Vor zwei Wochen hatten wir hier den Abschluss unseres Gemeindeunterrichts und die haben mit euch Superhelden-Logos geraten. Das machen wir jetzt nicht nochmal. Ihr hattet Glück, dass so viele junge Menschen anwesend gewesen sind, die das dann für euch erraten haben oder die wussten, wie welche Superhelden dahinter stecken, hinter den Logos. Wir kennen das aber alle irgendwo aus Filmen, Figuren oder aus der klassischen Literatur. Es gibt die Helden, die Figuren aus diesen Filmen, Comics und sie stehen erstmal im Scheinwerferlicht. Sie retten die Welt und irgendwann kommt aber ein Zeitpunkt, ein Wendepunkt in ihrer Geschichte. Die Heldenreise ihrer Geschichte geht zu Ende, ihre Kraft geht zu Ende und ihnen wird klar, dass sie...
die nicht ewig im Zentrum stehen können. Batman zum Beispiel, einer meiner Lieblings-Superhelden, nimmt Robin an seine Seite und bildet ihn aus. Meister Yoda, Star Wars, vielleicht der ein oder andere kennt es, trainiert Luke Skywalker. Aber auch aus der klassischen Weltliteratur kennen wir das. Denken wir an Homers Odyssee aus der Antike, als Odysseus in den Trojanischen Krieg zieht, lässt er seinen jungen Sohn Telemachus zurück. Und er lässt ihn aber nicht allein, sondern ein älterer, kluger Freund namens Mentor, der soll seinen Sohn trainieren. Also der Mentor kämpft nicht an vorderster Front im Krieg, sondern er gibt seine Weisheit weiter. Und er befähigt den jungen Königssohn dazu, selbst zu einem gereiften Anführer zu werden.
und er befähigt den jungen Königssohn dazu, selbst zu einem gereiften Anführer zu werden. Oder denken wir an J.R.R. Tolkien, Herr der Ringe. Gandalf trägt den Schicksalsring nicht selbst nach Mordor. Er begleitet und schützt und ermutigt den kleinen Frodo, damit dieser über sich auch hinauswächst. Diese Motive spiegeln sich eigentlich auch in unserer Alltagswelt wieder. Denken wir zum Beispiel an einen Handwerksmeister. Ein Tischler verbringt Jahrzehnte in seiner Werkstatt. Er kennt vielleicht auch jedes Holz auswendig, blind. Er muss es nur ertasten und weiß schon, was für eine Holzart das ist. Wie er sein Wissen an die nächste Generation weitergibt. Er tritt einen Schritt von der Werkbank zurück.
Er lässt den Auszubildenden einfach machen. Er nimmt in Kauf, dass er es auch Fehler gibt, weil er weiß, dass Menschen genau auch dadurch, dass sie sich nicht mehr so gut fühlen, nicht mehr so gut sind. Er muss es auch durchlernen. Ein echter Held vollendet seine Aufgabe, wenn er aufhört, der einzige Hauptdarsteller zu sein. Er setzt seine Erfahrung ein, um den Nächsten dann auch stark zu machen. Das ist sein Erfolg. Wenn ich jetzt auf mein Leben schaue, auch als Pastor, dann frage ich mich am Ende der Woche, was ist eigentlich der Erfolg? Wie ist mein Erfolg gewesen dieser Woche? Wie bewerte ich Erfolg? Meine Woche endet meistens nach dem Gottesdienst, sonntags. Dann schaue ich, wenn die Stille eingekehrt ist, zurück in die Woche und frage mich, was habe ich denn eigentlich geleistet?
Was habe ich alles so gemacht? Da kommt gedanklich erst mal meine To-Do-Liste durch. Ich prüfe die ganzen Gespräche, die Teamsitzungen, die ich hatte, das, was ich vorbereitet habe an Gruppenstunden, Andachten, Predigt, Bibelstunde und so weiter. Und ich merke dabei jedes Mal, wie tief ich eigentlich von diesem gesellschaftlichen Leistungsgedanken geprägt bin. Ich neige dazu, meinen Ertrag oder meinen Erfolg daran festzumachen, was ich ganz persönlich geschafft und eigenhändig auch erlebt und erledigt habe. Und ich denke, wir alle kennen dieses Denken. Wir bringen diese Gewohnheit völlig automatisch dann auch noch mit in unser Gemeindeleben. Wir haben gelernt, Dinge auszudrücken, vor allem in Zahlen oder das, was erledigt worden ist, so wie Hartmut es auch am Anfang im Gottesdienst erwähnt hat.
