Ehe, in unserer Familie, auf unserem Arbeitsplatz, in der Schule. Ja, auch hier in der Gemeinde. Wir wollen, dass vielleicht Gemeinschaft gelingt. Wir sehen uns nach Einheit, aber wie oft erwischen wir uns dabei, dass wir im Alltag genau diese vielleicht meistens kleinen Machtkämpfer haben. Nach außen hin lächeln wir, wir singen die Lieder, wir unterschreiben vielleicht auch den Arbeitsvertrag, wir sagen Ja vom Altar, aber im Alltag dominiert dann doch die kleinen galligen Egos. Wer hat Recht? Wer wird mehr gesehen? Warum kriegt der Kollege mehr Lob als ich? Warum muss ich mich eigentlich immer entschuldigen? Oder der Lehrer hat mir gar nichts zu sagen. Und wenn das passiert, ziehen wir das alte Ego-Trikot an. Wir werden zu Einzelkämpfern, die zufällig dasselbe Gebäude auch teilen. Und dann scheitern wir an den Beziehungen, die uns eigentlich am wichtigsten sind. Wir verlieren genau dann, wenn es zählt. Aber was wäre, wenn wir uns nicht mehr so einig sind? Was wäre, wenn wir uns nicht mehr so einig sind? Was wäre denn der wahre Gewinn? Es ist ja kein Blechpokal, den wir uns ins Wohnzimmer stellen. Der echte Gewinn, nachdem wir uns doch alle sehen, sind heile Beziehungen. Der Gewinn ist eine Ehe, in der man sich blind vertrauen kann. Der Gewinn ist ein Arbeitsplatz, an dem man nicht ständig das Messer im Rücken fürchten muss. Der Gewinn ist eine Gemeinde, die sich anderen, wie auch ein sicheres Zuhause anfühlt. Das ist der eigentliche Pokal. Aber den gewinnen wir nicht mit den alten Ego-Trikots. Nun könnte man ja sagen, ach Mensch, dann streng dich halt mal an, sei mal ein bisschen netter, nimm dich mal zurück, reiß dich zusammen. Aber genau hier unterscheidet sich die Botschaft der Bibel von einer billigen Moralpredigt. Gott gibt uns heute keine Verhaltensregeln für besseres Teamplay. Er gibt uns eine völlig neue Identität, aus der wir uns heraus neu verhalten. Der Apostel Paulus schreibt aus dem Gefängnis an die Gemeinde in Ephesus und an die Gemeinde in Philippi. Und das waren keineswegs perfekte Gemeinden. Da gab es ordentlich Zoff im Team. Und Paulus sagt ihnen nicht, ihr müsst moralisch besser werden. Er sagt, schaut hin, wer ihr in Christus seid. Wer ihr in Christus seid. Hören wir uns einmal die Worte zunächst aus Epheser 4, die Verse 22 bis 24 an. Legt von euch ab den alten Menschen mit seinen früheren Wandel, der sich durch die trügerischen Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Ich würde es mal so sagen, Paulus nutzt hier das Bild einer Umkleidekabine. Er sagt, raus aus den alten Klamotten. Also wenn ihr zum Training kommt und deine Sachen sind komplett noch verschwitzt und voller Schlamm und stinken noch vom letzten Training oder vom letzten Spiel, dann zieht ihr die doch nicht wieder an. Der alte Mensch, das ist unser Ego-Trip. Dieses ständige Kreisen um sich selbst, das Misstrauen, die Rechthaberei, das Nachtragen der Neid, die Geltungssucht, die Manipulation anderer, die Missgunst und so weiter. Paulus sagt, das richtet euch am Ende zugrunde. Das zerstört das Spiel, das zerstört eure Beziehungen. Aber, und das ist das Entscheidende, du musst dir das neue Kleid oder dieses neue Trikot nicht selbst nähen. Du musst dir die Demut nicht krampfhaft abbringen. Du ziehst etwas an, das schon längst bereit liegt. Der neue Mensch ist eine Neuschöpfung Gottes. Und wie sieht dieses neue Gewand aus? Und dazu wechseln wir einmal in die Kabine und schauen nach Philippa 2. Da heißt es ab Vers 3, Tut nichts aus Eigennutz oder um eidliger Ehre willen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was dem anderen dient. Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht. In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Und wenn wir das so sehen, dann ist das eine große Herausforderung. Wenn wir das Wort Demut hören, in unserer Gesellschaft zucken viele heute oft zusammen. Wir denken an Duckmäuschentum, an Schwäche, an jemanden, der sich zum Fußabtreter machen lässt. Aber ich denke, das ist ein Missverständnis. Rick Warren hat in seinem Buch Leben mit Vision geschrieben, Demut bedeutet nicht, dass ich weniger von mir selbst denke, sondern dass ich weniger an mich selbst denke. Es ist also die Freiheit, nicht permanent, um das eigene Spiegelbild kreisen zu müssen. Und warum können wir das? Weil wir einen Spielmacher haben, der uns diesen Weg freigespielt hat. Der Text sagt, seid so gesinnt, wie es Christus entspricht. Jesus Christus hatte den höchsten Status, den man überhaupt haben kann. So heißt es in den darauffolgenden Versen im Philippabrief. Er war gottgleich, er saß auf dem Thron, aber er hat diesen Status nicht festgehalten