Wenn ich sonntags durch diese Türen hier komme, läuft in meinem Kopf meistens schon ein unsichtbarer Countdown. Ich habe nämlich eine ganze Liste an Dingen im Kopf. Was muss ich eigentlich erstmal tun? Heute musste ich den Laptop oben hinstellen für Eli, der oben den Beamer macht. Ich musste ihm nochmal schnell meine Predigt ausdrucken, die Texte markieren, damit er auch richtig klickt, wenn die Präsentation hinter mir läuft. Dann denke ich daran, okay, wen muss ich heute noch ansprechen? Alex, für dich habe ich heute deinen persönlichen Kopierercode. Helmut, dich wollte ich noch ansprechen. Helga, dich. Annette, dich auch. Und dann wurde ich selber noch angesprochen. Wie läuft es eigentlich nächsten Sonntag?
Und, und, und, und. Das sind Dinge, die jeden Sonntag immer mal wieder vorkommen, in unterschiedlicher Form. Letzte Woche zum Beispiel gab es noch ein paar Parts, die offen waren vor dem Gottesdienst. Und wo ich noch Leute spontan angesprochen habe, könnt ihr was machen? Und ich habe eigentlich, ich habe eigentlich, den Ablauf ja so im Kopf. Und frage mich dennoch, ist das alles richtig? Passt das? Und da merke ich selbst, ich bin in diesem Moment gar nicht so richtig offen. Ich bin eher in so einem Modus, in so einem Manager-Modus. Und ich gucke eher gar nicht so die Person an, sondern eher nur noch die Funktion, die Aufgabe. Und das ist schade, wenn wir in so einen Gottesdienst kommen oder wenn ich in einen Gottesdienst komme, und erst nur die Funktionen oder die Aufgaben sehe.
Ich sehe nicht den Menschen. Ich sehe den Mitarbeiter. Ich sehe den Gesprächsbedarf. Ich sehe den nächsten Programmpunkt. Und vielleicht habt ihr sonntags keinen Ablaufplan im Kopf, wenn ihr in die Gemeinde kommt. Aber ich habe beobachtet, dass uns das im ganz normalen Gemeindealltag oft erstaunlich ähnlich geht. Wir bewegen uns, wenn wir in die Gemeinde kommen, dann haben wir einen Ablaufplan. Wir bewegen uns in unseren festen Kreisen. Wir gehen vielleicht zur Bibelstunde. Wir sitzen im Teenie-Kreis. Wir gehen zum Frauenfrühstück oder zur Kaffeegemeinschaft. Und dabei machen wir oft das, was wir immer machen. Wir setzen uns auf dieselben Plätze, neben dieselben Leute. Wir trinken unseren Kaffee und starten meistens die Gespräche mit denselben Fragen.
Wir haben uns das so angewöhnt. Und dabei schauen wir oft genauso funktional, auch wenn vielleicht nicht bewusst, auf unseren Sitznachbarn wie ich auf meinem sonntäglichen Ablauf. Warum fällt es uns eigentlich oft so schwer, wirklich hinzuschauen und auch das Potenzial in unserem Gegenüber zu entdecken? Manchmal liegt es an einer ganz bequemen Annahme. Wir denken ganz unbewusst, das wird sich schon von alleine regeln. Wenn jemand etwas gut kann, wird er sich schon melden. Gott wird das schon irgendwie führen. Und ja, das stimmt. Gott wirkt und Gott führt. Aber wir vergessen dabei leicht, dass Gott meistens uns als einzelne Person gebrauchen möchte, um genau das bei jemand anderen anzustoßen.
Und wir warten darauf, dass sich Dinge von allein entwickeln oder verlassen uns darauf, dass die Gemeindeleitung oder schon irgendjemand anders das organisieren wird. Und wenn wir ganz ehrlich sind, gibt es auch noch ganz andere Gründe, die uns oft zurückhalten, etwas im Anderen zu sehen und auch zu fördern. Da ist die Angst vor Kontrolle oder Kontrollverlust. Wenn ich jemanden ermutige, etwas Neues zu tun, wird es vielleicht nicht so, wie ich mir vorstellen kann. Diesen Gedanken hatten wir letzte Woche auch schon. Da ist die Angst vor Konflikten. Was, wenn mein Gegenüber das gar nicht will? Oder ganz schlicht die Angst vor Versagen. Jemand anderen aufzubauen, kostet ja Zeit und Kraft. Und manchmal kostet es auch ganz real Investitionen.