Auf unseren Gemeindeversammlungen zeigen wir Präsentationen. Wir zeigen Diagramme über unsere Finanzen. Wir vergleichen die Einnahmen mit dem Vorjahr. Wir schauen uns die Einnahmen an. Wir schauen uns die durchschnittlichen Gottesdienstbesucherzahlen an. Und das geht noch weiter auf der Ebene unseres Gemeindebundes. Einmal im Jahr füllen wir eine Statistik aus. Äußerung des kirchlichen Lebens heißt das. Und wir zählen unsere eingetragenen Mitglieder. Wir erfassen die Taufen des Jahres. Wir listen unsere Kleingruppen auf. Wie viele Mitarbeiter zählen diese? Wie viele Teilnehmer? Und welche sind hauptamtlich? Welche sind ehrenamtlich? Wir schätzen diese Zahlen. Und wir orientieren uns nach denen.
Sie helfen uns bei der Planung auch für das nächste Jahr. Und gleichzeitig spüren wir doch alle ein tiefes Dilemma darin. Die wirklich wesentlichen Dinge unseres Glaubenslebens lassen sich da in so einer Excel-Tabelle nicht erfassen. Es gibt keine Jahresstatistik für eine 80-jährige Schwester oder einen 80-jährigen Bruder. Es ist eine große Herausforderung für die Kinder unserer Gemeinde, die jeden Tag im Stillen treu für unsere Jugendgruppe betet. Niemand erfasst in einer Grafik den Moment, in dem eine erschöpfte Mutter nach einem Gespräch auf dem Flur wieder neue Hoffnung schöpft. Wir übersehen sehr schnell das Eigentliche, wenn wir unsere Aufmerksamkeit ausschließlich auf die zählbaren Ergebnisse richten.
Wir stehen nun am Ende einer Predigtreihe. Die heißt Hero Maker. Und wir wollen mal nachfragen, was sind denn eigentlich die Maßstäbe Gottes? Woran erkennen wir eigentlich Erfolg, wenn wir über den Bau vom Reich Gottes nachdenken? Woran misst Jesus die Frucht unseres Glaubens? Und wir finden, wir finden eine prägende Antwort darauf im Johannesevangelium. Jesus befindet sich in Samaria. Er ist müde von der Reise. Er sitzt an einem Brunnen außerhalb der Stadt Sychar. Und im Kapitel 4, da ist diese berühmte Stelle von der Frau am Brunnen in Samarien, am Jakobsbrunnen. Aber ab Vers 31 lesen wir noch weiter. Unterdessen mahnten ihn die Jünger und sprachen, Rabbi ist. Er aber sprach zu ihnen, ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nichts wisst.
Da sprachen die Jünger untereinander, hat ihm jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen, meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. Sagt ihr nicht selber, es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte. Siehe, ich sage euch, hebt eure Augen auf und seht auf die Felder. Sie sind schon reif zur Ernte. Wer erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf das sich miteinander freut, der, der da sät und der, der da erntet. Denn hier ist der Spruch wahr. Der eine sät, der andere erntet. Ich habe euch gesagt, dass ihr euch nicht mehr auf die Felder seht. Ich habe euch gesandt zu ernten, wo ihr nicht gearbeitet habt. Andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.
Um diese Stelle noch in der Tiefe auch zu verstehen, müssen wir uns genau den Gedankenstrang von Jesus mal anschauen. Die Jünger kommen gerade aus der Stadt zurück. Sie haben Lebensmittel eingekauft. Sie sind gedanklich im rein, ich sag mal, Versorgungsmodus. Sie sind in der Stadt. Sie sind in der Stadt. Sie sind in der Stadt. Sie sehen ihren erschöpften Meister und sagen, Rabbi, du musst jetzt essen. Und Jesus knüpft an dieses physische Thema der Nahrung an, lenkt den Blick aber gleich noch sofort tiefer. Er spricht von einer ganz anderen Speise. Er erklärt ihnen, dass es etwas gibt, das ihn im Innersten nährt und auch stärkt. Und zwar den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat und Gottes Werk vollenden.