wie eine Beute. Er hat sich selbst entäußert, hat die Kapitänsbinde abgegeben, hat das Knechtstrikot angezogen und ist ganz tief hinabgestiegen bis zum Tod am Kreuz. Und warum hat er das getan? Warum hat er das getan? Weil er den Ball abgegeben hat, damit wir das Tor schießen können. Er hat sein Leben gegeben, um uns aus unserem Ego-Albtraum auch zu befreien. Und das ist keine Moral, das ist einfach pure Gnade, die Gott uns entgegenbringt. Unser geistlicher Sieg wird nicht dadurch errungen, dass wir uns moralisch zusammenreißen, sondern er ist bereits errungen worden. Und das ist eine große Herausforderung. Und das ist eine große Herausforderung. Wenn du morgen zur Arbeit gehst oder in deine Familie kommst, in deinen Freundschaftskreis, suchst du eher das Solo, um selbst zu glänzen, oder bist du bereit, den Ball auch abzuspielen? Kannst du den anderen nach vorne schieben, ihn groß machen, sein Talent fördern und dich vom Herzen mitfreuen, wenn er ein Treffer landet? In der Gesinnung Jesu zu leben heißt, eine Kultur der Torvorlagen, die du in deinem Leben schaffst, die du in deinem Leben schaffst, die du in deinem Leben schaffst, die du in deinem Leben schaffst, die du in deinem Leben schaffst, die du in deinem Leben schaffst, die du in deinem Leben schaffst, die du in deinem Leben schaffst, und es bedeutet zweitens, deck den Rücken deines Mitspielers. Jeder im Team hat sicherlich mal einen schlechten Tag. Der Partner vergisst etwas, der Kollege macht einen Fehler, der Bruder in der Gemeinde verhält sich ungeschickt. Aber was machen wir dann? Siehst du sofort das Trikot des Schiedsrichters an, holst du die gelbe Karte raus, und pfeifst ihn zurück, oder hältst du ihm den Rücken frei? Paulus schreibt im Epheserbrief weiter, redet, was gut ist, was erbaut und was im Moment notwendig ist. Und das heißt im Klartext, wenn weniger übereinander reden, sondern mehr miteinander. Wenn ein Mitspieler am Boden liegt, treten wir nicht nach, sondern wir laufen einen Meter für ihn mit. Und wisst ihr, was dann passiert? Dann entsteht nämlich echter Frieden. Und das ist der Moment, in dem aus Kollegen plötzlich auch Freunde werden. Das ist der Moment, in dem eine festgefahrene Ehekrise vielleicht aufbrechen kann, weil einer aufhört, Recht haben zu wollen. Die Freiheit von unseren eigenen Ego-Trips ist der größte Gewinn für unsere psychische Gesundheit und für die Menschen um uns herum. Er heilt unsere Beziehungen. Und du musst diese Kraft nicht aus dir selbst holen. Wenn du morgen aufstehst, schau auf Jesus und sag, Herr, danke, dass du mir heute dein Gewand schenkst. Ich muss heute nicht selbst mich irgendwie beweisen, ich bin geliebt, ich bin von dir angenommen. Lass mich heute in deinem Team spielen. Gewinnen, wenn es zählt. Das entscheidet sich nicht auf den glitzernden Tribünen dieser Welt und auch nicht bei dieser Weltmeisterschaft an diesen Tagen. Das entscheidet sich morgen früh am Küchentisch. Das entscheidet sich in deinen Konflikten. Das entscheidet sich in unserer Einmütigkeit in unserer Gemeinde. Gott baut hier keine Ansammlung von Solo-Stars. Er baut einen lebendigen Leib, also ein echtes Team, die miteinander spielen. Wir sind Teil von etwas viel Größerem. Und diese Predigt heute ist nur ein Puzzlestück im großen Plan Gottes für unser Leben und für diese Stadt. Lassen wir das Lug und Trug der Egos hinter uns. Kehren wir zurück zu dieser Ego. Dieser echten, puren Leidenschaft, die, wie ich zum Beispiel damals als Kind auf dem Bolzplatz hatte, wo es einfach nur eine Riesenfreude war, dazuzugehören, füreinander zu laufen und ein gemeinsames Ziel vor Augen zu haben. Das neue Gewand liegt bereit. Jesus hat es mit seinem Leben bezahlt und schenkt es uns jeden Tag neu. Und vielleicht bist du heute Morgen hier und merkst tief drin, ich habe dieses Trikot nie bewusst angezogen. Ich renne mich auf den Platz meines Lebens eigentlich nur noch müde, weil ich alles alleine im Ego-Modus schaffen möchte. Und dann gilt diese Einladung heute dir ganz persönlich. Du musst kein perfekter Spieler sein. Du musst dich für dieses Team nicht erst qualifizieren. Jesus hält dir sein Trikot hin. Du darfst heute in deinem Herzen einfach Ja zu ihm sagen. Deine alte Last in der Kabine lassen und in sein Team wechseln. Und für uns alle gilt, gehen wir raus, ziehen wir es an und spielen wir so, wie er es uns gezeigt hat. Denn unser Pokal glänzt nicht im Regal. Unser Pokal sind versöhnte Familien. Es sind ehrliche Freundschaften. Und es ist eine Gemeinde, in der die Liebe Jesu spürbar ist. Wenn seine Haltung, die Liebe Jesu in uns siegt, dann gewinnen wir wirklich. Genau dann, wenn es zählt.