Also ich würde heute hier nicht vorne stehen, wenn es in meiner Vergangenheit nicht Menschen gegeben hätte, die etwas in mir gesehen haben und bereit waren, dafür einen Preis zu zahlen. Da gab es Leute, die haben mir Bücher geschenkt, auch theologische Bücher. Andere haben in mich investiert und vielleicht eine Konferenz oder eine Schulung für mich bezahlt, die ich mir selber gar nicht leisten konnte. Sie haben Zeit, Geld, und Vertrauen in die Hand genommen, weil sie etwas in mir gesehen haben. Wenn wir in die Bibel schauen, sehen wir, dass Jesus genau diesen investierenden Blick für Menschen hatte. Er hatte da keine Checkliste mit Aufgaben in seinem Kopf, die er einfach an die fähigen Leute seiner Zeit verteilen wollte.
Wir finden in Matthäus 2, wir finden in Matthäus Evangelium in Kapitel 4, Vers 19 eine Szene, die für Menschen alles verändert und für uns hoffentlich auch einen Perspektivwechsel bietet. Jesus geht am See Genezareth entlang. Er sieht zwei Brüder, Simon und Andreas, und das sind ganz gewöhnliche Fischer. In unserer letzten Predigtreihe, den Tiefgängern, wer sich daran erinnern kann, haben wir uns intensiv damit auch beschäftigt, was es heißt, Jesus ähnlicher zu werden. Und vielleicht erinnert ihr euch noch daran, wie das religiöse System zur Zeit Jesu eigentlich funktionierte. Wenn jemand damals einen Rabbi nachfolgen wollte, musste er sich bei einem Rabbi bewerben und vorher die ganzen Schulsysteme durchlaufen haben.
Er musste dann eine theologische Prüfung ablehnen, und er musste beweisen, dass er klug und gebildet genug für diesen Rabbi ist. Und das System sagte, zeig mir erst, was du kannst, und dann erlaube ich dir, dabei zu sein. Und Jesus bricht dieses System hier komplett auf. Er wartet nicht auf irgendwelche Bewerber. Er geht dorthin, wo Menschen leben und arbeiten. Und er tritt mitten in ihren Alltag am See. Am See hinein. Und man muss sich das einmal plastisch vorstellen. Da stehen diese Männer, ihre Hände sind schwierig von der harten Arbeit. Sie riechen nach See und Fisch. Und sie flicken ihre Netze. Und für die damalige religiöse Elite in Jerusalem waren diese Männer völlig untauglich, einem Rabbi nachzufolgen.
Sie waren einfache Handwerker. Vielleicht waren sie als Kinder in der Synagogenschule nicht die Besten gewesen und wurden deshalb zurück in den Familienbetrieb geschickt. Religiös gesehen waren sie die zweite Wahl, vielleicht sogar die dritte Wahl oder vierte Wahl. Und Jesus sieht, das sieht doch ganz anders. Er sieht nicht primär, was sie in diesem Moment sind. Er sieht, wer sie durch seine Kraft werden können. Und er ruft ihnen zu. Kommt, folgt mir nach. Ich will euch zu Menschenfischern machen. Und in der ersten Predigt zu dieser Serie haben wir uns an einen wichtigen Gedanken erinnert. Wer immer alles alleine machen will, wird schnell zum Nadelöhr für andere. Gut, bei Jesus liegt die Sache natürlich etwas anders, denn er ist der souveräne Sohn Gottes.
Aber als Jesus Mensch wurde, hat er sich ganz bewusst den Begrenzungen von Raum und Zeit unterworfen. Und er konnte als Mensch am See Genezareth physisch nur an einem einzigen Ort gleichzeitig sein. Und er wusste genau, wenn die gute Nachricht die ganze Welt erreichen würde, muss sein Werk in die Hände anderer gelegt werden. Er durfte nicht das Nadelöhr bleiben, durch das alles hindurch fließen muss. Und deshalb sucht er diese unfertigen Fischer auf. Wenn wir genau hinhören, merken wir etwas Erstaunliches. Jesus sagt nicht zu ihnen, kommt, folgt mir nach, ich mache euch jetzt zu hochgelehrten, studierten Theologen. Er nimmt das, was sie als Fischer ausmacht und gibt dem Ganzen eine ganz völlig neue Dimension.