Und das bedeutet dieses Werk Gottes. Ja, was ist das eigentlich an dieser Stelle? Um das zu verstehen, müssen wir den Blick auf die Vorgeschichte richten. Während die Jünger beim Einkaufen waren, hat Jesus am Brunnen ein langes Gespräch mit einer samaritanischen Frau geführt. Es war eine Frau mit einer zerbrochenen, zerbrochenen Lebensgeschichte, geächtet von ihrer eigenen Dorfgemeinschaft. Und Jesus begegnet ihr mit Würde. Und er offenbart sich ihr als der Messias, der Geseibte, der Retter. Und dieses eine Gespräch verändert das Leben dieser Frau radikal. Sie lässt ihren Krug stehen, läuft begeistert zurück ins Dorf und erzählt den Menschen, kommt und seht, ich habe den Christus getroffen.
Genau in dem Moment. Als Jesus mit den Jüngern spricht, passiert etwas auf den Wegen rund um den Brunnen. Die Menschen aus dem Dorf haben auf die Worte der Frau gehört. Sie machen sich gemeinsam auf, auf den Weg zu Jesus. Und jetzt verstehen wir, warum Jesus die Metapher der Ernte gebraucht. Die Jünger denken in landwirtschaftlichen Fristen. Sie sagen, es dauert ja noch vier Monate bis zur Ernte. Und sie schauen. Auf den Kalender. Jesus sagt zu ihnen, hebt eure Augen auf. Schaut auf die Felder. Er zeigt mit der Hand auf die Gruppe von Samaritanern, die gerade aus der Stadt auf ihn zukommen. Die Felder sind schon reif zur Ernte. Die Ernte sind die Menschen. Ernte passiert genau dort, wo Menschen von der Liebe Gottes berührt werden, wo ihr Leben verwandelt wird und sie ins Staunen über Jesus kommen.
Und Jesus verknüpft diese Ernte mit einem gewaltigen Begriff. Er sagt, wer erntet, sammelt Frucht zum ewigen Leben. Und in den ersten drei Evangelien hören wir ständig von dem Reich Gottes. Aber im Johannes-Evangelium kommt dieser Begriff kaum vor. Johannes wählt stattdessen die Formulierung, die Formulierung ewiges Leben. Und die frühe Gemeinde und die Ausleger haben schnell erkannt, dass Johannes damit denselben Kern eigentlich beschreiben will. Wenn wir also nach dem Erfolg im Reich Gottes fragen, fragen wir nach dem Durchbruch des ewigen Lebens im Alltag der Menschen. Wir müssen uns klar machen, was das bedeutet. Ewiges Leben ist im Johannes-Evangelium keine bloße Vertröstung auf die Zukunft, es ist keine passive Wartehaltung, in der wir ausharren, bis wir irgendwann dann mal in den Himmel kommen.
Ewiges Leben beschreibt die unzerstörbare göttliche Realität, die genau jetzt durch Jesus Christus in die Welt auch hineinbricht. Ewiges Leben beginnt in dem Augenblick, in dem ein Mensch Gott erkennt und in eine lebendige Beziehung zu ihm eintritt. Und wir sehen dieses ewige Leben in der Geschichte von Sychar, also da in Samarien. Die Frau am Brunnen erfährt Vergebung und gewinnt ihre Würde zurück. Und eine ganze Dorfgemeinschaft gerät in Bewegung. Feindschaften beginnen zu bröckeln, Hoffnung zieht ein. Und das ist das ewige Leben in Aktion. Und wir dürfen diesen Maßstab auf unser eigenes Gemeindeleben auch übertragen. Wir dürfen diesen Maßstab auch übertragen. Ewiges Leben wird sichtbar, wenn eine Ehe neue Hoffnung schöpft.
Es wird greifbar, wenn jemand einen jahrzehntelangen Groll loslässt und auch vergibt. Es zeigt sich, wenn ein junger Mensch entdeckt, dass er von Gott geliebt und begabt ist. Wo immer das Leben Gottes in Menschen aufblüht, da geschieht Ernte. Und Jesus erinnert seine Jünger schließlich daran, dass niemand diese Frucht alleine bewirkt. Der eine sät, der andere erntet. Die Frau am Brunnen hat den Samen im Dorf gesät, indem sie da auch dann von Jesus erzählt hat, begeistert von ihm erzählt hat. Und die Jünger dürfen jetzt ernten, indem sie diese Menschen aufnehmen und begleiten. Am Ende freuen sich Seemann und Schnitter gemeinsam. Im Reich Gottes gibt es keine Einsamkeit des Erfolgs. Wir stehen alle auf den Schuhen.
Wir sind die Schultern derer, die vor uns gebetet, geglaubt und auch gearbeitet haben. Wie übersetzen wir diese Haltung in unseren ganz konkreten Gemeindealltag hinein? Unsere Gemeinde hat ein langes Leben schon, eine lange Geschichte. Wir haben über viele Jahrzehnte wertvolle Traditionen entwickelt. Wir haben feste Abläufe und funktionierende Strukturen. Und das ist alles. Ein großer Schatz. Und es gibt uns auch Stabilität. Gleichzeitig merken wir alle, wie schwer es für eine traditionsreiche Gemeinde ist, gewohnte Pfade auch zu verlassen und eine neue Kultur einzueben. Dinge zu wagen, die wir so vorher vielleicht noch nicht gemacht haben. Und das kostet Kraft. Für eine Gemeindeleitung ist es ein enormer Aufwand, solche Veränderungsprozesse erstmal von sich aus anzustoßen.
Und wenn wir spüren, dass wir in der Gemeinde nicht mehr so viel haben, dass wir uns mehr geistliches Wachstum wünschen oder neue Mitarbeiter wünschen, verfallen wir eigentlich eher schnell in einen altbekannten Reflex. Wir denken, da wir müssen erstmal Statistiken, Bedarfsbedürfnisse irgendwie aufzählen und dann Programme und Kurse anbieten. Wir überlegen sofort, ob wir dann etwas anbieten, was wir nicht können. Und wenn wir dann etwas anbieten, was wir nicht können, was wir nicht können, dann müssen wir erstmal einen Arbeitskreis gründen. Kurse, Seminare und Schulungen, die haben ja ihren Wert. Aber sie geben Orientierung und vermitteln auch dann Wissen. Aber wenn wir möchten, dass das Leben Gottes wirklich tief in unseren Alltag einsickert und zu einer echten Kultur unter uns wird, dann müssen wir uns ein bisschen mehr auf die Welt einigen.
Und wenn wir das nicht tun, dann müssen wir erstmal einen Arbeitskreis gründen. Und wenn wir das nicht tun, dann müssen wir erstmal einen Arbeitskreis gründen. Und wenn wir das nicht tun, dann müssen wir erstmal einen Arbeitskreis gründen. Wir müssen die Programme auch an ihre Grenzen. Wir können geistiges Wachstum nicht einfach veranstalten. Es muss organisch geschehen, also natürlich. Es muss viel natürlicher werden und darf sich nicht wie ein weiteres Projekt anfühlen, das wir zusätzlich in unseren ohnehin schon vollen Kalender dann reinquetschen. Denken wir an das Leben in einer gesunden Familie. Kinder lernen das Leben nicht durch ein vielleicht wöchentliches Theorieseminar von ihren Eltern am Esstisch.
Sie lernen durch das Miteinander im ganz normalen Alltag. Sie schauen den Eltern beim Kochen zu oder stehen auf ein Trittbrett, auf dem Hocker, an der Arbeitsfläche, um dann mitzuhelfen. Sie helfen vielleicht auch beim Wäsche waschen. Sie dürfen zuschauen, wie der Vater oder die Mutter ein Loch in ein Holzscheit bohrt und bekommen irgendwann vielleicht auch selbst mal den Bohrer in die Hand. Sie lernen am Familientisch, wie man gemeinsam malt, wie man miteinander gestaltet, aber auch wie man Streit löst und wie man mit Konflikten umgeht. Vieles davon lernen sie einfach dadurch, dass sie dabei sind. Und dass die Eltern ihnen Anteil an ihrem normalen Leben geben. Und das ist, sag ich mal, dieser natürliche Prozess, dieser organische fortlaufende Prozess, von dem ich eben sprach.
Der Prozess des Begleitens. Genau diesen familiären Stil brauchen wir auch in unserer Gemeinde. Warum fällt uns das aber so schwer? Warum entstehen diese Orte? Dieses organische Miteinander? Warum entsteht das nicht von selbst bei uns? Und ich habe da mir ein paar Gedanken gemacht. Ich denke, wir stehen uns oft auf zwei unbewusste Haltungen selbst im Weg. Auf der einen Seite gibt es das Motiv der behutsamen Zurückhaltung. Viele, ich sag mal, erfahrene Christen halten sich bewusst im Hintergrund. Sie sagen sich, ich möchte mich nicht aufdrängen, ich möchte nicht stören. Ich will nicht übergriffig wirken und den Jüngeren das Gefühl geben, ich würde alles besser wissen. Ich bleibe lieber ruhig im Hintergrund.