Was sieht Jesus in den Männern, dass sie selbst noch gar nichts vielleicht sehen? Er sieht Menschen, die geduldig warten können. Denn am See warten, wartet man oft stundenlang auf den richtigen Moment. Er sieht Menschen, die im Team arbeiten. Denn die Schwächen sind nicht die Schwächen, die die Schwächen sind. Denn die schweren Netze konnte niemand alleine aus dem Wasser ziehen. Und er sieht Menschen, die Stürme aushalten, die zäh sind und nicht beim ersten Gegenwind aufgeben. Jesus schaut Simon und Andreas an und sagt quasi, all das, was euren Alltag bisher ausgemacht hat, eure Ausdauer, eure Teamfähigkeit, eure Zähigkeit, genau das brauche ich. Genau das brauche ich. Ich sehe diese Eigenschaften in euch und ich sehe, wie Gott sie gebrauchen wird, um eine weltweite Bewegung zu starten.
Und dabei dürfen wir eines nicht übersehen. Jesus ruft hier keine Männer, die ab diesem Moment alles richtig machen. Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird. Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird. Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird. Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird. Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird. Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird.
Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird. Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird. Er ruft Simon Petrus, von dem wir ja dann wissen, dass er später zweifeln wird und im Wasser auch untergehen wird. Jesus wusste das alles vorher und er sah die Schwächen, aber er sah eben auch das, was Gottes Geist aus Petrus formen würde. Jesus verlangt bei der Berufung der beiden Fischer also keinen Leistungsnachweis, keine Prüfung, nichts, was sie irgendwie erstmal vorführen müssen. Er beginnt mit einem Zuspruch. Er gibt Simon und Andreas eine völlig neue Identität, noch bevor sie überhaupt verstanden haben, worum es geht und bevor diese Identität in ihnen auch Realität geworden ist.
Er gibt ihnen einen riesigen Vertrauensvorschuss und damit auch die Erlaubnis, Fehler zu machen. Und das ist der Beginn echter Jüngerschaft. Dass jemand größer von dir denkt, als du es in diesem Moment selbst tun kannst. Nun, was bedeutet das für unseren normalen Gemeindealltag? Wenn wir diesen Blick Jesu übernehmen wollen, dann bedeutet das auch für uns, dass wir uns von unserem Perfektionismus verabschieden dürfen. Wir müssen keine fehlerfreien Profis suchen und auch nicht werden. Und wir müssen selbst keine perfekten Vorbilder werden. Wir dürfen Menschen in unserem Umfeld ermutigen, wohlwissend, dass sie vielleicht stolpern werden. Und genauso wie Jesus Petrus ermutigt hat, dürfen wir das mit anderen machen.
Nun, wie übersetzen wir diese Ermutigung nun in unseren Gemeindealltag? Die Ricarda hat uns da schon ein gutes Beispiel gegeben. Wir haben ein Buch oder ich habe ein Buch gelesen, das heißt Hero Maker, deswegen auch die Predigtreihe. Das hat mich zu dieser Predigtreihe inspiriert. Und das beschreibt dafür eine Herangehensweise, die im ersten Moment schon fast zu simpel klingt. Es ist das Ich-sehe-in-dir-Gespräch. Ich sehe in dir. Das setzt etwas Grundlegendes voraus. Wir müssen unsere Augen... Wir müssen unsere Augen öffnen und Beziehungen unter uns leben. Du kannst niemandem ehrlich sagen, was du in ihm siehst, wenn du ihn nur oberflächlich kennst. Wir müssen Zeit miteinander verbringen, uns unterhalten und ehrliches Interesse am anderen haben.
Und dann braucht es im ersten Schritt den Mut, überhaupt den Mund aufzumachen. Oft behalten wir unsere positiven Beobachtungen ja für uns, weil wir denken, ach, der andere weiß das sowieso ja schon und vielleicht wollen wir uns ja auch selber nicht genieren. Aber diesen Zuspruch wirklich über die Lippen zu bringen, das ist der entscheidende Moment, den wir eigentlich innerhalb unserer Gemeinde oder im Gemeindekontext, nicht nur unserer Gemeinde, überhaupt in Kirchen brauchen. Und dann der zweite Schritt oder die zweite Frage ist dann, wie sagen wir das, ohne dass es auch komisch klingt. Wie sagen wir das, dass es nicht komisch klingt? Dieser Satz, ich sehe in dir, klingt für uns im ersten Moment vielleicht etwas ungewohnt.
Niemand von uns geht nach dem Gottesdienst zu jemandem und sagt feierlich, ich sehe in dir eine große theologische Gabe. So reden wir wahrscheinlich nicht miteinander. Aber wir dürfen diesen Gedanken ganz entspannt in unserer eigenen persönlichen Alltagsschule, Sprache auch übersetzen. Und das kann so klingen, wie Ricarda es zum Beispiel schon erzählt hatte. Oder vielleicht, ich habe mir mal zwei, drei Gedanken aufgeschrieben. Zum Beispiel weißt du, ich beobachte an dir, dass du eine unglaubliche Ruhe ausstrahlst, wenn es bei uns mal wieder runter und rüber geht. Oder mir ist aufgefallen, wie aufmerksam du heute zugehört hast. Du bist so warmherzig, du hast Ängste. Echt ein Händchen dafür, Menschen das Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind.
Oder ich kann mir richtig vorstellen, dass du beim nächsten Mal den kurzen Impuls in unserem Hauskreis übernimmst. Du hast immer so kluge Gedanken. Jeder Mensch sehnt sich eigentlich danach gesehen zu werden. Und alle brauchen manchmal jemanden. Und alle brauchen jemanden, der uns an die Hand nimmt und sagt, probier das aus. Ich glaube an dich. Und wenn wir jemandem so etwas zusprechen und ihn ermutigen, dann sollten wir ihm nicht in Regen stehen lassen. Ab da beginnt ein echtes gemeinsames Unterwegssein. Nehmen wir noch einmal das Beispiel mit dem Impuls aus dem Hauskreis. Nehmen wir noch einmal das Beispiel mit dem Impuls aus dem Hauskreis. Wenn der andere sich darauf einlässt, wie sieht so ein Begleitenden eigentlich aus?
Wie ist das praktisch? Beim ersten Mal machst du den Impuls. Und der andere schaut aufmerksam zu, guckt und analysiert so ein bisschen, wie macht er das eigentlich? Und beim nächsten Mal setzt ihr euch bei einer Tasse Kaffee zusammen und bereitet gemeinsam einen Impuls vor. Und der andere schaut aufmerksam zu, guckt und analysiert so ein bisschen, wie macht er das eigentlich? Und ein paar Wochen später hält er den Impuls und du sitzt einfach nur stärkend daneben, bereit einzuspringen, falls er den Faden verliert. Und danach könnt ihr euch auch darüber austauschen. Du kannst ihm Feedback geben. Und irgendwann macht er es ganz alleine und du sitzt einfach nur noch stolz im Raum und freust dich, dass er das alleine machen kann.
Und so funktioniert Ermutigung. Und genau so bauen wir einander auf. Stell dir vor, was für eine Atmosphäre in unserer Gemeinde herrschen würde, wenn wir alle mit diesem Blick durch die Reihen gehen. Eine Gemeinde, in der wir nicht darauf warten, dass sich Dinge von alleine regeln, sondern eine Gemeinschaft, in der wir uns gegenseitig aufmerksam beobachten und fördern, miteinander beten und auch Gott fragen, was hast du eigentlich in diese Person hineingelegt? Eine Gemeinde, in der ältere, jüngere Mut zusprechen. Eine Gemeinde, in der wir uns erlauben, auch mal unperfekt zu sein, weil das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird, viel größer ist als die Angst vor dem Versorgen. Also ich habe mir für die nächsten Sonntage jedenfalls vorgenommen, wenn ich durch diese Türen hinter mir komme, möchte ich meinen unsichtbaren Countdown ganz bewusst für einen Moment stoppen.
Ich möchte meinen unsichtbaren Countdown ganz bewusst für einen Moment stoppen. Ich möchte versuchen, nicht zuerst meine Checkliste, die Aufgaben zu sehen, sondern euch. Und ich lade euch ein, diesen Blick Jesu ebenfalls zu üben. Lass uns in der kommenden Woche genau das tun. Schau dich um, wen Gott dir in deinem Alltag anvertraut hat. Lern die Menschen kennen. Und dann fasst dir ein Herz und sprich aus, was du an Gutem, an Gaben und am Potenzial in den anderen Menschen siehst, weil Gott es in ihm schon hineingelegt hat. Amen.