Und auf der anderen Seite existiert eine passive Erwartungshaltung. Manche sitzen sonntags auf dem Stuhl und denken, ich habe in den letzten Jahrzehnten so viel mit Gott erlebt. Wenn die Jüngeren Fragen haben, können sie jederzeit auf mich zukommen. Ich erwarte, dass sie sich melden. Und die Jüngeren oder diejenigen, die neu im Glauben sind, denken zur selben Zeit genau das Gegenteil. Ach, die Erfahrenen haben ihre festen Freundeskreise vielleicht und ihre Aufgaben. Sie wirken auch sehr beschäftigt. Und ich traue mich, sie nicht wirklich anzusprechen. Ich will da. Sie nicht irgendwie stören. Oder aber auch andersrum, von wegen auch die Erwartungshalten, wenn die mir was zu sagen haben, dann sollen sie ruhig kommen.
Und das ist so, als würden wir im Auto sitzen, schauen auf das grüne Licht und warten darauf, dass der Wagen irgendwie von alleine losfährt. Niemand tritt aufs Gaspedal. Beide Seiten warten auf das Gegenüber. Beide Seiten verharrten. Beide Seiten waren in der Passivität. Und wir dürfen dieses Muster durchbrechen, indem wir selbst den ersten Schritt wagen. Wenn ich von Erfahrenen spreche, meine ich nicht automatisch das Lebensalter auf dem Papier. Jemand kann mit über 60 Jahren zum Glauben kommen und steht dann erst mal ganz am Anfang seiner Reise. Mit Jesus. Ein anderer ist vielleicht Mitte 30, glaubt aber seit seiner Kindheit und hat eine tiefe Geistigkeit. Er hat eine geistliche Reife auch erlangt.
Erfahrene sind diejenigen, die Gottes Treue in den Stürmen des Lebens auch erlebt haben. Und wenn du zu diesen Erfahrenen gehörst, überwinde deine Scheu. Du drängst dich nicht auf, wenn du echtes Interesse an einem Menschen zeigst. Lade jemanden auf einen Kaffee ein. Erzähle ehrlich von deinen Siegen und deinen Niederlagen auch im Glauben. Nimm jemanden mit in deine Aufgaben. Lass ihn zuschauen, mitmachen und auch Fehler machen. Und wenn du dich zu den Jüngeren im Glauben zählst, warte nicht auf eine offizielle Einladung oder ein neues Gemeindeprogramm. Geh auf jemanden zu, dessen Glauben du auch schon schätzt. Frage diese Person nach ihren Erfahrungen. Bitte um Rat bei schwierigen Lebensentscheidungen.
Ganz egal. Wenn du dich heute zu den Erfahrenen oder zu den Jüngeren zählst. Wir alle stehen vor der Entscheidung, wie wir unser Leben in dieser Gemeinde auch gestalten wollen. Ändere deinen persönlichen Maßstab für den Erfolg deiner Woche. Wenn du am Sonntag nach dem Gottesdienst auf die vergangenen Tage zurückblickst, frag dich nicht nur, was du selbst geschafft hast. Zähle doch die Momente. In denen du jemanden ermutigt hast. Zähle die Augenblicke, in denen du Zeit investiert hast, damit ein anderer Mensch im Glauben aufblühen kann. Woran werden wir in ein oder zwei Jahren merken, dass diese Haltung in unser Gemeinderaum gegriffen hat? Wir werden eine Kultur der gegenseitigen Aufmerksamkeit wahrscheinlich erleben.
Wir werden uns von der Gemeinde nicht mehr so sehr erinnern. Wir werden uns vom Herzen über die Gaben und das Wachstum der Menschen neben uns freuen. Wir begreifen dann tief in unserem Inneren, wenn die Frucht am Baum meines Nachbarn wächst, ist das unser gemeinsamer Gewinn und darüber dürfen wir freuen. Lasst uns eine Gemeinde von echten Wegbegleitern sein. Wir müssen nicht die einsamen Helden unserer eigenen Geschichte sein. Wir dürfen Verantwortung teilen. Wir investieren unser Leben, unsere Erfahrungen, unsere Gebete in die nächste Generation, damit das unzerstörbare Leben Gottes, das ewige Leben, mitten unter uns auch sichtbar wird. Amen.
